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“Bot Wars” – mit Indie-Teaser Hollywood ködern

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© Alex&Steffen

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Steffen Hacker arbeitet als VFX-Supervisor bei der Unexpected GmbH in Stuttgart und bildet zusammen mit Alexander Kiesl das Regie-Duo Alex & Steffen. Das Hauptaugenmerk ist auf kommerzielle Werbefilme (anscheinend mit einem Fetisch für Roboter) gerichtet, aber Hacker ist auch ein großer Unterstützer der Indie-Szene. Der 35-Jährige ist Mitbegründer des bekannten Filmerforums Hackermovies.com (Hackermovies steht also nicht für illegale Filmdownloads ;-D) und hat auch bei Indie-Filmen wie “Der Teufel von Rudow” (2004), “Kampfansage – Der letzte Schüler” (2005) und “Break” (2009) mitgearbeitet.

Außerdem ist er einer der besten Vortragenden zum Thema VFX, den ich kenne (Falls jemand mal die Chance hat, einen seiner Vorträge zu besuchen… Hingehen! Eine absolute Empfehlung!) Noch dazu arbeitet Hacker mit dem z.T. in Asien spielenden Indie-Film “On The Run” (Arbeitstitel) an seinem Debüt als Spielfilmregisseur. Die freien Tage in seinem Kalender sind also vom Aussterben bedroht. Aber eigentlich will ich ja gar nicht darüber schreiben, wie cool ich die Arbeiten eines Steffen Hackers finde, sondern darüber:

In den letzten Wochen geistert ein Teaser durchs Netz: “Bot Wars”! Den Film dazu gibt es noch nicht, vorerst handelt es sich nur um einen “proof of concept”-Teaser, mit dem mögliche Produzenten angelockt werden sollen. Der Clip stammt vom eben genannten Regie-Duo Alex & Steffen – und obwohl das geplante Endergebnis ein Hollywood-High-Budget-Produkt werden soll, ist der Teaser selbst das beste Beispiel, was momentan im Independent-Bereich möglich ist. Der HomeMovieCorner stellte diesbezüglich die beiden Filmemacher zur Rede.

© Alex&Steffen

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“Bot Wars” basiert auf dem gleichnamigen Roman der US-Autorin J.V. Kade. “Den Stoff haben wir vor ca. zwei Jahren angefangen zu adaptieren, um dann zusammen mit zwei Autoren aus Los Angeles das Drehbuch zu schreiben“, erzählt Kiesl im Interview. “Letzten September haben wir dann etwas Geld investiert und den Trailer dazu in Toronto gedreht, um das Projekt anzuschieben, weil ja kein Mensch in Hollywood auf zwei deutsche Regisseure wartet. Da muss man schon beeindrucken und richtig auf sich aufmerksam machen.”

Obwohl der Teaser hochprofessionell ist, wurde der Film absolut independent gedreht. “Unser eigenes Geld, unsere Nachtschichten”, betont Kiesl. “No-budget war es nicht, wir haben jedes Team-Mitglied für die drei Drehtage regulär bezahlt, wir wollten keine Gefallen einfordern. Es ist sich aber nicht immer ausgegangen. Zum Beispiel hatten wir kein kein Geld für Ausstattung – und so haben Alex und ich am Abend vor dem Dreh selber die Plastikhelme der Soldaten mit Camouflage-Stoff beklebt – und auch einige Teile des Drehs mussten Hackermovies-Guerilla-mäßig laufen, weil wir so viele Locations und Vignetten anders gar nicht geschafft hätten”, ergänzt Hacker. “Das sieht man z.B. in der Szene im Making Of, wo ich mit dem Kamera-Rig in der Hand den Hauptdarsteller verfolge – ein Dolly war uns zu teuer und zu sperrig, und Steadicam sowie die Drohne waren bereits auf dem Weg zur nächsten Location. Solange das Ergebnis stimmt, darf es auch mal richtig improvisiert sein!“, meint Hacker.

© Alex&Steffen

© Alex&Steffen

30 bis 40 Prozent des Trailers wurden mit der Canon 5D Mark III und Magic Lantern raw gedreht, der größere Teil mit der RED Epic und einem “richtigen” Steadicam-Operator. Das Ergebnis lässt sich auf jeden Fall sehen. Wobei… die User im Netz eben noch nicht alles zu sehen bekommen. “Es gibt noch eine 5-Minuten-Version mit einer etwas längeren Spielszene und ‘mehr Story’, aber die ist momentan erstmal den Produktionsfirmen vorbehalten”, erklären die beiden Regisseure.

Und die Response ließ nicht lange auf sich warten: “Natürlich haben viele Produzenten in Hollywood ähnliche Projekte in der Pipeline, wir erfinden das Rad ja nicht von Grund auf neu, wissen aber, wo die Stärken von unserem Stoff liegen. Deshalb führen wir zur Zeit einige interessante Telefonate.” Gibt es also schon fixe Zusagen? “Noch nichts Unterzeichnetes. Aber die Liste an Interessenten ist nicht gerade klein. Und es ist schon ein bisschen skurril, wenn du ‘ne eMail kriegst, dass die Produzenten von ‘Resident Evil’ oder ‘Herr der Ringe’ demnächst mal mit dir telefonieren wollen“, schmunzelt Hacker abschließend.

Rodja Pavlik

INFO: www.alexandsteffen.com

Teaser

BotWars Teaser from Alex & Steffen on Vimeo.

Making Of (Die Szene auf dem “Dach” – da musste ich einfach lachen)

BotWars Trailer – Making-of from Alex & Steffen on Vimeo.

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Written by HomeMovieCorner

21. Juli 2014 at 16:41

Veröffentlicht in Indie News

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12 Antworten

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  1. Exzellenter Teaser. Der Unterschied zum High-Concept-Thriller aus einem großen Studio ist da nur schwer auszumachen. Was mir nicht so gefällt, ist, was ich so aus der Inhaltsangabe vom “Bot Wars”-Roman erlese: “Twelve-year-old Trout St. Kroix has been searching for his missing father for the last two years (…) Percy Jackson meets Transformers (…)”.

    Das mag meine persönliche Aversion gegen Teenager als Hauptcharaktere sein, aber da wäre mir lieber gewesen, sie hätten sich an “Robopocalypse” versucht.

    Patrick

    22. Juli 2014 at 04:23

    • Sehen wir genauso! “Ender´s Game” hat ja bewiesen, dass man einen guten Film mit einem Arschloch-Kind (der doch noch so süß war im vorangegangenen Film) ruinieren kann, deshalb ist der Trout im Trailer auch 19 Jahre, darunter geht es einfach nicht, ist unglaubwürdig und cheesy.

      Steffen

      22. Juli 2014 at 10:10

      • Guter Vergleich mit “Ender’s Game”. Ja, wenn der dann ein Teenie auf dem Sprung zum Erwachsenenleben ist, dann wird das glaubwürdiger.

        Patrick

        23. Juli 2014 at 08:40

    • Robopocalypse hat sich Steven Spielberg schon vor einiger Zeit geschnappt. Der Film sollte ursprünglich in 2012 in vor-produktion gehen, ist dann aber auf Eis gelegt worden wegen einiger Drehbuchprobleme.

      Die meissten guten Romane werden schon von Produzenten aufgekauft bevor sie überhaupt auf den Markt kommen. Das macht es natürlich für unbekannte Regisseure schwer an qualitativ hochwertiges Material hernazukommen. BotWars ist da eigentlich schon fast eine Ausnahme, da es eigentlich schon ein interessanter, und einigermassen erfolgreicher, Roman ist der anscheinend noch nicht anderswärtig Interesse erweckt hat.

      apextwin1

      22. Juli 2014 at 21:58

      • Das mit “Robopocalypse” war auch eher so ein vager Wunschtraum. Dass das Projekt ewig von Spielberg bearbeitet und im Endeffekt auf Eis gelegt wurde, habe ich gelesen. Im Hinterkopf geistert das aber weiter herum, als Wunschtraum.

        Patrick

        23. Juli 2014 at 08:41

      • Ja, Ich hoffe auch immer noch das Robopocalypse irgendwie zu stande kommen wird. Das Problem ist das Studios nicht gerne die Rechte an Projekte abgeben die sie selber aufs Abstellgleis geleitet haben. Wär denen einfach zu peinlich wenn dann ein anderes Studio mit dem Film Erflog hätte. Also stehen die Chancen eher schlecht.

        Frage and Steffen – schaut ihr euch hauptsächlich in the USA nach Produzenten / Finanziers um? Ich kann mir vorstellen das in Deutschland das Interesse an einem sci-fi Blockbuster eher beschränkt vorhanden ist.

        Und wie sieht’s mit anderen Angeboten aus? Ich kann mir vorstellen das es einige Produzenten gibt die euch gerne bei ihren eigenen Projekten Regie führen lassen würden. So ist’s ja zum Beispiel Wes Ball gegangen, der den Kurzfilm “Ruin” gedreht hat, und dann für “Maze Runner” angeheuert wurde.

        apextwin1

        23. Juli 2014 at 09:37

  2. Bei einigen Beiträgen zum Teaser habe ich Vergleiche zu “Transformers” gelesen. Ja, sie schauen den Transformers tatsächlich ähnlich, aber thematisch würde ich es doch eher “I, Robot” zuordnen.

    HomeMovieCorner

    22. Juli 2014 at 22:19

    • Das Design erinnert wirklich ein wenig an “I, Robot”, obwohl ich auch entfernt an Blomkamps Kurzfilme wie “Tetra Vaal” denken musste. Allerdings auch nur aufgrund der “Roboter”-Thematik.

      Patrick

      23. Juli 2014 at 08:43

  3. Hi, apextwin1! Ja, die anderen Regie-Angebote sind vorhanden und kommen gerade aufgrund des Trailers natürlich zahlreicher – wir werden uns auch mit jedem Interessenten treffen, wenn wir in LA sind, aber momentan hat BotWars für uns ganz klar Priorität, weil wir da mit ein paar Euro in Vorleistung gegangen sind und das Projekt auch dementsprechend “lieber” realisieren wollen. Das Interesse in Deutschland ist natürlich geringer als in den Staaten – die hiesige Filmlandschaft hat ja kaum “Global Player”, die so ein Projekt stemmen können. Aber trotzdem sollte man Deutschland bei so einem Vorhaben nicht gleich aufs Abstellgleis schieben! ;-)

    Steffen

    23. Juli 2014 at 11:17

    • Ich bin wirklich gespannt wie es mit BotWars weitergeht. Technisch war der Kurzfilm wirklich hervorragend umgesetzt, und die Tatsache das es auf einem Roman basiert hilft wahrscheinlich auch wenn es darum geht bei Produzenten Vertrauen in die Geschichte zu erwecken.

      Ist das Drehbuch bereits komplett geschrieben? Wenn Ja, dann seid ihr den meissten Regisseuren die proof-of-concept Kurzfilme machen bereits um einiges voraus. Und das die filmische Umsetzung hohe visuelle Qualität erreichen wird ist ja eigentlich kein Thema mehr nach dem Trailer (und euren sonstigen Werbespots).

      Das einzige Fragezeichen wäre für mich die Schauspielführung. Bei Werbespots und Trailern ist das etwas schwer abzuschätzen, da der Schwerpunkt ja eher auf dem visuellen liegt. Was ist eure Taktik um Produzenten davon zu überzeugen das in dem Bereich bereit seit für einen Spielfim? Im Interview hört es sich so an das die lange version des BotWars Trailers etwas mehr auf die Charaktere eingeht, was wahrscheinlich hilft.

      apextwin1

      23. Juli 2014 at 21:52

  4. Ja, genau, Schauspielführung auf den “großen Bogen” (die momentane Szene ist bei Werberegisseuren ja immer perfekt inszeniert, aber das auf´s Ganze Große zu übertragen, auf den Character Arc und ne saubere Heldenreise, das ist die Kunst der Spielfilm-Schauspielführung) gesehen ist eine Herausforderung. Hat aber nie jemand Bedenken zu angemeldet, unser 5-min-Trailer soll genau da auch ansetzen, alles, was an zusätzlicher Zeit da ist, wird nicht in Eyecandy investiert, sondern einen “Action-Built-up” und eine längere Schauspielszene, da wir schon wussten, dass die Frage kommen wird.

    Ja, das Drehbuch ist komplett geschrieben, aber eben nur EINE Form der möglichen Interpretation der Story (die zudem auf Script Notes basiert, die wir schon vor 1,5 Jahren zu Papier gebracht haben, mittlerweile würden wir das schon wieder anders machen) – aber das ist auch egal, neu geschrieben wird bei so etwas ja sowieso.

    Steffen

    24. Juli 2014 at 08:16

    • Danke für die ausführliche Antwort. Das hört sich ja wirklich alles sehr gut an. Dann kann Ich euch nur noch viel Glück wünschen, und hoffen daß das Sci-Fi Genre bald ein paar neue Deutsche Stimmen erhält ;o)

      apextwin1

      24. Juli 2014 at 08:37


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