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Cut Character – Tödliche Trennung

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Irgendwann gegen Mitte des 21. Jahrhunderts: Robert Sens (Bernd Roebers), von seinen wenigen Bekannten Ted genannt, arbeitet in der Datenstatusschutzausgangskontrolle, wo er 414er- und 312er-, im Urlaubsfall aber auch schon mal 318er-Anträge bearbeitet. So „spannend“ sein Aufgabenbereich, genau so interessant ist auch Teds Charakter: Der Bürokrat ist stets vernünftig, Spaß und Spannung sind Fremdwörter für ihn. Dabei träumt er heimlich davon, Prinzessinnen vor Außerirdischen zu retten. Dass Ted nicht unbedingt der Mittelpunkt jeder Party ist, hält er für Veranlagung. Wie recht er damit hat, kann er sich aber nicht einmal ansatzweise vorstellen. Die Wahrheit über sich erfährt das ehemalige Adoptivkind auf der Selbstmord-Party seines Patenonkels Bogard (Alfred Lengert). Der offenbart ihm, dass er nicht nur Teds biologischer Vater ist („Ted, ich bin dein Vater!“ Argh, nein, falscher Film!), sondern dass der Bürokrat auch noch Teil eines Experiments ist – genauer gesagt: ein Drittel davon. Teds Zelle wurde nämlich verdreifacht – und dann wurden in den einzelnen Zellen jeweils zwei verschiedene der drei Hauptveranlagungen Vernunft, Genuss und Aggression eliminiert.

So lässt sich auch erklären, warum Ted zwar stets vernünftig handelt, aber nichts genießen oder gar wütend werden kann. Seine Halbbrüder Thomas Pietsch und Zane Getty wiederum sind Spezialisten für Genuss bzw. Aggression. Von Professor Stransky (Gerhard Comelli) erfährt Ted dann von den Nebenwirkungen des Experiments. Durch die Aufteilung wurde unabsichtlich auch ein verfrühter Zellverfall ausgelöst. Ted hat nur noch sechs Monate zu leben; es sei denn, er findet seine zwei Brüder, um dann mittels einer Operation sich zu vervollkommnen.

Auf Ted, den Spießer, wartet nun das größte Abenteuer seines Lebens: Zuerst muss er in die Spielerstadt Sin City, die im verstrahlten Niemandsland liegt, um nach Thomas Pietsch (Kai Bentzin) zu suchen. Danach folgt die Suche nach Zane Getty (Co-Regisseur Stephan Lenzen), der in der Galaxis als R.A.S.-Leasingpersonal (Rent A Soldier) von Kriegsschauplatz zu Kriegsschauplatz eilt. Gettys Spezialität: Folter und Verhör. Für Ted gilt: Wer solche Brüder hat, braucht keine Feinde mehr…

„Cut Character – Tödliche Trennung“ (1993) von Stephan Lenzen und Thomas Manglitz ist bis dato einer der ältesten Indie-Filme, der mir je untergekommen ist (ad hoc würde mir da nur noch „Nekromantik“ von Jörg Buttgereit auf meiner Liste einfallen) – und ehrlich gesagt merkt man ihm das Alter auch an. Gedreht in einer prä-digitalen Ära auf Hi8, geschnitten auf einem echten Schnittplatz (nix PC) und untermalt mit einer Synthie-Musik, die einen etwas an MacGyver erinnert (nicht vom Thema, von der Art her). Sollte denn dann ein computer-verwöhnter Film-Junkie überhaupt einen Blick auf so etwas werfen? Man sollte – denn hier sieht man echtes Handwerk und Tüftlergeist. Kein zusammengepixeltes Raumschiff, sondern ein reales, angreifbares Modell. Keine aus dem Netz gesaugten Explosionen, sondern echtes Feuerwerk. Und auch so gibt es noch einige nette filmhistorische Leckerbissen: Laser-Schüsse wurden noch auf dem guten, alten Amiga gerendert. Bezahlt wird mit Ecu (Ja, wer erinnert sich denn noch an den gedanklichen Vorgänger des Euros?). Die Frisuren sind größtenteils abscheulich (Na und, George Lucas hat das auch nicht gekümmert), und bei einigen Tanzsequenzen fühlt man sich an MC Hammer und sein „U Can’t Touch This“ erinnert.

Diese Erinnerungen machen für mich einen Teil des Fun-Faktors aus. Aber das alleine ist es nicht. Zwar ist die schräge Story gegen Ende etwas dünn (das Drehbuch war nicht fertig), dennoch merkt man, mit wie viel Liebe sich die Drehbuchautoren und Regisseure ihre eigene Galaxie erschaffen haben – und mit wie viel Tatkraft sie die Umsetzung ihrer Visionen betrieben. Zwar scheinen Vorbilder wie „Westworld“, „Per Anhalter durch die Galaxis“ und „Brazil“ durch – das stört aber auch nicht weiter. Gedreht wurde der Film in 30 Tagen, verteilt auf ein Jahr. An die 120 Statisten wirkten mit. Teilweise gibt es fantastische Locations: So wurde u.a. eine Sci-Fi-Szene im Bavaria-Filmpark (jetzt Warner Bros. Movie World) gedreht. Ob man da heute auch noch eine Drehgenehmigung bekommt?

Schauspielerisch fallen vor allem vor allem die drei Hauptdarsteller positiv auf. Bernd Roebers, Kai Bentzin und Co-Regisseur Stephan Lenzen sind wirklich perfekt in ihren Rollen. Hier stimmt die Chemie. Die Qualität bei den Nebendarstellern ist jedoch relativ unterschiedlich. Großes Kompliment auch für den Schnitt. Die Musik stammt übrigens von Chris Hülsbeck, der u.a. für den Score zu Amiga-Spieleklassikern wie „Monkey Island“ oder „Turrican II“ bekannt ist. Zu seinen letzteren Arbeiten gehörten diverse „Star Wars“-Konsolenspiele. Neben dem Hauptfilm bietet die vom Klein-Label Unlimited Dreams Media veröffentlichte DVD zusätzlich einen aufschlussreichen Audiokommentar, ein eher liebloses Making of, einen wesentlich interessanteren Bericht (eigentlich auch ein Making Of) sowie ein Easter Egg. Auch ein Blick auf die Website von Regisseur Stephan Lenzen lohnt sich. Seit mehr als 15 Jahren dreht der Deutsche schon Filme – zuletzt „Die Todgeweihten grüßen dich“ (mit Ulli „BloodBound“ Fleischer).

FAZIT: Witzige Story und echte Handarbeit: „Cut Character – Tödliche Trennung“ ist eine trotz ihres Alters (1993) sehenswerte Sci-Fi-Parodie von Stephan Lenzen und Thomas Manglitz.

Rodja

INFO: „Cut Character – Tödliche Trennung“ – Sci-Fi, D 1993. Regie: Stephan Lenzen/Thomas Manglitz. Darsteller: Bernd Roebers, Kai Bentzin, Stephan Lenzen, Gerhard Comelli. Homepage: www.stephanlenzen.de

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Written by HomeMovieCorner

25. März 2011 um 19:37

Veröffentlicht in Reviews

Eine Antwort

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  1. […] Dreams Media veröffentlicht, das auch “Cut Character” von Stephan Lenzen (Rezension hier) dankenswerterweise herausgebracht hat. Leider hat das Label danach seine Tätigkeit bis auf […]


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