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Regisseur Markus Hautz über seinen Film „22:43“

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Zurzeit eilt der deutsche Regisseur Markus Hautz mit seinem in Österreich unabhängig produzierten Mysterythriller „22:43“ von einem Erfolg zum nächsten. Marcello Dallapiccola von der deutschen Plattform „Rockefeller News“ hat mit dem Filmemacher gesprochen und freundlicherweise das Interview dem HomeMovieCorner zur Verfügung gestellt.

In den letzten Jahren hat sich in der österreichischen Filmlandschaft einiges bewegt – die Oscars von Regisseur Stefan Ruzowitzky (“Die Fälscher”) und Schauspieler Christoph Waltz (“Inglorious Basterds”) beweisen dies eindrucksvoll. Doch auch abseits dieser großen Produktionen gibt es einen Kern kreativer und motivierter junger Leute, die beständig daran arbeiten ihren Traum vom Geschichten erzählen zu verwirklichen.
Markus Hautz ist einer davon – sein Zeitreisethriller “22:43″ wird gerade auf Filmfestivals rund um die Welt gespielt. So fand die Weltpremiere zum Beispiel auf dem Anchorage International Film Festival 2010 statt, die Europapremiere beim Max-Ophüls-Preis 2011; weiters wurde der spannende Streifen auch auf dem Crossroads Film Festival 2011 und dem Puerto Rico International Film Festival gespielt, vom Mexico International Film Festival 2011 konnte man gar als Gewinner des “Silver Palm Award” zurückkehren.

Gerade lief der Film auf dem New York City International Film Festival, wo er in fünf Kategorien nominiert war – und letztendlich in den Kategorien beste Darstellerin (Silvia Schantl) und beste Musik (Ingo P. Stefans) die Preise einheimsen konnte. Im September wird “22:43″ dann beim Cinéfest Sudbury International Film Festival in Kanada für Spannung beim Publikum und – hoffentlich – für Euphorie bei den Kritikern sorgen. Grund genug, sich Markus Hautz zu schnappen und ihn zu einem ausführlichen Interview über seinen Film zu bitten:

rockefeller-news: Markus, dein Film 22:43 läuft im Moment weltweit auf verschiedenen Festivals und schlägt sich dabei sehr erfolgreich; erzähle doch bitte erst einmal kurz die Story des Films.

Regisseur Markus Hautz (Daniel Prochaska)

Markus Hautz: Der Film erzählt die Geschichte von Max Felder, einem erfolglosen Schriftsteller, der zusammen mit seiner Freundin Hannah und seinem Hund Giacomo am Stadtrand von Wien lebt. Niemand will seine Geschichten lesen. Sein bester Freund Chris (Mordkommission) besorgt ihm eine 15 Jahre alte Polizeiakte, von der er sich inspirieren lässt. Doch als er sich mit dem fertigen Manuskript bei einem renommierten Verlag vorstellt, wird er erneut abgelehnt, was ihn so enttäuscht, dass er seine literarischen Gehversuche für immer bleiben lassen will. Und dann wird er auch noch fast von einem Auto angefahren, was ihn aber nicht umbringt, sondern drei Jahre in die Zukunft katapultiert. In seinem Haus wohnen jetzt andere Menschen, er wird wegen Einbruchs in sein eigenes Haus verhaftet und das schlimmste: Seine Freundin Hannah ist tot. Chris, der ihn vom Polizeirevier abholt, kommt nur schwer mit der Situation klar, versucht aber Max zu helfen. Und je länger Max in dieser neuen Welt lebt, merkt er, dass sein Buch etwas mit dem Tod seiner Freundin zu hat…

rockefeller-news: Du hast ja auch das Drehbuch selber geschrieben – was war die Idee, die dahinterstand, wie bist du auf die Geschichte gekommen?

Markus Hautz: Zeitreise ist ein faszinierendes Thema, das die Menschen seit Jahrzehnten beschäftigt und immer wieder träumen lässt. Die eigene Zukunft zu kennen würden viele als Segen empfinden. Nichts würde mehr unvorhergesehen eintreffen. Wir wären darauf vorbereitet. Es würde sich auch die Möglichkeit ergeben, Zustände in der Zukunft, die uns nicht gefallen, zu ändern. Doch könnte das Kennen der eigenen Zukunft auch ein Fluch sein?
Wenn wir an Zeitreise denken, meinen wir meist Maschinen, mit deren Hilfe wir duch die Zeit katapultiert werden – sei es in die Vergangenheit oder Zukunft, um dort den Untergang der Menschheit zu verhindern, ohne das Raum-Zeit-Kontinuum zu beeinträchtigen… ganz nach der Manier von „Zurück in die Zukunft“.

Max dreht durch (Bilderfolge)

Durch Zufall bin ich auf die „düstere Legende“ von Rudolph Fentz gestoßen, der Ende des 19. Jahrhunderts in einer Gewitternacht spurlos verschwindet und im New York der 50er Jahre wiederauftaucht. Ich griff diesen Moment des Reisens durch die Zeit ohne jegliche Hilfsmittel auf und verwob es mit den Elementen Zufall und Schicksal. Die Art der Zeitreise in 22:43 kann man sich im Grunde wie eine Art Tunnel vorstellen, der Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet. Nur diesen Tunnel betritt man nicht freiwillig. Man wird in Bruchteil von Sekunden hindurch geschleudert. Derjenige, der durch diesen Tunnel geht, verschwindet in der einen Zeit und taucht in der anderen wieder auf. Die Gefahr, seinem eigenen Ich zu begegnen, wird auf diese Weise eliminiert. Diese Möglichkeit wollte ich von Anfang an nicht in die Geschichte aufnehmen, denn man kennt dieses Szenario aus diversen anderen „Zeitreise- Filmen“. Fragen wie „Was würde der Protagonist anstellen, wenn er die Zukunft kennt?“ und „Würde er alles versuchen, um sein Leben zu verändern?“ haben mich auf diesem dunklen Pfad durch die Zukunft des Protagonisten begleitet. Die Antwort lautet: Selbstverständlich! Jeder von uns würde dasselbe tun, wenn er die Chance hätte.

Es entstand ein düsteres Szenario, in dem ich dem Protagonisten – ähnlich wie Rudolph Fentz – die Möglichkeit geben wollte, rein zufällig seine eigene Zukunft zu sehen. Anders als dieser sollte er aber nicht sofort in dem Augenblick sterben, in dem er in die neue Welt eintaucht, sondern noch genügend Zeit haben zu realisieren, dass diese Zukunft von ihm geschaffen wurde… Eine logische Konsequenz seiner Handlungen vor seinem Verschwinden.

Irgendjemand oder irgendetwas wollte ihm zeigen: „Wenn du dein Leben genauso weiterlebst, dann werden schlimme Dinge passieren.“ Der Protagonist muss erkennen, dass seine Leidenschaft – das Schreiben – der Auslöser jener unfassbaren Schmerzen und Trauer ist, die er in der Zukunft erleiden musste. Ihm ist klar, was er zu tun hat: Er muss sein Manuskript vernichten, um das Leben geliebter Menschen und sein eigenes zu retten. Er muss alles über Bord werfen, wofür er die letzten Jahre gekämpft hat.

Und genau hier offenbart sich das zweite Element in der Geschichte: Das Schicksal. Der Protagonist bekommt zwar seine zweite Chance, den Verlauf der Dinge zu ändern, doch die schlimmen Ereignisse treten trotzdem ein – nur etwas früher und in veränderter Form. Dass sich der Protagonist dabei immer wieder mit den „größten Tyrannen der Erde“, dem Zufall und der Zeit, konfrontiert sieht, soll den eigentlichen Plan des Schicksals undurchsichtiger machen. Eine Frage spielt dabei eine wichtige Rolle: „Kann man den Tod eines geliebten Menschen verhindern oder muss er sterben, wenn er vom Schicksal auserwählt wurde?”

Ich wollte die Geschichte auch auf eine philosophische Ebene bringen und habe mir immer wieder folgende Fragen gestellt: Können wir überhaupt unsere Zukunft verändern, selbst wenn wir sie kennen? Hat das Schicksal einen Plan, den es um jeden Preis verfolgt? Gibt es denn überhaupt so etwas wie eine Hoffnung auf z.B. „bessere Zeiten“ oder ist das nur ein hinterlistiger Mechanismus, damit die Menschen weiter nach Glück streben und es dem Schicksal im Spielparadies „Erde“ nicht langweilig wird?

rockefeller-news: Das klingt fast ein bisschen nach Sinnsuche mit den Mitteln des Films – bist du selber eher Determinist, oder glaubst du an Zufälle? Was denkst du, ist mit Rudolph Fentz wirklich geschehen?

Max geht ein Licht auf (Bilderfolge)

Markus Hautz:Ich würde mich selbst weder als Determinist bezeichnen noch glaube ich ausschließlich an Zufälle. Ich würde mich eher in dieser dichotomischen Grauzone zwischen Determinismus und Zufall ansiedeln. Natürlich stelle ich mir immer wieder die Frage, ob wir einen freien Willen haben bzw. ob dieser überhaupt existiert. Jede Aktion ruft über kurz oder lang eine Reaktion hervor. Das Spannende daran ist jetzt: Ist es uns vorherbestimmt, zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein, den wir mit unseren (vermeintlich) freien Entscheidungen erreichen? Oder geraten wir nur durch glückliche oder unglückliche Zufälle in bestimmte Situationen? Eine eindeutige Antwort ist nicht existent, wohl aber unzählige Theorien. Es ist wirklich ein sehr breites philosophisches Feld, mit dem ich mich in den letzten Jahren immer wieder viel beschäftigt habe. Angefangen mit Thomas von Aquin bis zu den Existenzialisten des 20. Jahrhunderts wie Jean-Paul Sartre, der den Determinismus gänzlich abgelehnt hat. Ich selbst kann diese Frage wohl aber nur sehr unbefriedigend beantworten, weil ich einfach viel zu wenig Philosoph bin. Sartre oder Aquin haben sich fast ihr ganzes Leben damit beschäftigt. Vielleicht kann ich das in 30 Jahren beantworten, ob ich Determinist bin oder nicht (lacht).

Was mit Rudolph Fentz wirklich geschehen ist: Ich würde sagen, dass nicht alles an dieser Geschichte frei erfunden ist. Wahrscheinlich ist es wie mit jeder Legende, dass im Laufe der Zeit bestimmte Aspekte hinzugedichtet wurden. Und irgendwo im Kern liegt die Wahrheit begraben. Vielleicht war Rudolph Fentz ein verwirrter Broadway-Schauspieler und hat sich so mit seinem Stück identifiziert, dass er irgendwann durchgedreht und einem Taxi vor die Motorhaube gelaufen ist. Vielleicht war er aber auch nur unzufrieden mit seiner Karriere, weil er wieder einmal nicht die Hauptrolle bekommen hat.

rockefeller-news: Gibt’s Autobiographisches, in der Geschichte oder bei den Figuren?

Markus Hautz: Autobiographisches gibt es eigentlich nicht. Ich wurde noch nie in die Zukunft geschleudert (lacht). Wobei dies natürlich mal sehr reizvoll wäre. Wo stehe ich in 10 Jahren? Hat sich bestimmt schon jeder mal gefragt. Aber es gibt Anspielungen und Hommagen an Filme und TV-Serien, die ich über alles liebe und noch heute schaue. So finden sich viele Zitate in Dialogen und auf der Bildebene von LOST, AKTE X oder ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT. Manche sehr offensichtlich, manche aber versteckt und schwer zu finden. Wer weiß, vielleicht entdeckt der eine oder andere aufmerksame Zuschauer genau diese versteckten Hinweise.

rockefeller-news: Jetzt ist das ja sehr viel Arbeit, so einen Fim von Anfang bis Ende zu produzieren – erzähl doch mal wie das vonstatten ging, wo fängt man da überhaupt an?

Filmemachen ist kein Honigschlecken (Markus Ühlein)

Markus Hautz: Diesen Film zu machen, war wohl das Schwierigste, was ich je in meinem ganzen Leben gemacht habe. Aber ich bin sehr froh, es bis zum Ende durchgehalten zu haben. Immerhin waren es doch fast zwei Jahre meiner Zeit, die ich investiert habe. Der Anfang, wie bei jedem Film, ist die Idee.
Ursprünglich wollte ich einen Horrorfilm machen, der im frühen 19. Jahrhundert in Österreich spielt. Mein Kameramann und Cutter, Markus Edelmann, haben wochenlang an der Story geschrieben, aber irgendwie kamen wir auf keinen grünen Zweig. Während einer kurzen Pause erzählte er mir von dieser “Urban Legend”. 15 Minuten (!!!) später hatten wir das Grundgerüst für “22:43″. Die Arbeit am Drehbuch dauerte dann ca. 6 Monate und mit jeder Fassung wurde es besser. Schon bald waren wir mitten in der Vorproduktion. Die Finanzierung sollte sich schwierig gestalten, denn wir wollten es ohne Förderung versuchen, um bei späteren Projekten eine Art Visitenkarte mit “22:43″ zu haben. Manuela Posch und Veronika Thajer, zwei der Produzentinnen des Films (neben Markus Edelmann und mir) waren von der Filmidee dermaßen begeistert, dass sie uns das Vertrauen schenkten, diesen Film zu machen. Man muss dazu sagen, dass wir vier den Film – zumindest zu Beginn – rein aus der eigenen Tasche und über Sponsoren finanzierten.

Es folgte eine intensive Zeit: Drehbuch, Location-Suche, Casting, Besprechungen mit den verschiedenen Departments, Proben, usw. Im April 2009 begannen die dreiwöchigen Dreharbeiten in Wien und Niederösterreich. Eigentlich viel zu kurz für einen 90minütigen Film. Aber wir hatten am Ende alles im Kasten. Der Schnitt dauerte dann über ein halbes Jahr, wobei wir aber noch einen Nachdreh im Herbst 2009 machen mussten, da wir mit manchen Bildern nicht ganz zufrieden waren. Gott sei Dank bekamen wir dann von der Stadt Wien eine Förderung der Post-Produktion. Dafür möchte ich mich noch einmal bei Sylvia Fassl-Vogler von der MA7 bedanken!!!

Mit diesem Geld konnten wir ins Tonstudio gehen, um den Tonschnitt, das Sound Design, die Synchronisation und die Mischung auf eine sehr professionelle Ebene heben. Michael Tuschek (Tonschmiede: Der Much) und Konstantin Drossos, der auch schon am Set als Tonmeister fungierte, haben hier sensationelle Arbeit geleistet. Während dieser Zeit habe ich quasi fast im Tonstudio gelebt. Die rote Couch im Regieraum werde ich vermissen. Die war wirklich bequem.
Parallel arbeitete ich mit Ingo P. Stefans, einem Münchner Komponisten, an der Musik des Films, die im Frühjahr 2010 an der Hochschule für Theater und Musik in München an nur einem einzigen Tag (!!!) mit einem 40-Mann-Orchester aufgenommen wurde. In meinen Augen eine unfassbare Leistung. Ingo hat die Musik komponiert, Notenblätter geschrieben, die Organisation der Aufnahmen übernommen, dirigiert und dann auch noch gemischt. Ich frage mich, ob er in dieser Zeit überhaupt geschlafen hat. Aber es hat meinen Glauben in den Film bestärkt. Es war eine unglaubliche Motivation. Man kennt solche Aufnahmen aus vielen Making Of’s von großen Hollywoodfilmen, aber es mit eigenen Augen und Ohren zu sehen und zu hören, dass so viele Menschen, die ich bis zu diesem Tag noch nie gesehen hatte (abgesehen vom Komponisten natürlich), alle zu meinem Film live die Musik einspielten, war Gänsehaut-Feeling pur. Ingo hat mit seinem Team da was Riesiges auf die Beine gestellt. Und völlig zu Recht ist er beim New York City International Film Festival für die beste Musik nominiert. Ich möchte aber auch die Band One Two Three Cheers and a Tiger ausdrücklich erwähnen. Die Jungs haben zwei Songs beigesteuert, die wirklich wie die Faust aufs Auge passen – sowohl musikalisch als auch vom Text. Zum Titelsong des Films (No One Notices) haben wir dann auch noch ein Musikvideo gemacht, das man auf der Website des Films (www.2243-derfilm.at) oder auch auf Youtube sehen kann. Danke Gustl, Dani, Martin, Jakob!

Reinhold Fragner und Martina Fröschl von Industrial Motion Art haben dann noch die Visual Effects und die Farbkorrektur gemacht, was eine wirkliche Fizzelarbeit war, denn der Film hat so viele verschiedene Zeitebenen, die wir farblich voneinander trennen wollten und auch mussten, damit sich der Zuschauer orientieren kann. Ich war fasziniert, wie man aus einer Spielzeugpistole mit wenigen Knopfdrücken eine echte Waffe machen kann. Reinhold und Martina wissen genau, was sie tun. Sie haben das Team perfekt ergänzt und dem Film eine wichtige, zusätzliche Tiefe verpasst.

Im Juli 2010 waren dann endlich alle Arbeiten abgeschlossen und die nächste Phase konnte eingeläutet werden: Die Vermarktung, mit der wir bis zum heutigen Tag noch beschäftigt sind.

rockefeller-news: Wie kriegt man ein gutes Film-Team zusammen?

Dreh am Zentralfriedhof (Markus Ühlein)

Markus Hautz: Mit der Zusammenstellung des Teams waren wir wirklich lange beschäftigt. Es ist nicht so einfach, so viele Profis für ein Low-Budget zu bekommen. Aber das Drehbuch leistete da sehr gute Überzeugungsarbeit. Es musste harmonisch sein, denn eine schlechte Stimmung am Set kann jeden Film ruinieren. Hier ist auch die Gefahr höher, dass die Leute einfach ihre Sachen packen und gehen, denn das einzige was sie am Set hielt, war der Glaube an den Film. Und dieser Glaube kann ganz schnell zerstört werden, wenn sich das Team nicht versteht.

Wir wollten eine Mischung aus “alten Hasen” und “Anfängern”, damit die Jungen von den Erfahrenen lernen konnten. Ich selbst habe da sehr viel mitnehmen können. Es war schön zu sehen, wie schnell sich alle ins Team integrierten. Die Profis nahmen die Leute an der Hand und gaben ihre Erfahrung weiter. Selbst nach so langer Zeit ist der Kontakt zum Team noch vorhanden. Und der eine oder andere “Anfänger” ist dem Filmgeschäft bis heute treu geblieben.

rockefeller-news: Wie bist du beim Casting der Schauspieler vorgegangen, nach welchen Kriterien hast du die Leute ausgesucht?

Markus Hautz: Zuerst haben wir aus einem Pool von Schauspielern nach der Optik ausgewählt. Ich hatte von jeder Figur bereits eine Vorstellung vom Aussehen. Diese Auswahl haben wir dann kontaktiert, ob sie sich überhaupt eine Zusammenarbeit mit uns vorstellen können. Natürlich musste ihnen auch die Geschichte zusagen. Und zeitlich verfügbar mussten sie auch sein. Aber das wichtigste: Sie mussten Geschichte und die Emotionen der Charaktere transportieren können. Wie gesagt, bei einem Low-Budget Film ist das alles nicht so einfach. Aber wir haben die richtigen Leute gefunden, die mit ihrem Idealismus das Projekt mitgetragen haben.

rockefeller-news: Wie geht man die Vermarktung an? – Kommen dir die Medien entgegen, oder musst du eher betteln?

Markus Hautz: Leider ist es so, dass es mit meinem momentanen Status in der Filmbranche, sollte ich den überhaupt einen haben, sehr sehr schwer ist, in die Medien zu kommen. Da muss man einfach auf virales Marketing setzen. Facebook, Twitter, Email, Youtube, usw. können großes leisten, wenn man es richtig einsetzt. Die großen Filmproduktionen können sich viel leichter eine Marketingmaschinerie leisten als Newcomer. Wenn man wenig Geld hat, muss man eben erfinderisch sein. Aber das ist auch der Reiz. Und dann gibt es auch noch Festivals, um die Aufmerksamkeit auf solche Low-Budget-Produktionen zu lenken. Im September wird der Film beim Cinéfest Sudbury International Film Festival in Kanada gezeigt – zusammen mit Filmen von Gus van Sant oder Pedro Almodovar. Und das ist dann doch ganz gute Werbung. Auf dieses Festival freue ich mich schon ganz besonders.

rockefeller-news: Wie war denn dein Werdegang – war das für dich immer schon klar, dass du als Regisseur Geschichten erzählen willst? Siehst du dich selber eher als Autor, oder schon als Regisseur?

Markus Hautz: Nein, für mich war es nicht von Anfang an klar, Regisseur zu werden. Ich wollte Comiczeichner werden, habe aber bald festgestellt, dass ich überhaupt nicht zeichnen kann. Dann wollte ich Modedesigner werden, aber ich habe mich eigentlich gar nicht für Kleidung interessiert. Irgendwie blöd (lacht). Aber dann habe ich meine Liebe für Filme entdeckt. Hab’ mir eine Kamera gekauft und einfach alles gefilmt, was mir vor die Linse kam. Nach dem Abitur bin ich dann in die Filmbranche eingestiegen und konnte dann auch in einem professionelleren Umfeld Kurzfilme machen.
Als was ich mich selbst sehe? Ich würde sagen als Geschichtenerzähler, der versucht, die Leute zu unterhalten.

rockefeller-news: Wie kommt man als junger Mensch auf die Idee, es in der Filmbranche zu versuchen, gerade wenn man Österreicher ist – Österreich ist ja nicht gerade als Film-Nation bekannt?

Markus Hautz: Zuerst einmal bin ich überhaupt kein Österreicher, sondern komme aus Bayern. Und zum anderen ist es in allen anderen Berufen auch nicht einfach, um Fuß zu fassen. Es kommt halt immer darauf an, was man machen will, was man kann und was man vom eigenen Leben erwartet. Ein Elektriker, Maler oder Automechaniker kann in seinem Beruf genauso die Erfüllung finden wie jemand mit einem künstlerischen Beruf. Und da spielt es auch keine Rolle, wo man herkommt. Und dass Österreich nicht als Filmnation bekannt ist, würde ich so nicht stehenlassen. Viele große Namen, die die Filmgeschichte geprägt haben, kommen aus Österreich, z.B. Fritz Lang oder Georg Wilhelm Pabst. Das kleine Österreich hat zwar nicht so einen Output wie manch andere Länder, produziert aber trotzdem sehr gute Filme, die einen gewissen Stellenwert in der Welt haben.

rockefeller-news: Hat es dich wegen dem Studium nach Österreich verschlagen haben, oder was waren die Gründe? – Hättest du in Deutschland nicht eine viel bessere Infrastruktur vorgefunden, um Filme zu drehen?

Markus Hautz: Ich bin tatsächlich wegen meinem Studium hierher gekommen (Theater-, Film- und Medienwissenschaft). Aber ich habe auch Zeit meines Lebens eine Beziehung zu Österreich, da ich direkt an der bayrisch-österreichischen Grenze aufgewachsen bin und wirklich sehr viel Zeit in Österreich verbracht habe. In all diesen Jahren hier in Wien habe ich mich immer wirklich sehr heimisch gefühlt und tue es auch noch immer. So schnell werde ich auch nicht wegziehen. Ich habe hier wirklich gute Freunde und Arbeitskollegen. Alles was ich zum Leben und Arbeiten brauche, finde ich hier. Ich bin hier glücklich.
Vielleicht gibt es in Deutschland eine bessere Infrastruktur zum Filme drehen, aber das heißt noch lange nicht, dass deswegen auch automatisch eine bessere Qualität an Filmen vorherrscht. Nein, das passt schon, wie es im Moment gerade ist.

rockefeller-news: Österreich ist ja berühmt für die Bühne und für die Oper, weniger für den Film, obwohl in den letzten Jahren durchaus einige österr. Produktionen aufhorchen liessen. Merkst du als Flimschaffender diesen Aufwind, oder hast du eher das Gefühl gegen Windmühlen zu kämpfen?

Markus Hautz: Natürlich merkt man diesen Aufwind, aber trotzdem muss man immer noch kämpfen. Das war aber schon immer so in diesem Berufsfeld. Nur weil jetzt Stefan Ruzowitzky oder Christoph Waltz den Oscar gewonnen haben und Michael Haneke oder Götz Spielmann nominiert waren, kann ich mir noch nichts kaufen. Niemand schmeißt dir einen Film hinterher (was natürlich schön, aber keine Herausforderung wäre). Einfach weiterhin schreiben und drehen und die Leute unterhalten.

rockefeller-news: Markus Hautz, ich bedanke mich für das Interview und wünsche dir viel Erfolg mit “22:43″!

Autor: Marcello Dallapiccola für „Rockefeller News“

INFO: http://www.2243-derfilm.at; http://www.bilderfolge.at/

Written by HomeMovieCorner

30. August 2011 um 18:42

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Eine Antwort

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  1. […] HomeMovieCorner – der wiederum den Beitrag von Rockefeller News zur Verfügung gestellt bekam – ist nun ein […]


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