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„Pension Freiheit“ – Bombenstimmung in Bad Tölz

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2006 drehten Edgar Kraus und Markus Kleinhans den Bayern-Krimi „Tödliche Verbindungen“, basierend auf einer wahren Mordermittlung in Bad Tölz aus den 1970ern rund um ein in Blausäure getränktes Tampon (an den Fall kann ich mich sogar noch erinnern, weil es das erste Mal war, dass ich in der Zeitung Tampon las – Mann, bin ich alt!).

Der Film fiel vor allem durch die zwei Kommissare Walter Degenhardt (Adnan Erten) und Rio Hartmann (Luky Zappatta) und das gut inszenierte 70er-Jahre-Flair auf. Zwar denkt man bei Bad Tölz natürlich gleich an den Bullen (Ottfried Fischer lieh seine Stimme im Film auch dem Lausbuben Benno Berghammer), doch würde ich „Tödliche Verbindungen“ vom Feeling her eher Richtung „Polizeiinspektion 1“ mit dem unvergesslichen Walter Sedlmayr verorten. Die beiden Polizisten, der Hallodri Hartmann und der in einer unglücklichen Ehe steckende Degenhardt, granteln herum, dass es eine Freude ist. Das spannende Ende allerdings lässt sogar „Stirb langsam“ alt ausschauen.

Leider haftet „Tödliche Verbindungen“ auch was Tragisches an. Co-Regisseur Edgar Kraus verunglückte vor der Premiere bei einem Base Jump tödlich – just an jener Stelle, an der auch das Showdown in „Tödliche Verbindungen“ stattfand.

Es ist schön zu lesen, dass Markus Kleinhans und sein Team von MEKK Movie sich wieder aufgerafft haben und ein Nachfolgewerk im Frühjahr 2012 herausbringen. Auch „Pension Freiheit“, dessen Geschichte diesmal 1988 spielt, basiert auf einer wahren Begebenheit.

Synopsis: Für seine Gäste ist er der freundliche Pensionsbetreiber. Für die Tölzer ist er der Nachbar von nebenan – und niemand ahnt, dass er ein Doppelleben führt. Er wird von Agenten und Spitzeln der Staatssicherheit der DDR beobachtet… Bei der Führung in Ostberlin gilt er als der Staatsfeind Nummer eins…

Für den Film konnte wieder prominente Unterstützung gewonnen werden. Ottfried Fischer leiht wieder dem nun älter gewordenen Lausbuben Benno Berghammer seine Stimme. Weiters spielen Katharina Abt („Der Bulle von Tölz“) und Jürgen Tonkel („Wer früher stirbt, ist länger tot“, „Räuber Kneißl“) mit – und als Gast-Regisseur konnte niemand Geringerer als der Filmemacher Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt, ist länger tot“, „Räuber Kneißl“, „Beste Zeit“) gewonnen werden.

In der Zeitschrift „Camgaroo – Magazin für Filmemacher“ (Ausg. 04/11) sprach Rosenmüller über seine Motivation, bei so einem Independent Projekt mitzumachen: „Da haben sich ein paar Leute zusammengetan und gesagt, wir drehen jetzt diesen Film. Ohne dass ihnen irgendein Redakteur oder Produzent dreinredet. ‚Pension Freiheit‘ – der Titel passt auch für die Art und Weise, wie dieser Film entstanden ist.“ Zwar wollte der Profi ein, zwei Änderungen im Drehbuch durchsetzen, aber: „Als Markus Kleinhans mir dann mit einer solchen Freude erklärt hat, wie er sich die einzelnen Szenen vorstellt, habe ich gemerkt, dass man da überhaupt nichts zu ändern braucht. Und das ist das Großartige: Die Tölzer Jungs wissen genau, was sie machen. Sie denken bloß vielleicht in etwas anderen Kategorien. Die scheren sich nicht darum, wie man etwas üblicherweise macht oder was die gängige Art ist, eine Geschichte zu erzählen.“ Im Interview mit „Camgaroo“ gibt sich Rosenmüller überzeugt, dass auch er als Profi von dieser Herangehensweise noch etwas lernen könne.

Generell zeigt sich Rosenmüller gegenüber dem, was sich momentan im Amateur- und Indie-Bereich abspielt, aufgeschlossen: „Ich glaube, da entsteht eine eigene Kultur. Ich denke, wir werden noch einige hochinteressante Experimente zu sehen bekommen.“ Auch kann er sich durchaus vorstellen, dass diese lokal angehauchten Filme ihre Marktnische finden werden. „Heimatfilm würde ich es vielleicht nicht nennen, aber dass Filme noch regionaler werden, das glaube ich schon. Es wird eine neue Art der filmischen Subkultur geben – weil auf diese Weise noch viel mehr ‚Sub-Welten‘ beleuchtet werden können“, so Rosenmüller gegenüber „Camgaroo“.

Rodja

INFO: http://www.toedliche-verbindungen.de; http://www.pension-freiheit.de

Written by HomeMovieCorner

21. Dezember 2011 um 19:24

Veröffentlicht in Indie News

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