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Buch: „Stunts – Anleitung für wahre Filmhelden“

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Wer Actionfilme liebt, der liebt vor allem ihre markanten Hauptdarsteller und die atemberaubenden Stunts. Doch während jeder Arnold Schwarzenegger oder Daniel Craig kennt, sind die Stuntmänner, die im Hintergrund ihren Hals riskieren, fast gänzlich unbekannt. Hakan Haslaman, selbst einer jener gesichtslosen Filmhelden und mehrfach ausgezeichneter Kampfsportexperte, bietet mit seinem Buch „Stunts – Anleitung für wahre Filmhelden“ nun einen Blick hinter die Kulissen.

Neben einer kurzen geschichtlichen Einführung beschreibt Haslaman diverse Tricks mit Unterstützung von Fotostrecken. Der Stuntman erklärt Falltechniken genau so wie die Funktionsweisen von Air Rams, Harnesswesten, Stunt Riggings, Ratchets, Sekurit-Glas, Squibs und… Kartons! Auch Bezugsquellen listet Haslaman dankenswerter Weise auf – da das Buch aber von 2003 ist, sollte man die Aktualität überprüfen.

Der Autor wird auch nicht müde zu betonen, wie wichtig Konzentration, körperliche und geistige Fitness, Training und technisches Interesse sind. Neben diesen oft wiederholten Binsenweisheiten legt der Stuntman besonderen Stellenwert auf Kampfsport. So kann Haslaman auch eine Brücke zu der von ihm entwickelten Kampfkunst Amarok schlagen und unverhohlen die Werbetrommel dafür rühren.

Haslaman schreibt aus der Praxis – und die ist nicht ganz so glamourös, wie sich manche das Arbeiten beim Film vorstellen mögen. Als Stuntman ist man das Letzte, man wird ausgenützt bis zum geht nicht mehr und muss manchmal nicht ganz legale Sachen machen, so Haslaman. Lapidare Sätze wie „Resultat war, dass er sich die Schienbeine brach. (…) Das war das Aus seiner Stuntman-Karriere.“ unterstreichen zusätzlich die Gefährlichkeit des Berufes. Auch einen gewissen Zorn auf ahnungslose Regisseure und eingebildete Schauspieler, die sich mit den Taten der Stuntleute schmücken, kann man aus dem Buch herauslesen.

Für Leute, die sich für Stunts im Allgemeinen oder für den Beruf als Stuntman interessieren, ist das Buch äußerst interessant. Für den Bereich Amateur- und Independentfilm ist es aber nur bedingt zu empfehlen, schließlich beträgt der Aufwand und die Kosten zu einem einzelnen der erklärten Stunts oft ein Mehrfaches von dem, was sich hierzulande Indie-Regisseure für ihre Filme insgesamt leisten können.

Störend ist, dass dem Autor die notwendige Distanz für ein Sachbuch fehlt. Da es auf eigenen Erfahrungen basiert, ist es natürlich sehr subjektiv geschrieben – aber hin und wieder gleitet der Text sogar in aufdringliche Werbung für Haslamans Kampfsport Amarok ab. Nötig hätte Haslaman dies nicht. Bei einem Gespräch mit ihm anlässlich der Independent Days VI 2004 in Karlsruhe offenbarte sich der Cascadeur als durchaus angenehmer und trotzdem überzeugender Gesprächspartner. Der Autor ist auch Filmregisseur und hat es mit seinem actionreichen aber storyschwachen Film „No Way“ in das Finale der ID VI geschafft. Als Ergänzung zu seinem Buch ist der Film auf jeden Fall zu empfehlen.

Wichtig: Das Buch dient als eine von vielen Informationsquellen. Vor allem kann und soll es nicht die qualifizierte Ausbildung durch eine Stuntschule oder Ähnliches ersetzen. „Das Lesen macht Sie zum Wissenden, aber nicht zum Könner“, warnt Haslaman eindringlich.

Rodja Pavlik

INFO: „Stunts – Anleitung für wahre Filmhelden“, Hakan Haslaman, Bender Verlag, ISBN 3-936497-00-1. Weitere Infos über Haslaman und seine Arbeiten unter www.stuntszene.de.

Written by HomeMovieCorner

29. März 2012 um 10:25

Veröffentlicht in Articles, Tipps & Tricks

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