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Sandzeit

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Früher... da war alles besserEin Mann sitzt einsam im Rollstuhl in seinem Zimmer. Früher, da war alles besser – doch leider kann man die Uhr nicht zurückdrehen. Oder doch? „Sandzeit“ – ein gefühlvolles Drama von Rasmus Greiner.

Ein Tag am Meer: Meeresrauschen… Nackte Füße im Sand… Ein Mann… Eine Frau… Glückliche Zeiten. Doch die sind vorbei. Einsam sitzt Jörg (Lars Havemann) in seinem Zimmer – gefesselt an seinen Rollstuhl. Diverse Alkoholika stehen auf seinem Tisch, daneben ein Brief von seiner Ex-Freundin Nina (Lea Schilling). Sie bittet ihn, nicht aufzugeben, ihrer Liebe eine Chance zu geben. Doch Jörg ist verbittert. Ein Foto ist alles, was ihm übrig geblieben ist. Er, Nina – und sein Motorrad. Und nun das hier! Verbitterung pur, da ist kein Platz mehr für Liebe.

Die Zeit vor dem RollstuhlDoch dann läutet es an der Wohnungstür. Jörg öffnet sie, doch es ist niemand da. Vielleicht hat jemand im Haus sich einen dummen Scherz mit dem Krüppel erlaubt? Doch dann sieht Jörg das Paket. Er nimmt es mit rein und öffnet es. Unter dem ganzen Verpackungsmaterial findet Jörg eine Sanduhr – aber kein Begleitschreiben, keine Erklärung.

Verwirrt fragt sich Jörg, was das soll. Dann hört er es… dieses Meeresrauschen. Vorsichtig dreht Jörg die Sanduhr um. Und befindet sich plötzlich mit seinem Rollstuhl am Strand. Verwirrt betrachtet Jörg seine Umgebung. Er will mit dem Rollstuhl fahren, doch der Sand blockiert die Reifen – und dann ist da etwas, das er schon lange nicht mehr gespürt hat: Seine Beine, sie scheinen wieder zu funktionieren. Ungläubig realisiert er sein Glück… das genau den Verlauf einer Sanduhr lang anhält. Zurück in seiner Wohnung versucht Jörg, das Optimale aus der neuen Situation zu gewinnen. Doch das Streben nach Perfektion, nach dem in-die-Länge-ziehen des Augenblicks wird nicht klappen – das kleine Wunder der Zeit funktioniert nach eigenen Regeln und lässt sich Jörgs Wünschen nicht unterordnen…

Kann man die Zeit zurückdrehen?Puh… was soll man da machen? „Sandzeit“ des deutschen Regisseurs Rasmus Greiner ist ein kleiner, kompakter, sehr gut gelungener Film, der zwar nicht die ultimative Höchstnote bekommt – aber an dem ich trotzdem nicht viel bekritteln kann. Der Film wurde 2005 auf dem Scheersberg-Festival in Schleswig-Holstein verdientermaßen mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. (Anm: Ja, ich war dort!) Rasmus Greiner erzeugt in seinem Film wunderschöne Stimmungsbilder, ohne dabei die Story zu vernachlässigen. Auch faszinierend, dass eine Geschichte ohne viele Worte erzählt wird. Dabei wird der Film alleine von dem guten Schauspiel von Lars Havemann (ein bisschen übertrieben geschminkt) und der wundervollen Musik von Andre Matthias getragen.

Havemann ist ein äußerst talentierter und glaubwürdiger Laienschauspieler. Die Wahl auf ihn als Schauspieler war für mich dennoch überraschend – kannte ich ihn doch bisher vor allem von seinem Werken hinter der Kamera. So machte er die Special Effects bei der Alien-Parodie „A-Five“ und u.a. Lichtgestaltung beim Invasionsthriller „Die Erste Nacht“ – beide Filme von Timo Landsiedel, mit dem Havemann die originelle Podcast-Serie „Das Büro des Todes“ textete und sprach. (Weitere SFX-Arbeiten von Havemann kann man hier finden.)

Erösung? Oder nur alles Lug und Trug?Die Musik von Andre Matthias erweist sich als weiterer „Hauptdarsteller“. Der Typ ist einfach genial. Sein Score unterstützt die Szenen perfekt und ist mal melancholisch, mal hoffnungsvoll – aber dann auch wieder deprimierend. Selten eine so gut funktionierende Musik in einem Indie-Film gehört.

Anmerkung: Die Rezension zu diesem Film ist schon etwas älter – und leider gibt es kaum Spuren im Web zu diesem Film. Aus diesem Grund wollte ich ihn auf meinem Blog „verewigen“. Regisseur Rasmus Greiner teilte auf Anfrage mit, dass es ihm berufsbedingt leider nicht mehr möglich ist, zu filmen. Er hat aber angedeutet, dass er „Sandzeit“ bald ins Netz stellen wird. Sobald das eintritt, wird der Film auch hier als Ganzes vorgestellt.

Rodja Pavlik

FOTO: Rasmus Greiner

INFO: Rasmus Greiner: „Sandzeit“ – D 2005, Drama – 15 min. Regie/Drehbuch: Rasmus Greiner. Kamera: Nils Grubbe. Schnitt: Rasmus Greiner. Ton: Janne Spielvogel. Musik: Andre Matthias. Produktion: Rasmus Greiner. Produktionskosten: ca. 600,- Euro. Darsteller: Lars Havemann, Lea Schilling.

Written by HomeMovieCorner

2. Oktober 2012 um 17:33

Eine Antwort

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  1. Hab den Film mal gesehen und der war echt cool!🙂 Schade dass der nicht mehr dreht…

    David

    2. Oktober 2012 at 20:09


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