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Legende – Die Geschichte eines Helden

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loomcoverDer schüchterne Student Richard wird von zwei Comic-Fans zu einem Experiment überredet: Ein Monat Vorbereitung – dann soll Richard als realer Superheld für Recht und Ordnung sorgen. Wird das Experiment klappen? Und wird Richard auch das Mädchen seiner Träume von seinen Qualitäten überzeugen können? Die Antwort gibt der Amateurfilm „Legende – Die Geschichte eines Helden“ der Grazer Gruppe Loom aus dem Jahr 2003.

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Richard (Regisseur Stefan Müller) ist Student der technischen Physik. Um sein Studium zu finanzieren trägt er Pakete aus. Außerdem ist er ein wahrer Loser im Angesicht des Herrn, ein Schüchti, ein Verklemmter und ein Träumer. Und genau auf so jemanden haben die Brüder Theo und Walter (Bernhard und Wolfgang Lukas) gewartet. Die beiden Comic-Freaks wollen ein Experiment starten: Sie wollen aus Richard innerhalb eines Monats einen realen Superhelden machen – und dann mit ihm die Stadt Graz von dem ganzen Gesindel befreien. Anfangs ist Richard nicht so recht überzeugt. Doch dann kommen die wahren Verlockungen des Superhelden-Lebens: Jede Menge Frauen und lukrative Werbeverträge. Wer kann da schon ablehnen? Vor allem noch, weil Richard unglücklich in Luisa (Elisabeth Zissler) – eine Bekannte aus der Videothek – verliebt ist. Die hat erst vor kurzem mit dem schönen Paul (Leopold Keber) Schluss gemacht, was dieser nicht all zu gut verkraftet haben dürfte…

Doch bis Richard ein Superheld werden kann, muss er noch durch eine sehr harte Schule: Rollenstudium der diversen Comichelden-Charaktere, ein Taek Won Do-Kurs im Schnellsiedeverfahren und diverse Kostümproben. Ausgerüstet mit einem coolen Outfit (und blonder Perücke), einer nun mehr tiefen, männlich-herben Stimme, einer restlichtverstärkenden Nachtsichtsonnenbrille (sic!) und einer schallgedämpften Betäubungspistole geht es ran ans Werk. Und der erste Übeltäter lässt nicht lange auf sich warten. Eine holde Maid wird im winterlichen Park überfallen. Noch etwas unbeholfen, aber unterstützt via Headset von Theo und Walter, schlägt der „Schwarze Ritter“ das erste Mal zu. Die Mission wird ein voller Erfolg! Theo, Walter – und nun auch Richard – sehen für die Stadt rosige Zeiten heranbrechen.

Helden müssen leiden

Helden müssen leiden

Je mehr Fälle er löst, desto selbstsicherer wird Richard in seiner Heldenrolle. Und eines Tages kommt seine ganz persönliche Stunde: Auch Luisa muss vor einem Unhold gerettet werden. Zwischen den beiden funkt es sofort – und Richard beschließt, dem Helden eine Ruhepause zu gönnen und Luisa ganz privat und inkognito zu erobern. Doch Richard und Luisa haben die Rechnung ohne Paul gemacht, der zu drastischen Mitteln greift…

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Die Werdung eines Superhelden – schon viele Filme haben dieses Thema bedient: Einer meiner Favoriten dazu ist M. Night Shylamans Film „Unbreakable“, aber auch das aktuellere „Batman Begins“ darf man nicht vergessen. Das Besondere an „Legende – Die Geschichte eines Helden“ ist aber die Tatsache, dass es ein österreichischer Film ist. Und wer hat schon jemals von österreichischen Superhelden gehört? Der Geschichte von Stefan Müller merkt man an, dass der Regisseur ein Faible für Comics hat.

Doch obwohl der Amateurfilm durchaus seine Highlights hat, irritiert er vor allem durch seine Orientierungslosigkeit. Was soll er sein? Eine Slapstick-Komödie? Ein Drama? Ein Actionfilm? Er ist weder Fisch noch Fleisch – und der Zuschauer sitzt genau zwischen den Stühlen. Das Werk hat seine lichten Momente: Man amüsiert sich köstlich, wenn der ungeschickte und naive Tollpatsch Richard seine ersten Nahkampflektionen lernen muss, oder wenn er sich in ziemlich tuntige Kostüme zwängt. Doch dann kommt die tragische Wende – und dieser Spagat ist deutlich misslungen.

Helden müssen leiden, Teil 2

Helden müssen leiden, Teil 2

Vom schauspielerischen Niveau bewegt sich das Ganze im mittleren Amateurbereich. Bernhard und Wolfgang Lukas kommen eher hölzern rüber, während Stefan Müller hingegen vor allem als gebrochener Held überzeugt. Elisabetz Zissler hat zwar keine herausragende Rolle, dafür spielt sie um so „süßer“. Die Anschlussfehler im Film fallen zwar auf, sind aber nicht so tragisch. Sehenswert wiederum sind einige technische Schnickschnacks, wie der computeranimierte Zug. Sehr viel rettet auch die stimmige Musik des Schweizer Komponisten Matthias Erb (allerdings fand ich das französische Lied für einen Superheldenfilm recht unpassend).

Neben dem Hauptfilm finden sich auf dem Silberling diverse Easter Eggs (wobei das Vorwort besonders witzig ist), die Musik von Matthias Erb, Audiokommentare und natürlich die obligaten – aber nicht unbedingt notwendigen – Features „Hinter den Kulissen“ bzw. „Verpatzte Szenen“. Die DVD wurde übrigens vom Label Unlimited Dreams Media veröffentlicht, das auch „Cut Character“ von Stephan Lenzen (Rezension hier) dankenswerterweise herausgebracht hat. Leider hat das Label danach seine Tätigkeit bis auf weiteres eingestellt, obwohl es damals noch plante, den von mir sehr geschätzten Vampirfilm „Dunkel“ von Hendrik Röhrs herauszubringen.

Für Graz brechen rosige Zeiten an

Für Graz brechen rosige Zeiten an

Einen Blick sollte man auch auf die Site www.loom.at werfen (empfehlenswert: die Helden-Parodie „Snake & Rusty“). „Legende – Die Geschichte eines Helden“ ist noch ein reiner Amateurfilm, aber danach steigerten sich Stefan Müller und seine Crew enorm. Bereits den Mystery-Streifen „Jenseits“ (2006) – mit Stars wie den Kabarettisten Reinhard Nowak, Thomas Stipsits und Andreas Vitasek in ernsten Nebenrollen – kann man ruhig als Großproduktion bezeichnen. Und obwohl ich „Jenseits“ wie auch dem 2010 veröffentlichten Sci-Fi-Historienschinken „Tartarus“ einiges vorhalte (siehe Rezension zu „Tartarus“ hier), so muss ich dennoch meinen Hut vor den Steirern ziehen. Diesen Mut und dieses Bekenntnis zu epischer Fantasy hat man hier in Österreichs Filmlandschaft noch kaum erlebt. Mit Ausnahme von Marco Kalantaris „Ainoa“ vielleicht, aber das ist eine andere traurige Geschichte.

Momentan arbeiten die Grazer an dem Monsterfilm „Biest“, auf den ich schon sehr neugierig bin.

Rodja Pavlik

FOTO: Unlimited Dreams Media, Loom

INFO: Verein LOOM: „Legende – Die Geschichte eines Helden“ – A 2002 – 2004, Kömödie/Drama/Action – ca. 80 min (exkl. Bonusmaterial). Regie/Drehbuch: Stefan Müller. Kamera: Bernhard Lukas, Stefan Müller. Schnitt: Bernhard Müller, Stefan Müller, Wolfgang Lukas. Special Effects: Robert Niessner. Musik: Matthias Erb, Carla Maurer (Subnee). Produktion: Verein LOOM. Produktionskosten: 1.500,- Euro. Darsteller: Stefan Müller, Bernhard Lukas, Wolfgang Lukas, Elisabeth Zissler, Leopold Keber, u.a.. Weitere Informationen unter www.loom.at

Written by HomeMovieCorner

29. Januar 2013 um 19:04

Eine Antwort

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  1. […] “Legende”, “Tartarus” , […]


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