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HMC-Classics: Mosted Dead – Der erste Mostviertler Western

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mosted6-leichenIns niederösterreichische Mostviertel bricht der Wilde Westen ein: Die Schicksale dreier Revolverhelden verstricken sich bis zum finalen Showdown. Hut ab vor der Gruppe Smoking Fox Productions, der 2001/2002 ein optisch gelungener Western gelang. Leider stört die Textlastigkeit ziemlich. Erst-Rezension am 20.11.2002. Der Film lief am 30. November 2002 im Rahmen des HomeMovieCorner sogar im renommierten Filmcasino.

Das Mostviertel: Ein idyllisches Stück Niederösterreich, das vor allem – wie der Name bereits impliziert – für seinen Obstanbau bekannt ist. Hier leben die Menschen noch in friedseliger Gemütlichkeit und pflegen ihre Trachten und Traditionen. Doch was ist das? Die Leute blicken erstaunt in die Umgebung, von fern hört man rasch heran galoppierende Reiter. Die alpenländische Volksmusik wird von einer übel gelaunten Mundharmonika abgelöst, das Farbbild wechselt ins Sepiabraune und bekommt Risse: Der Wilde Westen ist ins Mostviertel eingebrochen.

Es ist eine raue Zeit, in der nur jene überleben, die entweder Geld oder einen schnellen Colt haben. The Irish (Johannes Käfer) hat beides – und diese Allmacht bekommt seine Umgebung bitter zu spüren. Höchstens Puzzle könnte ihm Paroli bieten, doch bei einem Duell zwischen den beiden wird Puzzle aus dem Hinterhalt erschossen.

Don't mess with The Irish!

Don’t mess with The Irish!

Jahre später: The Irish ist noch wohlhabender geworden, sein Colt ruht – doch sein Ruf ist noch immer legendär, sein Jähzorn noch immer gefürchtet. Zur gleichen Zeit macht The Player (Wolfgang Kirchweger) die Gegend unsicher. Ein Spieler, wie der Spitzname schon sagt, der den Nervenkitzel sucht – sei es nun im Spiel oder im Duell. Und schließlich ist da noch der gesichtslose Face (Hermann Niklas) – mehr Mythos als real existierend -, der noch eine alte Rechnung offen hat. Langsam verstricken sich die Schicksale der drei Revolverhelden miteinander – bis zum finalen Showdown. Demjenigen, der überleben wird, ist der ewige Ruhm sicher. Doch auch für einen Mythos ist kein Platz mehr in dieser Zeit…

Die Gruppe Smoking Fox Productions rund um Karl-Martin Pold, Manuel Hölzl und Mario W. Böck war 2001/2002 ein großes Wagnis eingegangen: Einen Western vor österreichischer Kulisse zu drehen. Und das ist dem Trio mit der rund 10.175,- Euro (Anm: Wie man unschwer erkennen kann, war zum Zeitpunkt der Erstrezension das ständige Umrechnen Schilling/Euro noch en vogue und von Unsicherheiten geprägt) teuren Produktion durchaus gelungen – mit einigen Abstrichen.

Mit Face ist auch nicht zu spaßen

Mit Face ist auch nicht zu spaßen

Die Story ist zwar nicht unbedingt innovativ und an manchen Stellen vielleicht unübersichtlich (z.B. Zeitebenen) – auch kann man in manchen Szenen die großen Film-Vorbilder erkennen (z.B. „Schneller als der Tod“ oder „Erbarmungslos“). Doch das tut dem Filmvergnügen keinen Abbruch. Von Zeit zu Zeit blitzen unerwartete und originelle Einfälle – wie die eingangs erwähnte Einführung des Mostviertels als Westernkulisse – und Pointen durch. Es handelt sich auch nicht wirklich um eine durchgehende Geschichte, sondern um äußerst lose aneinander gehängte Episoden, in denen jeder der Protagonisten zeigen kann, wie gut er mit dem Mundwerk und/oder der Waffe umgehen kann. Manchmal schrammt das Ganze aber unabsichtlich gefährlich nahe an einer Parodie vorbei. So trägt Face seinen Hut so tief ins Gesicht geschoben, dass er unmöglich etwas sehen kann. Auch wird oft mit dem Pathos etwas übertrieben.

Das größte Manko an „Mosted Dead“ ist vor allem die Textlastigkeit. Zwar zitieren Smoking Fox Productions den legendären Western-Regisseur Sergio Leone als Vorbild – doch was auf der Bildebene gut abgeschaut wurde (Hut ab vor Kameramann Mario W. Böck), wurde bei den Dialogen versäumt. Während Leone auf Wortkargheit und Action setzt, übertreiben es Smoking Fox Productions mit überlangen Dialogen. Ein besonders krasses Beispiel für Langatmigkeit ist die Friedhofsszene. Drei Männer trauern um ihren von Face erschossenen Bruder. Ist der Dialog schon so viel zu lang, wird die Geduld des Zuschauers noch dadurch strapaziert, dass einer der Schauspieler einen Stotternden mimt.

mosted4-playerIm Großen und Ganzen ist der Film wunderschön in Szene gesetzt. Neben den gelungenen Aufnahmen wurde vor allem viel Augenmerk auf die Ausstattung und das Design gelegt. Das Sepiabraun verwandelt die sonst so satt-grünen Hügel des Mostviertels in eine karge, staubige Gegend, ein Friedhof wurde extra angelegt, Cowboys schauen noch wie echte Cowboys aus – und Salonhuren eben wie Salonhuren. Es fällt auch nicht auf, dass das Freudenhaus in einem rustikalen Bauernhaus spielt. Als einziges technisches Manko fällt nur der Ton auf. Manchmal ist das Gesprochene so leise aufgenommen, dass es in Zusammenspiel mit der Musik kaum verständlich ist. Aber wie gesagt, das geschieht nur manchmal.

Schauspielerisch fällt vor allem Johannes Käfer auf, der Irish eine energische, aber auch in sich zwiegespaltene Persönlichkeit verleiht. Auch Wolfgang „The Player“ Kirchweger hat mimische Höhepunkte, aber manchmal wirkt er von den überlangen Dialogen überfordert. Von Hermann „The Face“ Niklas kann man – aufgrund des tief ins Gesicht geschobenen Hutes – schauspielerisch nicht viel sagen; allein seine unheilvoll gepresste Stimme ist bemerkenswert. Neben den drei Hauptakteuren gibt es in dieser Großproduktion noch jede Menge Nebendarsteller, deren Qualität aber leider auffallend unterschiedlich ist.

Zwei Punkte, die auch noch interessant sind: der Einsatz einer prominenten Persönlichkeit – in diesem Fall der österreichische Schlagersänger Waterloo – und das Product Placement von Wieselburger Bier. Die Werbung ist so unverschämt auffällig, dass sie schon wieder gut ist.

Rodja Pavlik

mosted5-NicoletteINFO: Smoking Fox Productions: „Mosted Dead – Der erste Mostviertler Western“ – A 2001-2002, Western – 100 min. Regie: Karl-Martin Pold. Drehbuch: Manuel Hölzl. Kamera: Mario W. Böck. Schnitt: Manuel Hölzl. Ton: Helena Hauke, Sarah Schörghuber, Carina Pold, Jutta Mayer. Musik: Stefan Kupsa, Die Lemminge. Design: Helena Hauke, Christoph Steiner, Hermann Niklas. Special Effects: Christoph Trost, Manuel Hölzl, Fam. Kozisnik. Produktion: Karl-Martin Pold, Manuel Hölzl, Mario W. Böck. Produktionskosten: ca. 10.200,- Euro. Darsteller: Wolfgang Kirchweger, Hermann Niklas, Johannes Käfer, Waterloo, Bettina Halbertschlager, u.a.

Was ist HMC-Classics?

Nachspiel: Regisseur Karl-Martin Pold hat sich in den Jahren nach „Mosted Dead“ seinen Doppel-Magister geholt und steht hinter dem Crowd-gestützten „Bud Spencer Movie“, über den schon mehrmals berichtet wurde. Natürlich hier, aber auch in „richtigen“ Medien (TV, Zeitungen, internationale Presse). Obwohl… Film kann man das ja gar nicht mehr nennen, mehr schon Projekt. Denn im Arbeitsprozess zum Film entstanden (eben) zwei Diplomarbeiten – und aktuell wird an dem „Das ultimative Spencer/Hill Fanbuch“ gearbeitet.

Manuel Hölzl (Drehbuch/Schnitt) hat nach „Mosted Dead“ einige Kurzfilme gedreht und arbeitet nun beim ORF. 2012 hat er sich an seinen nächsten Spielfilm mit einer eher experimentellen Herangehensweise gewagt. „Giftnovelle“ mit David Hofer („Planet USA“) in der Hauptrolle befindet sich zur Zeit in der Postproduktion.

Written by HomeMovieCorner

10. Mai 2013 um 14:27

2 Antworten

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  1. […] diversen Independent-Produktionen (eben “Let Me Try Again”, aber auch Manuel Hölzls (“Mosted Dead”) aktuellem Werk “Giftnovelle”) kennengelernt. Nun hat Thomas aber in “Der alte […]

  2. […] still um das Bud-Spencer-Filmprojekt “Sie nannten ihn Spencer” von Karl-Martin Pold (“Mosted Dead”), doch nun gibt es Neues zu berichten: Ja, es geht weiter! […]


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