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Crowdfunding für „German Angst“

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poster2.indd„Veronica Mars“ hat es getan, Zach Braff ebenfalls – also warum sollten es nicht ausnahmsweise auch mal ein paar Filmemacher probieren, die nicht unbedingt mit beiden Beinen im breiten Geldfluss stehen? Die Rede ist von Crowdfunding, diesem alternativen Finanzierungsmodell, bei dem die Internet-Community ein Projekt unterstützt – und so theoretisch es auch den sogenannten Kleinen ermöglicht, etwas zu realisieren.

Drei, die es unbedingt wissen wollen, sind die deutschen Indie-Regisseure Jörg Buttgereit und Andreas Marschall sowie der in Berlin lebende Österreicher Michal Kosakowski. Über Startnext.de wollen sie bis zum 31. Juli 2013 30.000 Euro lukrieren, um gemeinsam den Episodenfilm „German Angst“ zu stemmen.

Die Filmemacher sind keine Unbekannten mehr, dennoch dürfen sie mit ihren Themen kaum auf öffentliche Förderungen hoffen. Sie wollen nämlich Genrefilme drehen – und zwar nicht die allseits beliebten Blockbuster-Liebeskomödien mit den Plüschtiermutanten im Titel, sondern düstere, abartigere welche. In „German Angst“ geht es um Liebe, Sex und Tod im Deutschland des 21. Jahrhunderts. Nun ja, Liebe und Sex sind weder düster noch abartig, doch wer das Oeuvre der drei Filmemacher kennt, weiß, dass die beiden schönen Sachen des Lebens hier dirket mit der Komponente Tod verbunden werden. Buttgereit, Marschall und Kosakowski wollen drei urbane Alptraum-Stories aus dem heutigen Berlin erzählen und damit an die vergessene Horrortradition der 1920er Jahre anknüpfen.

Die erste Episode von Jörg Buttgereit „FINAL GIRL“ erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das alleine mit seinem Meerschweinchen in einer heruntergekommenen Berliner Mietwohnung lebt. Aber ist sie wirklich alleine? Im Schlafzimmer liegt ein Mann, gefesselt und geknebelt…

In der Episode „ALRAUNE“ von Andreas Marschall stößt ein junger Mann im Berliner Nachtleben auf einen geheimen Erotik-Club, der die ultimative sexuelle Grenzerfahrung verspricht: mit Hilfe einer Droge aus den Wurzeln der sagenumwobenen Alraune-Pflanze. Aber die ekstatischen Erlebnisse haben grauenhafte Nebenwirkungen…

„MAKE A WISH“ von Michal Kosakowski erzählt, wie Kasia und Jacek, ein taubstummes polnisches Pärchen, in die Hände einer sadistischen Hooligan Gang fällt. Die jungen Leute scheinen den Schlägern hilflos ausgeliefert. Aber Kasia hat ein Amulett, das schon im Zweiten Weltkrieg den Lauf der Geschichte geändert und ihre Mutter gerettet hat. Plötzlich geschieht etwas Magisches, das die Situation überraschend auf den Kopf stellt.

Trio infernal: Buttgereit, Marschall und Kosakowski

Trio infernal: Buttgereit, Marschall und Kosakowski

Für Jörg Buttgereit („Der Todesking“, „Schramm“) würde laut Presseinformation „German Angst“ eine Rückkehr zum Spielfilm nach über 20 Jahren bedeuten. Der Underground-Regisseur war in den 1980ern meine erste Berührung mit dem Indie-Film. Nein, zu der Zeit habe ich damals „Nekromantik“ zwar nicht gesehen, aber einen TV-Beitrag über den auf Super 8 gedrehten Film. Die Ausschnitte waren nicht gerade gustiös, aber ich dachte mir: „Wow! Man kann privat Filme drehen?!? So ohne Studio?“ Mittlerweile habe ich „Nekromantik“ und „Nekromantik II“ nachgeholt. Die Filme haben etwas, das muss ich sagen. Ich bin aber nie dazu gekommen, mir sie ein zweites Mal anzusehen. Es war doch recht schwierig, meine entgleisten Gesichtszüge danach wieder zu glätten.

Andreas Marschall („Tears of Kali“) fiel zuletzt durch seine Giallo-Hommage „Masks“ Publikum wie auch Kritikern positiv auf. Den Film nenne ich inzwischen auch schon mein eigen – und obwohl der Film durchaus seinen Charme hat, nehme ich mal an, dass ich mit dem Genre Giallo selbst nicht so richtig warm werde. Das einzige – für mich -unbeschriebene Blatt ist Andreas Kosakowski. Doch seine Dokumentation „Zero Killed“ über Menschen und ihre Mordfantasien, die sie in Spielszenen ausleben dürfen, klingt nach starkem Tobak. Insofern kann ich mir durchaus vorstellen, dass „German Angst“ wieder ein sehr extremer Film werden könnte.

Rodja

PS: Ursprünglich wollte ich ja als Titel „Crowdfunding für Kraut-Film“ schreiben… höhöhö. Gottseidank hab ich’s nicht.

INFO: www.german-angst.com; www.startnext.de/german-angst
FOTO: Yazid Benfeghoul

Written by HomeMovieCorner

29. Mai 2013 um 17:34

Veröffentlicht in Indie News

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9 Antworten

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  1. Tolles Projekt aber mein erster Gedanke war: „Buttgereit? Eher nicht.“
    Das mag unfair sein aber ich bin eben kein großer Fan von ihm…

    Patrick

    29. Mai 2013 at 19:18

    • Als Fan kann man mich auch nicht bezeichnen, dafür kenne ich zu wenig seiner Arbeiten. Gerade Nekromantik und Nekromantik II habe ich gesehen – und die waren mir a bisserl too much. Obwohl… Nekromantik II habe ich besser vertragen, weil humoriger. Und: Nekromantik ist wirklich eine tragische Dreiecksbeziehung. Hätte ich zuerst nicht geglaubt bei dem Thema – aber letztendlich war der Film doch sehr gefühlvoll inszeniert und die Charaktere glaubhaft. Allerdings mir zu extrem. Der Film hat – trotz der vielen extremen Berichte, die ich darüber gelesen habe – mich überrascht.

      Von Buttgereits anderen Arbeiten (Hörspiel, Theater, Dokus) kenne ich nicht wirklich was.

      Ob ich das Projekt unterstütze weiß ich noch nicht. Gerade habe ich 500 Euro an ein anderes Projekt überwiesen – und ein Schweizer, der nächstes Jahr drehen will, hat mich auch schon neugierig gemacht.

      HomeMovieCorner

      31. Mai 2013 at 05:53

  2. Gut, jetzt muss ich gestehen dass ich Buttgereit im ersten Moment mit Olaf Ittenbach verwechselte. Ein wenig peinlich…

    Das Projekt steht zumindest mal auf meiner Liste aber ich bin mit den Unterstützungen ein wenig vorsichtiger. Was hast du bislang unterstützt und auf welchen Schweizer bist du da neugierig?

    Patrick

    3. Juni 2013 at 07:46

    • Hahaha… Buttgereit mit Ittenbach verwechseln…

      Bisher habe ich „Let Me Try Again“ von Gerhard Fresacher unterstützt (500 Euro, war aber kein Crowdfunding-Projekt – und hat mir einen Associate Producer-Titel auf imdb eingebracht. Da habe ich mitgemacht, weil der begnadete David Hofer die Kamera gemacht hat – und bei dem habe ich das Gefühl, dass der noch mal groß rauskommt), Vlad Priborskys „Sophie“ (20 Euro, bin im Vor- und Abspann als Producer genannt – das war überhaupt das erste Crowdfunding-Projekt, wo es eigentlich noch kein Crowdfunding gab), dann „Void“ von Stefan Lukacs (100 Euro, diesmal sogar echtes Crowdfunding) – und ganz aktuell „Cerusit“ von Matthias O. Eich (HomeMovieCorner-Drehförderung mit 500 Euro). Ich bilde mir auch ein, dass ich bei „Kendrick – A Grim Tale of Hatred and Revenge“ was beigesteuert habe… bin mir aber nicht mehr sicher.

      Über das Schweizer Projekt möchte ich noch nicht so viel erzählen, da startet die Aktion erst.

      HomeMovieCorner

      3. Juni 2013 at 09:08

      • Ach ja, die HomeMovieCorner-Drehförderung, stimmt. Da bin ich schon gespannt was aus „Cerusit“ wird. Das sieht ganz vielversprechend aus.

        Ich bilde mir ein für „Sie nannten ihn Spencer“ 10 oder 20 Euro gespendet zu haben aber da bin ich mir nicht mehr so sicher. Meine Kreditkartenabrechnung wird es schon wissen.😉

        Patrick

        3. Juni 2013 at 09:35

  3. Stimmt! Für „Sie nannten ihn Spencer“ habe ich auch noch gespendet.

    HomeMovieCorner

    3. Juni 2013 at 09:37

  4. So, jetzt habe ich auch meinen (kleinen) Anteil an „German Angst“.

    HomeMovieCorner

    7. Juni 2013 at 13:38

  5. Ja, auch ich habe jetzt einen kleinen Betrag gespendet.

    Genzel

    8. Juni 2013 at 07:38

  6. […] das deutsche Filmprojekt “German Angst” wurde hier ja schon mal zu Beginn der Crowdfunding-Phase berichtet. Nun ist das Projekt abgeschlossen und die […]


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