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Homesick – Die Crowd im Prozess des Filmschaffens

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© mojo:pictures

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Wolfgang Gumpelmaier ist so was wie der Guru des Crowdfunding in Österreich. Für seinen Blog Socialfilmmarketing.com interviewte er den Filmemacher Jakob M. Erwa über die Finanzierung seines Thrillers „Homesick“ (über den hier auch schon mal berichtet wurde) durch Crowdfunding. Dabei ging es nicht nur um die Erreichung des finanziellen Zieles, sondern auch um weitere nützliche Aspekte der Crowd im kreativen Prozess des Filmeschaffens an sich. Der Artikel wurde freundlicherweise dem HomeMovieCorner zur Verfügung gestellt.

Der Grazer Regisseur und Autor Jakob M. Erwa erhielt für sein Drama “Heile Welt” 2007 den Großen Diagonale-Preis und ist unter anderem auch durch die ORF-Serie “tschuschen:power” bekannt. Aktuell arbeitet er am Thriller “Homesick“, der zum Teil via Crowdfunding finanziert wurde. Dazu habe ich ihn bereits vor einigen Wochen im Crowdfunding-Talk auf ununi.TV interviewt. Generell spielt die Crowd im Prozess des Schaffens bei Jakob aber eine sehr große Rolle, daher habe ich ihn noch einmal zum Interview gebeten:

Wolfgang: Hallo Jakob, du arbeitest aktuell an deinem Spielfilm “Homesick“. Worum geht’s darin?

Jakob: HOMESICK erzählt die Geschichte der ehrgeizigen Cello-Studentin Jessica, die gerade mit ihrem Freund Lorenz zusammen in ihre erste gemeinsame Wohnung zieht. Als sie die ehrenvolle Einladung erhält, Deutschland bei einem internationalen Klassik-Wettbewerb zu vertreten, ist dies ihre große Chance – gleichzeitig bedeutet es aber auch enormen Druck. Zusehends beginnt sich ihre Anspannung in den Alltag zu nagen und schon bald scheinen Realität und Einbildung zu verschwimmen.

Wolfgang: Im Rahmen der Arbeit zu diesem Thriller kommuniziert ihr viel mit der Crowd, also eurem späteren Publikum. Wie sieht diese Kommunikation aus?

Jakob: In erster Linie nutzen wir Facebook, weil da einfach die meisten User online sind. Schon in der Castingphase habe ich die Facebook-Seite gestartet und die Leute konnten sich zunächst über’s Casting erkundigen und bewerben. Später haben wir sie umgemodelt und jetzt dient sie als offizielle Film-FB-Seite. Hier poste ich immer wieder neue Schritte, manchmal auch Artikel zum Thema, den Stand der Dinge oder einfach Gedanken zum Projekt. Das Publikum ist also ziemlich nah dran, was so passiert bei uns. Ob positiv oder negativ😉 Außerdem versuchen wir auch unsere Startnext-Seite (Crowdfunding) aktuell zuhalten, was zugegebenermaßen eher mittelmäßig gut funktioniert. Und seit dem Dreh twittern wir auch.

Wolfgang: Mich interessiert vor allem das Dialogische an dieser Kommunikation. Welchen Mehrwert schafft die Crowd innerhalb des Filmschaffens-Prozesses?

Jakob: Speziell in der Vorbereitungszeit habe ich versucht, die “Crowd” miteinzubeziehen und immer wieder Fragen gestellt, was bei Requisiten begann und bis zur Mitabstimmung einer Nebenrolle über Casting-Video-Vergleich ging. Das war sehr spannend… Auch im Schnitt haben wir zu einem Testcreening eingeladen oder die ersten Poster-Entwürfe gepostet und die Leute abstimmen lassen. Das hilft sehr, weil man einen ersten Eindruck bekommt, was ankommt, und was weniger.

Wolfgang: Als Crowdfunding-Prämie gab’s auch die Teilnahme am Testscreening. Inwiefern half euch das Feedback den Film zu optimieren?

Jakob: Das Testscreening hat uns sehr geholfen, zumal wir durch einen anonymen Fragebogen und eine anschließende Diskussionsrunde ein sehr detailliertes Feedback bekommen haben und speziell auf Punkte und Stellen im Film eingehen konnten, wo wir selbst noch nicht ganz sicher waren. Speziell was Verständnis und Wirkung betrifft. Diese aller erste mehr oder weniger öffentliche Vorstellung vor einem Publikum war sehr aufregend, aber auch sehr hilfreich und hat uns geholfen, nochmals viel aus dem Film rauszuholen und den finalen Schnitt zu erstellen.

Wolfgang: Ist das die Zukunft des Filmemachens? Also eine direkte und ganz enge Zusammenarbeit mit der Crowd?

Jakob: Ich glaube, das ist ein Weg, wie man künstlerisch arbeiten kann. Aber ich würde nicht sagen, dass dieser Weg für alle Filmemacher und für jedes Projekt stimmen muss. Hier hat’s mich sehr interessiert. Vielleicht weil ich einfach auch selbst ein Marketing-Fan bin und gerne neue Wege ausprobiere. Mal sehen, welchen Weg mein nächstes Projekt einschlagen wird…

Wolfgang: Apropos nächstes Projekt? Wann startet Homesick und was kommt danach?

Jakob: Die Postproduktion und Fertigstellung von “HomeSick” wird noch bis etwa Juli dauern. Dann ist erstmal eine Festivalauswertung geplant. Ob und wann es dann einen regulären Kinostart gibt (oder ob wir auch in der Auswertung alternative Wege einschlagen wollen ;-)), steht noch in den Sternen. Jedenfalls erfahren wir jetzt schon gesteigertes Interesse. Irgendwie muss sich das Projekt wohl bereits ein wenig herumgesprochen haben, denn schon jetzt schreiben uns Filmfestivals an und wollen einen Screener sehen. Das freut mich, dann haben wir wohl zumindest im Social Media Marketing etwas richtig gemacht…😉

Zu neuen Projekten kann ich bislang nur sagen, dass ich an drei weiteren Büchern arbeite. Eines ist die Verfilmung des Erfolgsromans “DIE MITTE DER WELT” von Andreas Steinhöfel. Dass ich da nach langem Kampf die Verfilmungsrechte bekommen habe, freut mich sehr, denn es ist eines meiner pesrsönlichen Lieblingsbücher. Und ich bekomme Zuschriften aus aller Welt, weil viele Menschen auf eine Verfilmung warten…

Wolfgang: Vielen Dank, Jakob, klingt spannend. Ich denke, wir hören/lesen hier an dieser Stelle nicht das letzte Mal von dir und freue mich auf den fertigen Film!

Wolfgang Gumpelmaier
Gumpelmaier.net

Written by HomeMovieCorner

5. Mai 2014 um 09:12

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