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„The Dreamlands“ – Crowdinvesting als Plan B zur Filmfinanzierung

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© Huan Vu

© Huan Vu

Crowdfunding ist in der Filmbranche in aller Munde. Für viele Filmemacher ist es oft die letzte Möglichkeit, ein Projekt doch noch finanziert zu bekommen. Wenn es allerdings um größere Summen geht, hat CF im deutschsprachigen Raum anscheinend noch nicht die Breitenwirkung, wie man es vom anglosächsischen Raum (siehe z.B. „VGHS“ oder „Wish I Was Here“ von Zach Braff) her kennt. Doch was tun, wenn ein ehrgeiziges Filmprojekt nicht genügend gecrowdundet wird? Einfach aufgeben oder einen Neustart wagen?

Für seinen Blog Socialfilmmarketing.com hat der österreichische Crowdfunding-Experte Wolfgang Gumpelmaier den deutschen Filmemacher Huan Vu interviewt, dessen Projekt „The Dreamlands“ (nach H.P. Lovecraft) vor genau dieser Entscheidung stand. Der Artikel wurde dem HomeMovieCorner freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Im HomeMovieCorner habe ich vor ein paar Monaten das erste Mal über das Film-Projekt “The Dreamlands” gelesen. Kurz darauf habe ich den Film drüben auf gumpelmaier.net zum Crowdfunding-Projekt der Woche erklärt. Leider haben Huan Vu und sein Team bei der damaligen Crowdfunding-Kampagne ihr Ziel nicht erreicht. Kurz darauf gingen sie aber erneut online, mit einen geänderten Plan: einem Mix aus Crowdfunding und Crowdinvesting. Und siehe da, es hilft. Die Story dahinter hat mit Regisseur Huan Vu in einem Interview erzählt:

Wolfgang: Mit “The Dreamlands” möchtest du einen H.P.Lovecraft-Roman verfilmen. Erzähl uns doch bitte kurz, worum es bei dem Projekt geht.

Huan Vu: Der Traumlande-Zyklus ist eine lose Reihe von Geschichten des Kultautors H.P. Lovecraft, welche in einer mystischen Traumdimension spielen. Bisher wurde filmisch bis auf einige Kurzfilme nichts daraus gemacht, ich habe es mir daher als nächstes Projekt nach unserem Erfolg mit der Verfilmung von “The Colour Out of Space” auserkoren, denn es ist sehr reizvoll, hier Neuland zu betreten. Den Zuschauer erwartet eine Mischung aus klassischem Fantasy und Lovecrafts typischem kosmisch-philosophischem Grusel.

© Huan Vu

© Huan Vu

Wolfgang: Ihr habt ja vor wenigen Wochen eine Crowdfunding-Kampagne erfolglos beendet, aber gleich darauf eine neue gestartet. Erzähl doch mal bitte…

Huan Vu: Die erste Kampagne war nicht optimal durchgeführt und auch zu hoch angesetzt. Trotz des Einspringens von FFL als Business Angel (Film- und Fernsehlabor, eine Produktionsfirma in Ludwigsburg, u.a. “Der Sandmann” und “Schuld sind immer die anderen”) kamen wir “nur” auf knapp 54.000 EUR, das waren ca. 40% der Zielsumme. Damit wurden wir meines Wissens nach zwar das dritterfolgreichste Independent-Film-Crowdfunding in Deutschland nach “Hotel Desire” (150.000 EUR) und “Adolf” (ca. 121.500 EUR), aber es reichte eben nicht und wir mussten uns überlegen, wie wir darauf reagieren sollten.

Eine Option wäre es gewesen, abzuwarten und sich neu zu sammeln – und auf eine baldige Expansion von Kickstarter nach Deutschland zu hoffen, als zugkräftigere Alternative zu IndieGoGo. Auf Kickstarter lassen sich unzählige Lovecraft-Projekte finden, unsere Zielgruppe ist dort bereits sehr zahlreich vertreten. Zum damaligen Zeitpunkt war es aber noch nicht so ganz absehbar, wann Kickstarter auch für deutsche Projekte geöffnet werden würde und die Prozedur über ausländische Firmengründung und Bankkontoeröffnung war uns zu kompliziert und zu aufwändig.

Daher bevorzugte ich die andere Option, welche dann glücklicherweise auch prompt zu einem großen Erfolg wurde: Wir bieten nun im zweiten Anlauf auch die Möglichkeit des Crowdinvesting an. Mit einer Mindesteinlage von 250 EUR kann man Teil unserer Stillen Gesellschaft werden und damit Anteile an zukünftigen Einnahmen erhalten. Das Geld fließt also langfristig wieder zurück und eventuell springt am Ende Gewinn heraus.
Vielen sagte dieses Modell sehr zu, es passte deutlich besser zu unserem Projekt. Der harte Kern der Lovecraft-Fangemeinde ist nun mal nicht so zahlreich, mehrere Tausend Vorverkäufe an DVDs bzw. Blu-rays wie bei anderen ähnlich groß angelegten Crowdfunding-Filmprojekten erwies sich als nicht zu bewerkstelligen. Doch die Begeisterung und das Vertrauen einiger enthusiastischer Fans zeigte sich auf der anderen Seite als groß genug, was mitunter zu sehr hohen Investitionssummen führte.

Wolfgang: Die “Crowd”, also eure Fans und Freunde bzw. das spätere Film-Publikum, scheinen eine wichtige Rolle in eurem Projekt zu spielen. Welche?

Huan Vu: Wir sind ja selbst Lovecraft-Fans, daher ist es uns sehr wichtig, vom potenziellen Publikum den Initialfunken für dieses Projekt zu erhalten. Viele gehen ja zuerst zur Filmförderung und erst danach wird Crowdfunding bemüht, um etwaige Finanzierungslücken zu schließen oder das Budget vor Drehbeginn noch aufzupäppeln.

Wir haben bewusst den umgekehrten Weg gewählt, wir möchten zuerst sehen, ob der Wunsch nach diesem Film bei den Lovecraft-Fans groß genug ist, bevor wir in die Vollen gehen. Man muss nämlich dazu auch sagen, dass der Traumlande-Zyklus unter vielen Fans eher ein Schattendasein fristet und nicht so bekannt und beliebt ist wie andere Geschichten von H.P. Lovecraft.

Wolfgang: Sobald die Finanzierung also steht, wie soll es weitergehen?

Huan Vu: Dann geht es sofort mit den weiteren Schritten los, wie z.B. Casting, Drehortsuche, Produktionsdesign, Förderanträge usw. Die Crowdfundingkampagne ist ja schon bereits enorm viel Arbeit, das wird dann noch einmal eine Stufe mehr sein. Aber ich freue mich darauf, die kommenden Jahre diesem Projekt widmen zu dürfen, falls es klappt.

Wolfgang: Wann plant ihr mit “The Dreamlands” fertig zu sein? Wann und wo wird der Film zu sehen sein?

Huan Vu: Der Film wird frühestens Ende 2017 fertiggestellt sein, das hängt von vielen Faktoren ab. Danach wird er hoffentlich auf zahlreichen Genrefilmfestivals laufen und vielleicht sogar, wer weiß, in die Kinos kommen. Aber das ist alles Zukunftsmusik, das Wichtigste ist es erstmal den Film überhaupt zu realisieren.
Wolfgang: Ist das nicht eine etwas vage Vorstellung? Vor allem auch den Investoren gegenüber?
Huan Vu: Ich kann nicht versprechen, was ich nachher nicht einhalten kann. Wir sind auf jeden Fall ein “wild horse”, auf das man setzt. Wir können nur versuchen den bestmöglichen Film mit unseren Mitteln zu kreieren und alles daran setzen, dass danach die Auswertung auch möglichst optimal für alle Beteiligten erfolgt. Das Wichtige an unserem Modell ist denke ich, dass wir alle im selben Boot sitzen. Wir treten auch nur als Investor in Höhe unserer eigenen Investitionen auf, ohne Bevorzugung oder Sonderkonditionen. Das heißt wir verdienen und wir verlieren genauso wie alle anderen.

Wolfgang: Hoffen wir also das Beste. Viel Erfolg mit eurem Film-Projekt!

Wolfgang Gumpelmaier
Gumpelmaier.net

INFO: Film-Site: www.the-dreamlands.com; Facebook-Site: www.facebook.com/TheDreamlands; offizieller Produktionsblog: www.700stufen.de; Site für Crowdinvesting: www.the-dreamlands.com/de/home/investing/; Site für Crowdfunding: http://igg.me/at/the-dreamlands

Written by HomeMovieCorner

9. Juli 2014 um 14:55

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