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„Planet USA“-Regisseur Flo Lackner im Interview

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© Flo Lackner Films

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Im Jahr 2002 erhielt die damalige HomeMovieCorner-Redaktion mit dem 1999 gedrehten „Birthday“ von Florian Lackner einen schwarzhumorigen und splatterlastigen Kurzfilm aus Kärnten. An und für sich nicht so ganz mein Gusto, hatte der Film doch einige starke Momente, die hängen blieben. Außerdem plante Flo Lackner damals mit „Morning Has Broken“ einen Film über einen US-GI im Zweiten Weltkrieg – und das klang für die damalige Amateurfilm-Ära ziemlich spektakulär. Letztendlich wurde der Spielfilm aber nie fertig gestellt. In den Jahren danach hörte ich aber immer wieder von Flo Lackner und verfolgte seinen Werdegang aufmerksam.

Jetzt meldet sich der 31-jährige Regisseur und Drehbuchautor mit „Planet USA“ als drittem Teil (nach dem Kurzfilm “Red Santa Down” (2006) und dem Spielfilm “Yellow Cape Town” (2007)) rund um den tumben, schießwütigen und ultra-patriotischen US-Major George Conrad zurück. Die Tagline „Der größte Actionfilm aller Zeiten – Das kleinste Action-Budget aller Zeiten“ ist durchaus symptomatisch für österreichische Produktionsverhältnisse. Erstens kann ich mich an keinen österreichischen Film mit einem größeren Action-Anteil erinnern, zweitens wurde das Ganze mit einem Budget bewerkstelligt, mit dem andere Produktionen wahrscheinlich ihr Catering abdecken.

Mit dem HomeMovieCorner sprach der Filmemacher nun über seinen Werdegang, Action made in Austria, prominente Synchronsprecher und eine „bsoffene Gschicht“.

HomeMovieCorner: Kannst du ein bisschen was über dich erzählen? Was machst du beruflich? Was war deine Ausbildung? Wie bist du zum Film gekommen? Was sind deine filmischen Vorbilder?

Flo Lackner: Der Fanatismus zum Filmemachen packte mich schon sehr früh und meinen ersten Film habe ich im Alter von sieben Jahren gedreht. „Das Monster aus der Unterwelt“, in welchem die titelgebende Kreatur von mir selbst verkörpert wurde und den „Limbo Dance“-singenden David Hasselhoff killt.

Ich bin auch ein Kind der Generation, dessen Eltern sich eine Kamera für Familienaufnahmen zugelegt hatten, aber diese konnte ich für meine Zwecke leider nicht verwenden. Technik und Material waren damals sehr teuer und ich zu tollpatschig. Schließlich ging der Traum eines eigenen Camcorders an meinem dreizehnten Geburtstag in Erfüllung. Selbiger wurde wenig später bei Unterwasseraufnahmen, geschützt durch einen Dixan-Megapearls-Plastikbehälter, im Hallenbad versenkt.

Nachdem einige tausende Schillinge einer Art Seebestattung erlagen, meinten meine Eltern, dass es in nächster Zeit erstmals keine neue Kamera gäbe. Die Chance war vertan. Glücklicherweise stand wenig später ein wichtiger Familienanlass ins Haus und dieser musste natürlich für die Nachwelt festgehalten werden. So waren es meine Großeltern, die ich mit diesem Argument schließlich überzeugen konnte.

Ich würde sagen, dass es drei einschlägige Beweggründe zum Filmemachen gab:

1. Schon als Kind liebte ich es, in andere Rollen zu schlüpfen, ein Teil von Geschichten zu sein, Leute zu unterhalten – und dabei wurde ich von meinem Papa fotografiert oder gefilmt. Die Tatsache, dass es da etwas gab, womit man diese Momente immer wieder abrufen, kann faszinierte mich.

2. 1995 fuhr ich mit meiner Schulklasse auf Schikurs und meine Mutter vertraute mir ihren Fotoapparat für diesen Trip an. 24 Bilder standen für die gesamte Woche zur Verfügung. Am Ende gab es aber kaum Bilder vom eigentlichen Ausflug, da ich mich in ein Mädchen verliebt und somit einen anderen Fokus hatte. Fotos reichten nicht länger aus. 24 Bilder sollten das Minimum sein, jedoch pro Sekunde.

3. Als Kind hatte ich die Fantasie, welche mit mir häufig schlagartig durchging, nur selten unter Kontrolle und lebte Stunden und Tage danach noch immer im zuvor gesehenen Film. Dies oft begleitet von Angst. Und um genau diese zu bewältigen, war das Filmemachen eine Art Therapie, um zu verstehen, wie es funktioniert.

Zum Film gekommen bin ich durch einen glücklichen Zufall. Jemand wurde auf mich aufmerksam, als ich als Mitglied eines Filmklubs des Verbands Österreichischer Filmautoren ein paar Kurzfilmprojekte vorstellte und bei Wettbewerben teilnahm. Dieser Jemand verhalf mir schließlich zu meinen ersten Jobs. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar, denn ich habe das große Glück, im schönsten Beruf auf dieser Welt zu arbeiten und auch mein tägliches Brot damit zu verdienen. Als Spielfilm-Regisseur war ich bisher nur bei meinen eigenen Projekten aktiv, aber ich hoffe, dass „Planet USA“, mein Abschlussfilm, vielleicht einen kleinen Stein ins Rollen bringen kann. Ansonsten werden Miete und voller Kühlschrank mit Making ofs, Trailern, Kamera- und Schnittjobs bezahlt.

© SchroederMedia

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HMC: Du bist, so weit ich weiß, einer der wenigen, der die Filmschule Wien (unter Arno Aschauer) abgeschlossen hat. Was hat dir diese gebracht? Und hast du Infos, warum es Schwierigkeiten mit dieser Schule gab?

Flo Lackner: Die Filmschule Wien (FSW) war eine ganz besondere Ausbildungsstätte. Ich bin sehr froh, dass ich diese Zeit miterleben durfte. Eine Filmschule hat die Aufgabe, eine Balance zwischen Autodidaktik und dem Branchenstandard herzustellen, Know How zu erweitern und dabei die Leidenschaft am Filmemachen nie aus den Augen zu verlieren. Und genau das wurde für mich seitens der Filmschule Wien zu 100 Prozent erfüllt. Man hatte eigentlich alle Freiheiten und wurde nicht in ein kastrierendes Korsett gepresst.

Natürlich weiß ich, warum es Schwierigkeiten gab. Es gab da ein paar, möglicherweise sogar mit sich selbst, unzufriedene Studenten, die irgendwann alles daran setzten, die FSW dem Erdboden gleich zu machen. An der Tatsache, dass ich die Vorgehensweise dieser Personen total asozial und beschissen finde, hat sich bis heute nichts geändert.

HMC: Dein wievielter Spielfilm als Regisseur ist das jetzt? Die imdb-Datenbank ist meines Wissens nach ja nicht vollständig, z.B. fehlt da das Terror-Drama „Tag 8 – Vergessen“.

Flo Lackner: Imdb ist eine tolle Erfindung und glücklicherweise finden nicht alle Projekte, die auf diesem Planeten geschaffen werden, dort ihren Platz. „Tag 8 – Vergessen“ hätte ein tolles Filmprojekt werden können, an dem viele kreative, junge und ambitionierte Leute mitgearbeitet haben.

Durch teils bösartige Einflüsse von außen, wie z.B. Boykotten, Vertragsbrüchen, einstweiligen Verfügungen etc. machte alles irgendwann keinen Spaß mehr – und was schlussendlich dabei rausgekommen ist, war leider nicht mehr als eine große Schadensbegrenzung. Meinen ersten Gehversuch in Spielfilmlänge drehte ich 1996. Das war ein Fan-Remake von „Casper“, den mein Cousin und ich mit Hilfe eines Diaprojektors durch den Raum schweben haben lassen.

HMC: „Planet USA“ hieß ursprünglich „Blue Moon Down“ – was ja nach dem Kurzfilm „Red Santa Down“ und dem Spielfilm „Yellow Cape Town“, wo ja Major Conrad auch schon aufgetreten ist, auch phonetisch gepasst hätte. Warum die Titeländerung?

Flo Lackner: „Planet USA“ ist schlussendlich ein Film geworden, der auch ohne seine beiden Vorgänger „Red Santa Down“ und „Yellow Cape Town“ wunderbar funktioniert. Ich darf nicht davon ausgehen, dass man irgendeinen der beiden Vorreiter gesehen hat.

Bis zur Titeländerung von „Blue Moon Down“ in „Planet USA“, war „Red Santa Down“ sicher der stärkste Titel der Reihe. Die ursprüngliche Namensgebung des dritten Films brachte u.a. das Problem mit sich, dass man dem Zuseher einen Film über und auf dem Mond verspricht. So sollte es aber nie sein, darum war es wichtig, einen neuen Titel zu finden, der die Thematik exakt auf den Punkt bringt. Mich wundert es, dass noch niemand zuvor einen Film gemacht hat, der so heißt. „Planet USA“ finde ich genial.

HMC: Ich habe 2012 bereits von „Planet USA“ berichtet. Wann wurde gedreht, wie lange dauerte die Postproduktion – und warum kommt der Film erst jetzt heraus?

Flo Lackner: Die aktive Arbeit an „Planet USA“ begann bereits im Frühjahr 2008 mit dem Ploten. Wir hatten uns nach „Yellow Cape Town“ alle eine Auszeit genommen, um uns auf individuelle Projekte, Studium und Jobs zu konzentrieren. Doch dieser Film stand immer im Raum.

Die erste Klappe fiel schließlich im Sommer 2009. Die Post-Produktion startete ziemlich parallel zu den Dreharbeiten und ich erinnere mich, dass in der vorletzten Nacht, vor der Erstaufführung der Urversion des Films im Juli 2010 noch Einstellungen gedreht wurden. Mit dieser Deadline haben wir uns damals selbst ins Knie geschossen. Wir hatten schlussendlich viel zu wenig Zeit, um den Film so akkurat zu behandeln, wie dieser es benötigte und wir präsentierten eine unfertige Fassung.

So begann ich einige Meinungen und Tage später erneut den Film zu überarbeiten, ein Prozess, der dann noch sehr lange dauern sollte. Nachdrehs, etliche Schnittfassungen, die visuellen Effekte wurde komplett neu gemacht, ein Upgrade des Soundtracks und mindestens zwei neue Farbkorrekturen, was bei einem Film mit über 2.000 Schnitten eine ziemlich aufwändige Angelegenheit ist. Ich hätte es zu diesem Zeitpunkt nicht geglaubt, wenn mir einer gesagt hätte, dass der Film erst drei Jahre später fertig sein würde. Letztendlich kamen wir auf über 100 Drehtage. Manche der Drehtage dauerten 15 – 18 Stunden, andere nur eine halbe.

© SchroederMedia

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HMC: Einige meinen, dass „Planet USA“ eine Parodie auf Michael Bay ist. Von der Farbgebung bis hin zu den Rollenbildern – da passt wirklich vieles. Bilde ich es mir aber ein, dass da auch auf die Kämpfer der 80er hingewiesen wird? Chuck Norris, Sylvester Stallone, Michael Dudikoff? Irre ich mich da vollkommen?

Flo Lackner: Jeder einzelne, der an diesem Film gearbeitet hat, brachte sich mit eigenen Ideen und Erfahrungen ein. Ob Regie, Kamera, Schnitt, Filmmusik … „Planet USA“ hat seine Einflüsse sicher aus allen möglichen Richtungen erhalten. Vor allem natürlich aus dem US-amerikanischen Actionkino. Da gehören Michael Bay und die Urgesteine des Actionfilms selbstverständlich dazu. Dies ist auch unbedingt notwendig, um den Geist dieser Art von Film, der ganz klar nach einem strengen Regelwerk funktioniert, überhaupt umsetzen zu können.

HMC: Ist nun „Planet USA“ eine Parodie oder eine Hommage auf Michael Bay bzw. diese Art von Film? Einerseits kommt es mir schon so vor, dass du diese Filme en masse konsumiert und genossen hast und sie dir immer wieder gerne anschaust – aber andererseits ist da doch eine beinharte Kritik dahinter. Richtet sich diese nun gegen die Machart der Filme, gegen den dargestellten Hurra-Patriotismus der meist US-amerikanischen Produktionen – oder ist es auch eine Kritik an der Politik der USA generell?

Flo Lackner: Die Perfektion der sogenannten Traumfabrik ist absolut beeindruckend und die Art und Weise, wie zum Beispiel Michael Bay Filme auf das Publikum loslässt, schon sensationell. Ja, ich liebe diese Filme, da hier eines der wesentlichsten Dinge überhaupt, nämlich Entertainment, nie aus den Augen verloren wird.

Im Fall von „Planet USA“ kann man ganz klar zwischen Parodie, Hommage und Kritik differenzieren:

– Parodiert werden Thematik und Propaganda dieser Art von Film
– Die Hommage würde ich in der Huldigung von Michael Bay als Filmemacher sehen. Die visuelle Welt des Herrn Bay imponiert mir sehr
– Und die Kritik richtet sich selbstverständlich u.a. an die Politik der Weltmacht.

HMC: Wie hoch war das Budget? Laut imdb betrug es etwa 30.000 Euro. Wie hast du es auf die Beine gestellt? Gab es Förderungen?

Flo Lackner: Ich habe ehrlich keine Ahnung, wie hoch genau das Budget war, da ich einiges an Privatgeld in den Film gesteckt und irgendwann, als es nur noch darum ging, irgendwie fertig zu werden, den Überblick verloren habe. Förderungen gab es. Dies seitens der Kulturabteilung des Landes Kärnten und der Stadt Klagenfurt. In Kärnten gibt es bis heute leider keine Filmförderung. Filmproduzent Klaus Graf kämpft seit Jahren dafür und ich drücke uns allen die Daumen, dass es ihm gelingt, diese wichtige Grundlage für die Verwirklichung von Projekten zu reanimieren. (Anmerkung: Einige Tage nach dem Interview hat sich für Kärnten tatsächlich etwas ergeben – siehe „Kärnten will mit mehr Förderung wieder Filmkulisse werden“ vom 4. Juli 2014)

Größeren Förderstellen bin ich aber bewusst aus dem Weg gegangen, da ich mir von niemandem Steine in den Weg legen lassen wollte. Ich glaube auch nicht, dass man in einem Land wie dem unseren, wo depressive Sozialpornos Programm sind, Mut hätte, so ein Projekt zu fördern. Die Förderbedingungen sind für die Independent Szene der Gnadenstoß.

Crowdfunding war zum Zeitpunkt der Vorbereitung von „Planet USA“ noch nicht populär und so mussten tapfere, private Investoren gefunden werden, die ein bisschen Geld zur Verfügung stellten, damit Posten wie Kostüme, Requisiten, Catering, Unterkünfte, Flüge etc. bezahlt werden konnten.

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HMC: Nachdem die Actionszenen für einen österreichischen Film außergewöhnlich sind, stellt sich die Frage, wie sie zustande kamen. Ist das Know-how hier vorhanden? Oder habt Ihr Euch sehr viel Making Ofs angeschaut und alles genau geplant und learning by doing gemacht? Wo ist der Unterschied zu „Red Santa Down“ und „Yellow Cape Town“ (der ja schon ziemlich spektakulär war). Waren Filmprofis am Werk – oder hat z.B. auch die Feuerwehr bei einer Sprengung ausgeholfen?

Flo Lackner: Von Beginn an zählten Makings ofs zu meiner persönlichen Filmschule. In den 90ern war es sehr schwer, an „behind the scenes“ – Material zu gelangen. Das goldene Zeitalter der DVD und auch das für wirklich jedermann zugängliche Internet (das es in der heutigen Form wie Youtube, Vimeo etc. gibt) begann ja erst so um Jahrtausendwende. Ich erinnere mich, dass „Forrest Gump“, „Star Trek – der erste Kontakt“ und „Speed“ die ersten VHS-Kassetten mit Making ofs waren, die ich zuhause in meinem Regal stehen hatte. „Star Trek“ kam sogar in einer 2-VHS-Kassetten-Edition daher. Quasi eine Bonus-VHS. Ein Relikt!

Zusätzlich wurde man auf DSF (deutsches Sportfernsehen) von Hermann Joha (Anmerkung: Mit seiner Firma action concept u.a. für TV-Serien wie „Alarm für Cobra 11“ oder „Lasko – Die Faust Gottes“ verantwortlich) in seiner Serie „Stuntteam“ prima mit Informationen um die Erschaffung von Actionszenen versorgt. Dafür fehlten uns natürlich die Mittel und so hieß der nächste Schritt „learning by doing“ mit dem was zur Verfügung stand. Keller, Wohnzimmer und Balkon meiner Eltern fingen mehrere Male Feuer, da man z.B. das Aufeinandertreffen von Benzin und Feuer etwas unterschätzt hat.

Für die Inszenierung von Kampfszenen, konnten mein Cousin und ich auf unsere Erfahrung als Karateker zurückgreifen. Mit der Zeit konnten wir auch immer mehr Leute aus unserem Freundeskreis von unserer Manie begeistern und die Crew wurde ständig erweitert. Selbstverständlich passierten immer wieder Unfälle und Materialschäden. Ums Leben gekommen ist jedoch niemand, obwohl es manchmal echt knapp war.

Bei den Spezialeffekten stießen wir irgendwann natürlich an Grenzen, da es für uns z.B.: nicht möglich war, an große Mengen von Schwarzpulver zu gelangen. So brauchten wir einen Pyrotechniker, den wir durch Zufall in einem ehemaligen Mitglied einer Spezialeinheit gefunden haben. Mit ihm gemeinsam gibt es vermutlich kaum eine Grenze nach oben.

© Flo Lackner Films

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„Red Santa Down“ hatte kaum Spezialeffekte. Alles was wir zum damaligen Zeitpunkt an Pyrotechnik benötigten, konnten wir selbst mit Feuerwerkskörpern umsetzen. Bei „Yellow Cape Town“ war das schon wesentlich komplexer, da wir getimte Explosionen benötigten, um u.a. Feuerbälle neben einem Hummer aufsteigen zu lassen. Da war mir das Risiko, es selbst zu machen, doch zu groß. Auch weil wir für sowas natürlich nicht versichert waren.

Und während ich in der Pre-Production von „Planet USA“ nebenbei ein bisschen Geld mit dem Produzieren von Makings ofs verdiente, lernte ich Holger Kriechel von „Stunts Universal“ kennen, die u.a. bei „Königreich der Himmel“, „Troja“ und „München“ für Action gesorgt haben. Holger hab ich dann einmal erzählt, was ich so mache und er hat mir dann seine Hilfe angeboten, die ich natürlich sofort angenommen habe. Gespräche für neue Projekte laufen bereits.

Ich hatte das Glück, bei unseren Dreharbeiten immer Unterstützung von der Feuerwehr zu erhalten. Sicherheit geht zweifelsohne vor, obwohl wir die Situationen immer bis aufs Letzte ausreizen.
Aber es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn das Set nicht mehr brennt, zum Zeitpunkt, wenn man längst zuhause ist.

HMC: Wie habt Ihr die Szene mit dem Hubschrauber gedreht? Bzw. dem Panzer. Habt Ihr Unterstützung vom Bundesheer bekommen?

Flo Lackner: Mit dem Black Hawk hatten wir großes Glück, da wir durch Zufall jemanden kennen lernten, der für das österreichische Bundesheer genau in der richtigen Abteilung arbeitete und uns diesen Dreh ermöglichte. Die Zusammenarbeit mit dem Bundesheer war sensationell und zu meinem Erstaunen sehr unkompliziert. Anders, als ich es von meinem Grundwehrdienst in Erinnerung hatte, war man hier total flexibel und konnte super auf Augenhöhe arbeiten.

Der Panzer stand in einem Museum an der kärntnerisch/ slowenischen Grenze und war seit Jahren nicht mehr in Betrieb. Wir erweckten ihn quasi wieder zum Leben.

HMC: Wie habt Ihr die Mondszenen realisiert? Gab es Vorbilder? (Ist das der erste österreichische Film mit Mondszenen? Ich kann mich momentan an keinen anderen erinnern)

Flo Lackner: Ich hatte mir das alles wesentlich einfacher vorgestellt. Zu Beginn fanden wir in einer Schottergrube unseren optimalen Drehort. Man konnte dort in einer physischen und optisch dem Mond ähnlichen Umgebung drehen. Doch leider gab es keine Möglichkeit, die Darsteller an Seilen aufzuhängen um Schwerelosigkeit zu simulieren und so mussten sie sich einfach langsamer bewegen. In „Zeitlupe“ zu springen, war da schon eine ordentliche Herausforderung.

Wir hatten auch nur zwei Stück von den Raumanzügen, weil diese verdammt teuer waren. Die Mondszenen wurden demnach so geschrieben, dass sich Major Conrad & Co. in zwei Teams aufteilen. Nachdem wir diese Aufnahmen ausgewertet hatten, wurde ein Storyboard erstellt, um die Dreharbeiten in der Greenbox zu planen. Ursprünglich sollte es eine Menge Action am Mond geben, aber das war dann einfach nicht machbar. So wurde bis auf zwei Einstellungen sämtliches Greenboxmaterial komplett verworfen und es ging ein weiteres Mal in die Schottergrube, wo wir nun unsere Kompromissvariante der Sequenz drehten. Im Anschluss erfüllte das Color Grading seinen Zweck. Lens Flares und digitale Mondlandschaften rundeten alles ab. Das i-Tüpfelchen kam dann aber im Sounddesign. Erst seit der finalen Mischung funktioniert die Szene für mich richtig gut und ich bin sehr zufrieden mit unserer Arbeit.

Ob es der erste österreichische Film mit Mondszenen ist, weiß ich leider nicht. Kann aber durchaus sein.

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HMC: Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit dem deutschen Produzenten und Regisseur Mennan Yapo gekommen, der ja u.a. auch den US-Streifen „Premoniton“ (auf deutsch „Die Vorahnung“) mit Sandra Bullock drehte? Und was hat es gebracht?

Flo Lackner: Eines Tages erhielt ich einen Anruf von Tim Seyfi, in „Planet USA“ als Prinz Sayf Al Din zu sehen, und er erzählte mir, dass er den Film, welcher zu diesem Zeitpunkt noch den Titel „Blue Moon Down“ trug, gemeinsam mit seinem besten Freund angesehen hat. Und dieser beste Freund war wohl sehr davon angetan, was wir da gemacht hatten und wenn ich wollte, würde er mir dabei helfen, den Film zu optimieren. Dabei handelte es sich eben um Mennan Yapo, der „Lautlos“ (mit Joachim Krol) und „Die Vorahnung“ gedreht hatte.

Im ersten Moment dachte ich, dass Tim mich verarscht. Warum sollte jemand, der mit Sandra Bullock in Hollywood einen Film gemacht hat, einen Typen vom Wörthersee dabei helfen, seinen Abschlussfilm zu fertigzustellen. Doch spätesten als mir Tim Mennans Kontaktdaten anvertraute, war mir klar, dass es kein Scherz war. Das alles spielte sich Ende 2010 ab, und als ich endlich all meinen Mut gefasst hatte, Mennan zu kontaktieren, ging es auch schon sehr bald mit dieser Reise los, welche am Neujahrstag 2011 mit einer Filmanalyse via Skype startete. Das werde ich nie vergessen! Ich war überglücklich und konnte es sogar während den Besprechungen mit Mennan nicht fassen, dass das gerade wirklich passiert.
Die Tatsache, dass Mr. Yapo nun an Bord war, gab natürlich dem gesamten Team, welches eigentlich im Glauben war, dass der Film längst fertig ist, noch mal einen ordentlich Schub an Motivation.
Es war eine großartige und aufregende Zeit.

Was es gebracht hat? Ich hatte die Ehre, mit einem wahnsinnigen Perfektionisten zu arbeiten, von dem ich über Film so unfassbar viel lernen konnte. Mennan hat diesem Projekt 100 Prozent seiner Aufmerksamkeit geschenkt – und das erfüllt mich mit großem Stolz.

HMC: Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit all den bekannten Synchronsprechern gekommen? Du hast ja u.a. Charles Rettinghaus (Jamie Foxx, Jean-Claude Van Damme), Wolfgang Bahro (Steve Buscemi), Santiago Ziesmer (Spongebob Schwammkopf) dafür begeistern können. Ich habe da eine bestimmte Anekdote im Kopf, dass das eigentlich eine „bsoffene Gschicht“ war.

Flo Lackner: Es war tatsächlich eine „bsoffene Gschicht“, sonst hätte ich mich das sicher niemals getraut, Charles Rettinghaus einfach so anzuschreiben. Im Frühjahr 2006 saßen ein paar Freunde und ich im Studentenheim in Wien zusammen. Wir feierten ausgiebig unsere „interkulturelle Freundschaft“ zwischen fünf Burgenländern und mir als einzigen Kärntner.

Eigentlich war ich zu diesem Zeitpunkt aber überhaupt nicht in Partylaune, denn ein im Sommer 2005 gedrehter Horrorfilm namens „Schattenspringer“, der mich jetzt eigentlich in Form einer sehr umfangreichen Post-Produktion fordern sollte, war Tage zuvor von einem Teamkollegen während einer Zugfahrt von Wien nach Klagenfurt komplett verloren worden und ich hatte keine Ahnung, wie ich das nun an der Filmschule erklären sollte.

Glücklicherweise war parallel zum Auftakt der Nachbearbeitung des Horrorstreifens in den Winterferien 05/06 an nur sechs Drehtagen und mit einem „Budget“ von € 300 das spontane Kurzfilmprojekt „Red Santa Down“ entstanden. Ursprünglich als Möglichkeit etwas Abstand vom Dreh des Horrorfilms zu gewinnen angedacht, war dieses Spaßprojekt nun meine einzige Rettung, nicht mit leeren Händen in der Filmschule da zu stehen. Da „Red Santa Down“ nicht annähernd mit so einem großen Aufwand wie „Schattenspringer“ verwirklicht wurde, musste die Post-Produktion vieles ausbügeln, um die Qualität des Films zu steigern. Ich brauchte etwas Außergewöhnliches und dank meines „Zustandes“ nicht lange, bis mir ein Licht aufging. So taumelte ich aus der Gemeinschaftsküche des Studentenheimes in mein Zimmer und begann im (Freuden)rausch, eine Mail zu schreiben.

Empfänger: Charles Rettinghaus.
Die deutsche Synchronstimme von Jean Claude Van Damme und Jamie Foxx, der zu diesem Zeitpunkt gerade in den Trailern zu „Miami Vice“ zu hören war und ich hatte Glück, großes Glück…
1.) dass ich durch meinen Alkoholpegel den Mut hatte, Charles überhaupt zu kontaktieren… und
2.) dass er geantwortet hat.

Und dann führte eines zum anderen.

HMC: Wer ist Jennifer Rezny (die Co-Autorin)? Wie läuft da die Zusammenarbeit ab? Und was ist ihr Interesse an dieser Art von Filmen?

Flo Lackner: Jennifer Rezny ist eine wahnsinnig liebe, ehrliche und vor allem talentierte Kollegin, die ich an der Filmschule Wien kennen gelernt habe. Die Zusammenarbeit an „Planet USA“ spielte sich in vielen Meetings ab. Damals hauste ich noch in dem bereits genannten Wiener Studentenheim und da sie zu diesem Zeitpunkt auch in der Hauptstadt wohnte, konnten wir direkt zusammen am Buch schreiben.

Um Jennifer zu zitieren (ich habe ihr eure Fragen zugeschickt):
1. pure Leidenschaft am Film
2. die Herausforderung der Komödie
3. Flo Lackner in seinem Größenwahn zugunsten des Plots und der Charakterisierung bremsen
4. aus Spaß an der Sache und weil Flo und ich uns sehr gut ergänzen

© SchroederMedia

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HMC: Wie gestaltest Du Dein Drehbuch. Schreibst du, was du glaubst, dass möglich ist (eben Weltallszenen) – oder schreibst du frei und frank erst die Geschichte und schaust erst dann, was machbar ist?

Flo Lackner: Speziell „Planet USA“ haben wir so geschrieben, als stünde alles Geld der Welt zur Verfügung. Das macht es zumindest beim Schreiben etwas einfacher. Kompromisse müssen schlussendlich sowieso getroffen werden. Im Grunde ist alles machbar, irgendwie, wenn man will.

HMC: Woher holst du deine Inspirationen? Und vor allem für drei Teile mit Major Conrad?

Flo Lackner: Inspirationen laufen uns allen täglich über den Weg. Alleine Nachrichten liefern jeden Tag neuen Zündstoff und Anregungen für einen neuen Film. Träume und Diskussionen mit Kollegen sind auch sehr nützlicher Input. Und bei nem Bierchen wird alles noch fantastischer.

HMC: David Hofer, der Darsteller des US-Majors George Conrad, und du – ihr beide geht schon einen sehr langen Weg gemeinsam. Er wirkte bei vielen deiner Filme (eben u.a. „Birthday“ von 1999) mit – und du bei ihm. Er ist aber sonst eher hinter der Kamera zu finden – ob als Regisseur („Hammer“, „Das weiße Kleid“, „Valossn“), Kameramann („Der alte Fuchs“) oder Cutter. Wie kam es zu seinem schauspielerischen Ausflug? Und was hältst du von ihm generell? Wie versteht/ergänzt Ihr Euch?

Flo Lackner: David und ich wohnten jahrelang in derselben Siedlung, waren quasi Nachbarn und hatten das selbe Hobby – Filmedrehen – liefen uns aber bis zum Sommer 1999 nie wissentlich über den Weg. Im besagten Sommer fiel mir über einen Kumpel eine Videokassette in die Hände, auf der Filme von David Hofer und Michael Kuglitsch drauf waren und ich schwer begeistert. Vor allem, weil es plötzlich Menschen in einem greifbaren Umfeld gab, die derselben Sucht nachgingen wie ich. Dazu sahen die beiden auch noch älter aus, was mir bei einer eventuellen Zusammenarbeit sehr dienlich sein konnte. In meinen Filmen mimten meine Kollegen und ich (zu diesem Zeitpunkt wollte auch ich noch Schauspielen), wir waren alle im Alter von 12 – 15 Jahren, immer Leute zwischen von 30 – 40. Das war natürlich nur bedingt glaubhaft. Ich bat diesen Freund also, mich David vorzustellen und ein paar Tage später war unser erstes gemeinsames Projekt verwirklicht. „Time to die“ – ein 35 minütiger Gangfilm mit David in einer der Hauptrollen.

Ich denke, dass David in einer ähnlichen Situation war wie ich. Wenn wir Filme nicht selbst drehen, wie sollen wir dann selbst vor der Kamera stehen? Oder wer macht sie mit uns? Ein Netzwerk an Independent Filmemachern, vor allem in Klagenfurt, gab es nicht. Seine hervorragende Darbietung als Major George Conrad ist also kein schauspielerischer Ausflug. Er zählt zu den talentiertesten Menschen, die ich kenne, wir ergänzen uns ganz wunderbar und ich habe in ihm einen sehr guten Freund gefunden.

© Flo Lackner Films

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HMC: Wird es ein neues Abenteuer mit Major Conrad geben? Oder planst du auch mal was anderes? Steht schon konkret etwas an?

Flo Lackner: Ein weiteres Abenteuer mit Major Conrad würde ordentlich Spaß machen. Möglicherweise gibt es irgendwann noch einen Teil. Alleine schon, um aus nostalgischen Motiven und um mit dieser sensationellen Crew zu arbeiten. Diese Filme haben mich quasi mein gesamtes Studium und während meines Berufs sehr lange begleitet.

Ich denke aber, dass es nun an der Zeit ist, etwas Neues zu machen und zwei Projekte sind bereits in Planung. Eines davon liegt quasi als fertiges Kurzfilmdrehbuch vor – und dann gibt es schon sehr konkrete Ideen für einen Actionfilm. Nachdem ich keinen Kurzfilm machen mag, wird es sicher das zweite Projekt werden und darauf freue ich mich sehr, denn es wird wieder krachen und zwar noch mehr als bei „Planet USA“.

Das Interview führte Rodja Pavlik

INFO: www.flolacknerfilms.com

Written by HomeMovieCorner

15. Juli 2014 um 18:20

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