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„Hirschen“ – Neuer Indie-Film in den österreichischen Kinos

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Ich muss sagen, ich habe eine Schwäche für so lokale Indie-Filme. Ob „Randgestalten“ aus Nöchling/Niederösterreich (mit Josef Hader, Rezension hier), die Filme der Gruppe Mania Pictures aus Calw/Deutschland, „1810 – Für eine Handvoll Kaspressknödel“ aus Tirol (Rezension hier), „Tödliche Verbindungen“ aus Bad Tölz/D oder „Als das Wasser bergauf lief“ aus dem Schwabenland – es macht mir immer wieder Spaß, solche Produktionen zu sehen, bei denen eine ganze Gemeinschaft mitgeholfen hat, diese zu realisieren. Und wenn dann so etwas ins Kino kommt, ist es nur um so beachtlicher.

Nun hat am Freitag die von den deutschen Filmemachern George Inci und Beatrice von Moreau in Außervillgraten/Tirol gedrehte Independent-Komödie „Hirschen – Da machst was mit!“ in Lienz den Auftakt zu einer Kinotour durch Tirol (auch Südtirol), Kärnten, Oberösterreich und der Steiermark gefeiert (Termine bitte der Film-Site entnehmen).

Zugegeben, der so genannte Trailer ist eher ein Teaser – und zum Filmstart nur den serviert zu bekommen, hinterlässt einen etwas ratlos. Zumindest konnte ich im Making-Of-Trailer mit Joseph Holzknecht und Bernhard Wolf schon mal zwei Schauspieler entdecken, die bereits bei „1810 – Für eine Handvoll Kaspressknödl“ mitgespielt haben. Und auch Oswald Fuchs („Für tot erklärt“, „Der alte Fuchs“) ist kein gänzlich Unbekannter.

Synopsis: In Hirschen lässt es sich gut leben, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als die Fabrik – der Hauptarbeitgeber im Dorf – ihre Pforten schließt. Der Großteil der Dorfbewohner wandert ab oder steht kurz davor. Nur wenige entscheiden sich für Hirschen, unter anderem auch die alteingesessene Stammtischrunde, die verzweifelt nach einem Ausweg aus der Misere sucht. Plötzlich passiert ein Wildunfall in der Nähe des Dorfes. Der leicht versehrte Fahrer kommt mit dem Schrecken davon und wird von den Dorfbewohnern gut verpflegt. Er wohnt in der Pension des Metzgers und seiner Tochter Susi, wird vom Arzt versorgt, der Mechaniker repariert sein Auto, der Polizist kümmert sich um die Formalitäten und der Bürgermeister bringt ihm die Schönheit des Ortes nahe. Das bringt die Stammtischrunde auf eine ebenso kuriose wie einträgliche – und natürlich nicht ganz legale – Idee…

Wie dem Pressetext zu entnehmen ist, ist „Hirschen“ nicht nur ein Herzensprojekt von Regisseur George Inci gewesen, sondern auch eine 16-jährige Odyssee. Über acht Jahre schrieb der Deutsche an dem Drehbuch, weitere vier Jahre brauchte er, um in Deutschland eine Förderzusage zu bekommen, die aber ohne Angabe von Gründen wieder zurückgezogen wurde. Schließlich überredete Beatrice von Moreau ihn dazu, sein Drehglück in Österreich zu probieren.

„Da ‚Hirschen“ ein so umfangreiches Projekt war und wir dachten, wir können das niemals aus eigener Kraft stemmen, haben wir Sponsoren angefragt und – nachdem klar war, dass wir in Osttirol drehen würden – bei der Cine Tirol, die schon mit Geld winkte, um Produktionskostenzuschuss angesucht“, erläutert Inci im Pressetext. Doch der Dreh schien unter keinem guten Stern zu stehen. „In Innsbruck casteten wir ca. zehn Tage lang, fanden aber nur fünf der erforderlichen ca. 40 Rollen. Außerdem bekamen wir eine Woche vor dem geplanten Drehbeginn am Freitagnachmittag eine Absage der Cine Tirol“, beschreibt der Filmemacher die Probleme. „Wir waren ja inzwischen Kummer gewöhnt und überlegten, ob wir es nicht einfach wagen sollten, auch dieses Riesenprojekt aus eigener Kraft und mit technisch geringstem Aufwand zu stemmen. Wir fuhren also in unser Filmdorf Außervillgraten, machten eine Gemeindeversammlung, stellten uns vor und erzählten, was wir so vorhatten. Wenn ich heute darüber nachdenke, ein absoluter Wahnsinn, was dann passiert ist.“ Zu der Versammlung kam auch die Theatergruppe Außervillgraten – für die deutschen Filmemacher ein absoluter Glücksfall: „Wir konnten uns quasi fast alle Rollen ‚von der Stange“ pflücken, denn die Mitglieder der Theatergruppe waren genau so, wie ich mir die Figuren vorgestellt habe. Angefangen bei Sepp Lusser, der die Hauptrolle spielt und genau das darstellte, was wir in Innsbruck so verzweifelt gesucht haben“, so Inci.

Aber mit den Schauspielern hörte die Hilfe der Dorfbewohner nicht auf. „Als die Außervillgrater außerdem hörten, dass wir alles aus eigener Kraft finanzieren müssen, bekamen wir eine enorme Unterstützung. Der Bürgermeister unterstützte uns, wo er nur konnte, stellte uns Drehorte zur Verfügung, seine Assistentin vermittelte uns alle Kontakte, die wir brauchten und sprang immer wieder ein, wenn Not am Mann war. Die Gemeindearbeiter wurden in unseren Dienst gestellt. Die Dorfbewohner ließen uns gratis in ihren Wohnungen drehen, die Feuerwehr half uns u.a. beim Absperren der Straßen und die Musikkapelle spielte für uns, um nur einen Bruchteil dessen zu nennen, was wir in diesem Dorf an Unterstützung erfahren haben“, schwärmt Inci abschließend.

Oh, was für eine Underdog-Geschichte. Ich hoffe, dass da ein umfangreiches Making Of herauskommt. Und dem „Hirschen“-Team wünsche ich den gleichen „Local Hit Wonder“-Erfolg wie dem ebenfalls aus Tirol stammendem „1810 – Für eine Handvoll Kaspressknödel“, der 2011 immerhin 8.031 Besucher in die heimischen Kinos lockte und auf ORF 1 und ORF III lief.

Rodja

PS: Mist, ich vermisse Wien auf der Startliste!

INFO: www.hirschen-film.com; Facebook-Site: www.facebook.com/pages/Hirschen-Kinofilm

„Hirschen“ – offizieller Making-of-Trailer“

Written by HomeMovieCorner

30. August 2014 um 06:09

Eine Antwort

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  1. Ein unfassbarer Schrott mit Fremdschämgarantie!

    Auggie Wren

    12. März 2016 at 05:07


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