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Was läuft falsch in der Filmwerbung in Österreich?

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Bei den Filmfestspielen in Venedig feierte Ulrich Seidls neuester Film „Im Keller“ seine Premiere. Auf dem gleichen Festival lief auch Severin Fialas und Veronika Franz‘ „Ich seh / Ich seh“ erstmals, der dem Vernehmen nach dem Horrorgenre zuzurechnen ist. (Uh… Genrefilm! Aus Österreich!)

Etwas, das mich stutzig macht (Falls ich was übersehen habe – bitte um Korrektur. Bin für jeden Hinweis dankbar): „Im Keller“ startet voraussichtlich am 26. September in den österreichischen Kinos. Ein Trailer dazu erschien am 21. August auf YouTube, acht Tage vor der Premiere in Venedig (allerdings wurde der Trailer selbst erst am 29. August auf der Facebook-Seite des Verleihs beworben). Von „Ich seh / Ich seh“, der eben zum Teil von Seidls Frau Veronika Franz stammt, und der auch aus Seidls Filmproduktion kommt, gibt es noch keinen Starttermin – und auch keinen Trailer. Aber er läuft in Venedig. Zum Vergleich: Fatih Akins „The Cut“ läuft laut ersten Informationen am 26. Oktober in den deutschen Kinos an – und es gibt schon einen Trailer.

Und weil so etwas ja nicht zum ersten Mal passiert, frage ich mich: Warum, zum Teufel, ist es in Österreich nicht möglich, einen schicken Trailer zwecks Entfachen des Interesses zwei, drei Monate vor dem Kinostart rauszuhauen? Warum geschieht das immer so halbherzig und lahmarschig? Hängt das wirklich mit dem PR-Budget für die Filme zusammen? Oder beachtet man das hierzulande einfach nicht?

Natürlich gibt es auch die Gegenbeispiele, wo es gut funktioniert hat, wie z.B. „Das finstere Tal“. Aber wieso passiert dieser (meiner Meinung nach) Kardinalsfehler immer noch, dass man das österreichische Publikum einfach missachtet? Ich möchte ja nicht die Steuerzahler-Karte zücken, aber ich tue es dennoch: Ich möchte wissen, wofür meine Steuern im Kulturbereich ausgegeben werden!!! Ich möchte Informationen über die Filme. Bilder. Eindrücke. Und das möglichst rechtzeitig, bitte schön!

Rodja

Nachtrag 24.09.2014:Eines muss ich jetzt zugeben: Regisseur Seidl hat jetzt seine Werbung – und was für eine. Zwei ÖVP-Politiker, die in dem Film unter einem Hitler-Bild singen, mussten zurücktreten. Die Gefilmten behaupten, das sei alles vom Regisseur so arrangiert worden, Seidl hingegen, dass er nur das gefilmt habe, was schon immer in dem Keller stattgefunden habe, berichtet die Tageszeitung „Kurier“ in einem Artikel. Also PR-mäßig hat der Film jetzt ordentlich angezogen!

Nachtag 28.09.2014 Am 9. September 2014 ist nun der Trailer zu „Ich seh Ich seh“ veröffentlicht worden.

Written by HomeMovieCorner

1. September 2014 um 15:52

Veröffentlicht in Latest Talk

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5 Antworten

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  1. Fuer meinen Film MIDSUMMER MADNESS (2007) – in Lettland gedreht, aber immerhin mit einigen Stars aus Oesterreich (Dueringer, Moretti, Minichmayr) – sind zwar lustige Plakate gedruckt worden, sind aber nicht in den Kinos ausgehaengt worden. Mein Autor, Alexander Mahler, rief mich an und fragte, ob ich nicht Lust haette selbst plakatieren zu gehen. Lust hatte ich keine, wollte aber meinem lieben Kollegen Gesellschaft leisten. Und so haben wir alle moeglichen Kinos plakatiert. Es hat vielleicht wenig gebracht im Nachhinein, aber in den Kinos, wo Plakate hingen, lief der Film um mindestens 1 Woche laenger.

    Alexander Hahn

    2. September 2014 at 01:37

  2. Hat ganz sicher zum Teil mit den vorhandenen Budgets zu tun. Trailerschnitt ist eine ganz eigene Fertigkeit ist und nicht jeder Filmemacher der vielleicht seinen Film selbst schneidet, kann auch einen guten Trailer schneiden. Daher muss ein weiterer Cutter engagiert werden, der natürlich Geld kostet. Oft ist auch noch die Musik nicht fertig (Trailer sollte ja viel früh genug gemacht werden), dann muss auch Musik lizenziert werden. Die Kinos und TV spielen Trailer auch selten gratis.
    Für das aufwändige Vermarkten des Films fehlt meist das Budget, wenn man nicht gerade bereits sehr bekannt ist, dann wird man von den meisten Zeitungen erstmal ignoriert, genauso von Ö3 und ORF.

    LAUFBILDkommission

    2. September 2014 at 04:36

    • Ja, da gebe ich dir Recht, dass Trailerschnitt eine ganz eigene Fertigkeit ist.

      Aber selbst wenn man die nicht beherrscht, kann man noch immer Teaser raushauen, einzelne Filmszenen (wie das ja auch schon auf IMDB vorkommt), dass man ein Gefühl für diesen Film bekommt. Das ist – glaube ich – nicht zu viel verlangt.

      HomeMovieCorner

      3. September 2014 at 08:02

  3. „Das finstere Tal“ ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie eine gezielte Werbekampagne für ein erhöhtes Interesse am Film sorgt. Dazu gehören ja nicht nur Trailer (auch wenn ich die Vorschau im Endeffekt an die 100 mal sehen musste und am Ende schon Aggressionen entwickelte) sondern auch großzügig und sehr früh geklebte Plakate und Interviews.

    Filme wie „Blutgletscher“ oder „Zweisitzrakete“ wurden mit ein paar Plakaten beworben und kaum jemand ging ins Kino. Gute Trailer findet man hierzulande ohnehin so gut wie nie (da sind teilweise selbst die deutschen Vorschauen besser) und in der öffentlichen Diskussion taucht der Film nur unter zwei Aspekten auf. 1. Filmfestivals bzw. Preise und 2. Filmförderung.
    Das Image, dass man mal in einen österreichischen Film ins Kino geht, hat man noch immer nicht aufgebaut. Dabei wäre wirklich nur ein wenig mehr Werbung nötig.

    Bis heute finde ich es schade wie die schlechte Werbung für z.B. „Ainoa“ das Interesse erlahmen ließ (ja, der hatte auch andere Probleme, aber die konnte man kaum mit wem diskutieren, war ja keiner im Kino) und selbst mit Stars gespickte Werke wie der von Alexander Hahn gedrehte „Midsummer Madness“ kommen in der öffentlichen Diskussion kaum vor.

    Da stelle ich mir dann auch die Frage: Wo und wann werden denn Filme etwas breiter besprochen? Beim „Kulturmontag“…und sonst?
    Apropos: http://tvthek.orf.at/program/Kulturmontag/1303/Kulturmontag/8379772

    Patrick

    2. September 2014 at 06:17

    • Fuer ein „Echter Wiener geht nicht unter“ (hoffe der Titel stimmt, zu faul fuer Wikipedia) hat man sogar ein Bier brauen lassen. Und auch ansonsten hat die Werbung funktioniert. Fuer die meisten Produzenten ist es aber einfacher, den Foerderantrag fuer den naechsten Film einzureichen, und den fuer den uebernaechsten gleich mit.

      Alexander Hahn

      2. September 2014 at 08:23


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