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Same shit, different title – Recycling of the worst kind

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Vor einiger Zeit hatten die Filmemacher Christian Genzel und Michael Valentin sowie meine Wenigkeit einen ziemlichen Nerd-Spaß, als wir entdeckten, dass die gleiche Frau/Silhouette sechs verschiedene Filmcover zierte. Das Ergebnis unserer langwierigen und keineswegs auf Vollständigkeit pochenden Recherchen hat Christian auf seinem Blog „Wilsons Dachboden“ (<-unbedingt anklicken!) zusammengetragen.

© Laser Paradise/DVD

© Laser Paradise/DVD

Nun war ich vor einiger Zeit bei der Elektrofachkette meines Unvertrauens… und bin wieder auf äußerst sinnfreie Formen des Recyclings gestoßen – und das an einem einzigen Tag!

So entdeckte ich z.B., dass der unsägliche US-Indie-Streifen „Horrors Of War“ (2006 – in Deutschland bei Laser Paradise/DVD erschienen) von Peter John Ross 2013 als „Nazi Zombies“ (Voulez Vous Film/Intergroove) neu herausgebracht wurde. Ich möchte vor diesem Film ausdrücklich warnen – so etwas Lahmarschiges habe ich selten gesehen.

Eine Truppe US-GIs stößt während des Zweiten Weltkriegs bei ihrem Vormarsch durch Frankreich auf Nazi-Zombies. Nachdem schon die lebenden deutschen Soldaten ständig mit Kanonen daneben schießen, sind die ziellos herumwankenden untoten Deutschen auch nicht wirklich eine Gefahr. Man merkt dem Film auch an, dass er eigentlich aus drei Kurzgeschichten (u.a. eine Werwolf-Episode) zusammengeflickt ist. Wie gesagt, das Ganze ist spannungsarm inszeniert, die Schauspieler agieren schablonenhaft und die deutsche Synchronisierung ist unter aller Sau. Bilde ich es mir nur ein, dass die Sprecher ihre Stimmen verstellen mussten, um mehrere Rollen einzusprechen? Und wurde da bei „Nazi Zombies“ nachgebessert? Nicht, dass es das Werk wirklich retten würde…

Das einzig Interessante an dem Film ist ohnehin das Schaulaufen der verschiedenen US-Reenactment-Gruppen, die Regisseur Ross für seinen Film verpflichten konnte. Da fahren reale Panzer auf, dass es eine Freude ist – nicht so CGI-Dingens. Und gedreht wurde übrigens auf 16 mm. Aber das war es dann eigentlich schon, was man beim besten Willen irgendwie noch positiv aufzählen könnte.

„Horrors of War“ war lange Zeit der einzige Indie-Film, den ich aus meiner umfangreichen Sammlung wieder entfernen wollte. Mittlerweile ist er mehr so ein Kuriosum, den man halt auch in der Sammlung hat – als mahnendes Beispiel. Aber falls jemand Interesse hat, ich borge ihn sehr gerne her. Und ich frage auch nicht nach, wenn ich ihn nicht mehr zurückbekommen sollte.

© Mr. Banker Films

© Mr. Banker Films

Recycling-Fallstudie II

Ebenfalls in dem Geschäft gefunden: Der deutsche Kurzfilm „Der Goldene Nazi-Vampir von Absam II – Das Geheimnis von Schloss Kottlitz“ (Mr. Banker Films) von Lasse Nolte aus dem Jahr 2008 wurde – wohl um auf der Erfolgswelle der Nazi-Satire „Iron Sky“ mitzureiten – als „Iron Nazi Vampir“ von Savoy Film/Intergroove 2012 re-released. Ich möchte vor diesem Film ausdrücklich warnen – so etwas Lahmarschiges habe ich selten gesehen (Wenn die recyclen können, dann kann ich das wohl auch!).

Inhaltlich geht es darum, dass der schwächlich wirkende Robert E. Lee, ein Bürohengst beim US-Geheimdienst und Spezialist für Okkultes, hinter den feindlichen Linien Hinweisen nachgehen muss, dass die Nazis mit Vampir-Soldaten herumexperimentieren.

Es gibt viele Arten von Trash: Es gibt Filme, die so schlecht sind, dass sie Trash sind. Und es gibt Werke, die absichtlich trashig gemacht wurden. Gegen beides ist nichts einzuwenden, sie sollten nur eines gemeinsam haben: Sie müssen unterhaltsam sein. Und dann gibt es auch noch jene Werke, bei denen die Produzenten und Filmemacher von vornherein verzweifelt versuchen, dem Zuschauer das Label „Trash“ auf die Augen zu drücken (salopp gesagt: zu blenden). Allerdings fehlt der wesentliche Faktor Unterhaltung – und ein solcher Film ist eben „Der Goldene Nazi-Vampir von Absam II/Iron Nazi Vampir“. Mann, was da alles schief gegangen ist… Gut, dass die Handlung logisch ist, war bei dem Thema/der Story ja nicht zu erwarten. Aber die Gags – ein Rohrkrepierer nach dem anderen. Und der Gastauftritt von Oliver Kalkofe beschränkt sich auf blödes Kichern, Losprusten und Finger zeigen. Ich vermute mal, dass Kalkofe gesondert aufgenommen wurde und dann in die Handlung reingeschnitten wurde. Soweit ich mich erinnern kann, war aber die Ausstattung recht beeindruckend (damit ich auch mal was Positives dazu schreibe).

Bei „Der Goldene Nazi-Vampir von Absam II“ spürt man regelrecht, wie Sand ins Getriebe kommt. Der Film startet einfach nicht durch. Das eigene Gehirn sucht verzweifelt nach Witzen, Bonmots und Kalauern, während es gegen die aufsteigenden Kopfschmerzen anzukämpfen versucht. Die Legende besagt, dass Regisseur Lasse Nolte mit seiner Uni streiten musste, damit der Film als seine Abschlussarbeit anerkannt wird. IMDB besagt, dass er zuletzt Co-Autor von „Kaiserschmarrn“ (mit Antoine Monot Jr.) war. Und da schaut der Trailer auch schon grottig aus.

The fatal connection

Und nun kommen wir zu der Verbindung zwischen den beiden Filmen, die mich noch mehr erheitert hat, als die frechen Re-Releases unter neuen Namen: Das Original-Cover von „Horrors of War“ musste nämlich als Vorlage für „Iron Nazi Vampir“ herhalten. Statt Hitler wurde ein Nazi-Vampir an die Stelle hingepappt, die Flugzeuge, die Ruinen und die stramm marschierende Armee aus Zombies (im Film höchstens eine Handvoll), die in – glaube ich – italienischen Uniformen daher kommt, wurden ebenfalls übernommen – nur die Zombie-Gesichter wurden mit Vampirfratzen retuschiert.

© Laser Paradise/DVD / Savoy Film/Intergroove

© Laser Paradise/DVD / Savoy Film/Intergroove

Und noch eine letzte Recycling-Frage: Was hat das Frontcover der britischen Horrorkomödie „Attack Of The Nazi Herbal“ (Savoy Film/Intergroove) mit dem Backcover von „Iron Nazi Vampir“ gemeinsam? Na, wer weiß es?

Rodja

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Trailer „Horrors of War“

Trailer „Der goldene Nazi-Vampir von Absam II“

Written by HomeMovieCorner

9. September 2014 um 14:41

Veröffentlicht in Latest Talk, Reviews

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2 Antworten

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  1. Tja, Faschismus hat eben auch etwas mit Ent-Individualisierung zu tun. Räusper.

    Genzel

    10. September 2014 at 08:34

  2. Ja…einer der bekannte Sargnägel des Indifilmemachers… abgesehen von der Qualität der Streifen, kein Kunde regt sich über den VERLEIHER auf…nö, da gehts ins NETZ und dann Bashen wir mal schön den Filmemacher. Ist nicht das erste und leider auch nicht das letzte mal… übrigens sind die Verträge so ausgelegt das der Rechteinhaber bei diesen sogenannten zweit und dritt Verwertungen zudem leer ausgeht… „Doppelsargnagel“

    Matthew Oaks

    10. September 2014 at 15:13


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