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Heldenkanzler

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© Neuer Österreichischer Trickfilm

© Neuer Österreichischer Trickfilm

„Heldenkanzler“ von Benjamin Swiczinsky ist nun der dritte Kurzfilm der Initiative Neuer Österreichischer Trickfilm, der hier vorgestellt wird.

Der Trickfilm fällt schon mal dadurch auf, dass er kein Computer-animierter Film ist, sondern die Zeichnungen von Hand gefertigt sind. Und ich glaube, das ist auch ein Alleinstellungsmerkmal von Benjamin Swiczinsky.

Ich verfolge die Karriere des Wiener Filmemachers quasi schon seit den 1990ern. 1997 reichte er als 13-Jähriger bei den vierten wienervideo&filmtagen seinen Trickfilm „X-Mas War“ ein. So weit ich mich erinnern kann, war die Tonqualität ziemlich mies – aber die Animationen beeindruckten mich damals sehr. Ich glaube mich auch zu erinnern, dass die Tricksequenzen – die sehr von Disney inspiriert wirkten – anfangs noch sehr genau waren, gegen Ende des Films aber etwas schlampiger wurden. Dennoch: Der Bursche konnte damals schon besser zeichnen, als ich es jemals können würde (und ich komme eigentlich aus der Comiczeichner-Ecke).

Jahre später hatte ich die Plattform HomeMovieCorner (2001 – 2006) ins Leben gerufen, die Amateur- und Indie-Filme rezensierte. Benjamin Swicinsky reichte damals drei Filme ein: „Slot“ (2002), „Krieg“ (2003) und „Hmhm-Hmhm“ (2003). Während die ersten beiden Realfilme waren, vermischte er in letzterem Real- mit Animationsszenen.

© Benjamin Swiczinsky

© Benjamin Swiczinsky

In dem Film wollte der Tod eigentlich Herrn Pontiak heimsuchen, verliebt sich aber tragischerweise in dessen Sekretärin. (Das titelgebende „Hmhm-Hmhm“ ist angeblich ein Eric-Burdon-Song, den der Tod nachsummt. Ich hab’s nicht wirklich heraushören können.)

Und schließlich kam der große künstlerische Wurf, bevor es Swiczinsky auf die Filmakademie Baden-Württemberg verschlug. Swiczinsky leitete für Philipp Hochhausers „Faust“-Adaption das Animationsteam. (Über „Faust“ wurde schon hier berichtet). „Faust“ war ein phänomenales Independent-Projekt. Hochhauser inszenierte die klassische Tragödie als Realfilm (fast) ohne Worte und verließ sich dabei auf den fantastischen Musikscore von Alexander Zlamal. Die Szenen, in denen Magie vorkam, wurden dann mit handgezeichneten Trickfilmsequenzen ersetzt bzw. ergänzt. Und zu diesem Zeitpunkt war Swiczinsky noch immer ein reiner Autodidakt. Hergestellt wurden die Animationen übrigens in den Räumen der ASIFA Austria, deren Katalog „Animationsfilm in Österreich Teil 1: 1900 – 1970“ vor kurzem hier vorgestellt wurde.

(Das erinnert mich daran, dass ich wirklich mal einen Artikel über dieses außergewöhnliche Projekt schreiben sollte.)

Doch nun zurück zu Swiczinskys Abschlussarbeit „Heldenkanzler“, die sich mit der kurzen und blutigen Geschichte des Austrofaschismus‘ unter Engelbert „Bertl“ Dollfuß (gesprochen von dem fantastischen Schauspieler Erwin Leder, bekannt u.a. aus „Angst“, „Das Boot“ und „Underworld“) beschäftigt.

Synopsis: Wien 1933 – Parlament: Viele Abgeordnete reden durcheinander. Ein winziger Mann stemmt sich auf das Rednerpult. Es ist Engelbert Dollfuß. Die anderen Parlamentarier machen sich lautstark über ihn lustig. Der kleine Mann entflieht dem aufgewühlten Parlament und flüchtet sich ins nächste Kino, wo er eine Wochenschau ansieht, in der die großartige Idee des europäischen Faschismus wie in einem Werbefilm beworben wird: Dollfuß ist begeistert. Als er sieht, dass auch in Deutschland ein kleiner Österreicher auf der Trendwelle höchst erfolgreich surft, beschließt auch er Diktator zu werden. Doch damit die ganze Diktatur-Sache professionell wird, beschließt er sich noch Tipps von einem echten Profi in Sachen Faschismus zu holen: Benito Mussolini.

Rodja

INFO: Neuer Österreichischer Trickfilm: www.neuer-trickfilm.at

Written by HomeMovieCorner

21. Dezember 2014 um 10:15

2 Antworten

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  1. Tolle Artikel-Reihe.🙂
    Schön zu sehen, dass es auch in Österreich interessante Animationsfilme gibt. Die Website und die Filme werden über die Feiertage intensiv betrachtet.

    Patrick

    21. Dezember 2014 at 10:29

  2. […] Und so fand am 14. Juni 2011 im Wiener Filmcasino ein Abend mit preisgekrönten Kurzfilmen („Heldenkanzler“, „366 Tage“, „Der Besuch“) statt – dem quasi offiziellen Start von […]


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