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HMC-Classics: A-Five

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© Medienengel

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Erstrezension am 8. April 2003, der Kurzfilm wurde zusammen mit Timo Landsiedels „Die erste Nacht“ am 20. April 2004 im Rahmen des Themenabends „Fremde Welten“ im renommierten Wiener Votivkino gezeigt.

Als der Bordcomputer eines Raumschiffs eigenmächtig ein unbekanntes Objekt an Bord holt, machen sich der Captain und der Schiffsarzt auf den Weg, den Fund zu untersuchen. Sie stoßen auf einen Überlebenden, der mehr als nur Bauchschmerzen hat. Erinnert der Plot an irgendeinen anderen Sci-Fi-Film? Richtig, Timo Landsiedel und sein Team huldigen in ihrem 1999/2000 fertig gestellten Kurzfilm dem großen Vorbild von Ridley Scott. Das Mini-Budget merkt man dem Film auch an – dennoch wird eine stimmige Atmosphäre erzeugt. Ein Film, bei dem es nicht auf die Handlung, sondern auf das Drumherum (inkl. Abspann, Musik und Making Of) ankommt.

Einsam durchpflügt die U.S.S. Rambaldi das Weltall. An Bord: 32 Mitglieder eines kartographischen Vermessungsteams – zur Zeit im Kälteschlaf. Da entdeckt Bordcomputer „Sister“ ein unbekanntes Objekt. Von nun an laufen im Computer die Befehlsroutinen ab: Das Objekt wird eingeholt, die gesamte Mannschaft geweckt… Die gesamte Mannschaft? Befehl zurück, nur die oberste Kommandoebene soll sich mit dem Fund auseinandersetzen. Und so begeben sich der von der Eigenmächtigkeit von „Sister“ überraschte Captain (Sascha Kreutz) und der übermüdete Schiffsarzt (Timo Krüger) zum Sublevel 20.4.7, wo sie auf einen in künstlichen Tiefschlaf versetzten Fremden (Torsten Landsiedel) stoßen. Da die „Rambaldi“-Crew viele offene Fragen hat, beschließt sie, den Unbekannten zu wecken. Das erweist sich als großer Fehler, denn der Fremde hat einen Gast mitgebracht, mit dem selbst eingefleischte „Alien“-Fans nicht gerechnet haben…

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Als Rezensent lebt man oft mit einer schweren Bürde: Was darf man verraten, was nicht? Welche Informationen muss man verraten, damit die Leser sich für einen Film interessieren und ihn anschauen, und welche Infos gelten als so genannte „Spoiler“ und verderben jeglichen Spaß?

Doch mit der Zeit wird man als Kritiker abgebrüht (ganz zu schweigen von verbittert, sozial geächtet und alkoholkrank) – und nachdem Regisseur Timo Landsiedel es auch selbst gesteht, kann ich es offen sagen: „A-Five“ ist eine Hommage an Ridley Scotts „Alien“ (der erste – und meiner Meinung nach auch stimmungsvollste – Teil der „Alien“-Saga).

So, jetzt ist es raus: Ja, bei „A-Five“ geht es um ein bauchzerfetzendes Monster, und ja, das ist eben spätestens seit „Alien I – IV“ nicht mehr sehr originell. Aber darum geht es dem deutschen Regisseur und seinem Team auch gar nicht. Das Ziel war es vielmehr, mit dem geringen Budget von 175 Euro und einfachen Mitteln eine stimmige Atmosphäre, ganz nach dem großen Vorbild, zu erzeugen. Man glaubt gar nicht, was F/X-Experte Lars Havemann mit großen Wänden aus Leinen bzw. Plastikplanen alles bewerkstelligt – so mutiert die enge heimische Garage in einen weitläufigen Raumschiffkorridor. Zugegeben, Computer-animierte Raumschiffe habe ich schon wesentlich bessere gesehen, auch geht die schauspielerische Leistung der Akteure hinter den Gesichtsmasken unter. Aber „A-Five“ lebt nicht von der Handlung, sondern vom Drumherum, d.h. von der düsteren und kargen Atmosphäre, von den Special Effects (Kuck mal, was da aus dem Bauch rauskommt!), vom Abspann (mit drei Minuten fast halb so lang wie der eigentliche Spielfilm), von der Musik (Gratulation an Andre Matthias, vor allem der Abschlusstitel „Kann sein (Sci-Fi in Hi-Fi)“ ist hörenswert) und vom anschließenden Making Of (Bastelanleitung). Ein Film, den man nicht unbedingt sehen muss, der aber trotzdem Spaß macht.

© Medienengel

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Einen Blick sollte man auch auf die Oldschool-Filmsite von „A-Five“ werfen. Im „Making Of“ und „Werkstatt“ werden die Lichtsetzung und der „Chestburster-Effekt“ erklärt.

Noch eine kleine Anmerkung: Wenn man Landsiedels Nachfolgewerke „Neulich auf dem Dachboden“ und „Soundcheck“ dazu vergleicht, fällt auf, dass der Regisseur ein Gespür für Atmosphäre und Musik hat.

Apropos Musik: André Matthias hat sein damaliges Hobby zum Beruf gemacht und komponiert Filmmusik, u.a. für „Die Reise des Trommlers“ (2007 – mit Jackie Chans Sohn Jaycee) und „Control“ (2013) von Kenneth Bi.

So, nachdem ich in letzter Zeit schon öfters den Namen Timo Landsiedel hier fallen habe lassen, wird es Zeit, den deutschen Filmemacher ein bisschen näher vorzustellen. (Es könnte nämlich sein, dass in mittlerer Zukunft noch einiges mehr aus dem Dunstkreis HomeMovieCorner/Landsiedel kommt – deswegen).

Timo ist Schauspieler, Drehbuchautor, Filmemacher, Podcast-Produzent, Sachbuchautor, Filmjournalist und war zuletzt auch Chefredakteur des inzwischen eingestellten „Zoom – Magazin für Filmemacher“. Sehr viel davon hat er mit seinem Bruder Torsten und Lars Havemann gemacht, wie eben die Kurzfilme „A-Five“ und „Die erste Nacht“ oder „Wagnisse“, bei dem neun Nachwuchsfilmer einen Episodenspielfilm drehten. Auch die Podcast-Serien „Das Büro des Todes“ und „Das Fenster zum Doof“ gehen auf ihre Kappen. Für die NDR-Comedyshow „Dennis unf Jesko“ schrieben er und Lars Sketche. Und den Oscar-nominierten Kameramann Michael Ballhaus interviewte Timo für sein Sachbuch „Filmen wie Ballhaus. Basics der Bildgestaltung“ Und auf Witzwerk.de schmeißen er und Lars u.a. täglich einen Kalauer raus.

Timo (imdb) kenne ich noch aus der Zeit des HomeMovieCorner 1.0 (2001 – 2006). Erst hat er ein paar Filme geschickt, dann habe ich ein paar Filme gezeigt, dann trafen wir (er, sein Bruder Torsten sowie Lars Havemann) uns in Hamburg, um zum Jugendfilmfestival in Scheersberg in Schleswig Holstein nahe der dänischen Grenze (Ja, so weit bin ich damals gekommen. Wahnsinn!) zu fahren.

Was damals schon irre war, war die Chemie zwischen Lars und Timo. Die beiden warfen sich Wuchteln zu, dass es eine helle Freude war. Wenn die beiden Komiker auf Hochtouren liefen, dann kam ein Gag nach dem anderen, eine Vorlage ergab die nächste. Und irgendwann musste der Zuhörer einfach aufgeben, weil er bei dem Tempo einfach nicht mehr nachkam. Und das Arge: Für Timo und Lars war das ein Training für kommende Sachen wie Podcasts oder Sketche schreiben.

Wenn ich mir das hier so durchlese, bin ich mir sicher, dass ich wieder was ausgelassen habe.

Rodja Pavlik

INFO: Timo Landsiedel: „A-Five“ – D 1999/2000, Sci-Fi, Horror – 9:30 min. Regie: Timo Landsiedel. Drehbuch: Lars Havemann, Timo Landsiedel. Kamera: Lars Havemann. Schnitt: Timo Landsiedel, Lars Havemann. Design: Timo Landsiedel, Lars Havemann. Sounddesign: Andre Matthias, Timo Landsiedel. Special Effects: Lars Havemann. Musik: Andre Matthias. Produktion: Timo Landsiedel. Produktionskosten: ca. 175,- Euro. Darsteller: Timo Krüger, Sascha Kreutz, Torsten Landsiedel. Homepage: www.a-five.de.vu

Written by HomeMovieCorner

27. Januar 2015 um 20:39

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