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„Kartoffelsalat – Nicht fragen!“ online

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Ich finde das Phänomen Youtuber an sich begrüßenswert. Kurze, billig und schnell abgedrehte Häppchen für zwischendurch. (Und mit „billig“ meine ich das nicht abwertend, sondern im Sinne, dass das für Indie-Filmer durchaus leistbar ist.) Noch interessanter finde ich, dass da eine Fankultur entstanden ist, von der ich nichts mitbekomme – geschweige denn etablierte Medien (für die ich ja auch arbeite). Wenn ein Youtube-Star in die Stadt kommt, bricht Panik aus – chaotische Belagerungszustände vor Hotels und Autogrammstunden. Und ich muss erst einmal googlen, wer das überhaupt ist, der solche Zustände auslöst. (Und auch das ist nicht despektierlich gegenüber Fans von Youtubern gemeint – es soll nur zeigen, dass ich hier einfach eine Wissenslücke habe).

Freshtorge ist so ein Youtube-Star sein, er hat über 1,9 Millionen Abonnenten auf seinem Kanal. Immerhin produziert er auch seit 2009 mindestens einmal wöchentlich einen Clip. Und was im Kleinen funktioniert, könnte vielleicht auch auf der Leinwand ein Hit werden. Und so kam im Juli 2015 die Horrorkomödie „Kartoffelsalat – Nicht fragen!“ in die deutschsprachigen Kinos. Laut Wikipedia hatte der Film an die 360.000 Besucher und ein Gesamtergebnis von 2,5 Millionen Euro – bei kolportierten Produktionskosten von rund einer Million Euro. Grundsätzlich ist es schon mal gut, wenn ein Film einen Gewinn abwirft. Aber ich habe jetzt kein Gefühl für die Größenordnung: 360.000 Zuschauer für den gesamten deutschsprachigen Raum – ist das jetzt gut oder schlecht? Bemerkenswert ist aber, dass laut Wikipedia zwei von den 2,5 Millionen Euro bereits in der ersten Woche eingespielt wurden. Das lässt vermuten, dass das Interesse nach der ersten Woche sehr stark abgeebbt ist. Ich kann mich ad hoc auch nicht erinnern, ob es den Film länger als zwei Wochen bei uns in Österreich gespielt hat.

Nun hat Freshtorge den Film in einer um 20 Minuten gekürzten Fassung auf Youtube veröffentlicht – und bereits in der ersten Woche an die 2,18 Millionen Klicks generiert. Wobei ich erstens gerne wissen möchte, warum nur die gekürzte Version und nicht den gesamten Spielfilm? (Will man die 81-minütige Langversion auf DVD noch am Markt halten? Haben Youtube-Regularien da Einfluss gehabt? Z.B. Upload-Limits? Oder wollte man die Aufmerksamkeitsspanne von Youtube-Usern nicht überstrapazieren?) Und zweitens: Wer von den bisherigen Usern hat den Film auf Youtube eigentlich durchgehalten?

Ich würde das Ganze ja mal als interessantes Experiment einstufen. Funktionieren die kurzen Sketches von Youtube-Stars auch gestreckt als abendfüllender Spielfilm auf der Leinwand? Mein persönliches Conclusio: Eher nicht. Vielleicht macht es daher für Freshtorge und seine Produzenten daher auch Sinn, den Film dorthin zu bringen, wo seine Fans sind: Eben auf Youtube.

Inhalt: Leo Weiß (Freshtorge) hat ein schweres Leben an seiner Schule. Er ist der Klassenälteste, aber nicht der beliebteste. Leo kämpft mit schlechten Noten und mangelnder Anerkennung. So beschließen seine Eltern ihn auf eine neue Schule zu verlegen, in der Hoffnung auf einen Neuanfang.

Als ein bedrohlicher Virus ausbricht, der aus den Schülern fresssüchtige Infizierte macht, ergreift Leo die Initiative und beweist sich als Held. Von nun an startet eine waghalsige Rettungsaktion, in der Leo versucht, die nicht befallenen Schüler zu retten. Und möglicherweise ist es auch nicht für die Infizierten zu spät…

Rodja

Written by HomeMovieCorner

4. Dezember 2016 um 04:29

2 Antworten

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  1. „Ich würde das Ganze ja mal als interessantes Experiment einstufen. Funktionieren die kurzen Sketches von Youtube-Stars auch gestreckt als abendfüllender Spielfilm auf der Leinwand? Mein persönliches Conclusio: Eher nicht. Vielleicht macht es daher für Freshtorge und seine Produzenten daher auch Sinn, den Film dorthin zu bringen, wo seine Fans sind: Eben auf Youtube.“

    Interessant, das ist das genaue Gegenteil von dem, was Zucker, Abrahams, Zucker dazu bewegt hat, die Police Squaf las nackte Kanone auf die Kinoleinwand zu bringen. Deren Meinung (im Audio-Kommentar der Serie nachzuhören) ist nämlich, dass es so viele Hintergrundgags gibt, die auf den (damals noch viel kleineren) Fernsehbildschirmen einfach verpuffen.

    Als nicht abwertendes Wort für ‚billig‘ schlage ich ‚günstig‘ vor.

    FilmkritikenOD

    4. Dezember 2016 at 09:46

    • Witzig. Danke für den Hinweis, daran habe ich echt nicht gedacht. Schon beachtlich, wie sich die Paradigmen des Filmens und des Anschauens sich geändert haben.

      HomeMovieCorner

      5. Dezember 2016 at 09:17


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