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Crowdfunding für Super 8-Plattform

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Retro ist super. Und Super 8 ist noch superer, weil erstens eben retro, zweitens weil eh super in dem Begriff steckt. Quasi eine Doppelung.

Zugegeben, mit dem Filmformat verbinde ich keine weichgezeichneten Erinnerungen. Als Kind kannte ich das nicht – und ich kann mich auch nicht erinnern, dass jemand aus meiner Familie oder meiner Bekanntschaft filmte. Wahrscheinlich war es zu teuer für uns.

© Super 8 Web Portal

Erst mit dem HomeMovieCorner in den 2000er-Jahre machte ich Bekanntschaft mit diesem Format.

„Night of the Vampire Hunter“ von Ulli und Nicole Bujard zählt für mich noch immer zu den Highlights der Indie-Szene. Und wer kennt nicht die traurige, aber inspirierende Never-Ending-Story des Perry Rhodan-Fanfilms „Der Einsame der Zeit“ von Hans-Joachim Thunack? (Nicht? Na dann sollte ich sie vielleicht mal erzählen. Aber nicht jetzt.)

Doch zu dem Zeitpunkt war Super 8 schon längst tot. Zumindest glaubte man das. VHS-Kameras, Hi-8, Mini-DV und zuletzt Digitalkameras ersetzten vermeintlich den Film. Die Formate wurden immer kleiner, billiger und überspielbar. Man konnte irrsinnig viel Material drehen und daraus dann die besten Szenen wählen. Was lachte man doch über jene, die meinten, dass durch digitales Filmen eine gewisse Schlampigkeit beim Drehen kultiviert werden würde. Dass man nicht mehr so genau durchdacht und geplant arbeiten würde.

Doch etwas muss an analogen Sachen generell dran sein. Nicht nur der Nostalgie wegen (was allein schon ein Grund wäre, der Sache als Hobby nachzugehen). Nein, diese Techniken haben noch immer etwas, mit dem so manche Künstler besser arbeiten können, als mit der gerade aktuellsten Technik, die morgen schon wieder überholt sein könnte. Seien es nun Schreibmaschinen (*hüstel*) oder eben echter Film!

Nicht umsonst hat Kodak eine neue Super 8-Kamera angekündigt. Zwar mit einer Umarmung neuer Technologien, wie beweglichem LCD-Display und digitaler Sound-Aufzeichnung – und den fertig entwickelten Film gibt es zusätzlich noch als digitalen Download. Aber letztendlich arbeitet der Filmemacher mit Film – einer begrenzten Ressource. Und das fordert letztendlich die Kreativität. Es gibt also sehr starke Anzeichen dafür, dass ein tot geglaubtes Medium Wiederauferstehung feiert. „Vor zwei Jahren kam dann die dänische Logmar Super-8-Kamera heraus – und in der Schweiz werkelt auch jemand an einem Prototypen. Es ist wieder Leben in der Bude“, freut sich der Sachbuchautor, Filmemacher und Journalist Jürgen Lossau in einer Aussendung.

Und auch materialmäßig gibt es Neues zu berichten. So soll der vor fünf Jahren eingestellte Ektachrome-Farbumkehrfilm ab Ende 2017 wieder zu haben sein, berichtet Lossau, seines Zeichens ehemaliger Chefredakteur der inzwischen eingestellten Magazine „schmalfilm“ (und des englischsprachigen „small format“) und „Zoom – Das Magazin für Filmemacher“ (das später mein Freund Timo Landsiedel bis zur – leider – Einstellung leitete).

© Super 8 Web Portal

Allerdings gibt es ein kleines Problem.

Trotz des Bedarfs und sehr vielen Fans gibt es kaum noch ein umfassendes Informationsnetzwerk. Und das will Jürgen Lossau (im Bild links) mittels einer Crowdfunding-Aktion aus der Taufe heben. Bis zum 12. Mai sollten über Kickstarter 20.000 Euro zusammenkommen, damit das englischsprachige Super 8 Web Portal entstehen kann.

Wie man der Kampagnensite entnehmen kann, wurde dieser Betrag – auch dank des Engagements von Kodak selbst – bereits erreicht. Dennoch zahlt es sich aus, weiter zu crowdfunden. (Wie nennt man das sonst? Spenden? Keine Ahnung.) Denn wenn bis zum 12. Mai der Betrag von 35.000 Euro zustande kommt, wird die Seite auch in Deutsch erscheinen!! (Für mich persönlich stellt sich ja die Frage, warum sie nicht zuerst auf Deutsch und dann in Englisch erscheint, aber ich nehme mal an, dass Lossau da eben die weltweite Community im Fokus hat. Und Kodak als Produzent und möglicher Werbekunde ebenfalls.)

Auf dem Portal, auf dem die meisten Bereiche nur über Abo abrufbar sein sollen, werden u.a. 1.000 Filme zu sehen sein. Außerdem wird eine Datenbank über alle jemals gebauten Filmkameras und Projektoren aufgebaut – dabei muss man bedenken, dass über 7.000 Modelle zwischen 1965 und 1984 gefertigt wurden, so Lossau. Auch Servicestellen, die alte Kameras reparieren, die man billig auf dem Flohmarkt gekauft hat, werden aufgelistet und bewertet. Solche Filmapparate sind zwar diffizil, aber – im Gegensatz zu ihren digital aufnehmenden Nachfahren – auch nach Jahrzehnten nach einem Service einsatzbereit. (Wie Schreibmaschinen… Hm… wie komme ich nur dauernd auf diesen Vergleich?!?)

Das Super 8 Web Portal wird von vielen früheren Autoren und Übersetzern von „schmalfilm“ bzw. „small format“ redaktionell und professionell betreut. Täglich sollen so neue Artikel rund ums Filmen erscheinen. Auch ein Verzeichnis der Wettbewerbe, die Super-8-Filme annehmen, gehört dazu. Ebenso Workshops in Form von Filmclips, die die Handhabung der Kameras zeigen, die Selbstentwicklung von Filmen sowie einfache Reparaturen.

Da ich das Projekt für eine gute Sache, habe ich mir schon mal ein Jahresabo für das englischsprachige Portal gesichert. Ich hoffe aber, dass es auch zu einer deutschen Ausgabe kommt.

Rodja

INFO: Super 8 Webportal – Crowdfunding-Site: https://www.kickstarter.com/projects/1112932678/the-super-8-web-portal

The Super 8 Web Portal from schmalfilm magazin on Vimeo.

Written by HomeMovieCorner

7. Mai 2017 um 09:11

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