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„Mom, I’m doing porn now!“

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Der in Salzburg lebende Filmemacher Christian Genzel ist mir u.a. durch seinen Indie-Spielfilm „Die Muse“ und als Filmjournalist bzw. -kritiker durch seinen Blog „Wilsons Dachboden“ bekannt, auf dem er mal mehr, mal weniger obskure Werke der Filmgeschichte und Filmperlen präsentiert. Sein letzter Kurzfilm „Cinema dell‘ oscurità“ mit der fantastischen Stephanie Lexer (u.a. „Biest“) findet sich auf der aktuellen DVD der renommierten „Shocking Shorts“-Reihe.

Gerade ist Genzel mit seinem Dreh-Team aus den USA heim gekommen. Er drehte dort Interviewparts für seine kommende Dokumentation „Finding Planet Porno“ (Facebook-Site) rund um den US-Filmemacher Howard Ziehm.

© Ghost Light Productions

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Obwohl sexuell ein ziemlicher Spätzünder – Ziehm verlor erst mit 20, 21 Jahren seine Jungfernschaft – gilt er doch als Porno-Pionier. Zusammen mit einem Geschäftspartner brachte Howard Ziehm 1970 mit „Mona“ den ersten Hardcore-Langfilm heraus, der landesweit in den US-Kinos lief.

Hierzulande dürfte Ziehm aber eher durch seine Sex-Parodien „Flesh Gordon“ (1974) und „Flesh Gordon Meets the Cosmic Cheerleaders“ (1990) bekannt sein. Ursprünglich war „Flesh Gordon“ auch als Porno-Spielfilm gedacht, doch die Polizei beschlagnahmte die frühen Hardcore-Szenen, so dass Ziehm sich entschied, einen Softsex-Film daraus zu machen. In dem fliegt nun Flesh Gordon in einem Penis-förmigen Raumschiff durchs Weltall, um Imperator Wang daran zu hindern, mit seinen Sex-Strahlen die Menschheit zu versklaven.

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Als ich den Film und seinen 16 Jahre später gedrehten Nachfolger das erste Mal sah, war das so in den frühen 1990er-Jahren. Eine wilde Zeit – so nach dem Bundesheer. Da waren bis lange nach Mitternacht dauernde Spielabende angesagt: „Das schwarze Auge“-Rollenspiele, Brettspiele wie „HeroQuest“ oder „SpaceQuest“ – später auch „Warhammer Fantasy“, bei dem wir natürlich auch Figuren bemalten. Und wenn wir besonders masochistisch veranlagt waren, spielten wir „Shogun“ (ungefähr wie „Risiko“, nur mit hunderten Figuren, Festungen, auszuhebenden Ronin-Söldnern, Ninja-Spionen und Auftragskillern – ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals ein Spiel zu Ende spielten).

Sollten wir wider Erwarten doch einmal vor Mitternacht fertig gespielt haben, war dann Video-Abend gesagt. Andi war Stammgast in der Videothek und borgte sich dort en masse Filme aus – die er wiederum en masse mit einem zweiten Videorecorder kopierte. Und so kam ich dann in den Genuss von Filmen wie „Bad Taste“, „Waynes World“, „Bill & Teds verrückte Reise in die Vergangenheit“ (bzw. auch „… in die Zukunft“), „Meet the Feebles“, „Army of Darkness“ – und eben „Flesh Gordon“ und dessen Nachfolger. Also alles, was damals als cool angesehen wurde.

Mich hat das nie so wirklich infiziert. Vor allem die schnoddrige deutsche Synchronisation, die ja mittlerweile Kult ist, ging an mir völlig vorbei. „Volle Kanne, Hoschi“ wurde ein gängiger Spruch in meinem Freundeskreis damals – und jedes Mal, wenn er zitiert wurde, war ein Lacher garantiert. Ich kam mir wie Spock vor, der das Ganze als Außenstehender beobachtete und alles „faszinierend“ fand, aber nie wirklich davon berührt wurde.

„Flesh Gordon“ und „Flesh Gordon Meets The Cosmic Cheerleaders“ stachen insofern heraus, da wir vom Hörensagen wussten, dass das verkappte Pornos waren.

Was sie eben nicht waren. Es waren Softsex-Klamotten mit Fäkalhumor-Einlagen. Insofern „faszinierend“, dass meine Freunde sich total abhauten. Ich fand ja den nur wenige Jahre zuvor herausgekommenen „Spaceballs“ auch nicht wirklich lustig. (Ja, ich bin wohl eine ziemliche Spaßbremse. Aber ich stehe eher auf philosophischen Slapstick-Humor à la Dick & Doof, Buster Keaton, Charles Chaplin und Harold Lloyd – da wurde nicht so viel Schwachsinn geredet. Wie auch, waren ja alles größtenteils Stummfilme.)

© Rodja Pavlik

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Was mich aber an „Flesh Gordon“ begeisterte, waren die Special Effects und die Ausstattung. Dem Filmemacher war es gelungen, eine in sich stimmige Welt zu kreieren – und das mit wenig Budget. Das konnte ich auch als Film-Laie erkennen. Und die Effekte wirkten bei manchen Sachen wesentlich besser als im Vergleich dazu der „High-Budget-Film“ „Spaceballs“. Ja, in den besten Szenen, als Flesh Gordon von Ameisenrobotern angegriffen wird, wird man an „Jason und die Argonauten“ (1963) erinnert, ein Meisterwerk des legendären Trickkünstler Ray Harryhausen.

Kein Wunder, gehörten doch zum Effekteteam unzählige junge Künstler, die es später weit bringen sollten, wie Christian Genzel auf „Wilsons Dachboden“ erzählt. So wirkten u.a. Mike Minor (Art Director für „Star Trek II – Der Zorn des Khan“), Rick Baker (sieben Oscars und Arbeit u.a. an „Hellboy“ oder Michael Jacksons „Thriller“-Video), Dennis Muren (neun Oscars, u.a. für „Terminator 2“ und „Jurassic Park“) und Greg Jein (u.a. Modelle für „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“ und „Star Trek – Der Film“) mit.

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Doch nun zurück zur Doku „Finding Planet Porno“: Da ich Christian Genzels bisherige Werke kenne und schätze – und ihn auch als ernst zu nehmenden Regisseur mit Visionen wahr nehme, unterstütze ich das Projekt und sichere mir einen imdb-Credit als Associate Producer, was mich nun zum eingangs erwähnten Satz führt: „Mom, I’m doing porn now!“. (Na ja, wohl eher „Mom, I’m doing documentary now!“ – aber dann hätte wohl keiner mehr weiter gelesen.)

Mit in Genzels Team ist Kameramann Paul Sprinz, mit dem er zusammen den atmosphärischen Musikclip „Instant Love“ (und auch hier: Stephanie Lexer!) der Band Roia realisierte. Sprinz wiederum stand auch beim äußerst sehenswerten Kinodebüt „Die beste aller Welten“ von Adrian Goiginger hinter der Kamera. Der Film läuft aktuell in den österreichischen Kinos – und startet demnächst auch in Deutschland. Eine meiner Filmempfehlungen diesen Jahres. Definitiv.

Rodja

INFO: „Finding Planet Porno“ auf Facebook: www.facebook.com/PlanetPornDoc, Christian Genzels Filmproduktion Ghost Light Productions: www.ghostlightproductions.de

„Flesh Gordon“ (1974) – Trailer

„Flesh Gordon Meets the Cosmic Cheerleaders“ (1990) – Trailer

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Written by HomeMovieCorner

23. September 2017 um 08:47

Eine Antwort

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  1. […] I’m doing porn now“. Rodja Pavlik vom Homemoviecorner berichtet über Christian Genzels Dokumentarfilmprojekt „Finding Planet […]


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