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Viva Berlin! – Episode 4

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Wer rennt da vor den Zombies so geschwind?
Es ist die Mutter… mit ihrem Kind

INFO: http://vivaberlin.net

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27. Mai 2017 at 18:51

Viva Berlin! – Episode 3

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Manche richten es sich auch in der ärgsten Zombie-Apokalypse…

INFO: http://vivaberlin.net

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20. Mai 2017 at 17:29

Adieu, Sven Hüsken

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© Mayersche Buchhandlung Kamen

© Mayersche Buchhandlung Kamen

Manchmal ist das Leben einfach nur unfair.

Vor einigen Tagen genoss ich noch mit meiner Familie einen Urlaub auf Mallorca. An einem Tag war es zu windig, um im Meer zu baden – aber die Sonne schien, die Kinder hatten ihren Spaß, das Meer mit Sand zu beschießen – und auf dem Gesicht meiner Lebensgefährtin zeichneten sich wieder vermehrt so hübsche Sommersprossen ab.

Und dann bekomme ich über Facebook die Nachricht, dass es dem deutschen Autor Sven Hüsken sehr schlecht geht und er sich im Spital befindet. Kurz darauf kam die Nachricht, dass Sven seinem langjährigen Krebsleiden mit noch nicht einmal 40 Jahren erlegen ist.

Ich kannte Sven nicht sehr gut. Man könnte sagen, eine Facebook-Bekanntschaft halt. Aber er war zumindest einer, von dem ich mir gewünscht habe, ihn auch mal im realen Leben zu treffen. Er war für mich eine Inspiration, hat künstlerisch in seinem Leben mehr geschaffen als ich.

Als ich 2001 den HomeMovieCorner – Plattform für Amateur- und Indie-Filme – ins Leben rief, betrachtete ich das eigentlich als Versuchsballon. Mal in den Wald hineinrufen und schauen, was herauskommt. Keine Ahnung, was mich da erwarten würde. Urlaubsvideos? Höchstwahrscheinlich. Und dann bekam ich zwei Filme rein, die meine Meinung über Amateur- und Independentfilme grundlegend änderten. Oder ist „formten“ das passendere Wort? Ich weiß es nicht, ist momentan auch egal. Die beiden Filme waren „Faust – Der Musicalfilm“ der Vorarlberger Truppe Visual Dreams unter der Regie von Simon Meusburger und „Twinraiders“ der deutschen Gruppe Dreamvision Inc., bestehend aus dem Duo Marcel Laube und eben Sven Hüsken.

Nein, „Twinraiders“ war nicht unbedingt die Neuerfindung des Rades, aber der 45-minütige Sci-Fi-Streifen von 1999 war mit viel Herzblut, Idealismus, Einfallsreichtum und Humor gemacht. Kurz, ich hatte viel Spaß daran, wie man hoffentlich auch der Rezension hier entnehmen kann. Das Review war übrigens das erste virtuelle Lebenszeichen des HomeMovieCorner, das Veröffentlichungsdatum 12. Dezember 2001 ist quasi der Geburtstag des HMC. Um den Film zu bekommen, war ich damals sogar bereit, 20 DM auszulegen. Ich muss noch recherchieren, wo sich die VHS-Kassette nach dem Zersplittern der HMC-Crew 2006 befindet, aber ich vermute in den Archiven eines renommierten Filmfestivals.

Sven und Marcel wollten damals noch einen weiteren Film drehen, deshalb blieben wir auch lose in Kontakt. Als dann aus dem Projekt doch nichts wurde, verlor sich dann auch der Kontakt wieder. Ich stieß erst wieder auf Sven Hüskens Namen, als ich das erste Mal von Heiko Benders „Kinder der Nacht II“ las. Das ist ein „lost movie“, ein Film, der niemals fertig wurde. Dabei hatte er viele Stars und Promis wie Porno-Queen Kelly Trump, Ärzte-Drummer Bela B oder Horror-Romanautor Jason Dark („Geisterjäger John Sinclair“) an Bord. Und bei den VFX-Leuten las ich u.a. die Namen von Marco von Moos („Turricon – The Legend of Sollthar“, „NightCast“) und eben Sven Hüsken. Aber das Projekt wurde – obwohl weit fortgeschritten – nie fertig gestellt. Und so verlor ich Sven Hüsken wieder aus den Augen.

Auftritt Facebook: Man kann von den Sozialen Medien halten, was man will – aber um Kontakte wieder zu beleben, ist Facebook einfach unschlagbar. So eben auch im Fall von Sven. Wir „entdeckten“ uns 2011 wieder und schrieben uns von Zeit zu Zeit. Im ersten Moment war ich etwas enttäuscht, dass sich Marcel und Sven vom Film abgewendet hatten. Sie hatten nach „Twinraiders“ zwar noch einmal bei Bavaria Film einen „Raumpatrouille Orion“-Stoff gepitcht – aber daraus wurde nichts.

Wenn ich von einem geschätzten Filmemacher höre, dass er aufhört, dann löst das auch einen Schock bei mir aus. Da kommt immer so eine Conclusio in mir auf – denn wenn der Filmemacher erkannt hat, dass es keinen Sinn mehr macht, wieso strampele ich mich dann noch weiter ab?

Was mich aber erfreute: Sven hatte nicht ganz dem Kreativen abgeschworen. Er war Schriftsteller geworden. Damals waren noch Antworten von einigen Verlagen ausständig. Aber 2013 war es dann soweit. Sein Roman „Papa“ erschien zuerst als E-Book beim renommierten Verlag Droemer Knaur, 2015 dann auch als Paperback. Und wie man Amazon entnehmen kann, soll 2018 dann bei Knaur sein Thriller „Engel“ erscheinen.

Und dann kamen die Postings zu seiner Krebserkrankung. Krebs… bis vor einigen Jahren wusste ich nur, dass das etwas Schreckliches war, das anderen passierte und bei dem man aufrichtiges Mitleid fühlte, gleichzeitig aber froh war, dass der Schierlingsbecher an einem vorbei ging. Doch 2010 starb mein Vater nach einem langen Leiden – und 2011 Jackie Leven, ein schottischer Musiker, der 1994 mein Leben veränderte. Nein, ich selbst habe nicht Krebs, aber diese Krankheit betrifft nicht nur den Erkrankten selbst, sondern auch die ihm nahestehenden Personen. Er vergiftet die Realität und das Leben. Egal wie es ausgeht, danach wird nichts mehr so sein wie früher. Für niemanden.

Sven ging sehr offen mit seiner Krankheit um. In seinen Postings schilderte er seine Schmerzen (die mich auch an Passagen aus „Papa“ erinnerten), die Chemo-Therapien und wie selten und aggressiv seine Tumorart sei. Und doch schwang in seinem Geschriebenen so viel Humor und Positives mit, dass man einfach nicht an ein Ende glauben wollte. Er kämpfte lang, aber es wirkte nicht verkrampft oder verbittert. Erst als seine Frau Katja statt ihm auf seiner Facebook-Site vom Spitalsaufenthalt postete, spürte man, dass die Zeit des Abschieds nah war.

Ich kann nicht mehr über Sven Hüsken sagen, als dass ich ihn gerne mal persönlich kennen gelernt hätte. In einem Posting las ich, dass er sehr schwarzhumorig sein konnte. Die Erfahrung habe ich nicht gemacht – auch nicht in den paar persönlichen Schriftwechseln, die wir hatten. So viel ich beurteilen konnte, war er ein sehr fürsorglicher, humorvoller und positiv denkender Mensch. Das hinderte ihn nicht daran, grausame Bücher zu schreiben – aber ich denke, dass ein Buchautor oder Filmemacher seine Fantasie sehr wohl von seinem Grundwesen trennen kann.

© Dreamvision Inc.

© Dreamvision Inc.

Mach’s gut, Sven – und flieg nicht so rasant mit dem „Twinraider“ herum…

Und seiner Familie, seiner Frau und den beiden Kindern viel Kraft in der kommenden schweren Zeit, wenn der zunächst als surreal empfundene Verlust immer (er)greifbarer wird

Rodja

INFO: www.svenhuesken.de, auf Facebook: www.facebook.com/sven.husken

PS: Das Foto wurde freundlicherweise von Mayersche Buchhandlung Kamen zur Verfügung gestellt, wo Sven 2015 sein Buch „Papa“ vorstellte.

Trailer zu „Kinder der Nacht II“ von Heiko Bender. Ich vermute, dass die VFX-Szenen, in denen die sterbenden Vampire sich auflösen, von Sven stammen, denn sie gleichen einer Szene aus „Twinraiders“.

Für den Buchtrailer zu „Papa“ griff Sven noch einmal zur Kamera. Ich bin froh, dass er mit dem Filmemachen aufgehört hat, denn vor Buchstaben fürchte ich mich weniger als vor diesem Filmchen.

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12. August 2016 at 15:36

HMC-Classics: A-Five

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© Medienengel

© Medienengel

Erstrezension am 8. April 2003, der Kurzfilm wurde zusammen mit Timo Landsiedels „Die erste Nacht“ am 20. April 2004 im Rahmen des Themenabends „Fremde Welten“ im renommierten Wiener Votivkino gezeigt.

Als der Bordcomputer eines Raumschiffs eigenmächtig ein unbekanntes Objekt an Bord holt, machen sich der Captain und der Schiffsarzt auf den Weg, den Fund zu untersuchen. Sie stoßen auf einen Überlebenden, der mehr als nur Bauchschmerzen hat. Erinnert der Plot an irgendeinen anderen Sci-Fi-Film? Richtig, Timo Landsiedel und sein Team huldigen in ihrem 1999/2000 fertig gestellten Kurzfilm dem großen Vorbild von Ridley Scott. Das Mini-Budget merkt man dem Film auch an – dennoch wird eine stimmige Atmosphäre erzeugt. Ein Film, bei dem es nicht auf die Handlung, sondern auf das Drumherum (inkl. Abspann, Musik und Making Of) ankommt.

Einsam durchpflügt die U.S.S. Rambaldi das Weltall. An Bord: 32 Mitglieder eines kartographischen Vermessungsteams – zur Zeit im Kälteschlaf. Da entdeckt Bordcomputer „Sister“ ein unbekanntes Objekt. Von nun an laufen im Computer die Befehlsroutinen ab: Das Objekt wird eingeholt, die gesamte Mannschaft geweckt… Die gesamte Mannschaft? Befehl zurück, nur die oberste Kommandoebene soll sich mit dem Fund auseinandersetzen. Und so begeben sich der von der Eigenmächtigkeit von „Sister“ überraschte Captain (Sascha Kreutz) und der übermüdete Schiffsarzt (Timo Krüger) zum Sublevel 20.4.7, wo sie auf einen in künstlichen Tiefschlaf versetzten Fremden (Torsten Landsiedel) stoßen. Da die „Rambaldi“-Crew viele offene Fragen hat, beschließt sie, den Unbekannten zu wecken. Das erweist sich als großer Fehler, denn der Fremde hat einen Gast mitgebracht, mit dem selbst eingefleischte „Alien“-Fans nicht gerechnet haben…

© Medienengel

© Medienengel

Als Rezensent lebt man oft mit einer schweren Bürde: Was darf man verraten, was nicht? Welche Informationen muss man verraten, damit die Leser sich für einen Film interessieren und ihn anschauen, und welche Infos gelten als so genannte „Spoiler“ und verderben jeglichen Spaß?

Doch mit der Zeit wird man als Kritiker abgebrüht (ganz zu schweigen von verbittert, sozial geächtet und alkoholkrank) – und nachdem Regisseur Timo Landsiedel es auch selbst gesteht, kann ich es offen sagen: „A-Five“ ist eine Hommage an Ridley Scotts „Alien“ (der erste – und meiner Meinung nach auch stimmungsvollste – Teil der „Alien“-Saga).

So, jetzt ist es raus: Ja, bei „A-Five“ geht es um ein bauchzerfetzendes Monster, und ja, das ist eben spätestens seit „Alien I – IV“ nicht mehr sehr originell. Aber darum geht es dem deutschen Regisseur und seinem Team auch gar nicht. Das Ziel war es vielmehr, mit dem geringen Budget von 175 Euro und einfachen Mitteln eine stimmige Atmosphäre, ganz nach dem großen Vorbild, zu erzeugen. Man glaubt gar nicht, was F/X-Experte Lars Havemann mit großen Wänden aus Leinen bzw. Plastikplanen alles bewerkstelligt – so mutiert die enge heimische Garage in einen weitläufigen Raumschiffkorridor. Zugegeben, Computer-animierte Raumschiffe habe ich schon wesentlich bessere gesehen, auch geht die schauspielerische Leistung der Akteure hinter den Gesichtsmasken unter. Aber „A-Five“ lebt nicht von der Handlung, sondern vom Drumherum, d.h. von der düsteren und kargen Atmosphäre, von den Special Effects (Kuck mal, was da aus dem Bauch rauskommt!), vom Abspann (mit drei Minuten fast halb so lang wie der eigentliche Spielfilm), von der Musik (Gratulation an Andre Matthias, vor allem der Abschlusstitel „Kann sein (Sci-Fi in Hi-Fi)“ ist hörenswert) und vom anschließenden Making Of (Bastelanleitung). Ein Film, den man nicht unbedingt sehen muss, der aber trotzdem Spaß macht.

© Medienengel

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Einen Blick sollte man auch auf die Oldschool-Filmsite von „A-Five“ werfen. Im „Making Of“ und „Werkstatt“ werden die Lichtsetzung und der „Chestburster-Effekt“ erklärt.

Noch eine kleine Anmerkung: Wenn man Landsiedels Nachfolgewerke „Neulich auf dem Dachboden“ und „Soundcheck“ dazu vergleicht, fällt auf, dass der Regisseur ein Gespür für Atmosphäre und Musik hat.

Apropos Musik: André Matthias hat sein damaliges Hobby zum Beruf gemacht und komponiert Filmmusik, u.a. für „Die Reise des Trommlers“ (2007 – mit Jackie Chans Sohn Jaycee) und „Control“ (2013) von Kenneth Bi.

So, nachdem ich in letzter Zeit schon öfters den Namen Timo Landsiedel hier fallen habe lassen, wird es Zeit, den deutschen Filmemacher ein bisschen näher vorzustellen. (Es könnte nämlich sein, dass in mittlerer Zukunft noch einiges mehr aus dem Dunstkreis HomeMovieCorner/Landsiedel kommt – deswegen).

Timo ist Schauspieler, Drehbuchautor, Filmemacher, Podcast-Produzent, Sachbuchautor, Filmjournalist und war zuletzt auch Chefredakteur des inzwischen eingestellten „Zoom – Magazin für Filmemacher“. Sehr viel davon hat er mit seinem Bruder Torsten und Lars Havemann gemacht, wie eben die Kurzfilme „A-Five“ und „Die erste Nacht“ oder „Wagnisse“, bei dem neun Nachwuchsfilmer einen Episodenspielfilm drehten. Auch die Podcast-Serien „Das Büro des Todes“ und „Das Fenster zum Doof“ gehen auf ihre Kappen. Für die NDR-Comedyshow „Dennis unf Jesko“ schrieben er und Lars Sketche. Und den Oscar-nominierten Kameramann Michael Ballhaus interviewte Timo für sein Sachbuch „Filmen wie Ballhaus. Basics der Bildgestaltung“ Und auf Witzwerk.de schmeißen er und Lars u.a. täglich einen Kalauer raus.

Timo (imdb) kenne ich noch aus der Zeit des HomeMovieCorner 1.0 (2001 – 2006). Erst hat er ein paar Filme geschickt, dann habe ich ein paar Filme gezeigt, dann trafen wir (er, sein Bruder Torsten sowie Lars Havemann) uns in Hamburg, um zum Jugendfilmfestival in Scheersberg in Schleswig Holstein nahe der dänischen Grenze (Ja, so weit bin ich damals gekommen. Wahnsinn!) zu fahren.

Was damals schon irre war, war die Chemie zwischen Lars und Timo. Die beiden warfen sich Wuchteln zu, dass es eine helle Freude war. Wenn die beiden Komiker auf Hochtouren liefen, dann kam ein Gag nach dem anderen, eine Vorlage ergab die nächste. Und irgendwann musste der Zuhörer einfach aufgeben, weil er bei dem Tempo einfach nicht mehr nachkam. Und das Arge: Für Timo und Lars war das ein Training für kommende Sachen wie Podcasts oder Sketche schreiben.

Wenn ich mir das hier so durchlese, bin ich mir sicher, dass ich wieder was ausgelassen habe.

Rodja Pavlik

INFO: Timo Landsiedel: „A-Five“ – D 1999/2000, Sci-Fi, Horror – 9:30 min. Regie: Timo Landsiedel. Drehbuch: Lars Havemann, Timo Landsiedel. Kamera: Lars Havemann. Schnitt: Timo Landsiedel, Lars Havemann. Design: Timo Landsiedel, Lars Havemann. Sounddesign: Andre Matthias, Timo Landsiedel. Special Effects: Lars Havemann. Musik: Andre Matthias. Produktion: Timo Landsiedel. Produktionskosten: ca. 175,- Euro. Darsteller: Timo Krüger, Sascha Kreutz, Torsten Landsiedel. Homepage: www.a-five.de.vu

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27. Januar 2015 at 20:39

HMC-Classics: Dunkel – Das erste Kapitel

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© Transcendental Pictures

© Transcendental Pictures

Erst-Rezension am 01. Jänner 2006

In einem vom Krieg verwüsteten Land streift der Einzelgänger Lew durch die Wälder. In den wenigen Orten, wo es noch halbwegs so etwas wie Zivilisation gibt, wird er missträuisch beäugt. Nur die junge Riva scheint Gefallen an dem Fremden zu finden. Doch ihre Liebe wird von etwas Dunklem aus dem Wald – aus längst vergessenen Schützengräben – bedroht. „Dunkel – Das erste Kapitel“ ist das 2005 veröffentlichte Prequel zum Horrorfilm „Dunkel“ von 2002 (siehe auch unsere HMC-Classics-Rezension) von Transcendental Pictures und Dark Cloud Productions.

Es herrscht Krieg im Land – ein so lange andauernder, dass man ihn schon fast Normalität nennen könnte. So etwas wie Zivilisation wird nur in kleinen Siedlungen mühsam aufrecht erhalten, in denen die Menschen mehr schlecht als recht dahin vegetieren. Außerhalb der Zeltstädte ist gesetzloses Niemandsland. Obwohl es gefährlich ist, zieht Lew (Robert Koch) die Einsamkeit in den Wäldern vor. Er wandert durchs Land, lässt sich gerade mal in den Siedlungen blicken, wenn er frisch geschossenes Wild gegen Waren eintauschen will.

© Transcendental Pictures

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An einem dieser Sammlungspunkte gestrandeter Existenzen trifft Lew auf die junge Kräutersammlerin Riva (Katharina Rahn).

Riva lebt hier mit ihrer alkoholabhängigen Mutter. Ihre einzige wirkliche Freundin ist die Kriegswaise Mariska (Katrin Wierstorf), das war’s dann aber auch schon mit den sozialen Kontakten. (Es ist die gleiche Mariska, die im nachfolgenden Film eine so wichtige Rolle spielt.) Riva gefällt der Fremde – und auch der Einzelgänger Lew, der sich mit Gefühlen eher schwer tut, fühlt sich zu der jungen Frau hingezogen. Während sich die beiden behutsam näher kommen, spielt sich im nahe liegenden Wald ein unheilvolles Drama ab.

Während Lew die Einsamkeit liebt, hat Kaman (Timo Wussow) andere Gründe, die Städte zu meiden. Der Wegelagerer überfällt mit seinen Kumpanen Sira (Beate Franke) und Malek (Hannes Graubohm) die wenigen fahrenden Händler, die sich noch durch den Wald wagen. Die Bande geht mit einer besonderen Kaltblütigkeit vor, Überlebende gibt es keine. Nein, Kaman hat keinen Spaß an seinem Tun, aber eine andere Möglichkeit bietet sich ihm nicht. Auch ist der Teil des Waldes, in dem die Banditen auf Beute lauern, Kaman nicht ganz geheuer. Er kann kaum schlafen, wird ständig von Alpträumen geplagt. Jegliches Mitgefühl seiner Leute weist er schroff ab, als Anführer darf er sich keine Blößen erlauben.

© Transcendental Pictures

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Und dann geschieht es: Sie werden überfallen – ausgerechnet sie, die finstren Gestalten des Waldes, werden von noch dunkleren Wesen attackiert.

Malek stirbt, Sira wird verschleppt – und Kaman selbst wird von einem der Angreifer gebissen. Zwar kann er den Gegner mit einem Herzstich töten, bleibt aber selbst schwer verletzt am Boden liegen. Am nächsten Tag streift Lew durch den Wald und findet den ohnmächtigen Kaman neben einer verkohlten Leiche. Lew bringt den Verletzten in die Zeltstadt. Dort verdächtigt man Kaman gleich als Wegelagerer. Obwohl er sehr viel Blut verloren hat, scheint die Wunde nicht besonders ernsthaft zu sein. Ohne viel Federlesens wird Kaman in eine halb ausgebombte Irrenanstalt in der Nähe der Frontlinie gebracht. Dort soll er für den Rest seiner Tage mit wahnsinnigen Opfern des Krieges verbringen – falls nicht vorher eine Granate einschlägt.

© Transcendental Pictures

© Transcendental Pictures

An einem anderen, ebenfalls trostlosen Ort erwacht die Banditin Sira. Von Munk (Lars Dreyer) wird sie mit einer vollkommen neuen Situation konfrontiert: Sie ist nun ein Vampir im Clan von Irias (Frido Feldbinder) – es gibt für sie kein Zurück mehr.

Auf Irias dürfte auch der Ursprung des Vampirismus’ zurückgehen. Zuvor war er Familienvater, doch dann kam der Krieg und Irias wurde eingezogen. An seinem Frontabschnitt waren die Verluste besonders hoch. Doch weder Kugeln noch Granaten töteten die Männer, sondern sie krepierten qualvoll an Hunger oder durch Krankheiten. Über die wenigen Überlebenden legte sich schließlich ein dunkler Fluch, der sie zu untoten Blutsaugern machte.

Während Sira von den Vampiren in ihr neues Leben eingeführt wird, hat Kaman in der Anstalt nicht so viel Glück: Seine Gelüste und Kräfte werden immer stärker – aber Kaman muss erst auf blutige Art und Weise herausfinden, was mit ihm los ist…

Mit „Dunkel – Das erste Kapitel“ legen die deutschen Filmgruppen Transcendental Pictures und Dark Clouds Productions ein 105-minütiges Prequel zu dem in deutschen Indie-Kreisen viel gelobten Vampirfilm „Dunkel“ (siehe auch Rezension) vor. Zwar hat das Wort „Prequel“ spätestens seit „Star Wars: Episode I“ bei mir einen negativen Beigeschmack, doch Hendrik Röhrs und René Rausch legten ein Werk vor, das meine Vorurteile bald beiseite schob. Obwohl die beiden Teile eine Geschichte ergeben, sind sie doch größtenteils eigenständige Werke.

© Transcendental Pictures

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Zugegeben, der Film fällt noch immer in die Kategorie „Amateur“.

Die Schauspieler erledigen ihre Aufgaben bravourös – man erkennt sie aber trotzdem als – mal mehr, mal minder – begabte Laien. Der Schnitt ist sauber, aber nicht übermäßig aufregend. Der Score ist eingängig, nervt aber mit der Zeit und passt auch nicht zu jeder Szene. Die Technik ist zwar vorhanden, aber gerade im finalen Showdown in der Nacht hätte man sich doch etwas mehr Licht gewünscht. Den Kostümen und der selbst gebauten Waldsiedlung (mit Wachturm, Sanitätszelt, etc.) hingegen merkt man viel Liebe zum Detail an. Und das bei einem Budget von unter 1.000,- Euro!

Wirklich störend sind manche überlangen Szenen, die den Fluss des Films erheblich beeinflussen. Auch ist der finale Showdown – vielleicht aufgrund der eher dürftigen Ausleuchtung – lange nicht so spannend wie Kamans Ausbruch aus der Irrenanstalt. Die Szenen in der Anstalt gehören mit zu den apokalyptischsten, die ich jemals im Independent-Bereich gesehen habe.

© Transcendental Pictures

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Schauspielerisch konzentriert sich der Film vor allem auf Robert Koch, der seinen Lew zwar bieder aber mit einer gewissen Zwiespältigkeit spielt.

Man nimmt ihm den „Loner“ und Poeten durchaus ab. Manchmal schrammen die Liebesszenen zwischen ihm und Katharina Rahn am Rande der Lächerlichkeit vorbei. Das liegt aber weniger am Spiel der Akteure, sondern an den nicht immer gelungenen Einfällen der Drehbuchautoren René Rausch und Hendrik Röhrs (Stichwort: Seife!). Die interessanteren Rollen sind jedoch jene der Vampire: Timo Wussow spielt – wie bereits im ersten Teil – Kaman höchst souverän. Als Glücksgriff erweist sich Frido Feldbinder, der seinem Irias einen melancholischen, abgeklärten Touch verleiht. Obwohl Irias erst relativ spät im Film auftaucht, möchte man mehr über diesen Vampir erfahren.

Kommen wir nun zum ganz großen Pluspunkt, der „Dunkel – Das erste Kapitel“ weit über andere Filme vergleichbarer Machart (und auch über viele professionelle Produktionen) hebt: Die Komplexität der Geschichte.

© Transcendental Pictures

© Transcendental Pictures

Mann, was sich Hendrik Röhrs und René Rausch da überlegt haben, schlägt wirklich so einiges (man möge mir den unprofessionellen Jauchzer verzeihen). Jeder der Hauptcharaktere ist voll entwickelt und weist viele Ecken und Kanten auf: So ist die Liebe zwischen dem eingefleischten Einzelgänger Lew und Riva nicht nur eitel Sonnenschein. Als Riva z.B. um eine Freundin trauert, hält Lew ihre Anhänglichkeit nicht aus und sucht das Weite.

Interessant auch, dass einige Vampire ihrer Menschlichkeit nachtrauern, während andere sämtliche moralischen Bedenken über Bord werfen und das Beste daraus machen. Oder Kaman – mit dieser dunklen Gestalt haben Rausch und Röhrs einen äußerst viel versprechenden Charakter eingeführt. Im Prequel ist er als Mensch ein Verräter an den Menschen, im nachfolgenden Teil als Vampir ein Verräter an den Blutsaugern. Dabei verliert Kaman weder an Glaubwürdigkeit, noch wird sein Handeln als reine Willkür aufgefasst. Als Zuschauer entwickelt man sogar so etwas wie ein Verständnis für diesen trotzdem fremd bleibenden Charakter. Generell erzählen Rausch und Röhrs auch nicht wirklich von einem Kampf zwischen Gut und Böse, sondern vom ungleichen Krieg zwischen zwei verschiedenen Lebensformen, die, um überleben zu können, die jeweils andere eliminieren muss.

Fazit: Mit 105 Minuten ist „Dunkel – Das erste Kapitel“ ein recht beachtliches Prequel zum Vampirfilm „Dunkel“, das man durchaus flotter hätte inszenieren können. Dennoch vermag der Film von Transcendental Pictures und Dark Clouds Productions in eine glaubhaft dargestellte fremde Welt zu entführen.

Rodja Pavlik

Was ist HMC-Classics?

INFO: Transcendental Pictures, Dark Clouds Productions: „Dunkel – Das erste Kapitel“ – D 2004 – 2005, Fantasy – 105 min. (exkl. Bonusmaterial). Regie: Hendrik Röhrs. Drehbuch: Hendrik Röhrs, René Rausch. Kamera: René Rausch, Lars Dreyer. Schnitt: René Rausch, Hendrick Röhrs. Special Effects: Timo Wussow, Steffen Röhrs, Lars Dreyer. Design (Kostüm/Set-Bauten): Hendrik Röhrs. Ton: René Rausch, Lars Dreyer. Musik: Steffen Röhrs. Produktion: Timo Wussow, Steffen Röhrs, Hendrik Röhrs. Produktionskosten: unter 1.000,- Euro. Darsteller: Katharina Rahn, Robert Koch, Timo Wussow, Karin Wierstorf, Lars Dreyer, u.a.. Überreste der Filmsite.

Written by HomeMovieCorner

22. November 2014 at 23:45

HMC-Classics: Stasis

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© Hickstein/Wichterich

© Hickstein/Wichterich

Erstrezension am 11. September 2002, der Kurzfilm lief am 2. November 2002 im Rahmen eines HomeMovieCorner-Allerseelen-Specials im Filmcasino in Wien.

Ein junger Mann unterhält sich via Web-Camera mit seinem Zwillingsbruder, der seit einiger Zeit aus dem Haus ist. Ein banales Gespräch, doch bald befällt den Zuschauer ein unangenehmes Déjà Vu-Gefühl. Der deutschen Gruppe Firework Pictures rund um Matthias Hickstein und Daniel Wichterich gelang mit wenig Aufwand und einem ausgezeichneten Drehbuch ein psychologisches Drama, das mehr Grusel als so mancher Horrorfilm erzeugt.

„Und? Bei Dir was Neues?“ Ein junger Mann (Thomas Goersch) sitzt vor seinem Computer. Die Web-Camera ist an, er spricht mit seinem Zwillingsbruder. Das Gespräch dreht sich um banale Dinge. Wie geht es Mutter? Was macht das Liebesleben? Der eine hat sich einen blütenweißen Anzug gekauft, der andere hat eine neue Anmache. Seit der Bruder aus dem Haus ist, hat sich einiges verändert. Doch bevor es so langweilig-gemütlich weiter geht, stutzt der Zuschauer. Irgend etwas stimmt an dieser Konversation nicht. Wiederholt der eine nicht, was der andere kurz zuvor gesagt hat? Aber irgendwie ergeben die Sätze einen Sinn, einen Kontext. Das unangenehme Déjà Vu bleibt und wird mit jedem weiteren Satz, jeder Geste, die sich wiederholt, intensiver. Schließlich stockt der namenlose Mann vor dem Computer, denkt nach. Er erinnert sich wehmütig daran, wie es damals war – als sein Zwilling noch da war. Das gemeinsame Frühstück, Schach spielen, gemütlich beisammen sein – dann die letzte, schmerzliche Erinnerung: Der Sarg seines Bruders. „Du bist viel zu früh von uns gegangen.“

„Stasis“ ist ein kleiner, aber äußerst feiner Film der Gruppe Firework Pictures rund um Matthias Hickstein und Daniel Wichterich. Die beiden Deutschen erzählen die Geschichte eines jungen Mannes, der ein Gespräch mit seinem verstorbenen Zwillingsbruder mit Hilfe einer Web-Camera und einer verzögerten Einspielung in den Computer führt – den Verstorbenen quasi wieder „lebendig“ macht. Die Deutungsweisen des knapp 3:40 Minuten langen Films sind verschieden: Theorien von Schizophrenie bis hin zu sentimentalem Experiment eines Trauernden sorgen noch für lange Diskussionen nach dem Film.

„Stasis“ ist ein Beispiel dafür, dass man mit geringen technischen Mitteln und absolut „no Budget“ trotzdem einen guten Film machen kann. Alles, was man dafür benötigt, ist ein gutes Drehbuch und gute Schauspieler. Thomas Goersch überzeugt in seiner Rolle des Melancholikers, der um seinen Bruder auf etwas seltsame Art und Weise trauert. Besonders erwähnenswert ist vor allem der Dialog, der eigentlich ein Monolog ist. Das Bravourstück dürfte Hickstein und Wichterich einiges Kopfzerbrechen bereitet haben. Wie überlegt man sich einen Satz, der sich im Kontext wiederholt und trotzdem einen anderen, logischen Sinn ergibt? Obwohl der Kurzfilm ein Drama ist, steckt soviel psychologische Raffinesse und Spannung drinnen, dass mehr Gänsehaut entsteht als bei den meisten Horrorfilmen, die ich kenne.

Die Gruppe Firework Pictures war zu den Anfangszeiten des HomeMovieCorner in den 2000er-Zeiten immer für eine Überraschung gut. Ich mochte schon die Medien-Satire „Café Guerilla“ (2001) sehr, aber „Stasis“ (2002) war für mich das Nonplusultra eines Amateur-Kurzfilms. Nach den beiden „intellektuelleren“ Filmen folgte mit „Cleaner“ (ebenfalls 2002) ein Horror-Kurzfilm, in dem ein Kammerjäger – von einem Nachrichtenteam begleitet – im Keller seiner Arbeit nachgeht und Mäuse, Ratten und Zombies exterminiert. Doch die Untoten sind nicht die einzige Gefahr da unten. Bei dem eher mainstreamigen Film zeigte Daniel Wichterich erstmals sein CGI-Können und erschuf ein beeindruckendes 3D-Monster. „Cleaner“ war wohl der Höhepunkt von Firework Pictures, denn danach wurde es eher still um die Gruppe. Zwar kamen noch zwei, drei Kurzfilme (u.a. ein Teaser mit einem Samurai-Schwerkampf und ein tragischer Animationsfilm über eine verliebte Schaufensterpuppe), die aber nicht mehr das filmische Level von „Stasis“ oder „Cleaner“ erreichten.

Mittlerweile hat Wichterich sein Studium als Diplomierter Medien Designer an der Fachhochschule Aachen abgeschlossen und arbeitet als VFX-Artist in Berlin. Von einem Matthias Hickstein fand ich diese Filmemacher-Site hier, aber auf eine Anfrage kam keine Antwort.

Thomas Goersch ist Schauspieler und Filmemacher mit Leib und Seele, der vor allem in der Indie-Szene agiert. Er fiel mir u.a. in dem Fantasyfilm „Kriegerherzen“ und der LGBT-Serie „Berlin Bohème“ auf. Aktuell ist er u.a. der Mastermind hinter dem Episodenfilmprojekt „Grimms Kinder“, das die Grimmschen Märchen neu erzählt.

Rodja Pavlik

INFO: Firework Pictures: „Stasis“ – D 2002, Drama – 03:40 min. Regie: Matthias Hickstein. Drehbuch: Matthias Hickstein, Daniel Wichterich – nach einer Idee von Niels Vollrath. Kamera: Matthias Hickstein. Schnitt: Daniel Wichterich, Matthias Hickstein. Ton: Christian Fuhrmann. Darsteller: Thomas Goersch.

Was ist HMC-Classics?

Written by HomeMovieCorner

15. Oktober 2014 at 02:57

HMC-Classics: Dunkel

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© Transcendental Pictures

© Transcendental Pictures

Erst-Rezension am 26. Juli 2003.

In naher Zukunft versucht das Geschwisterpaar Yassa und Tarek in einer von Vampiren beherrschten Welt zu überleben. Regisseur Hendrik Röhrs, Drehbuchautor und Darsteller René Rausch sowie ihr Team Transcendental Pictures zeichnen mit einer interessanten und charakter-orientierten Story in ihrem Amateurfilm „Dunkel“ von 2002 eine düstere Horrorwelt in naher Zukunft. Eine großartige Geschichte, die man sich auch gerne in einer professionellen Produktion anschauen würde.

„Erzähl mir von früher!“

„Früher war es besser. Es gab genügend Nahrung. Die Menschen hatten einen festen Ort an dem sie lebten. Niemand hatte Angst vor der Dunkelheit.“

Für das Geschwisterpaar Yassa (Jana Bösche) und Tarek (René Rausch) schaut die Zukunft nicht gerade rosig aus. Genau genommen schaut auch die Gegenwart nicht viel besser aus: Die Menschheit – oder das, was davon übrig geblieben ist – ist in einen gnadenlosen Kampf mit der Rasse der Vampire verwickelt. Tagsüber können sich die Überlebenden zwar frei bewegen, in der dunklen Nacht sind sie höchstens Freiwild.

© Transcendental Pictures

© Transcendental Pictures

In dieser kleinen Gemeinschaft hat Tarek die Führung übernommen. Illusionslos, von einem Tag in den anderen lebend, fühlt er sich für seine kleine Schwester verantwortlich. Wenn sie ein leer stehendes Haus gefunden haben, bleiben sie eine Zeit lang drinnen, bis die ersten Vampire aufkreuzen. Dann geht die Suche nach einem neuem Quartier auf Zeit wieder los – mit diesem sich ständig wiederholenden Kreislauf hat sich Tarek abgefunden.

Yassa sieht das anders: Die ständige Bedrohung hat dem jungen Mädchen zwar die Kindheit geraubt, doch innerlich ist sie ein Teenager geblieben. Auch sie kann Vampire mit Bravour pfählen, doch in Wahrheit träumt sie von einer „guten, alten Zeit“, die sie nie kennen gelernt hat. Von Städten, in denen Menschen wohnen, von Kinderspielplätzen, die nicht durch Blutflecken entweiht wurden. Von Zeit zu Zeit tauscht sie heimlich ihr Lara-Croft-Outfit gegen ein Sommerkleidchen, spaziert auf einem Steg und träumt von der ersten Liebe, während im See die Schwäne schwimmen.

Eines Tages greifen der Scharfschütze Leu (Steffen A. Röhrs) und Hiskia (Susanne Bährisch) Yassa und Tarek auf. Die Fremden laden das Geschwisterpaar in ihr Versteck ein, wo Mara (Svenja Müller) gerade um das Leben eines Freundes kämpft. Die Camp-Bewohner sind in eine besonders blutige Fehde mit einem Vampirclan verwickelt, nachdem sie dessen Anführer getötet haben. Außerdem gehen die Vorräte zu Ende und die Gemeinschaft muss bald zur nächsten Siedlung.

© Transcendental Pictures

© Transcendental Pictures

Auch die Sippe der Vampire hat Probleme: Nachdem der Anführer gepfählt wurde, übernahm seine Tochter Mariska (Katrin Wierstorf) die Leitung – sehr zum Missfallen von Kaman (Timo Wussow). Dieser versucht, die Gemeinschaft gegen Mariska aufzustacheln, doch noch ist die Obervampirin zu mächtig. Nach einem kurzen Kampf verstößt sie Kaman aus der Gemeinschaft. So einfach gibt Kaman jedoch nicht auf, er schwört fürchterliche Rache. Eine Gelegenheit bietet sich, als der Ausgestoßene auf das Lager der Menschen stößt – er verrät Leu und seinen Freunden den Standort der Vampire…

Ja, so einfach geht das mit Einführungen. Ein paar Sätze aus dem Off, eine unheilvolle Spieluhrmelodie – und schon ist man in die richtige Stimmung versetzt. „Dunkel“ von der deutschen Gruppe Transcendental Pictures ist einer der stimmungsvollsten und ausgefeiltesten Filme, die ich je gesehen habe (und damit schließe ich auch viele professionelle Produktionen ein). Obwohl der Film an die 100 Minuten lang ist, kommt keine Langweile auf – zu sehr ist man von den Charakteren und vom intelligenten Plot gefesselt. Phantasievolle Ausstattung und stimmungsvolle Locations tun ihr Übriges. Untermalt von einem einfachen, aber wirkungsvollen Synthie-Score von Lars Kelich, entfaltet sich vor dem Auge des Zuschauers eine düstere Welt der nahen Zukunft, in der die menschliche Ordnung zusammengebrochen ist. Ein weiterer Pluspunkt ist auch das ziemlich ungewöhnliche und mutige Ende.

Interessant vor allem die vielen Details über die Eigenheiten der Vampire – wohl ein Ergebnis intensiver Recherchen. Ich selbst habe früher sehr viele Romane über die Untoten mit den scharfen Beißerchen gelesen und war echt entzückt, dass einige alte und vergessen geglaubte Mythen, wie z.B. das zwanghafte Zählen, Silbermünze im Mund als Schutz davor, dass der Tote wiederkehrt, etc., berücksichtigt wurden.

© Transcendental Pictures

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Die Schauspieler bieten eine gute Leistung. Gut, es sind Laiendarsteller, und das merkt man auch. Aber die Qualität ist auf einem gleich bleibenden Niveau und homogen. Dass die Akteure glaubhaft rüberkommen, liegt wohl auch an der ausgefeilten Darstellung der einzelnen Charaktere. Wenn z.B. Mariska nicht so scharfe Zähne hätte, würde man dieser verwöhnten Göre am liebsten den Hintern versohlen. Eine Novität damals (Zur Erinnerung: Der Film kam 2002 heraus – also vor „True Blood“, „Vampire Diaries“ und dem ganzen „Twilight“-Scheiß): Auch die Vampire haben soziale Bindungen und Gefühle (natürlich nur untereinander).

Die Handlungen der Menschen wiederum werden von ihren Erfahrungen geprägt. Besonders stark merkt man das bei Yassa und Tarek, aber auch bei dem jungen Leu. Der Scharfschütze traut niemandem – kein Wunder, schließlich musste er seinen eigenen Vater pfählen. Und dass Leu das Grab seines Vaters besucht, nur um sicher zu gehen, dass der Alte nicht „wiederkehrt“ – einfach genial. Gerade diese „Pre-Stories“ sorgen für logisch nachvollziehbare Konflikte innerhalb der Gruppe, obwohl eigentlich alle am selben Strang (Überleben) ziehen sollten.

Es gibt auch einige Splatterszenen in dem Film, aber erstens sind sie dem niedrigen Budget angepasst und eher unspektakulär, zweitens – und das ist meiner Meinung nach sehr wichtig – ordnen sie sich absolut der Geschichte unter. Blut spritzt nur dann, wenn es der Handlung förderlich ist.

© Transcendental Pictures

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Zwar hat das Team technisch eine solide Leistung vollbracht, aber vor allem anfangs stören die vielen Achsensprünge (d.h z.B. die Leute gehen nach links, Schnitt – plötzlich kommen sie von rechts). Einziges wirklich penetrantes Manko ist der übersteuerte Ton: Brechendes Gehölz im Wald oder Bauschutt bzw. Glasscherben in einer aufgelassenen Fabrik – da kracht und grammelt es, dass es keine Freude ist.

Es ist fast schade, dass diese Geschichte „nur“ für einen Amateurfilm verwendet wurde. Die Story ist viel zu komplex und überbordend und schreit fast förmlich nach einem „Spin Of“. Wenn man bedenkt, dass „Dunkel“ erst der dritte Film von Transcendental Pictures war, konnte man das Potenzial dieser Gruppe damals bereits erahnen.

Einen Pluspunkt gibt es für das ausführliche Bonusmaterial (zusätzliche 50 Minuten), das nicht nur informativ ist, sondern auch für jede Menge Spaß sorgt. Neben Hoppalas, deleted scenes, Tricks und sonstigen Kuriositäten (z.B. fliegende Kühe) erfährt man auch jede Menge von den Widrigkeiten, die die Dreharbeiten begleiteten. So musste der Holzsteg, auf dem Yassa so verträumt spaziert, erst von Schwanenscheiße radikal gesäubert werden. Und das Camp der Menschen wurde während der Dreharbeiten auch noch vom Hochwasser versenkt.

© Transcendental Pictures

© Transcendental Pictures

Transcendental Pictures waren 2003 eine der viel versprechendsten Amateurfilmgruppen damals. Sie drehten gut durchdachte Spielfilme und hatten auch ein Gespür für Ausstattung und Locations. Nach „Dunkel“ folgte 2003 – diesmal unter der Regie von „Dunkel“-Autor René Rausch – das Horrormärchen „Es war einmal… Der Gruselpeter“ und 2005 –wieder mit Hendrik Röhrs als Regisseur – das Prequel „Dunkel – Das erste Kapitel“ (HMC-Classics dazu folgt demnächst). Mit dem eigenen DVD-Label „Klappe, die Erste“ wurde auch versucht, eine Indie-Marke zu etablieren.

Nach weiteren Kurzfilmen drehten Transcendental Pictures schließlich die Tragikomödie „Things to do!“, bei der sie zum ersten Mal mit professionellen Schauspielern arbeiteten. Allerdings waren die Filmemacher mit dem Ergebnis nie zufrieden, weshalb das Werk offiziell nie veröffentlicht wurde, erzählte René Rausch vor kurzem dem HomeMovieCorner. Danach brach die Filmgruppe langsam auseinander – das Leben in Form von Arbeit bzw. Studium an anderen Orten hatte die meisten Mitglieder ereilt. Hendrik Röhrs und René Rausch studierten zusammen an der HfK Bremen das Fach Digitale Medien, wo sie mit dem Bachelor of Arts abschlossen. Nebenbei wurden kleinere Projekte wie ein Modefilm und diverse Musikvideos realisiert. So ab 2010 trennten sich die künstlerischen Wege der beiden: „Hendrik und ich sind aber nach wie vor gute Freunde und tauschen uns aus. Wir kamen nur auf kreativem Wege nicht mehr zusammen wegen unterschiedlicher Vorstellungen. Hendrik war immer der Ästhetiker und weniger der Geschichtenerzähler, während ich eher ‚unperfekt‘ bin und lieber Sachen mache, die storydriven sind“, erläuterte Rausch. Bei seinen späteren Werken griff René Rausch auch auf ehemalige Transcendental-Pictures-Mitglieder wie Steffen Röhrs oder Lars Dreyer zurück.

Aktuell versucht er über eine Crowdfunding-Aktion auf Startnext.de das Budget für sein neuestes Spielfilmprojekt „Ostzone“ (über das hier berichtet wurde) zu bekommen.

Rodja Pavlik

INFO: Transcendental Pictures: „Dunkel“ – D 2002, Horror – ca. 100 min (+ 50 min. Bonusmaterial). Regie: Hendrik Röhrs. Drehbuch: Timo Wussow, René Rausch – nach einer Idee von René Rausch und Timo Wussow. Kamera: Lars Kelich. Special Effects: Steffen Röhrs, Timo Wussow. Design/Ausstattung/Kostüme: Hendrik Röhrs, Gitta Röhrs, Katrin Wierstorf. Make Up: Katrin Wierstorf, Anna Göhring. Musik: Lars Kelich. Produktion: Lars Kelich, René Rausch, Timo Wussow. Darsteller: Jana Bösche, René Rausch, Katrin Wierstorf, Hendrik A. Röhrs, Svenja Müller, Susanne Bährisch, Timo Wussow, u.v.a.

Was ist HMC-Classics?

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7. September 2014 at 03:13

HMC-Classics: Schützenhilfe

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schuetzenhilfe_1Das Theater des Schauspielers Ralf Silka ist am Ende – genau wie Silka selbst. Der alternde Bühnendarsteller beschließt, Selbstmord zu begehen. Da erscheint ihm Michael Ende, Außendienstmitarbeiter der Firma Tod. Beim Abschluss seiner Lebensbilanz schwankt Silka zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Dem Schweizer Regisseur Dieter Koller ist 2001 mit dem Kurzfilm „Schützenhilfe“ der Spagat zwischen Anspruch und Unterhaltung gelungen – und das ausgerechnet zu dem heiklen Thema Selbstmord. Ein phantastischer Film! Erst-Rezension am 13.06.2002 – der Film lief im Rahmen des HomeMovieCorner am 22. September 2002 im renommierten Wiener Filmcasino.

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Das Stück ist zu Ende. Auf der Bühne verbeugt sich der Schauspieler Ralf Silka (Horst Warning), bevor der Vorhang zum letzten Mal fällt. Das kleine Theater, das Silka so mühsam aufgebaut hat, steht vor dem Ruin. Als Silka sich in seiner Garderobe abschminkt, läutet das Telefon. Es ist seine Frau Tina (Jaqueline Renée) – sie weiß, dass Ralf Probleme hat. Doch Ralf blockt ab, auch der Brief der Stadtverwaltung – wahrscheinlich die Subventionierung seines Theaters betreffend – interessiert ihn nicht. Denn der alternde Schauspieler hat beschlossen, seinem Leben ein Ende zu setzen. Und das ausgerechnet zu Weihnachten. Der Gedanke, mit seiner ihm entfremdeten Familie eine wahrhaft stille Zeit zu verbringen, ist ihm ein Greuel. Silka bereitet sich vor: Eine Platte der Comedian Harmonists wird aufgelegt, die Waffe geladen. Vor seinem Auge schauen ihm seine Frau Tina und sein Schauspielerzögling Nadia Gruber (Martina Schütze) von den Theatersitzen her zu. Voller Wut schickt er sie fort, die Vorstellung ist ja schließlich längst vorbei. Doch da bemerkt er noch einen Zuschauer: Es ist Martin Ende (Walter Sigi Arnold), der jüngere Bruder seines Schulfreundes Klaus. Das Besondere an dem allerletzten Publikumsgast ist das kleine Einschussloch an der Schläfe – Ende hat sich selbst erschossen.

schuetzenhilfe_2Nun arbeitet der Ex-Lehrer und Ex-Mensch als Außendienstmitarbeiter für das äußerst florierende Unternehmen Tod. Doch bevor sein neuer Kunde Silka abdrückt, muss noch der ganze Papierkram erledigt werden, sprich: Es wird Bilanz gezogen. Silka erzählt von seiner Frau, von frühen gemeinsamen Erfolgen und vom Traum, ein eigenes Theater zu eröffnen. Doch da waren auch die so genannten „Freunde“, die vor dem finanziellen Risiko warnten, der Teufelskreis Erfolg-Subvention-Misserfolg-keine Subvention, die Belastung, als Familienerhalter zu versagen und die Entfremdung der Familie. Schließlich glaubt Silka, sich niemandem mehr anvertrauen zu können. Ende drängt zum Absch(l)uss. Doch durch die Bilanz bekommt Silka neue Hoffnung: Vielleicht hält seine Familie doch zu ihm. Vielleicht hat er doch noch Freunde. Vielleicht… Doch Ende ist nicht da, um Silka den Suizid so einfach auszureden.

Nach diversen Produktionen, wie z.B. dem Parkhaus-Thriller „Geschoss E“ oder dem zauberhaften Märchen „una storia della luna“ mit Laien und semiprofessioneller Technik, ist „Schützenhilfe“ der erste professionelle Kurzfilm des Schweizers Dieter Koller und seiner DiKo Production. Das Produktionsbudget von 35.000 sfr (damals rund 23.700 Euro) hat der Regisseur dabei aus eigener Tasche vorgelegt. Das für eine Privatperson beachtliche Budget hat sich aber auch bezahlt gemacht: Professionelles Handling bis in die kleinsten Details – Kamera, Musik, Ton, Schnitt, Bild, etc. Doch was ist mit der Geschichte und ihren Akteuren selbst? Auch hier kann man nur das höchste Kompliment aussprechen. Die Berufsschauspieler – vor allem Horst Warning als lebensmüder Silka und Walter Sigi Arnold als Allegorie des Todes – überzeugen komplett in ihren Rollen.

Gratulation auch an Dieter Koller bezüglich des Drehbuchs: „Schützenhilfe“ ist trotz der problematischen Thematik kein „verkopfter“ Film. Das ist vor allem der phantasievollen Story und den geschliffenen Dialogen zu verdanken, die „Schützenhilfe“ zu einer gelungenen Mischung aus Anspruch und Unterhaltung, Komödie und Tragik verhelfen. Hinzu kommt, dass Koller anscheinend ziemlich intensiv zum heiklen Thema Selbstmord recherchiert und Fachleute hinzugezogen hat. Kurz und gut – „Schützenhilfe“ ist einfach ein phantastischer Film.

Es ist nicht verwunderlich, dass „Schützenhilfe“ einige Preise – darunter Bester Film bei Filmtage Xanten und Interferencia Liechtenstein und Bronze-Medaille IDAF in Duisburg – abgeräumt hat. Neben dem 28-minütigen Film gibt es als zusätzliches Bonusmaterial Trailer, ein Making Of und mehrere Schweizer TV-Beiträge zu „Schützenhilfe“.

Dieter Koller entdeckte im Alter von 16 Jahren dank einer Super8-Kamera die Liebe zum Film. Schon früh bemerkte er, dass er nicht nur Urlaubsfilme drehen, sondern auch Geschichten erzählen wollte. Im Armeefilmdienst lernte er schließlich Andreas Lechleiter und Patrik Busam kennen – zwei Weggefährten, die mit ihm heute noch drehen.

Obwohl sich der HomeMovieCorner sehr auf den deutschsprachigen Raum konzentriert, sind mir nur relativ wenige Schweizer Filmemacher im Indie-Bereich bekannt: Einer davon ist eben Dieter Koller. Filmisch am produktivsten war Koller in den 1990ern, wo er u.a. „Geschoss E“ (1997) und das märchenhafte „una storia della luna“ (1998) drehte, die mir schon sehr gut gefallen haben. Den Höhepunkt lieferte er aber meiner Meinung nach mit „Schützenhilfe“ (2001) ab. Doch danach wurde es sehr, sehr lange still um den Filmemacher, so dass ich mich fragen musste, ob Koller Abschied vom Regiestuhl genommen hat. Um so mehr freute es mich, dass er 2009 mit „3H“ sich wieder zurück auf der Leinwand meldete. Und nun soll 2014 sein neuestes Projekt „Adagio for strings“ herauskommen.

Rodja Pavlik

FOTO: DiKo Production

INFO: DiKo Production/augenblick media gmbh: „Schützenhilfe“ – CH 2001, Drama – 28 min. Regie: Dieter Koller. Drehbuch: Dieter Koller. Kamera: Peter Arnold. Schnitt: Peter Arnold, Dieter Koller. Ton: René Kolb. Maske/Kostüme: Nicole Zingg. Ausstattung/Requisiten: Ueli Graber. Produktion: Dieter Koller. Budget: ca. rund 23.700 Euro. Darsteller: Horst Warning, Walter Sigi Arnold, Jaqueline Renée, Martina Schütze. Homepage: http://www.diko.ch

Was ist HMC-Classics?

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6. Februar 2014 at 10:25

HMC-Classics: Twinraiders

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twinraiders1Am 12. Dezember 2001 ging mit „Twinraiders“ die erste Rezension des HomeMovieCorner online. Zwar überzeugt der Film nicht unbedingt mit einer originellen Story – gegensätzliches Duo gegen eine schwer bewaffnete Kampfstation – dennoch erzeugte der Film bei mir einen Aha-Effekt, der wiederum meine Liebe zum Amateur- und Independentfilm auslöste. Mit vielen, gut gelungenen Special Effects und gut gezielten Pointen liefern die Regisseure Marcel Laube und Sven Hüsken einen gelungenen Sci-Fi-Film ab, der anhand seiner Filmzitate die Verehrung der beiden Deutschen für die Klassiker des Genres verrät.

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Nichts geht über einen Computer-Abend daheim, denkt sich Sci-Fi-Fan Julian (Sven Hüsken). Unglücklicherweise werden seine gemütlichen Pläne gestört, als in der Nähe seiner Wohnung ein vermeintliches Flugzeug abstürzt. Als Julian zum Unglücksort fährt, läuft ihm ein anscheinend verwirrter Pilot ins Auto. In Panik nimmt Julian den besinnungslosen Mann zu sich und verarztet ihn notdürftig. Als der Unbekannte erwacht, stellt er sich als außerirdischer „Twinraider“-Pilot Dicoty (Marcel Laube) vor. Sein Volk kämpft gegen die Versklavung durch die Scilicets. Während einer Mission entdeckte das Geschwader von Dicoty den geheimen Standort der Scilicets. Im anschließenden Kampf konnte Dicoty mit seinem „Twinraider“ zwar als einziger entkommen, doch der Tod seines Co-Piloten zwang ihn zu einer Notlandung auf der Erde. Nun ist Dicoty auf die Hilfe von Julian angewiesen, um seinem Volk die geheimen Koordinaten der Scilicet-Basis übermitteln zu können…

twinraiders2„Twinraiders“ war das Debüt der deutschen Filmgruppe Dreamvision Inc., bestehend aus Marcel Laube und Sven Hüsken. Zugegeben, die Story vom gegensätzlichen Duo, das den Kampf gegen eine schwerst bewaffnete Kampfstation aufnimmt, ist nicht unbedingt die neueste im Sci-Fi-Bereich (Hallo, Star Wars!), dennoch gelang Dreamvision Inc. eine gelungene und pointenreiche Story. Das erste Drittel des Films ist zwar ein bisschen holprig – als Entschuldigung mag man aber geltend machen, dass die beiden Filmer sich erst mit diversen Film- und Schnitttechniken vertraut machen mussten. Doch mit jeder verstrichenen Filmminute wirkt das Handwerk der beiden Jung-Regisseure immer sicherer, und auch elegante Special Effects sorgen dafür, dass der Film immer stimmiger wird. So ist die Verfolgungsjagd durch den Wald eine der originellsten Szenen, die ich seit langem gesehen habe, und die animierten Bluebox-Flugszenen im detailreich ausgestatteten Cockpit des „Twinraiders“ gehören auf jeden Fall ins Lehrbuch „Was kann ich alles aus meinem Pentium 233 herausholen?“.

twinraiders3Nicht zu vergessen die Schauspieler, die anscheinend mit viel Spiellust agierten. Großes Kompliment an Marcel Laube und Sven Hüsken, aber auch an Devid Gockel, der dem Scilicet, einer Mischung aus Arnold Schwarzeneggers T-800 und einem verwandlungsfähigen T-1000, eine gewisse Coolness verleiht. Als besonderes Zuckerl ist nach dem Hauptfilm ein Making-Off zu sehen, das etwas durcheinander Hoppalas und das Entstehen einiger Spezialeffekte zeigt. Bemerkenswert vor allem die geringen Produktionskosten von 400,- DM (knapp 2.800 Schilling, umgerechnet ca. 205 Euro).

Nachspiel: Meine Erwartungshaltung nach „Twinraiders“ an Marcel Laube und Sven Hüsken war groß – aber anno 2001 hatte ich noch keine wirklich Ahnung von der Indie-Filmszene. Insofern war meine Erwartungshaltung eigentlich gegenüber jedem Filmemacher damals sehr groß. Nach ihrem Erstlingsfilm „Twinraiders“ bereiteten die beiden aus Hamm stammenden Filmemacher einen Film namens „Die Quittung“ vor. Doch daraus wurde nichts.

twinraider5Hüsken arbeitete danach an einigen VFX-Effekten für Heiko Benders Vampirfilm „Kinder der Nacht II“ (mit Kelly Trump und Bela B. Felsenheimer), dessen vielbeachteter Trailer damals durch die Internetforen geisterte. Allerdings… dieser Film – obwohl fertig gedreht – kam nie heraus. (Hm, ein Fall für „Raider Of The Lost Movies“?). Einen weiteren filmischen Versuch starteten Laube und Hüsken mit einem Konzept, um „Raumpatrouille Orion“ zu reaktivieren. Wie Hüsken auf Nachfrage erzählte, gab es sogar Gespräche mit Bavaria Film. Doch das Projekt verlief im Sand.

Nach den gescheiterten Projekten hat sich Marcel Laube laut Sven Hüsken aus dem kreativen Bereich zurückgezogen. Hüsken hingegen hat gerade vor kurzem (1. Oktober) den Thriller „Papa“ als E-Book veröffentlicht. Und zwar nicht im Eigenvertrieb, sondern beim renommierten Verlag Droemer Knaur. Filmisch wird es von Hüsken demnächst aber doch wieder etwas zu sehen geben. Er bereitet nämlich gerade einen Trailer zu seinem Buch vor.

Rodja Pavlik

INFO: Dreamvision Inc.: „Twinraiders“ – BRD 1998/99, Sci-Fi – ca. 45 min. Budget: ca. 200 Euro. Regie: Marcel Laube, Sven Hüsken. Darsteller: Sven Hüsken, Marcel Laube, Devid Gockel, Daniel Hoffmann.

Was ist HMC-Classics?

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16. Oktober 2013 at 15:14

HMC Classics: Faust – Der Musicalfilm

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Der klassische Faust-Stoff als Musical: Zwar nur auf die Gretchen-Tragödie konzentriert, gelang den Regisseuren Barbara Hofbauer und Simon Meusburger von der Vorarlberger Gruppe Visual Dreams 1999 ein mit viel Fantasie und Opulenz ausgestattetes Husarenstück. Die von Simon Meusburger komponierte Filmmusik wurde teilweise von einem Schülerorchester eingespielt – was dem Ganzen einen sphärischen Klang verleiht. Ein Meisterstück der Gestaltung im Amateurfilmbereich. Erst-Rezension am 15.04.2002. Der Film lief am 22. September 2002 im Rahmen des HomeMovieCorner im renommierten Filmcasino. Und noch eine persönliche Anmerkung: „Faust – Der Musicalfilm“ sowie der demnächst besprochene Sci-Fi-Film „Twinraiders“ sind schuld daran, dass ich damals auf die Indie-Schiene geriet.

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faust2Heaven’s Gate Bar: Während der Herr (Andreas Frick) wohlwollend auf seine Schöpfung blickt, lobpreist ihn ein Engelschor. Doch alles wird still, als ER die Szene betritt: Mephistopheles. Der Teufel (Barbara Hofbauer) verspottet die Menschheit, die sich auf der Erde doch ach so plagen und leiden muss – für nichts und wieder nichts. Gott verweist auf Doktor Faust, der auf verschlungenen irdischen Pfaden doch der guten Sache dient. Das stachelt den Ehrgeiz des Unterirdischen an: Er bietet Gott eine Wette an – Faust soll er noch verlieren. Der Herr nimmt’s gelassen, solange die Menschen noch auf ihren irdischen Wegen gehen, können sie irren. Mephistopheles macht sich sofort auf den Weg. Der Zeitpunkt ist günstig, denn Faust (Aurel Bereuter) steckt gerade in einer Sinneskrise. Egal, wie viel der Doktor auch studiert und zu wissen begehrt, immer wieder stößt er an seine Grenzen. Da bietet sich ihm Mephisto an. Nicht ganz überzeugt, geht Faust auf einen Handel ein: Mephisto soll Faust zu Lebzeiten jeden Wunsch erfüllen. Nach Fausts Tod kehre sich der Pakt einfach um. Doch Faust stellt Bedingungen. Nur wenn es Mephisto gelingt, seinen Wissensdurst zu stillen, so dass Faust sich nur noch den niedrigen Bedürfnissen hingeben will, dann hat der Teufel gewonnen und Faust gehört ihm. Beelzebub willigt ein. Doch schon Fausts nächstes Ziel ist nicht hehres Wissen, sondern ein junges Mädchen namens Gretchen…

Der klassische Faust-Stoff als Musical, basierend auf Texten von Johann Wolfgang Goethe – da hatte sich die Filmgruppe Visual Dreams wahrlich viel vorgenommen. Zugegeben, man sollte Musicals mögen (ich teile diese Leidenschaft nicht unbedingt), dennoch muss man den Hut vor dem Mut, der Improvisation und der Herangehensweise der Vorarlberger ziehen. Die Regisseure und Drehbuchschreiber Barbara Hofbauer und Simon Meusburger konzentrierten sich ganz und gar auf die Gretchen-Tragödie. Meusburger zeichnet übrigens auch für die Musik verantwortlich, die von der Musikschule Mittleres Rheintal unter Markus Pferscher eingespielt wurde. Zwar wurde das Schulorchester von Meusburger am Computer unterstützt, um fehlende Instrumente zu ersetzen, dennoch unterscheidet sich die Musik gewaltig von Amateurfilmen, die nur einen Mann am Synthesizer oder eine Band für den Filmscore zur Verfügung haben. Schon allein die Anfangssequenz – eine am Computer erzeugte Kamerafahrt durch den Himmel – profitiert von der Klangbreite eines echten Orchesters.

faust3Auch die Musical-Sequenzen sind von optischer Schönheit. Akrobatische Dämonen in Ganzkörperbemalung, Feuerspucker, Kirtagsbeleuchtung und übergroße Zuckerstangen als Requisiten; ein großes Lob für Bühnenentwürfe und Kostümdesign an Joachim Rottensteiner. Vor allem Gretchens Zimmer, das sich dann als überdimensionaler Kasten im schwarzen, leeren Raum entpuppt, ist äußerst gelungen. Auch das Gefängnis, das einerseits als reales Gebilde, andererseits als Symbol für Gretchens Wahnsinn fungiert, kommt optisch gut rüber. Schade, dass es kein Making-Of dazu gibt. Bei so viel musikalischer und ausstattungsmäßiger Opulenz muss natürlich auch die Frage nach der Qualität der Schauspieler beantwortet werden. Aurel Bereuter verkörpert zwar einen zweifelnden und später verliebten Faust, seine Stimme kann jedoch gesangsmäßig nicht mit jenen von Angelika Baumgartner und Barbara Hofbauer konkurrieren. Das ist aber auch das einzige Manko. Hervorzuheben ist auch Andreas Frick, der dem Zigarre paffenden und Wein trinkenden Herrn eine fast zynische Note verleiht.

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Die Geschichte der Vorarlberger Filmgruppe Visual Dreams begann bereits 1992, als sich eine Gruppe von Schülern entschloss, mit einfachstem Aufwand eine Satire von Ephraim Kishon zu verfilmen. Nach weiteren Kurzfilmen, Dokumentationen und Live-Aufzeichnungen wurde schließlich der gemeinnützige Verein Visual Dreams – Videoclub Lauterach gegründet. Die Gruppe hatte zu ihrer Glanzzeit eigene Ressorts für Drehbuchentwicklung, Live-Aufzeichnungen und Softwareentwicklung. Selbst ein wasserdichtes Kameragehäuse für Unterwasseraufnahmen sowie ein fünf Meter hoher Kamerakran mit fernsteuerbarem Kopf wurden in einigen dieser Abteilungen konstruiert.

1997 – nach fast zwei Jahren Produktionszeit – wurde der optisch brillante, meiner Meinung nach aber inhaltlich schwache Spielfilm „Angst“ uraufgeführt. Beim Amateurfilmwettbewerb der Bavaria-Filmstudios erreichte der Psychothriller sogar den fünften Platz – von über 200 Einreichungen. Die Jury zeigte sich vor allem von der „außergewöhnlichen Annäherung an professionelles Filmniveau“ begeistert. Nach diesem Erfolg wagte man sich nun an das ehrgeizigste Projekt der Gruppe: „Faust – Der Musicalfilm“.

faust1 Nach „Angst“ ist der 1999 fertig gestellte „Faust – Der Musicalfilm“ der eindrucksvolle Höhepunkt des Schaffens von Visual Dreams. Wieder einmal hatte die straffe Organisation funktioniert – auch das Auftreiben finanzieller Mittel. Wurde anfangs noch mit einem Budget von 200.000,- Schilling (ca. 14.500,- Euro) gerechnet, beliefen sich die Kosten dank Sponsoring am Ende nur auf ATS 20.000,- (1.450,- Euro). Und selbst dieser Betrag wurde in Form einer Subvention des Landes Vorarlberg aufgebracht.

Die Publikumsreaktionen auf den Film selbst waren jedoch unterschiedlich – einige Zuschauer zeigten sich enttäuscht, dass die Gruppe sich an einem Musical versuchte. Das Musical war also ein gewagtes Experiment, das – je nach Betrachtensweise – miss- oder gelungen ist. Nach diesem Projekt wurde es still um Visual Dreams. Dafür diente die Gruppe aber einigen als Sprungbrett ins Berufsleben.

INFO: Visual Dreams: „Faust – Der Musicalfilm“ – A 1999, Musical – 62 min. Regie: Simon Meusburger, Barbara Hofbauer. Drehbuch: Simon Meusburger, Barbara Hofbauer – nach Johann Wolfgang Goethe. Kamera: Thomas Ilg, Andreas Lämmerhirt. Schnitt: Thomas Ilg. Bühnenentwürfe und Kostümdesign: Joachim Rottensteiner. Musik: Simon Meusburger – Orchester der Musikschule Mittleres Rheintal unter Markus Pferscher. Budget: ca. 14.500 Euro.Darsteller: Barbara Hofbauer, Aurel Bereuter, Angelika Baumgartner, Andreas Frick, Joachim Rottensteiner, u.a.

Nachspiel: Nach der Kurzfassung komponierte Regisseur Simon Meusburger den gesamten „Faust“ als Musical. Mittlerweile ist er nach nach Wien gezogen, wo Meusburger das Schubert-Theater (genau, das ehemalige Porno-Schubert Kino) im neunten Bezirk zusammen mit Nikolaus Habjan leitet, das u.a. für seine außergewöhnlichen und eher an ein erwachsenes Publikum gerichtete Puppenspiel-Produktionen (z.B. „Der Herr Karl“, „Becoming Peter Pan – An Epilogue to Michael Jackson“) bekannt ist. 2012 erhielten er und Habjan für ihre Produktion „F. Zawrel – Erbbiologisch und sozial minderwertig“ den renommierten Nestroy Preis für die beste Off-Theaterproduktion.

Kameramann Thomas Ilg wechselte vom Amateur- ins Profifach. Er drehte des Öfteren im asiatischen Raum und schnitt zuletzt die Kinofilme „Der Atem des Himmels“ von Reinhold Bilgeri und „Harodim – Nichts als die Wahrheit“ von Paul Finelli.

„Faust“ Aurel Bereuter und „Gretchen“ Angelika Baumgartner sind Schauspieler geworden und spielen u.a. auf deutschen Bühnen.

Was ist HMC-Classics?

Written by HomeMovieCorner

9. Juli 2013 at 16:15

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