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Archive for Oktober 2014

Void

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Synopsis: An einem kalten Wintermorgen treffen drei Polizisten eine folgenschwere Entscheidung. Als ein afrikanischer Schubhäftling sich erfolgreich gegen die Abschiebung in einem Flugzeug wehrt, verschleppen sie diesen in eine Lagerhalle. Dort wird der Mann von den Polizisten bedroht, gefoltert, muss eine Schein-Exekution durchleben und wird schließlich noch mit dem Polizeibus überfahren.

Das Traurige an dem Kurzfilm „Void“ von Stefan Lukacs: Die Story basiert auf den Akten zum realen Vorfall des Bakary J. – und die Geschehnisse passierten 2006 in Österreich, und nicht in einem Land, in dem Demokratie ein Fremdwort ist. Regisseur Stefan Lukacs konzentrierte sich vor allem auf die negative Gruppendynamik und die daraus resultierende Gewaltspirale, die diesen Polizeiskandal auslöste. Wie der Filmemacher gegenüber der österreichischen Tageszeitung „Standard“ vom 11. Dezember 2012 (Artikel hier) erklärte, wurde die für einen Kurzfilm doch recht lange Spielzeit von 33 Minuten bewusst gewählt: „Ich wollte, dass das Publikum bei etwas zuschaut, wo es eigentlich lieber wegschauen möchte.“

Was das Ganze um eine tragische Nuance erweitert: Die schuldigen Polizisten wurden erst 2009 aus dem Dienst entlassen. Und ganz aktuell – drei der vier Polizisten wollen eine Neuaufnahme des Verfahrens, berichtet der ORF am 20. Oktober 2014. Dabei benutzt die Polizei laut Medienberichten den Kurzfilm für interne Schulungszwecke, um Polizisten dazu anzuhalten, bei Fehlverhalten ihrer Kollegen auch gegen den Korpsgeist aufzustehen.

Vielleicht ist es da ganz gut, dass Regisseur Stefan Lukacs seinen Kurzfilm auf Vimeo nun online gestellt hat.

Rodja

INFO: www.voidthemovie.com

VOID from georg eggenfellner on Vimeo.

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21. Oktober 2014 at 00:19

HMC-Classics: Stasis

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© Hickstein/Wichterich

© Hickstein/Wichterich

Erstrezension am 11. September 2002, der Kurzfilm lief am 2. November 2002 im Rahmen eines HomeMovieCorner-Allerseelen-Specials im Filmcasino in Wien.

Ein junger Mann unterhält sich via Web-Camera mit seinem Zwillingsbruder, der seit einiger Zeit aus dem Haus ist. Ein banales Gespräch, doch bald befällt den Zuschauer ein unangenehmes Déjà Vu-Gefühl. Der deutschen Gruppe Firework Pictures rund um Matthias Hickstein und Daniel Wichterich gelang mit wenig Aufwand und einem ausgezeichneten Drehbuch ein psychologisches Drama, das mehr Grusel als so mancher Horrorfilm erzeugt.

„Und? Bei Dir was Neues?“ Ein junger Mann (Thomas Goersch) sitzt vor seinem Computer. Die Web-Camera ist an, er spricht mit seinem Zwillingsbruder. Das Gespräch dreht sich um banale Dinge. Wie geht es Mutter? Was macht das Liebesleben? Der eine hat sich einen blütenweißen Anzug gekauft, der andere hat eine neue Anmache. Seit der Bruder aus dem Haus ist, hat sich einiges verändert. Doch bevor es so langweilig-gemütlich weiter geht, stutzt der Zuschauer. Irgend etwas stimmt an dieser Konversation nicht. Wiederholt der eine nicht, was der andere kurz zuvor gesagt hat? Aber irgendwie ergeben die Sätze einen Sinn, einen Kontext. Das unangenehme Déjà Vu bleibt und wird mit jedem weiteren Satz, jeder Geste, die sich wiederholt, intensiver. Schließlich stockt der namenlose Mann vor dem Computer, denkt nach. Er erinnert sich wehmütig daran, wie es damals war – als sein Zwilling noch da war. Das gemeinsame Frühstück, Schach spielen, gemütlich beisammen sein – dann die letzte, schmerzliche Erinnerung: Der Sarg seines Bruders. „Du bist viel zu früh von uns gegangen.“

„Stasis“ ist ein kleiner, aber äußerst feiner Film der Gruppe Firework Pictures rund um Matthias Hickstein und Daniel Wichterich. Die beiden Deutschen erzählen die Geschichte eines jungen Mannes, der ein Gespräch mit seinem verstorbenen Zwillingsbruder mit Hilfe einer Web-Camera und einer verzögerten Einspielung in den Computer führt – den Verstorbenen quasi wieder „lebendig“ macht. Die Deutungsweisen des knapp 3:40 Minuten langen Films sind verschieden: Theorien von Schizophrenie bis hin zu sentimentalem Experiment eines Trauernden sorgen noch für lange Diskussionen nach dem Film.

„Stasis“ ist ein Beispiel dafür, dass man mit geringen technischen Mitteln und absolut „no Budget“ trotzdem einen guten Film machen kann. Alles, was man dafür benötigt, ist ein gutes Drehbuch und gute Schauspieler. Thomas Goersch überzeugt in seiner Rolle des Melancholikers, der um seinen Bruder auf etwas seltsame Art und Weise trauert. Besonders erwähnenswert ist vor allem der Dialog, der eigentlich ein Monolog ist. Das Bravourstück dürfte Hickstein und Wichterich einiges Kopfzerbrechen bereitet haben. Wie überlegt man sich einen Satz, der sich im Kontext wiederholt und trotzdem einen anderen, logischen Sinn ergibt? Obwohl der Kurzfilm ein Drama ist, steckt soviel psychologische Raffinesse und Spannung drinnen, dass mehr Gänsehaut entsteht als bei den meisten Horrorfilmen, die ich kenne.

Die Gruppe Firework Pictures war zu den Anfangszeiten des HomeMovieCorner in den 2000er-Zeiten immer für eine Überraschung gut. Ich mochte schon die Medien-Satire „Café Guerilla“ (2001) sehr, aber „Stasis“ (2002) war für mich das Nonplusultra eines Amateur-Kurzfilms. Nach den beiden „intellektuelleren“ Filmen folgte mit „Cleaner“ (ebenfalls 2002) ein Horror-Kurzfilm, in dem ein Kammerjäger – von einem Nachrichtenteam begleitet – im Keller seiner Arbeit nachgeht und Mäuse, Ratten und Zombies exterminiert. Doch die Untoten sind nicht die einzige Gefahr da unten. Bei dem eher mainstreamigen Film zeigte Daniel Wichterich erstmals sein CGI-Können und erschuf ein beeindruckendes 3D-Monster. „Cleaner“ war wohl der Höhepunkt von Firework Pictures, denn danach wurde es eher still um die Gruppe. Zwar kamen noch zwei, drei Kurzfilme (u.a. ein Teaser mit einem Samurai-Schwerkampf und ein tragischer Animationsfilm über eine verliebte Schaufensterpuppe), die aber nicht mehr das filmische Level von „Stasis“ oder „Cleaner“ erreichten.

Mittlerweile hat Wichterich sein Studium als Diplomierter Medien Designer an der Fachhochschule Aachen abgeschlossen und arbeitet als VFX-Artist in Berlin. Von einem Matthias Hickstein fand ich diese Filmemacher-Site hier, aber auf eine Anfrage kam keine Antwort.

Thomas Goersch ist Schauspieler und Filmemacher mit Leib und Seele, der vor allem in der Indie-Szene agiert. Er fiel mir u.a. in dem Fantasyfilm „Kriegerherzen“ und der LGBT-Serie „Berlin Bohème“ auf. Aktuell ist er u.a. der Mastermind hinter dem Episodenfilmprojekt „Grimms Kinder“, das die Grimmschen Märchen neu erzählt.

Rodja Pavlik

INFO: Firework Pictures: „Stasis“ – D 2002, Drama – 03:40 min. Regie: Matthias Hickstein. Drehbuch: Matthias Hickstein, Daniel Wichterich – nach einer Idee von Niels Vollrath. Kamera: Matthias Hickstein. Schnitt: Daniel Wichterich, Matthias Hickstein. Ton: Christian Fuhrmann. Darsteller: Thomas Goersch.

Was ist HMC-Classics?

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15. Oktober 2014 at 02:57

ProSiebenSat.1 und VDD fördern Exposés

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Der Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD) und die Senderkette ProSiebenSat.1 schreiben für die nächsten drei Jahre eine Stoffentwicklungsförderung in der Höhe von 150.000,- Euro pro Jahr aus – insgesamt stehen vorläufig mal drei Jahre also 450.000,- Euro zur Verfügung.

Gefördert wird die Entwicklung von Ideen für Kinofilme, Fernsehfilme, TV- und Web-Serien zu einem Exposé. Da der einreichende Autor bereits mindestens ein Drehbuch für einen veröffentlichten Spielfilm (90-Minüter) oder drei Folgen einer produzierten und veröffentlichen Serie in seiner Filmographie aufweisen muss, ist die Förderung leider nicht für komplette Neueinsteiger gedacht.

Eingereicht werden kann eine auf 1,5 – 3 Din A4 Seiten (Arial, 12, Zeilenabstand 1,5) ausformulierte Idee. Das Genre muss auf dem Entwurf genannt werden. Pro Person kann eine Idee in jeder Förderperiode eingereicht werden.

Gefördert werden pro Förderperiode jeweils bis zu 20 Einreichungen. Die Förderung beträgt pro Person jeweils 7.500,- Euro und wird wie folgt aufgeteilt: Die erste Rate in Höhe von 3.750,- Euro erfolgt nach Förderzusage, die zweite Rate in Höhe von 3.750,- Euro erfolgt nach Abgabe eines 10- bis 15-seitigen Exposés (Din A4), welches spätestens sechs Monate nach Gewährung der Förderung abgegeben werden muss.

Der Autor wird die weitere Entwicklung eines auf dem geförderten Exposé basierenden Drehbuchs zuerst ProSiebenSat.1 anbieten. Sollte es innerhalb von vier Wochen keine Einigung zu einer weiteren Zusammenarbeit geben, kann der Stoff auch anderen Produzenten angeboten werden.

Einsendefrist für die erste Förderperiode ist der 1. November 2014. Einreichen kann man unter der E-Mail-Adresse Exposeforderung@drehbuchautoren.de. Weitere Details bitte dem Link hier entnehmen.

Rodja

Written by HomeMovieCorner

4. Oktober 2014 at 13:11

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Liste aller Filmfestivals in Deutschland

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Kurz und schmerzlos schreibe ich mal schnell den Blog-Post Nr. 500.

Die Macher des Independentfilms „Puppe, Icke und der Dicke“ stellen eine Übersicht aller Festivals in Deutschland zur Verfügung. Da kann man doch nur Danke sagen: www.deutsche-filmfestivals.de

Rodja

Written by HomeMovieCorner

1. Oktober 2014 at 11:02