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Archive for November 2014

HMC-Classics: Dunkel – Das erste Kapitel

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© Transcendental Pictures

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Erst-Rezension am 01. Jänner 2006

In einem vom Krieg verwüsteten Land streift der Einzelgänger Lew durch die Wälder. In den wenigen Orten, wo es noch halbwegs so etwas wie Zivilisation gibt, wird er missträuisch beäugt. Nur die junge Riva scheint Gefallen an dem Fremden zu finden. Doch ihre Liebe wird von etwas Dunklem aus dem Wald – aus längst vergessenen Schützengräben – bedroht. „Dunkel – Das erste Kapitel“ ist das 2005 veröffentlichte Prequel zum Horrorfilm „Dunkel“ von 2002 (siehe auch unsere HMC-Classics-Rezension) von Transcendental Pictures und Dark Cloud Productions.

Es herrscht Krieg im Land – ein so lange andauernder, dass man ihn schon fast Normalität nennen könnte. So etwas wie Zivilisation wird nur in kleinen Siedlungen mühsam aufrecht erhalten, in denen die Menschen mehr schlecht als recht dahin vegetieren. Außerhalb der Zeltstädte ist gesetzloses Niemandsland. Obwohl es gefährlich ist, zieht Lew (Robert Koch) die Einsamkeit in den Wäldern vor. Er wandert durchs Land, lässt sich gerade mal in den Siedlungen blicken, wenn er frisch geschossenes Wild gegen Waren eintauschen will.

© Transcendental Pictures

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An einem dieser Sammlungspunkte gestrandeter Existenzen trifft Lew auf die junge Kräutersammlerin Riva (Katharina Rahn).

Riva lebt hier mit ihrer alkoholabhängigen Mutter. Ihre einzige wirkliche Freundin ist die Kriegswaise Mariska (Katrin Wierstorf), das war’s dann aber auch schon mit den sozialen Kontakten. (Es ist die gleiche Mariska, die im nachfolgenden Film eine so wichtige Rolle spielt.) Riva gefällt der Fremde – und auch der Einzelgänger Lew, der sich mit Gefühlen eher schwer tut, fühlt sich zu der jungen Frau hingezogen. Während sich die beiden behutsam näher kommen, spielt sich im nahe liegenden Wald ein unheilvolles Drama ab.

Während Lew die Einsamkeit liebt, hat Kaman (Timo Wussow) andere Gründe, die Städte zu meiden. Der Wegelagerer überfällt mit seinen Kumpanen Sira (Beate Franke) und Malek (Hannes Graubohm) die wenigen fahrenden Händler, die sich noch durch den Wald wagen. Die Bande geht mit einer besonderen Kaltblütigkeit vor, Überlebende gibt es keine. Nein, Kaman hat keinen Spaß an seinem Tun, aber eine andere Möglichkeit bietet sich ihm nicht. Auch ist der Teil des Waldes, in dem die Banditen auf Beute lauern, Kaman nicht ganz geheuer. Er kann kaum schlafen, wird ständig von Alpträumen geplagt. Jegliches Mitgefühl seiner Leute weist er schroff ab, als Anführer darf er sich keine Blößen erlauben.

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Und dann geschieht es: Sie werden überfallen – ausgerechnet sie, die finstren Gestalten des Waldes, werden von noch dunkleren Wesen attackiert.

Malek stirbt, Sira wird verschleppt – und Kaman selbst wird von einem der Angreifer gebissen. Zwar kann er den Gegner mit einem Herzstich töten, bleibt aber selbst schwer verletzt am Boden liegen. Am nächsten Tag streift Lew durch den Wald und findet den ohnmächtigen Kaman neben einer verkohlten Leiche. Lew bringt den Verletzten in die Zeltstadt. Dort verdächtigt man Kaman gleich als Wegelagerer. Obwohl er sehr viel Blut verloren hat, scheint die Wunde nicht besonders ernsthaft zu sein. Ohne viel Federlesens wird Kaman in eine halb ausgebombte Irrenanstalt in der Nähe der Frontlinie gebracht. Dort soll er für den Rest seiner Tage mit wahnsinnigen Opfern des Krieges verbringen – falls nicht vorher eine Granate einschlägt.

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An einem anderen, ebenfalls trostlosen Ort erwacht die Banditin Sira. Von Munk (Lars Dreyer) wird sie mit einer vollkommen neuen Situation konfrontiert: Sie ist nun ein Vampir im Clan von Irias (Frido Feldbinder) – es gibt für sie kein Zurück mehr.

Auf Irias dürfte auch der Ursprung des Vampirismus’ zurückgehen. Zuvor war er Familienvater, doch dann kam der Krieg und Irias wurde eingezogen. An seinem Frontabschnitt waren die Verluste besonders hoch. Doch weder Kugeln noch Granaten töteten die Männer, sondern sie krepierten qualvoll an Hunger oder durch Krankheiten. Über die wenigen Überlebenden legte sich schließlich ein dunkler Fluch, der sie zu untoten Blutsaugern machte.

Während Sira von den Vampiren in ihr neues Leben eingeführt wird, hat Kaman in der Anstalt nicht so viel Glück: Seine Gelüste und Kräfte werden immer stärker – aber Kaman muss erst auf blutige Art und Weise herausfinden, was mit ihm los ist…

Mit „Dunkel – Das erste Kapitel“ legen die deutschen Filmgruppen Transcendental Pictures und Dark Clouds Productions ein 105-minütiges Prequel zu dem in deutschen Indie-Kreisen viel gelobten Vampirfilm „Dunkel“ (siehe auch Rezension) vor. Zwar hat das Wort „Prequel“ spätestens seit „Star Wars: Episode I“ bei mir einen negativen Beigeschmack, doch Hendrik Röhrs und René Rausch legten ein Werk vor, das meine Vorurteile bald beiseite schob. Obwohl die beiden Teile eine Geschichte ergeben, sind sie doch größtenteils eigenständige Werke.

© Transcendental Pictures

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Zugegeben, der Film fällt noch immer in die Kategorie „Amateur“.

Die Schauspieler erledigen ihre Aufgaben bravourös – man erkennt sie aber trotzdem als – mal mehr, mal minder – begabte Laien. Der Schnitt ist sauber, aber nicht übermäßig aufregend. Der Score ist eingängig, nervt aber mit der Zeit und passt auch nicht zu jeder Szene. Die Technik ist zwar vorhanden, aber gerade im finalen Showdown in der Nacht hätte man sich doch etwas mehr Licht gewünscht. Den Kostümen und der selbst gebauten Waldsiedlung (mit Wachturm, Sanitätszelt, etc.) hingegen merkt man viel Liebe zum Detail an. Und das bei einem Budget von unter 1.000,- Euro!

Wirklich störend sind manche überlangen Szenen, die den Fluss des Films erheblich beeinflussen. Auch ist der finale Showdown – vielleicht aufgrund der eher dürftigen Ausleuchtung – lange nicht so spannend wie Kamans Ausbruch aus der Irrenanstalt. Die Szenen in der Anstalt gehören mit zu den apokalyptischsten, die ich jemals im Independent-Bereich gesehen habe.

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Schauspielerisch konzentriert sich der Film vor allem auf Robert Koch, der seinen Lew zwar bieder aber mit einer gewissen Zwiespältigkeit spielt.

Man nimmt ihm den „Loner“ und Poeten durchaus ab. Manchmal schrammen die Liebesszenen zwischen ihm und Katharina Rahn am Rande der Lächerlichkeit vorbei. Das liegt aber weniger am Spiel der Akteure, sondern an den nicht immer gelungenen Einfällen der Drehbuchautoren René Rausch und Hendrik Röhrs (Stichwort: Seife!). Die interessanteren Rollen sind jedoch jene der Vampire: Timo Wussow spielt – wie bereits im ersten Teil – Kaman höchst souverän. Als Glücksgriff erweist sich Frido Feldbinder, der seinem Irias einen melancholischen, abgeklärten Touch verleiht. Obwohl Irias erst relativ spät im Film auftaucht, möchte man mehr über diesen Vampir erfahren.

Kommen wir nun zum ganz großen Pluspunkt, der „Dunkel – Das erste Kapitel“ weit über andere Filme vergleichbarer Machart (und auch über viele professionelle Produktionen) hebt: Die Komplexität der Geschichte.

© Transcendental Pictures

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Mann, was sich Hendrik Röhrs und René Rausch da überlegt haben, schlägt wirklich so einiges (man möge mir den unprofessionellen Jauchzer verzeihen). Jeder der Hauptcharaktere ist voll entwickelt und weist viele Ecken und Kanten auf: So ist die Liebe zwischen dem eingefleischten Einzelgänger Lew und Riva nicht nur eitel Sonnenschein. Als Riva z.B. um eine Freundin trauert, hält Lew ihre Anhänglichkeit nicht aus und sucht das Weite.

Interessant auch, dass einige Vampire ihrer Menschlichkeit nachtrauern, während andere sämtliche moralischen Bedenken über Bord werfen und das Beste daraus machen. Oder Kaman – mit dieser dunklen Gestalt haben Rausch und Röhrs einen äußerst viel versprechenden Charakter eingeführt. Im Prequel ist er als Mensch ein Verräter an den Menschen, im nachfolgenden Teil als Vampir ein Verräter an den Blutsaugern. Dabei verliert Kaman weder an Glaubwürdigkeit, noch wird sein Handeln als reine Willkür aufgefasst. Als Zuschauer entwickelt man sogar so etwas wie ein Verständnis für diesen trotzdem fremd bleibenden Charakter. Generell erzählen Rausch und Röhrs auch nicht wirklich von einem Kampf zwischen Gut und Böse, sondern vom ungleichen Krieg zwischen zwei verschiedenen Lebensformen, die, um überleben zu können, die jeweils andere eliminieren muss.

Fazit: Mit 105 Minuten ist „Dunkel – Das erste Kapitel“ ein recht beachtliches Prequel zum Vampirfilm „Dunkel“, das man durchaus flotter hätte inszenieren können. Dennoch vermag der Film von Transcendental Pictures und Dark Clouds Productions in eine glaubhaft dargestellte fremde Welt zu entführen.

Rodja Pavlik

Was ist HMC-Classics?

INFO: Transcendental Pictures, Dark Clouds Productions: „Dunkel – Das erste Kapitel“ – D 2004 – 2005, Fantasy – 105 min. (exkl. Bonusmaterial). Regie: Hendrik Röhrs. Drehbuch: Hendrik Röhrs, René Rausch. Kamera: René Rausch, Lars Dreyer. Schnitt: René Rausch, Hendrick Röhrs. Special Effects: Timo Wussow, Steffen Röhrs, Lars Dreyer. Design (Kostüm/Set-Bauten): Hendrik Röhrs. Ton: René Rausch, Lars Dreyer. Musik: Steffen Röhrs. Produktion: Timo Wussow, Steffen Röhrs, Hendrik Röhrs. Produktionskosten: unter 1.000,- Euro. Darsteller: Katharina Rahn, Robert Koch, Timo Wussow, Karin Wierstorf, Lars Dreyer, u.a.. Überreste der Filmsite.

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22. November 2014 at 23:45

„Deserteur“ und „Hirschen“ – zwei Indie-Filme in Wien

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© Pimp The Pony Productions

Pimp The Pony Productions

Da ist mal längere Zeit nichts – und dann kommen gleich zwei Indie-Filme zur gleichen Zeit in die Wiener Kinos.

Nach einer Festivaltour (24 Teilnahmen, fünf Auszeichnungen) und trotz Drohungen im Vorfeld feiert am 13. November 2014 der Film „Deserteur“ von Gabriele Neudecker in den Breitenseer Lichtspielen seine Wien-Premiere. Und am 14. November 2014 läuft in der UCI Millenium City die Komödie „Hirschen – Da machst was mit!“ von George Inci und Beatrice von Moreau an (weitere Termine in den Breitenseer Lichtspielen sind auch dabei).

„Deserteur“ basiert auf wahren Schicksalen und zahlreichen Interviews mit Zeitzeugen. Regisseurin Gabriele Neudecker hat dafür rund 200 Interviews zum Thema Deserteure der Wehrmacht geführt. Alle Rollen wurden mit sehr jungen Laiendarstellern vom Land (Elektrikern, Schlossern und Landwirten) besetzt.

Obwohl kaum bekannt, ist das Thema eigentlich bis in die Gegenwart tabu gewesen. Erst 2009 wurden nämlich Deserteure des NS-Regimes in Österreich offiziell rehabilitiert.

Synopsis: Hungerwinter 1946. Desertation aus der Wehrmacht wird in Österreich auch nach dem Krieg noch bestraft. Exemplarisch geben der Koch, der Bauer, der Ministrant und der Schweinemeister Einblicke in ihre Beweggründe zur Flucht vor dem militärischen Terror. Im dokumentarischen Stil montiert der Film reale Schicksale junger Deserteure, zeigt eindringliche Momentaufnahmen traumatischer Erinnerungen und gesellschaftlicher Ausgrenzung in der Nachkriegszeit.

Nach einer Kinotour durch Tirol, Kärnten, Oberösterreich und der Steiermark landet nun auch „Hirschen – Da machst was mit!“ von Georg Inci und Beatrice von Moreau in Wien.

Die zwei deutschen Filmemacher drehten den Indie-Film in dem Tiroler Ort Außervillgraten (hatte ich bis dato noch nicht auf meiner Landkarte) und besetzten die Rollen teils mit professionellen Schauspielern, teils mit Mitgliedern der örtlichen Theatergruppe.

Synopsis: In Hirschen lässt es sich gut leben, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als die Fabrik – der Hauptarbeitgeber im Dorf – ihre Pforten schließt. Der Großteil der Dorfbewohner wandert ab oder steht kurz davor. Nur wenige entscheiden sich für Hirschen, unter anderem auch die alteingesessene Stammtischrunde, die verzweifelt nach einem Ausweg aus der Misere sucht. Plötzlich passiert ein Wildunfall in der Nähe des Dorfes. Der leicht versehrte Fahrer kommt mit dem Schrecken davon und wird von den Dorfbewohnern gut verpflegt. Er wohnt in der Pension des Metzgers und seiner Tochter Susi, wird vom Arzt versorgt, der Mechaniker repariert sein Auto, der Polizist kümmert sich um die Formalitäten und der Bürgermeister bringt ihm die Schönheit des Ortes nahe. Das bringt die Stammtischrunde auf eine ebenso kuriose wie einträgliche – und natürlich nicht ganz legale – Idee…

Leider gibt es zu dem Film nur einen nicht aussagekräftigen Teaser, deswegen habe ich nur den „Making Of“-Trailer hier online gestellt.

Rodja

Edit: Zu „Hirschen – Da machst was mit!“ gibt es auf Film.at schon eine Kritik.

Trailer „Deserteur“

Making Of Trailer „Hirschen – Da machst was mit!“

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12. November 2014 at 10:01

Crowdfunding-Teaser zu „Iron Sky II – The Coming Race“

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© Ironsky.net

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So wird es also enden…

2012 erzählte der Finne Timo Vuoronsela mit viel Augenzwinkern und B-Movie-Charme in seinem Film „Iron Sky“ von Nazis, die vor Ende des Zweiten Weltkrieges auf den Mond flüchteten und in der Jetztzeit einen Angriff auf die Erde planen. Anscheinend war die Mondbasis aber nur ein Ablenkungsmanöver, denn in Wirklichkeit haben sich die Nazis (besser: eine nicht menschliche Herrscherrasse mit sehr viel Nazi-Symbolik) im Inneren der Erde versteckt. Und Blondi ist kein Schäferhund, sondern ein T-Rex. Zumindest dürfte das mal der vorläufige Plot zum zweiten Teil der Indie-Satire mit dem Titel Iron Sky II – The Coming Race sein.

Synopsis: 20 Jahre nach den Ereignissen im ersten Teil ist die ehemalige Nazi-Mondbasis die letzte Zuflucht der Menschheit. Die Erde wurde durch einen atomaren Weltkrieg verwüstet. Doch tief im Inneren der Erde lauert eine noch viel größere Gefahr: Die Vril, eine alte Reptilien-Rasse von Gestaltenwandlern, die vor Äonen bereits einen Teil der Entstehungsgeschichte der Menschheit beeinflusst hat.

Ich muss zugeben, der erste Teil von „Iron Sky“ hat mich nicht so ganz von den Socken gehauen, wie ich es erhofft hatte. Aber nicht die Story ist es, die den Film bemerkenswert macht, sondern die Art, wie er entstanden ist. „Iron Sky“ katapultierte Crowdfunding und Crowdsourcing in das Bewusstsein der Filmindustrie. Das erste Mal wurde in internationalem Ausmaß die Macht der Fans, der Crowd im Internet, eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Das Budget wurde unter anderem von den Fans aufgebracht, „Iron Sky“ lief weltweit in den Kinos an und war in allen Medien vertreten. Und dafür Hut ab.

Nun will Vuorensola es wieder wissen. Für „Iron Sky II – The Coming Race“ hat er auf Indiegogo wieder eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Die CF-Summe beträgt erst mal 500.000 US-Dollar, für den Film ist ein Gesamtbudget von 15 Millionen US-Dollar geplant (wobei laut Aussage des CF-Trailers 40 Prozent schon stehen sollen). Wie genau die Restsumme zusammen kommen soll, versuche ich gerade von Timo Vuorensola selbst zu erfahren.

Ich halte Crowdfunding noch immer für eine interessante, neue Methode. Doch in letzter Zeit hat es – meinem Gefühl nach – einen Rückschlag gegeben (Siehe Zach Braff und sein Herumjammern bezüglich „Wish I Was Here“, dass man ihn nicht mehr soooo lieb hat wie früher). Aber das war nach all der Anfangseuphorie auch zu erwarten.

Rodja

PS: Was mir gerade eingefallen ist. Die US-Filmfließbandwerkstatt The Asylum hat ja einen Mockbuster zu „Iron Sky“ herausgebracht. In „Nazis At The Centre Of The Earth“ (deutscher Titel: „Nazi Sky – Die Rückkehr des Bösen“) befinden sich ja die Ewiggestrigen unter dem Ewigen Eis des Nordpols. Hm, hat sich Timo Vuorensola da ein bisschen revanchiert und ausgerechnet von den Kopierern kopiert? ;-D

INFO: Film-Site: www.ironsky.net; Crowdfunding-Kampagne: www.indiegogo.com/projects/iron-sky-the-coming-race–2

Teaser

Crowdfunding-Trailer

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7. November 2014 at 11:29

MILH: Nowhere Man and a Whiskey Girl – „If Only I“

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Music I’d Like To Hear (In Indiefilms)

Und hier die erste nicht-europäische Band in der Rubrik MILH – die US-Band Nowhere Man and a Whiskey Girl (Facebook-Site), bestehend aus dem Ehepaar Derrick und Amy Ross.

Durch Zufall bin ich auf ihren Clip „If Only I“ gestoßen. Ganz genau weiß ich auch nicht, warum ich das Video anklickte. Allerdings merkte ich schon nach den ersten Akkorden, dass das Lied mich emotional sehr ansprach – und schon allein von daher als MILH-Kandidat geeignet war.

Mich irritierte nur dieses tanzende Paar in dem Clip. Irgendwas stimmte da nicht. War das ein ganz normales Musikvideo mit Schauspielern? Dafür strahlte der Clip eine zu ungeheure Intimität aus. Aber würden die Musiker sich selbst so darstellen (lassen)? Die Frau wirkte so zerbrechlich, die Blicke, die sie sich zuwarfen, waren so liebevoll – und hinterließen bei mir dennoch einen traurigen Eindruck.

Erst als ich die Kommentare unter dem Video las und weiter recherchierte, kam ich darauf, dass nicht nur die Musik reif für einen Film geeignet wäre – sondern auch die tragische Geschichte von Derrick und Amy Ross. So etwas Schönes, so etwas Trauriges und so etwas Episches. „Love Story“, „Romeo und Julia“, so in diese Kategorien denkend. Denn zu dem Zeitpunkt, als der Clip publiziert wurde, waren diese beiden außergewöhnlichen Musiker nicht mehr am Leben. Amy litt unter Lupus und musste regelmäßig zur Dialyse, wie Uproxx.com zu berichten weiß. Ihre Gesundheit war angeschlagen, sie zog sich eine Blutvergiftung zu und starb. Derrick Ross versicherte seinen Freunden, dass er okay sei, kaufte sich aber einen Tag nach Amys Tod eine Waffe und setzte seinem Leben ein Ende.

Oh ja, das drückte stark auf die Tränendrüse. Und ich frage mich, warum diese wundervolle, traurige Geschichte von den beiden, die so ein schönes Video hinterließen, nicht viral ging. Verdient hätten sie es, zumindest, dass man sie nicht vergisst.

Und irgendwie stelle ich mir vor, dass Nowhere Man und Whiskey Girl wieder gemeinsam tanzen können.

Rodja

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5. November 2014 at 16:54

Veröffentlicht in MILH - Music I'd like to hear

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Aoeo – Es war einmal in einer Stadt

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© 4030 Crew

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Es war einmal…

So fangen viele Märchen an – und so trägt auch dieses Großstadtmärchen rund um den jungen, gesichtslosen Aoeo diesen wohl bekannten Satz im Titel. Aoeo weiß es zum Anfang noch nicht, aber die Zeit seiner Unschuld wird enden.

Gefühlvolles, surreales Coming-of-age-Drama der beiden Filmemacher David Wagner und Sebastian Wöber und ihrer Gruppe 4030 Crew aus über 30 Jugendlichen, das mit seinen 52 Minuten Spielzeit einen zwiespältigen, insgesamt aber positiven Eindruck hinterlässt. Das Gesamtkunstwerk „Aoeo – Es war einmal in einer Stadt“ aus dem Jahr 2005, das neben dem Film auch die Musik und die Homepage umfasst, war damals seiner Zeit weit voraus – und sucht auch heute noch im österreichischen Film seinesgleichen.

Aoeo (Regisseur David Wagner) ist ein charmanter Taugenichts, der keine besonders großen Ambitionen zu haben scheint – ja, nicht einmal ein eigenes Gesicht hat er. Der junge Mann lebt maskiert in einem Fabriksloft so in den Tag hinein. Zwischen mit dem Stoffhund Gassi gehen und sehr dilettantisch mit einer Band jammen, besorgt sich Aoeo alles was er zum Leben braucht – aber auch nicht mehr.

© 4030 Crew

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Nur das mit dem Besorgen… das hat so seine Tücken.

Aoeo stiehlt nämlich. Auf dem Weg zu den Bandproben nimmt er schon mal ein Fahrrad mit, dessen er sich nach Gebrauch auch gleich wieder entledigt. Beim Obststand mag Aoeo ja noch mit seinem jugendlichen Charme beim Verkäufer durchkommen, aber wenn es um’s Geld geht, wird es schon schwieriger. Da überfällt Aoeo schon mal mit gezogener Waffen drei unterbelichtete Junkies (Andreas Benedikt, Wilhelm Iben, Tom De Roeck), die vom großen Reibach träumen, nur weil sie Boco (Ruben Tossunjan), dem Sohn des örtlichen Mafiapaten Koks verkaufen, das eigentlich keins ist.

Aoeo selbst dürfte auch keiner sein, der einem konkreten Plan nachgeht oder groß über die Konsequenzen seines Handelns nachdenkt. Zwar räumt er bei dem Überfall viel Geld ab, aber nachdem er sich den Teil genommen hat, den er für den Moment braucht, schenkt er den Großteil seiner Beute seinem Mentor (Gregor Hrynasz), einem Sandler, bei dem man nicht so recht weiß, ob er weise oder wirre Worte von sich gibt.

Eines Tages, als Aoeo mit seinem Stoffhund spazieren geht, beobachtet er einen Banküberfall. Und was für einen: Ein Quartett Gangster-Girls flüchtet wild mit Waffen um sich herum gestikulierend in einem Käfer-Cabrio, dass die Geldscheine nur so herumfliegen. Und da geschieht es…

© 4030 Crew

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Aoeo hat einen kurzen, intensiven Blickkontakt mit der Gangsterbraut Pip (Marina Dell’Mour) – und um den jungen Mann ist es geschehen. Er ist verliebt.

Fortan träumt er von diesem Mädchen und sucht es. Was er nicht weiß: Pip und ihre Freundinnen haben die Bank ausgeraubt, um das Land in Richtung wärmere Gefilde zu verlassen. Während die übrigen Girls sich schon darauf freuen, steckt Pip in der Krise. Ihr geht der junge Mann nicht mehr aus dem Kopf. Und das Leben als Bankräuberin hat für sie ohnehin keine Zukunft.

Auf der Suche nach der unbekannten Schönen verrennt sich Aoeo in seine Träume und kollidiert mit der Realität. Dabei verliert er viel und entdeckt zugleich etwas.

2004/05 hatte der ursprüngliche HomeMovieCorner seine Blütezeit. Die Redaktion bestand aus fünf Personen, wir rezensierten wöchentlich Filme aus dem Indie-Bereich, veranstalteten Filmabende und wurden sogar ins Ausland zu Filmfestivals eingeladen. Ich blickte damals sehnsuchtsvoll nach Deutschland, wo Gruppen wie die Mania Pictures aus Calw fast jährlich einen Spielfilm veröffentlichten und Filmerforen (z.B. Hackermovies.com oder Vfx-forum.de) im Internet wuchsen und gediehen. Ich bin ja heute noch der festen Überzeugung, dass diese Foren in Deutschland eine engere Vernetzung der Indie-Szene ermöglichten, während hierzulande eben durch das Fehlen eines derartigen Forums so etwas lange Zeit nicht stattfand (und dieses Manko bis heute spürbar ist). Aber dennoch war ich guter Dinge, irgendwie schien die Szene in Wien so richtig zu brodeln. Und zum Teil trugen die Filmemacher Sebastian Wöber und David Wagner zu meinem Optimismus bei.

© 4030 Crew

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Sebastian Wöber lieferte 2003 mit dem Kurzfilm „No Bullet“ einen philosophischen Fantasy-Martial-Arts-Streifen ab – und damals hatte man in der Wiener Indie-Szene noch überhaupt keine Ahnung, wie man Fantasy geschweige denn Kampfkunst in Szene setzt.

„No Bullet“ lief im Rahmen des HomeMovieCorner am 20. April 2004 im Kurzfilmprogramm „Fremde Welten“ im Votivkino und wurde auch von unserer Redaktion zu den Independent Days in Karlsruhe geschickt. 2003 arbeitete Wöber auch an David Wagners sehenswerter Kurzdoku „Zugfährtab!“ mit, der auch auf der Diagonale lief. Und nun machten sich Wagner und Wöber auf, mit 30 anderen jungen Leuten dieses Großstadtmärchen „Aoeo“ zu verwirklichen.

Und plötzlich hatte ich sie vor mir – diese Gruppe an Kreativen aus allen möglichen Bereichen, die alles daran setzt, einen Film ins Leben zu rufen. Ein Netzwerk. Alles ungeschliffene Diamanten, die noch nicht oder kaum eine kreative Ausbildung hatten, sondern sich das Meiste selbst beigebracht hatten. Das war für mich der Inbegriff von Independent. Und „Aoeo“ ist diesbezüglich wirklich ein Kleinod. Die fantastische Musik von Iva Zabkar, die zuletzt auch den Soundtrack zu „Risse im Beton“ von Umut Dag beisteuerte. Der Look des Films, die Kostüme, das Artwork – ja, auch die Homepage* – das war so erfrischend damals. Und bis dato hat es kein österreichischer Film geschafft, ein derart gelungenes Gesamt-Package zu schnüren.

Auch das Märchenhafte von „Aoeo“ hat seinen ganz eigenen Charme, erinnert etwas an „Die fabelhafte Welt der Amelie“. Und gleichzeitig strahlt dieser Film diese Wehmut der Teenager-Filme der 80er-Jahre, wie „The Breakfast Club“ oder „Ist sie nicht wunderbar?“ aus. Wenn Aoeo über das Dach rennt und am Abgrund stehen bleibt und in die Ferne blickt. Ja, einen besseren Coming-of-Age-Film aus Österreich gibt es nicht.

„Aoeo – Es war einmal in einer Großstadt“ ist für mich auch eine Art Zeitkapsel, denn das Wien, das in dem Film gezeigt wird, gibt es heute kaum noch. Alte Fabriken, leer stehende, abgewohnte Häuser – das hat in Zeiten der zu Tode renovierten und aufgestockten Althäuser, den hochgezogenen Wolkenkratzern der Donau City oder diesem sterilen Hochglanz-Projekt Seestadt Aspern keinen Platz mehr.

© 4030 Crew

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Aber leider hat der Film auch seine Schwächen, und zwar ganz gravierende.

Das fängt mal damit an, dass „Aoeo“ anfängt, vom Märchenhaften ins Surreale zu kippen – und zwar ziemlich hart. So etwas muss man mögen. Ich tu es nicht. Aber je öfter ich den Film sehe, desto mehr verstehe ich die Notwendigkeit dieses Kunstgriffes: Es geht eben darum, dass Aoeo seine Unschuld verliert, um seinen Weg zu finden. Und dass das eben schmerzhaft ist. Ich hätte zwar eine elegantere, softere Lösung bevorzugt, aber gut. Dieser Kritikpunkt ist auch eher ein von mir empfundenes Manko beim Storytelling. Gut, dass es auf DVD noch drei alternative Enden gibt.

Mutig, dass Aoeo nicht nur kein Gesicht hat, sondern auch kein einziges Wort spricht. Dadurch ist die Palette an Emotionen, die David Wagner als Schauspieler zeigen kann, sehr eingeschränkt. Aoeo bleibt einem dadurch ein bisschen fremd. Auf der anderen Seite wird versucht, den anderen Akteuren mehr Farbe zu geben, wie z.B. dem Junkie-Trio oder Boco. Nur… wofür? Obwohl sie dadurch mehr Screen-Time haben, bleibt das Hauptaugenmerk trotzdem auf Aoeos Geschichte gerichtet. Die Informationen, die man erhält, laufen ins Leere, sind einem egal. Einzig Pip wirkt als Figur interessanter, allerdings ist ihr Auftritt im Film zu kurz.

© 4030 Crew

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An der Auswahl der Schauspieler krankt der Film wirklich. Wie generell bei vielen Indie-Filmen damals wurden die Akteure anscheinend aus dem Bekanntenkreis rekrutiert. Und manche können schauspielen, andere agieren aber so hölzern, dass es einfach nur weh tut, wenn die Szenen verhunzt werden.

Letztendlich wurde „Aoeo – Es war einmal in einer Stadt“ nicht das von mir erhoffte Lebenszeichen des Wiener Indie-Films. Im Gegenteil, der Spielfilm schien sogar eine Art Zäsur für die damalige Szene gewesen zu sein. Filmemacher hörten auf, entwickelten andere Interessen oder gingen auf die Hochschule. Nach „Aoeo“ wurde es in Wien für eine Zeit stiller. Es gibt noch die großen Projekte, keine Frage – vor allem heute. Aber die Unbedarftheit, das Fiebrige und das Intuitive der Amateure ist jetzt dem eher professionelleren Herangehen von Filmschulabsolventen gewichen.

Sebastian Wöber und David Wagner drehen heute noch Filme. (Nicht mehr gemeinsam: Wöber hat sich eher auf die technische Seite (Kamera) spezialisiert, während Wagner erst vor kurzem nach Hamburg gezogen ist, um dort Film zu studieren.) Viele der damaligen 4030 Crew sind in kreativen Bereichen tätig. Aber ein so gewaltiges Projekt wie „Aoeo“ hat es danach meines Wissens nach nicht mehr gegeben. Wenn man mich fragt, zählt dieses Werk zu den wichtigsten der Wiener Indie-Filmszene.

Rodja Pavlik

* Allein, dass man bei der Homepage quasi in einem kleinen Mini-Spiel Aoeo über das Dach scheuchen kann, ist eine Erwähnung wert.

INFO: „Aoeo – Es war einmal in einer Stadt“ – Coming of age-Drama , A 2005, 52 min. Regie: David Wagner, Sebastian Wöber. Drehbuch: David Wagner. Kamera: Sebastian Wöber. Ton/Setbauten/Animation: Roland Dell’Mour. Maske/Kostüm: Marina Dell’Mour, Janine Haid. Musik: Iva Zabkar. Budget: ca. 2.500 Euro. Darsteller: David Wagner, Marina Dell’mour, Andreas Benedikt, Gregor Hrynasz, Tom DeRoeck, Wilhelm Iben. Weitere Informationen unter www.aoeo.at

AOEO Trailer from David Wagner on Vimeo.

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1. November 2014 at 13:57