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The art of independent movies

Archive for Januar 2013

Ausschreibung des Drehbuchentwicklungspreises der Stadt Salzburg

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Seit 1994 hat die Stadt Salzburg biennal einen Drehbuchpreis für die Sparten Kurz- und Langfilm vergeben. 2013 wird zum ersten Mal ein Drehbuchentwicklungspreis für Kinospielfilme ab 60 Minuten ausgeschrieben. Ziel ist es, Drehbuchautoren und Autorenfilmer in der wichtigen Phase der Stoffentwicklung zu unterstützen.

Der Preis bietet finanzielle Förderung bei der Entwicklung von Filmstoffen und dramaturgische Begleitung durch Mentoren (Dementoren? Ach nein, das ist was anderes) aus der Branche. Im Sinne der Nachwuchsförderung ist eine Bewerbung bis zum vollendeten 45. Lebensjahr möglich.

Kooperationspartner sind dabei das drehbuchFORUM Wien, Institut für Medienbildung (Aktion Film) Salzburg und die Münchner Filmwerkstatt. Der Preis wird in der Folge alternierend zum Salzburger Filmnachwuchspreis (2014) biennal vergeben.

Der Hauptpreis in Höhe von € 3.000,– wird für die Erstellung eines Treatments eines Kinospielfilms ab 60 Minuten anhand des von einer unabhängigen Jury ausgezeichneten Exposés vergeben. Zusätzlich bietet der Preis dramaturgische Betreuung durch einen Mentor/Dramaturg. Ziel ist ein bei Förderstellen und Produktionsfirmen einreichfertiges Treatment, damit daraus ein verfilmbares Drehbuch entstehen kann. Der Drehbuchentwicklungspreis steht daher dann am Beginn eines Prozesses, der reale Umsetzungschancen bis zur Filmrealisierung bieten soll.

Der 2. und 3. Platz werden mit je € 1.000,– prämiert. Die beiden Preise beinhalten zusätzlich einen Seminargutschein im Wert von € 250,–, der im Rahmen des Seminarangebotes der filmwerkstatt München eingelöst werden kann.

Einreichschluss ist der 30. Mai 2013. Die Juryentscheidung ist für Ende September 2013 vorgesehen.

Hier gibt es weitere Informationen und die Formulare für die Einreichung.

Rodja

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30. Januar 2013 at 08:23

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Legende – Die Geschichte eines Helden

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loomcoverDer schüchterne Student Richard wird von zwei Comic-Fans zu einem Experiment überredet: Ein Monat Vorbereitung – dann soll Richard als realer Superheld für Recht und Ordnung sorgen. Wird das Experiment klappen? Und wird Richard auch das Mädchen seiner Träume von seinen Qualitäten überzeugen können? Die Antwort gibt der Amateurfilm „Legende – Die Geschichte eines Helden“ der Grazer Gruppe Loom aus dem Jahr 2003.

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Richard (Regisseur Stefan Müller) ist Student der technischen Physik. Um sein Studium zu finanzieren trägt er Pakete aus. Außerdem ist er ein wahrer Loser im Angesicht des Herrn, ein Schüchti, ein Verklemmter und ein Träumer. Und genau auf so jemanden haben die Brüder Theo und Walter (Bernhard und Wolfgang Lukas) gewartet. Die beiden Comic-Freaks wollen ein Experiment starten: Sie wollen aus Richard innerhalb eines Monats einen realen Superhelden machen – und dann mit ihm die Stadt Graz von dem ganzen Gesindel befreien. Anfangs ist Richard nicht so recht überzeugt. Doch dann kommen die wahren Verlockungen des Superhelden-Lebens: Jede Menge Frauen und lukrative Werbeverträge. Wer kann da schon ablehnen? Vor allem noch, weil Richard unglücklich in Luisa (Elisabeth Zissler) – eine Bekannte aus der Videothek – verliebt ist. Die hat erst vor kurzem mit dem schönen Paul (Leopold Keber) Schluss gemacht, was dieser nicht all zu gut verkraftet haben dürfte…

Doch bis Richard ein Superheld werden kann, muss er noch durch eine sehr harte Schule: Rollenstudium der diversen Comichelden-Charaktere, ein Taek Won Do-Kurs im Schnellsiedeverfahren und diverse Kostümproben. Ausgerüstet mit einem coolen Outfit (und blonder Perücke), einer nun mehr tiefen, männlich-herben Stimme, einer restlichtverstärkenden Nachtsichtsonnenbrille (sic!) und einer schallgedämpften Betäubungspistole geht es ran ans Werk. Und der erste Übeltäter lässt nicht lange auf sich warten. Eine holde Maid wird im winterlichen Park überfallen. Noch etwas unbeholfen, aber unterstützt via Headset von Theo und Walter, schlägt der „Schwarze Ritter“ das erste Mal zu. Die Mission wird ein voller Erfolg! Theo, Walter – und nun auch Richard – sehen für die Stadt rosige Zeiten heranbrechen.

Helden müssen leiden

Helden müssen leiden

Je mehr Fälle er löst, desto selbstsicherer wird Richard in seiner Heldenrolle. Und eines Tages kommt seine ganz persönliche Stunde: Auch Luisa muss vor einem Unhold gerettet werden. Zwischen den beiden funkt es sofort – und Richard beschließt, dem Helden eine Ruhepause zu gönnen und Luisa ganz privat und inkognito zu erobern. Doch Richard und Luisa haben die Rechnung ohne Paul gemacht, der zu drastischen Mitteln greift…

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Die Werdung eines Superhelden – schon viele Filme haben dieses Thema bedient: Einer meiner Favoriten dazu ist M. Night Shylamans Film „Unbreakable“, aber auch das aktuellere „Batman Begins“ darf man nicht vergessen. Das Besondere an „Legende – Die Geschichte eines Helden“ ist aber die Tatsache, dass es ein österreichischer Film ist. Und wer hat schon jemals von österreichischen Superhelden gehört? Der Geschichte von Stefan Müller merkt man an, dass der Regisseur ein Faible für Comics hat.

Doch obwohl der Amateurfilm durchaus seine Highlights hat, irritiert er vor allem durch seine Orientierungslosigkeit. Was soll er sein? Eine Slapstick-Komödie? Ein Drama? Ein Actionfilm? Er ist weder Fisch noch Fleisch – und der Zuschauer sitzt genau zwischen den Stühlen. Das Werk hat seine lichten Momente: Man amüsiert sich köstlich, wenn der ungeschickte und naive Tollpatsch Richard seine ersten Nahkampflektionen lernen muss, oder wenn er sich in ziemlich tuntige Kostüme zwängt. Doch dann kommt die tragische Wende – und dieser Spagat ist deutlich misslungen.

Helden müssen leiden, Teil 2

Helden müssen leiden, Teil 2

Vom schauspielerischen Niveau bewegt sich das Ganze im mittleren Amateurbereich. Bernhard und Wolfgang Lukas kommen eher hölzern rüber, während Stefan Müller hingegen vor allem als gebrochener Held überzeugt. Elisabetz Zissler hat zwar keine herausragende Rolle, dafür spielt sie um so „süßer“. Die Anschlussfehler im Film fallen zwar auf, sind aber nicht so tragisch. Sehenswert wiederum sind einige technische Schnickschnacks, wie der computeranimierte Zug. Sehr viel rettet auch die stimmige Musik des Schweizer Komponisten Matthias Erb (allerdings fand ich das französische Lied für einen Superheldenfilm recht unpassend).

Neben dem Hauptfilm finden sich auf dem Silberling diverse Easter Eggs (wobei das Vorwort besonders witzig ist), die Musik von Matthias Erb, Audiokommentare und natürlich die obligaten – aber nicht unbedingt notwendigen – Features „Hinter den Kulissen“ bzw. „Verpatzte Szenen“. Die DVD wurde übrigens vom Label Unlimited Dreams Media veröffentlicht, das auch „Cut Character“ von Stephan Lenzen (Rezension hier) dankenswerterweise herausgebracht hat. Leider hat das Label danach seine Tätigkeit bis auf weiteres eingestellt, obwohl es damals noch plante, den von mir sehr geschätzten Vampirfilm „Dunkel“ von Hendrik Röhrs herauszubringen.

Für Graz brechen rosige Zeiten an

Für Graz brechen rosige Zeiten an

Einen Blick sollte man auch auf die Site www.loom.at werfen (empfehlenswert: die Helden-Parodie „Snake & Rusty“). „Legende – Die Geschichte eines Helden“ ist noch ein reiner Amateurfilm, aber danach steigerten sich Stefan Müller und seine Crew enorm. Bereits den Mystery-Streifen „Jenseits“ (2006) – mit Stars wie den Kabarettisten Reinhard Nowak, Thomas Stipsits und Andreas Vitasek in ernsten Nebenrollen – kann man ruhig als Großproduktion bezeichnen. Und obwohl ich „Jenseits“ wie auch dem 2010 veröffentlichten Sci-Fi-Historienschinken „Tartarus“ einiges vorhalte (siehe Rezension zu „Tartarus“ hier), so muss ich dennoch meinen Hut vor den Steirern ziehen. Diesen Mut und dieses Bekenntnis zu epischer Fantasy hat man hier in Österreichs Filmlandschaft noch kaum erlebt. Mit Ausnahme von Marco Kalantaris „Ainoa“ vielleicht, aber das ist eine andere traurige Geschichte.

Momentan arbeiten die Grazer an dem Monsterfilm „Biest“, auf den ich schon sehr neugierig bin.

Rodja Pavlik

FOTO: Unlimited Dreams Media, Loom

INFO: Verein LOOM: „Legende – Die Geschichte eines Helden“ – A 2002 – 2004, Kömödie/Drama/Action – ca. 80 min (exkl. Bonusmaterial). Regie/Drehbuch: Stefan Müller. Kamera: Bernhard Lukas, Stefan Müller. Schnitt: Bernhard Müller, Stefan Müller, Wolfgang Lukas. Special Effects: Robert Niessner. Musik: Matthias Erb, Carla Maurer (Subnee). Produktion: Verein LOOM. Produktionskosten: 1.500,- Euro. Darsteller: Stefan Müller, Bernhard Lukas, Wolfgang Lukas, Elisabeth Zissler, Leopold Keber, u.a.. Weitere Informationen unter www.loom.at

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29. Januar 2013 at 19:04

Kurzfilm „R’ha“ führt deutschen Studenten nach Hollywood

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Vom Tellerwäscher zum Millionär – solche Geschichten brauchen/lieben die Leute. Auch Filmemacher sind davor nicht gefeit, nur bei denen klingen diese Erfolgsgeschichten ein bisschen anders: Ein Student stellt seinen Erstlingsfilm auf eine Videoplattform, das Ding geht viral – und schon klopft Hollywood an.

So ähnlich ist es auch dem 22-jährigen Kaleb Lechowski, einem Studenten der Berliner Mediadesign Hochschule, mit seinem Sci-Fi-Kurzfilm „R’ha“ ergangen. Mit feinen Unterschieden. Erstens war es sein Zweitfilm, zweitens kam der erste Hollywood-Kontakt bereits VOR Online-Stellen des Films zustande.

Zur Story: Roboter erheben sich gegen ihre Herrscher und legen die Zivilisation in Schutt und Asche. Einer der wenigen Überlebenden gerät in Gefangenschaft und soll den Treffpunkt der Flüchtenden verraten. Wie Lechowski in einem Interview mit „Zeit online“ zugibt, hat er sich bei dem Film von „Matrix“ und „Terminator“ inspirieren lassen – und wenn man sich die Schlusspointe anschaut, wohl auch von „Star Wars: Episode IV“. Nicht die schlechtesten Vorbilder, muss man sagen. „R’ha“ wurde innerhalb einer Woche über eine Million Mal abgerufen, Fans haben den auf Englisch gehaltenen Film auch in andere Sprachen übersetzt.

„R’ha“ funktioniert zwar als in sich geschlossener Kurzfilm, dennoch lässt er erahnen, dass da eine größere Geschichte erzählt werden könnte. Und das hat Lechowski auch vor. Laut seiner Website wird der Deutsche Anfang Februar sein Spielfilmprojekt in Los Angeles pitchen. Ich drücke ihm mal die Daumen. Auf jeden Fall macht „R’ha“ wesentlich mehr Appetit als der ebenfalls zur „Tellerwäscher/Millionär“-Kategorie zählende Film „Ataque de Pánico!“ von Fede Alvarez, der ja der Legende nach nur 300 Dollar gekostet hat. Und nun steht Alvarez‘ (im Gegensatz zu „Ataque de Pánico!“) viel versprechendes Remake von Sam Raimis „Evil Dead“ an.

Rodja

INFO: http://kaleblechowski.tumblr.com/

R´ha [short movie] from Kaleb Lechowski on Vimeo.

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25. Januar 2013 at 11:58

CastMates Episode 4

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Epiosde 4 von CastMates mit dem Titel „A NEW HOPE“ ist online! In der aktuellen Ausgabe diskutieren Chris und Georg über die Golden Globe-Verleihung und die Oscar-Nominierungen.

Beginnend mit dieser Folge erscheint der Podcast nun via YouTube in Video-Form

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17. Januar 2013 at 08:41

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„Body Complete“ startet in den Kinos

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bodycomplete-posterIm Juni 2011 schrieb ich noch ungläubig und äußerst skeptisch, dass der sonst eher auf seichte Unterhaltung spezialisierte österreichische Privatsender Puls 4 mit „Body Complete“ einen Kinofilm zu einem äußerst düsteren Thema dreht.

Nun ist es soweit, der Vermissten-Thriller rund um die Massen-Ermordungen im Bosnien-Konflikt startet am 18. Jänner in den österreichischen Kinos. Die APA führte dazu ein Interview mit Regisseur Lukas Sturm, das es hier zu lesen gibt.

Synopsis: Nicole arbeitet als Journalistin bei einem TV Sender in Wien. Sie reist 2004 nach Bosnien, um eine Reportage über eine vermisste junge Frau namens Edina zu drehen. Edina wollte ihren moslemischen Vater in Bosnien begraben. Seine Überreste wurden in einem Massengrab entdeckt. Die Suche führt Nicole nach Morovci. Dort verliert sich die Spur von Edina. Morovci liegt in der nach dem Krieg errichteten Republika Srpska, dem Hauptschauplatz der sogenannten „ethnischen Säuberungen“ denen zigtausende moslemische Zivilisten zum Opfer fielen. Ihre hartnäckigen Nachforschungen bringen Nicole zunehmend in Gefahr. Inmitten von fanatischem Nationalismus und offener Aggression wird ihre Suche zur lebensgefährlichen Mission.

Rodja

FOTO: www.bodycomplete-film.com

PS: Wenn ich noch ein einziges Mal in einer Presseaussendung von Puls 4 den Begriff „Public Value“ lese, dann… dann…

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15. Januar 2013 at 13:20

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Reality XL – Realität ist ein Traum

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Profi goes independent… heißt das nicht, ein Pferd von hinten aufzäumen? Der renommierte Regisseur Tom Bohn („Tatort“, „Straight Shooter“) ist das Wagnis eingegangen und hat mit „Reality XL“ sein eigenes Skript um einen größenwahnsinnigen Quantenforscher gleich selbst verfilmt. Ein Experiment, das in der Szene für etwas Aufregung sorgte.

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Der an den Rollstuhl gefesselte und gesundheitlich arg angegriffene Quantenphysiker Konstantin Carus (Heiner Lauterbach) ist im Stress. Er sitzt in seinem Arbeitszimmer vor Formeln und Berechnungen. Die Lösung liegt so nah… so verdammt nah!

Am 13. Jänner treten 24 Wissenschafter im Kontrollraum des Teilchenbeschleunigers LHC am CERN zur Nachtschicht an. In den frühen Morgenstunden kommt jedoch nur ein einziger Forscher aus diesem Hochsicherheitstrakt heraus: Konstantin Carus. Von den übrigen 23 Personen fehlt jede Spur.

Verständlich, dass die Behörden hochgradig nervös sind. Die Schweizer verfrachten Carus an einen geheimen Ort, wo er von der seltsam vertraut wirkenden Ermittlerin Sophie Dekkers (Annika Blendl) und dem leicht hinkenden Staatsanwalt Robin Spector (Max Tidof) in die Zange genommen wird. Als Dritter im Bund ist da auch noch der mysteriöse Schriftführer Antoine, der alles – aber auch wirklich alles – peinlich genau protokolliert.

Staatsanwalt Spector auf Tuchfühlung

Was ist nun in dem Kontrollraum geschehen? Wo sind die 23 Personen, alles Menschen mit Geschichte und Familie? Hat sich ein temporäres Schwarzes Loch gebildet, wie Kritiker des LHC immer befürchteten? Oder wurde gar das „Gottesteilchen“, welches das Wesen der Existenz ein für alle Mal erklärt, entdeckt? Der hochintelligente Carus weiß die Antwort, hält aber die Menschheit generell – und die Ermittler besonders – für geistig noch nicht reif für die Lösung zu den Rätseln der Existenz. Dekkers, Spector und Antoine scheinen dem immer launischer agierenden Carus nicht gewachsen zu sein.

Und dann kommt eine Wendung, die so ziemlich alles verkackt…

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Bevor ich nun zur Kritik komme, möchte ich etwas vorausschicken: Im Großen und Ganzen versuche ich, unparteiisch und unvoreingenommen zu bleiben. Allerdings ist das bei Tom Bohns „Reality XL“ nicht so leicht möglich, da ich einige Zeit lang die Chefredaktion für Bohns Seite Indie-Stars.de schmiss, als diese noch Independent-Filme zeigte. Auch verfolge ich das Projekt von der Drehbuch-Phase an, bin sozusagen ein Insider. In meinem Fall ist so ein Vorwissen aber nicht unbedingt von Vorteil, da ich bei Bekannten meist strenger urteile als bei mir fremden Filmemachern. Obwohl ich also versuche, so objektiv wie möglich zu sein, kann es passieren, dass diese Rezension subjektiver wird, als Kritiken normalerweise eh schon sind.

Das Faszinierende an der Entstehungsgeschichte von „Reality XL“ ist vor allem der Werdegang des Regisseurs. Während normalerweise ein Independent-Film der Versuch eines namenlosen Filmemachers ist, sich bekannt zu machen, ist „Reality XL“ ein interessantes Experiment, denn Bohn ist ein bereits arrivierter Regisseur. Er drehte mehrere „Tatorte“ fürs Fernsehen, den – zu Recht – gelobten Zweiteiler „Das Kommando“ mit Robert Atzorn, sowie mit „Straigth Shooter“ (Heino Ferch, Dennis Hopper) auch einen Actionfilm fürs Kino. Und ausgerechnet so jemand beschließt, einen selbst entwickelten Stoff zu verfilmen – und das ganz ohne Förderungen und nur mit eigenen Mitteln (laut aktuellen Informationen 90.000 Euro Budget). Ui, da blies von so mancher Seite aus dem Indie-Bereich ein harter Wind entgegen: Ein Profi und „unabhängiger Film“ – das geht doch gar nicht. Tja, Pech gehabt, geht wohl, denn: eigenes Geld, eigenes Risiko = Independent. Dass der Filmemacher aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit Zugang zu anderen Ressourcen als ein No Name hat, ändert nichts daran. Und wenn er Heiner Lauterbach („Männer“, „Hindenburg“, „Schutzengel“), Max Tidof („Comedian Harmonists“) und andere Schauspieler sowie Profis hinter der Kamera versammeln kann, so sollte das ja zumindest die Qualität des Produktes heben. Und damit kommen wir zum eigentlichen Problem des Films.

Was weiß Professor Carus?

Die Frage, ob „Reality XL“ ein guter Film ist, muss ich mit einem „Nein“ beantworten. Nicht falsch verstehen, denn der Mysterythriller ist auch kein absolut schlechter Film. Die Schauspieler agieren gut in den doch eher facettenarmen Rollen, alles ist nett und brav inszeniert, die Location ist toll, die Requisiten superb, der Look etwas konservativ und mehr TV als Kino – das ist aber an sich nichts Schlechtes. Allerdings ist da nicht wirklich etwas, das einem den Atem raubt. Selbst im Bereich des Kammerspiels gibt es wesentlich Spannenderes (siehe dazu demnächst die Rezensionen zu „Die Muse“ bzw. „Suicide Club“). Und nur, weil die Quantenphysik ein hochkomplexes Thema ist, heißt es noch lange nicht, dass der Film „intelligent“ ist.

Das Problem ist die Geschichte und der zu viel verheißende Titel: „Reality XL“ – da wird ein Spiel mit der Wirklichkeit versprochen. Etwas, das den Zuschauer an der eigenen Wahrnehmung zweifeln lässt. Was ist wahr und was nicht? Und genau dieses Versprechen löst der Film nicht ein.

Antoine protokolliert alles. ALLES!

Wenn mir nämlich jemand schon die Wirklichkeit in Übergröße verspricht, dann erwarte ich mir bitte schön auch einen Mindfuck allererster Güte. Etwas, das mindestens in Richtung des meiner Meinung nach eher schwachen „Inception“ (der Vergleich wird im Pressetext erwähnt), besser noch aber „Memento“ geht. Herausgekommen ist aber bei „Reality XL“ eher eine Art „Weihnachtsgeschichte“ à la Charles Dickens. Ein harmloser Spaß, der mit einem Tango (sic!) seinen Höhepunkt erreicht. Das hätte Anfang der 1990er für einen schwachen Zweiteiler von „Akte X“ gereicht. Heute kommt das eher antiquiert rüber.

Tom Bohns „Reality XL“ hätte wirklich ein Paukenschlag der deutschen Indie-Szene werden können. Es gibt viele Aspekte, die diesen Film vor allem in punkto Produktion noch immer interessant und zukunftsweisend machen. Ich meine, wann hat es denn das im deutschsprachigen Raum schon gegeben? Eine Low-Budget-Produktion mit Profis besetzt, von den Schauspielern bis hin zur Crew. Da die Budgets im regulären Filmbetrieb immer niedriger werden, glaubt Bohn, dass die Indie-Szene durchaus für arrivierte Regisseure ihre Reize hat. Auch er selbst plant laut seiner Produktions-Site weitere Projekte. Der Ansatz ist ja auch gut und richtig, hoffen wir nur, dass die Skripte dann auch das gewisse Etwas bieten.

Den Film kann man mit Werbeunterbrechungen legal auf MyVideo.at (direkter Link) bzw. MyVideo.de (bitte suchen, von Österreich kann ich leider keinen direkten Link legen).

Rodja Pavlik
FOTO: Indie-Stars

INFO: „Reality XL – Realität ist ein Traum“ – Mystery, D 2012, 83 min. Regie/Drehbuch: Tom Bohn. Kamera: Martin Schlecht. Musik: Hans Franke. Szenenbild: Joachim Schäfer. Requisite: Sabine Bauer. Kostüm. Claudia Unter. Maske: Britta Jost. Produktion: Indie-Stars Filmproduktion, Tom Bohn, Hans Franek. Executive Producer: Wolfgang Illnicki. Darsteller: Heiner Lauterbach, Max Tidof, Annika Blendl, Godehard Giese. Weitere Informationen unter http://www.indie-stars.de bzw. http://www.reality-xl.com

Trailer:

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14. Januar 2013 at 17:51

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Michael Donner, der Komponist fürs schmale Geldbörserl

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willcomposeforfoodWer preiswerte Musik für seinen Film sucht, kann gegen wenig Geld (und da spreche ich von 20 Euro pro Themen-Paket) Gema- und lizenzfreie Soundpacks auf www.michael-donner-music.de bzw. www.michael-donner-soundpacks.de bestellen oder downloaden. Damit kann man seinen Film ordentlich aufpeppen – und der Gema bzw. AKM/Austro Mechana ruhigen Gewissens den Stinkefinger zeigen. Das Beste daran: Die Soundpacks von Michael Donner stehen für kommerzielle Nutzung frei, d.h., der Film kann dann auch noch vertrieben werden.

Michael Donner habe ich als erstes vor allem als Regisseur kennengelernt. Mit seiner Gruppe Outtake Film drehte er Werke wie das trashig-schmissige „Zombie Commando“, „Green Rocks“ und zuletzt den Endzeit-Kurzfilm „The Devil’s Breath“. Erst später habe ich entdeckt, dass Donner das Filmemachen als Hobby, das Komponieren aber als Berufung sieht.

Seine Musik kommt in Spielfilmen, Werbe-Jingles, Imagefilmen, Computerspielen und anderen Multimedia-Projekten zur Verwendung. Vor einiger Zeit hatte ich schon mal mit Timo Landsiedel vom Hörspiel-Projekt „Das Büro des Todes“ darüber gesprochen. Das Team verwendete Donners Musikkonserven und war voll des Lobes.

Wer es gerne etwas individueller mag, kann sich natürlich auch an Michael Donner direkt wenden. Er steuerte Scores zu unzähligen Indie-Filmen wie „La petite morte“ von Marcel Walz, „The Amazon Force“ von Andreas Eisele oder „Erdora – Kapitel 1: Der Todeskreis“ von Philip Polcar bei. Ganz aktuell ist Oliver Krekels 3D-Film „Robin Hood: Ghosts of Sherwood“, der vor kurzem auf DVD und Blu-ray erschienen ist.

Auf Michael Donners YouTube-Channel kann man sich schon mal einige Hörbeispiele der Soundpacks zu Gemüte führen.

Rodja

FOTO: Michael Donner

Beispielmusik:

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11. Januar 2013 at 16:18

Thomas Zeug und die Soundeffekte

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Schon wieder ein Making Of von Thomas Zeug zu „Quiqueck & Hämat: Proll Out“??? Langsam sollte es fad werden – wird es aber nicht.

Diesmal erklärt der Filmemacher, was ihn bei den Soundeffekten zu seinem 3D-Animationsfilm so alles inspiriert hat – vom Kassettenspieler über den CD-Wechsler bis hin zum Wilhelmsschrei.

Rodja

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10. Januar 2013 at 16:36

„Plastic“-Regisseur Marcel Walz im Interview

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Marcel Walz dreht seit einigen Jahren regelmäßig Horrorfilme wie „La petite mort“, „Tortura“ oder „Schlaraffenhaus“ mit zunehmendem Erfolg. 2012 war er auch auf dem Fright Nights Festvial in Wien mit dem Beauty-OP-Schocker „Plastic“ vertreten.

DVD-Forum.at hat mit dem deutschen Filmemacher auf dem 10. Weekend of Horrors in Bottrop ein interessantes Interview geführt, das die Plattform freundlicherweise dem HomeMovieCorner zur Verfügung stellt. Walz erzählt u.a. etwas von seinem Werdegang und dem Unterschied zwischen Deutschland und Österreich punkto Rezeption des Horrorfilms.

Rodja

Hier das Interview:

Trailer „Plastic“

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4. Januar 2013 at 17:34

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Indie-Horrorfilm „Bela Kiss: Prologue“ startet in den deutschen Kinos

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bela-kiss-prologue_POSTER_DE_800x1130_WEBJänner dürfte in Deutschland anscheinend so etwas wie der generelle Indie-Filmstart-Monat sein, denn fast exakt ein Jahr nach Tom Bohns „Reality XL“ kommt nun der unabhängig finanzierte Horrorstreifen „Bela Kiss: Prologue“der vier Esslinger Filmstudenten Lucien Förstner, Sylvia Günthner, Steven Weber und Eric Kazak am 10. Jänner in die Kinos. Diese Produktion unterlief sehr lange meinen Wahrnehmungsradar, sodass ich gerade erst einmal ein paar Tage vor Filmstart davon erfahren habe.

Synopsis: Bela Kiss gilt als einer der grausamsten Serienmörder des 20. Jahrhunderts. Er tötete vor und zu Beginn des Ersten Weltkriegs mehr als 20 junge Frauen, darunter auch seine Ehefrau. Als der zur Armee eingezogene Kiss aufgrund einer Verwechslung an der Front für tot erklärt wird, requiriert das Heer Benzin-Fässer auf Kiss‘ Grundstück. Doch anstatt Treibstoff findet man darin die in Alkohol eingelegten und zerteilten Leichen. Wie sich herausstellte, wurden die Opfer entweder erwürgt oder vergiftet und ausgeblutet. Trotz Haftbefehls gelingt es Bela Kiss in den Wirren des Krieges zu verschwinden. Noch Jahrzehnte später wurde er an verschiedenen Orten rund um den Globus gesichtet, doch er konnte immer wieder entkommen. Bis heute ist sein Verbleib ungeklärt.

Fast ein Jahrhundert später versteckt sich in einem abgelegenen Hotel mitten im Wald eine Gruppe von fünf jungen Bankräubern vor der Polizei. Unter falschem Namen genießen sie zunächst die Anonymität dieses Ortes, der einen willkommenen Unterschlupf für den disktreten Ehebruch bietet. Doch mit jedem Tag steigert sich das Unbehagen der Gesuchten. Im Haus gehen merkwürdige Dinge vor sich. Fernab von der Zivilisation schnappt eine Falle zu, als sich grausame Ereignisse überschlagen und eine Brücke in die Vergangenheit bauen.

bela-kiss-prologue_filmstill_web_012Um den auf wahren Vorkommnissen basierenden Film zu stemmen, gründeten Regisseur und Drehbuchautor Lucien Förstner, Produzentin Sylvia Günthner, VFX-Supervisor Steven Weber und Editor Eric Kazak die Produktionsfirma Mirror Maze. Die Absolventen der European School of Film and Design in Esslingen (besser bekannt als LAZI-Akademie) versammelten Filmemacher aus ganz Europa und konnten auch bekannte Schauspieler wie die deutschstämmige Amerikanerin Kristina Klebe („Halloween“-Remake, „CSI: Miami“) oder den Berliner Rudolf Martin („Borgia“, „Dexter“, „Navy CIS“) für das Skript begeistern. Um die Kosten, die so ein „Kostümfilm“ (Teile des Films spielen u.a. zum Ersten Weltkrieg bzw. in den USA Jahrzehnte später) nicht explodieren zu lassen, entschloss man sich zu einem Kunstgriff. „Wir entschieden uns, die Rückblicke, welche alle Anfang des 20. Jahrhunderts spielen sollten, vor Bluescreen zu drehen. Sie sollten einen Fantasy-Touch bekommen, als würden wir die Bilder aus der idealisierten Vorstellung des Erzählers sehen können, und nicht die reale Welt, wie es damals wirklich passiert ist“, erläutert Regisseur Förstner im Pressetext.

Der Österreicher Alex Püringer, der für die Ausleuchtung zuständig war, beschreibt „Bela Kiss: Prologue“ als ein „Traumprojekt für jeden Kameramann oder Oberbeleuchter, da wir von ‚Studio Green-Screen-Compositings‘ über ‚Car-Rigs‘, innen, außen, Nacht, Tag und einigen ‚Spezial-Stimmungen‘ alles gedreht haben, was ein Genre-Film an visuellen Settings zu bieten hat. Natürlich gab es durch das Budget Einschränkungen. Doch gerade die Aufgaben, die Teamgeist, Improvisation und Kreativität forderten, gaben dem ganzen Projekt den richtigen Rock’n’Roll-Kick.“

Ich persönlich fürchte ja, dass es der deutsche Film – ähnlich wie „Reality XL“ – nicht in die österreichischen Kinos schafft (hm, vielleicht ist er ja etwas für das Fright Nights-Festival im nächsten Jahr?), aber zumindest merke ich mir schon mal die DVD vor.

Rodja
FOTO: Mirror Maze

Weitere Informationen zum Film unter www.bela-kiss.com

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3. Januar 2013 at 09:31

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