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Archive for Januar 2015

Bundeskanzleramt und ORF III fördern „Pixel, Bytes & Film“

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Das Bundeskanzleramt (BKA) und ORF III verbinden ihre Programme zur Förderung multimedialer Filmformate und rufen die gemeinsame Initiative „Pixel, Bytes & Film – Artist in Residence“ aus. Insgesamt werden zwölf Projekte zu je 12.000 Euro gefördert (Gesamtsumme also 144.000,- Euro).

Die Ausschreibung richtet sich laut Presseheft sowohl an etablierte Kunstschaffende als auch an kreativen künstlerischen Nachwuchs. Bis zum 31. März 2015 können österreichische und internationale Künstler an der Ausschreibung teilnehmen und ihre Konzepte zu folgenden Formaten einreichen:

– Webisodes und serielle Erzählweisen von fiktionalen Stoffen
– serielle und nichtlineare dokumentarische Formate
– Crowdsourcing-Projekte und User-generated Movies
– cross/transmediale Werke
– Webisodes und neue Fernsehformate

(Anmerkung: Das steht so im Presseheft – was genau die meinen, bzw. wo der Unterschied zwischen Webisodes und Webisodes ist… keine Ahnung)

Zwischen 29. Jänner und 31. März 2015 können die Künstler an der Ausschreibung teilnehmen und ihre Projektideen unter nff@bka.gv.at und artist-in-residence@orf.at einreichen. Eingereicht werden soll ein Konzept (max. zwei A4-Seiten lang) mit Beschreibung und Ideenskizze, ein Produktions- und Zeitplan, eine Kostenkalkulation mit Finanzierungsplan sowie ein Lebenslauf.

Die Länge der zu realisierenden Arbeiten bleibt den Kunstschaffenden überlassen – von kurzen Clips mit drei Minuten Länge bis hin zu Spielfilmlängen und darüber hinaus ist alles erlaubt. Ab Jänner 2016 werden dann die zwölf realisierten Projekte einmal monatlich in ORF III ausgestrahlt.

Rodja

INFO: Weitere Details zur Bewerbung sind unter http://tv.orf.at/orf3/artist-in-residence sowie http://www.kunstkultur.bka.gv.at abrufbar.

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29. Januar 2015 at 00:06

HMC-Classics: A-Five

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© Medienengel

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Erstrezension am 8. April 2003, der Kurzfilm wurde zusammen mit Timo Landsiedels „Die erste Nacht“ am 20. April 2004 im Rahmen des Themenabends „Fremde Welten“ im renommierten Wiener Votivkino gezeigt.

Als der Bordcomputer eines Raumschiffs eigenmächtig ein unbekanntes Objekt an Bord holt, machen sich der Captain und der Schiffsarzt auf den Weg, den Fund zu untersuchen. Sie stoßen auf einen Überlebenden, der mehr als nur Bauchschmerzen hat. Erinnert der Plot an irgendeinen anderen Sci-Fi-Film? Richtig, Timo Landsiedel und sein Team huldigen in ihrem 1999/2000 fertig gestellten Kurzfilm dem großen Vorbild von Ridley Scott. Das Mini-Budget merkt man dem Film auch an – dennoch wird eine stimmige Atmosphäre erzeugt. Ein Film, bei dem es nicht auf die Handlung, sondern auf das Drumherum (inkl. Abspann, Musik und Making Of) ankommt.

Einsam durchpflügt die U.S.S. Rambaldi das Weltall. An Bord: 32 Mitglieder eines kartographischen Vermessungsteams – zur Zeit im Kälteschlaf. Da entdeckt Bordcomputer „Sister“ ein unbekanntes Objekt. Von nun an laufen im Computer die Befehlsroutinen ab: Das Objekt wird eingeholt, die gesamte Mannschaft geweckt… Die gesamte Mannschaft? Befehl zurück, nur die oberste Kommandoebene soll sich mit dem Fund auseinandersetzen. Und so begeben sich der von der Eigenmächtigkeit von „Sister“ überraschte Captain (Sascha Kreutz) und der übermüdete Schiffsarzt (Timo Krüger) zum Sublevel 20.4.7, wo sie auf einen in künstlichen Tiefschlaf versetzten Fremden (Torsten Landsiedel) stoßen. Da die „Rambaldi“-Crew viele offene Fragen hat, beschließt sie, den Unbekannten zu wecken. Das erweist sich als großer Fehler, denn der Fremde hat einen Gast mitgebracht, mit dem selbst eingefleischte „Alien“-Fans nicht gerechnet haben…

© Medienengel

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Als Rezensent lebt man oft mit einer schweren Bürde: Was darf man verraten, was nicht? Welche Informationen muss man verraten, damit die Leser sich für einen Film interessieren und ihn anschauen, und welche Infos gelten als so genannte „Spoiler“ und verderben jeglichen Spaß?

Doch mit der Zeit wird man als Kritiker abgebrüht (ganz zu schweigen von verbittert, sozial geächtet und alkoholkrank) – und nachdem Regisseur Timo Landsiedel es auch selbst gesteht, kann ich es offen sagen: „A-Five“ ist eine Hommage an Ridley Scotts „Alien“ (der erste – und meiner Meinung nach auch stimmungsvollste – Teil der „Alien“-Saga).

So, jetzt ist es raus: Ja, bei „A-Five“ geht es um ein bauchzerfetzendes Monster, und ja, das ist eben spätestens seit „Alien I – IV“ nicht mehr sehr originell. Aber darum geht es dem deutschen Regisseur und seinem Team auch gar nicht. Das Ziel war es vielmehr, mit dem geringen Budget von 175 Euro und einfachen Mitteln eine stimmige Atmosphäre, ganz nach dem großen Vorbild, zu erzeugen. Man glaubt gar nicht, was F/X-Experte Lars Havemann mit großen Wänden aus Leinen bzw. Plastikplanen alles bewerkstelligt – so mutiert die enge heimische Garage in einen weitläufigen Raumschiffkorridor. Zugegeben, Computer-animierte Raumschiffe habe ich schon wesentlich bessere gesehen, auch geht die schauspielerische Leistung der Akteure hinter den Gesichtsmasken unter. Aber „A-Five“ lebt nicht von der Handlung, sondern vom Drumherum, d.h. von der düsteren und kargen Atmosphäre, von den Special Effects (Kuck mal, was da aus dem Bauch rauskommt!), vom Abspann (mit drei Minuten fast halb so lang wie der eigentliche Spielfilm), von der Musik (Gratulation an Andre Matthias, vor allem der Abschlusstitel „Kann sein (Sci-Fi in Hi-Fi)“ ist hörenswert) und vom anschließenden Making Of (Bastelanleitung). Ein Film, den man nicht unbedingt sehen muss, der aber trotzdem Spaß macht.

© Medienengel

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Einen Blick sollte man auch auf die Oldschool-Filmsite von „A-Five“ werfen. Im „Making Of“ und „Werkstatt“ werden die Lichtsetzung und der „Chestburster-Effekt“ erklärt.

Noch eine kleine Anmerkung: Wenn man Landsiedels Nachfolgewerke „Neulich auf dem Dachboden“ und „Soundcheck“ dazu vergleicht, fällt auf, dass der Regisseur ein Gespür für Atmosphäre und Musik hat.

Apropos Musik: André Matthias hat sein damaliges Hobby zum Beruf gemacht und komponiert Filmmusik, u.a. für „Die Reise des Trommlers“ (2007 – mit Jackie Chans Sohn Jaycee) und „Control“ (2013) von Kenneth Bi.

So, nachdem ich in letzter Zeit schon öfters den Namen Timo Landsiedel hier fallen habe lassen, wird es Zeit, den deutschen Filmemacher ein bisschen näher vorzustellen. (Es könnte nämlich sein, dass in mittlerer Zukunft noch einiges mehr aus dem Dunstkreis HomeMovieCorner/Landsiedel kommt – deswegen).

Timo ist Schauspieler, Drehbuchautor, Filmemacher, Podcast-Produzent, Sachbuchautor, Filmjournalist und war zuletzt auch Chefredakteur des inzwischen eingestellten „Zoom – Magazin für Filmemacher“. Sehr viel davon hat er mit seinem Bruder Torsten und Lars Havemann gemacht, wie eben die Kurzfilme „A-Five“ und „Die erste Nacht“ oder „Wagnisse“, bei dem neun Nachwuchsfilmer einen Episodenspielfilm drehten. Auch die Podcast-Serien „Das Büro des Todes“ und „Das Fenster zum Doof“ gehen auf ihre Kappen. Für die NDR-Comedyshow „Dennis unf Jesko“ schrieben er und Lars Sketche. Und den Oscar-nominierten Kameramann Michael Ballhaus interviewte Timo für sein Sachbuch „Filmen wie Ballhaus. Basics der Bildgestaltung“ Und auf Witzwerk.de schmeißen er und Lars u.a. täglich einen Kalauer raus.

Timo (imdb) kenne ich noch aus der Zeit des HomeMovieCorner 1.0 (2001 – 2006). Erst hat er ein paar Filme geschickt, dann habe ich ein paar Filme gezeigt, dann trafen wir (er, sein Bruder Torsten sowie Lars Havemann) uns in Hamburg, um zum Jugendfilmfestival in Scheersberg in Schleswig Holstein nahe der dänischen Grenze (Ja, so weit bin ich damals gekommen. Wahnsinn!) zu fahren.

Was damals schon irre war, war die Chemie zwischen Lars und Timo. Die beiden warfen sich Wuchteln zu, dass es eine helle Freude war. Wenn die beiden Komiker auf Hochtouren liefen, dann kam ein Gag nach dem anderen, eine Vorlage ergab die nächste. Und irgendwann musste der Zuhörer einfach aufgeben, weil er bei dem Tempo einfach nicht mehr nachkam. Und das Arge: Für Timo und Lars war das ein Training für kommende Sachen wie Podcasts oder Sketche schreiben.

Wenn ich mir das hier so durchlese, bin ich mir sicher, dass ich wieder was ausgelassen habe.

Rodja Pavlik

INFO: Timo Landsiedel: „A-Five“ – D 1999/2000, Sci-Fi, Horror – 9:30 min. Regie: Timo Landsiedel. Drehbuch: Lars Havemann, Timo Landsiedel. Kamera: Lars Havemann. Schnitt: Timo Landsiedel, Lars Havemann. Design: Timo Landsiedel, Lars Havemann. Sounddesign: Andre Matthias, Timo Landsiedel. Special Effects: Lars Havemann. Musik: Andre Matthias. Produktion: Timo Landsiedel. Produktionskosten: ca. 175,- Euro. Darsteller: Timo Krüger, Sascha Kreutz, Torsten Landsiedel. Homepage: www.a-five.de.vu

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27. Januar 2015 at 20:39

Jakob M. Erwas „HomeSick“ feiert auf der Berlinale Premiere

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© mojo:pictures

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Passion und Wahnsinn sind finstere Nachbarn

Es ist schon eine Weile her, dass ich über das neueste Projekt des Grazer Filmemachers Jakob M. Erwa („Heile Welt“, TV-Serie „Tschuschen:Power“) berichtet habe. Nun wurde der Trailer zu dem Psychothriller „HomeSick“ veröffentlicht – und auch der Premierenrahmen steht fest: „HomeSick“ wird in der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ auf der Berlinale (05. – 15. Februar 2015) das Licht der Leinwand erblicken. „Das is ’ne riesen Chance für uns! Jetzt müssen wir das nutzen und damit versuchen, eine große Öffentlichkeit zu kreieren!“, erzählte Erwa dem HomeMovieCorner von den PR-Maßnahmen, die bis zur Premiere noch anstehen.

Das kolportierte Budget von 53.000,- Euro wurde zum Teil über Crowdfunding (12.000,- Euro) und zum Teil über freie Sponsoren sowie durch Förderungen des Landes Steiermark und der Stadt Graz gestemmt. Seine Indie-Produktion beschreibt Erwa im Presseheft enthusiastisch so: „Da kommt ein junges Team und bäckt aus 15 Tonnen Enthusiasmus, 30 Säcken Zeit, 700 Mundvoll Übermut und einer Prise Naivität einen ausgewachsenen Spielfilm. Frech. Aber ich hab’s gesehen. Ich war dabei.“

Der Drehbuchautor, Regisseur und Produzent in Personalunion sieht in dem niedrigen Budget und der Nicht-Einbindung großer Förderstellen auch eine Chance: „Oberste Priorität war, den Film unabhängig, rasch und wendig realisieren zu können. Der Apparat großer Förderungen und Fernsehredaktionen, die jeden Tag zig Projekte auf den Tisch kriegen, erlaubt es ihnen gar nicht, so schnell zu reagieren.“

Und weiters: „Wir wollen nicht den Markt unterwandern. Dies ist viel mehr ein Signal. Es gibt eine große Zahl junger, talentierter und motivierter Filmemacher, die auf ihre Chance warten. Aber festgefahrene Strukturen, eingerostete Mechanismen und unmutige Entscheidungen lähmen Kreativität und Produktivität. Fassbinder drehte mindestens einen Film pro Jahr. Er hatte keine üppigen Budgets, aber er konnte ausprobieren.“

Synopsis: Die ehrgeizige Cello-Studentin Jessica (Esther Maria Pietsch) zieht gerade mit ihrem Freund Lorenz (Matthias Lier) in die erste gemeinsame Wohnung. Als sie die Einladung zum Klassik-Wettbewerb in Moskau erhält, ist dies ihre große Chance – zugleich aber auch ein enormer Druck. Dazu kommen kleine anfängliche Verstimmungen unter Nachbarn, die ihr keine Ruhe lassen. Zusehends beginnt sich ihre Anspannung in den Alltag zu fressen und bald schon scheinen Realität und Einbildung zu verschwimmen…

Dem Trailer ist nicht so ganz klar zu entnehmen, ob es sich bei „HomeSick“ um ein Psychodrama oder doch eher Psychothriller handelt. Mit Absicht, bestätigt Erwa im Presseheft: „Ich persönlich finde cross-genre sehr spannend. Sich verschiedener Elemente und Regeln bedienen und etwas Neues daraus schaffen… ‚HomeSick‘ hat schon eine tendenzielle Genre-Richtung: Thriller, sprich Spannungskino. Dabei habe ich das Genre aber bewusst zurückgenommen und mich auf die Schauspieler und die Kraft der Bilder und Töne konzentriert. Ich wollte mit dem feinen Pinsel, mit den leisen Tönen, den kleinen Elementen arbeiten – und auch stark mit Auslassungen. Ich lasse die Zuschauer beobachten und das, was sie aus dem Genre kennen, selbst addieren.“

Obwohl No Budget, ist „HomeSick“ kein Vertreter des German Mumblecore: „Dem gängigen Trend anderer No-Budget-Projekte mit Improvisation und Dokustyle wollten wir bewusst formale Strenge, präzise komponierte Bilder und einen langsamen, eigenwilligen Schnittrhythmus entgegensetzen. Wo andere Filme wackeln würden und dem Zuschauer suggerieren ‚Achtung: jetzt bitte Emotion!‘, treten wir zurück und lassen Raum, selbst einzutauchen“, beschreibt der in Berlin lebende Grazer Filmemacher seine Herangehensweise.

Rodja

INFO: www.HomeSick-film.com; www.mojo-pictures.com

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20. Januar 2015 at 17:12

Below The Line

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„Nach oben buckeln, nach unten treten“ – dieses Motto trifft man oft in hierarchisch strukturierten Konstrukten wie in einer Firma… oder auf dem Film-Set. Und begegnet man jemandem auf der gleichen Stufe, dann kann da durchaus ein Zickenkrieg entstehen. Wie bei Tommy (Harry Lampl, „One Way Trip 3D“, „Die Werkstürmer“) und Gerald (Manuel Dragan, „Wand vor der Wand“, „Die Geschichte einer Legende“), die in der Filmcrew ganz, ganz unten in der Hackordnung stehen: Die beiden sind Setrunner. Und Meter machen müssen die beiden Kontrahenten in dem Kurzfilm „Below The Line“ von Nils Kaltschmidt und der Filmproduktion HENX dann auch ganz tüchtig.

Die Gruppe HENX wurde 2009 von vier Grazer Filmschaffenden gegründet. Mit „True“ lieferten sie einen Krimi-Kurzfilm ab, mit „Tested Under Extreme Conditions“ eine Musikdoku über die Indie-Szene und die Band The Base. 2012 wurde aus der Berufung ein Beruf und eine Firma wurde gegründet. Die folgende Zeit verbrachte man mit Auftragsarbeiten, so dass die eigenen Filmideen hintenanstanden. Ab 2013 schaufelten sich die vier Filmemacher aber etwas Zeit frei, um „Below The Line“ zu drehen.

Die Filmszene in Graz ist ein ganz besonderes Biotop. Ich weiß nicht, woran es liegt – glaube aber, dass es mit der Größe der steirischen Hauptstadt zusammenhängt: Nicht zu klein und nicht zu groß. Klein genug, dass jeder jeden kennt, groß genug, dass sich eine Szene entwickeln kan, und eben nicht zu groß, dass man in der Anonymität versumpert. Und anscheinend dürfte auch irgendwie ein Gemeinschaftssinn entstanden sein. Eine „am-gleichen-Strang-ziehen“-Mentalität. Denn so viele Kooperationen untereinander findet man sonstwo nicht. „Below The Line“ ist auch so ein Exempel. Denn zu meiner großen Freude habe ich unter den Schauspielern „Loom“-Mastermind Stefan Müller („Tartarus“, „Biest“ – und demnächst „Marlene“ <-Facebook-Site bitte fleißig liken) als hypernervösen Aufnahmeleiter und Martin Kroissenbrunner (Regie bei „Vierter Sommer“ und „Licht aus leeren Häusern“ sowie Schauspiel und Co-Autor bei „Tartarus“) als Regisseur entdecken können.

Rodja

INFO: www.henx.at

Below the Line (2014) from HENX Film und Video on Vimeo.

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18. Januar 2015 at 12:05

Trailer zu „German Angst“ online

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Kosakowski Films

© Kosakowski Films

Drei deutsche Geschichten von Liebe, Sex und Tod in Berlin.

Über das deutsche Filmprojekt „German Angst“ wurde hier ja schon mal zu Beginn der Crowdfunding-Phase berichtet. Nun ist das Projekt abgeschlossen und die Filmpremiere steht am 25. Jänner 2015 beim International Film Fest Rotterdam an.

Der Independent Mystery-Horror Episodenfilm will mit seinen drei urbanen Alptraum-Stories aus dem heutigen Berlin an die vergessene Horrortradition der 20er Jahre anknüpfen.

Die erste Episode von Jörg Buttgereit „FINAL GIRL“ erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das alleine mit seinem Meerschweinchen in einer heruntergekommenen Berliner Mietwohnung lebt. Aber ist sie wirklich alleine? Im Schlafzimmer liegt ein Mann, gefesselt und geknebelt…

Für Jörg Buttgereit („Der Todesking“, „Nekromantik I + II“) bedeutet „German Angst“ eine Rückkehr zum Spielfilm nach über 20 Jahren. Laut Presseheft ist Buttgereits „Final Girl“ nicht die klischeebeladene letzte Überlebende aus einem Slasher. Nein, sie ist das Opfer ihres eigenen Vaters. Die Geschichte beginnt erst nach dem väterlichen Missbrauch, so Buttgereit im Presseheft. „Ich habe versucht, Bilder für das zerrissene Innenleben des jungen Opfers zu finden. In der blutigen Rache des Mädchens steckt eben nicht nur Hass, sondern auch ihr Wunsch nach Vergebung. Der Vater hat sich seine Schuld eingestanden und liefert sich ohne Gegenwehr der Rache/Loslösung seiner Tochter aus“, erzählt Buttgereit.

In der Episode „ALRAUNE“ von Andreas Marschall („Masks“) stößt ein junger Mann im Berliner Nachtleben auf einen geheimen Erotik-Club, der die ultimative sexuelle Grenzerfahrung verspricht: mit Hilfe einer Droge aus den Wurzeln der sagenumwobenen Alraune-Pflanze. Aber die ekstatischen Erlebnisse haben grauenhafte Nebenwirkungen…

© 2014 copyright by Thomas Ecke

© Thomas Ecke

„Alraune war die erste Episode von German Angst, gewissermaßen die Urepisode, die den Bogen zur Tradition des deutschen Stummfilmexpressionismus am deutlichsten schlägt“, erklärt Marschall (im Bild links – neben Buttgereit und Kosakowski). „Deutschland war in den zwanziger Jahren die Wiege des phantastischen Films, bevor es seine talentiertesten Regisseure nach Hollywood vertrieb. Es reizte uns, mit German Angst durch unsere kollektive Erinnerung geisternden Impulse der ‚dämonischen Leinwand‘ frei aufzunehmen“, erläutert Marschall im Pressetext.

„Der Mythos der lust- und todbringenden Alraunen-Wurzel inspirierte bereits drei deutsche Verfilmungen, die berühmteste davon – mit Brigitte Helm – im fiebernden Berlin der zwanziger Jahre. Meine freie Interpretation der volkstümlich-magischen Legende spielt im modernen Berlin, aber gerade nicht im naturalistischen Berlin der sogenannten Berliner Schule. Mein Berlin ist in starke kontrastierende Primärfarben getaucht, ein delirierender Ort, in dem Träume und Ängste real werden. Statt Computereffekte gibt es in Alraune ‚analoge‘ Traumsequenzen, die mit Vorsatz-Prismen aus den siebziger Jahren gedreht wurden. Der digitalen Schärfe ziehe ich das Analog-Unscharfe und Mehrdeutige vor“, so Marschall über seine Inszenierung.

„MAKE A WISH“ von Michal Kosakowski („Zero Killed“) erzählt, wie Kasia und Jacek, ein taubstummes polnisches Pärchen, in die Hände einer sadistischen Hooligan Gang fällt. Die jungen Leute scheinen den Schlägern hilflos ausgeliefert. Aber Kasia hat ein Amulett, das schon im Zweiten Weltkrieg den Lauf der Geschichte geändert und ihre Mutter gerettet hat. Plötzlich geschieht etwas Magisches, das die Situation überraschend auf den Kopf stellt.

In seinen Geschichten verarbeitet der in Berlin lebende österreichische Regisseur persönliche Erlebnisse auf spielerische Art. „Als ich als Kind aus Polen nach Österreich kam, musste ich am eignen Leibe erfahren, was Fremdenfeindlichkeit bedeutet. Aufgrund dieser Erlebnisse entstand die phantastische Geschichte über Rollentausch von Opfer und Täter. Wie fühlt sich ein Täter, der plötzlich im Körper des Opfers steckt und nun all das Leid, welches dem Opfer angetan wird, selbst erleben darf? Wie verhält sich ein Opfer, das im gleichen Moment zum Täter mutiert? Würde ein Opfer, dass plötzlich und überraschend die Macht besitzt, zu den gleichen Mitteln greifen wie ein Täter?“, so Kosakowski im Presseheft.

Rodja

INFO: www.german-angst.com

GERMAN ANGST – Official Trailer from Michal Kosakowski on Vimeo.

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18. Januar 2015 at 09:27

Timo reviewt: „Nennt mich Schmetter“ von Felix Harjans

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Zwei Studenten machen sich auf, einen Dokumentarfilm zu produzieren, der sie dabei begleitet, wie sie einen Dokumentarfilm produzieren. Leider verheddern sie sich dabei irgendwie in der Metaebene, was tragische Folgen hat.

Eine weit verbreitete Unsitte unter jungen Filmemachern ist es, das eigene Werk bis zum Bersten mit Intertextualität zu überfrachten. Im Amateur- und Indiefilm geschieht das eher auf der inhaltlichen Ebene, im Studentenfilm eher auf der formalen. Im schlimmsten Fall führt das zur Beliebigkeit – wenn man die tausendste „Hasta la vista“-Variante um die Ohren gehauen bekommt – oder gar zur völligen Unverständlichkeit, weil die Bildsprache russischer Neo-Surrealisten leider noch nicht zum hiesigen Bildungskanon gehört.

Felix Harjans und sein Team spicken ihren Film zwar mit reichlich Zitaten. Die sind aber so herrlich mit Albernheiten unterfüttert oder gar überlagert, dass man nicht das Gefühl hat, hier einer medienwissenschaftlichen Selbstbespiegelung beizuwohnen. Im Gegenteil: Wann immer möglich, nehmen die Mainzer Studenten die gängigen Dokumentarfilmklischees auf die Schippe.

Das fängt schon bei der Entscheidung, den Film im 4:3-Bildformat zu drehen, an. Es werden bedeutungsschwangere Sätze gesagt, nach denen die Kamera noch sekundenlang auf dem Gesicht des Hauptdarstellers Petr Eremin verweilt. Auch der Voice-Over-Kommentar tänzelt zwischen sachlich formuliertem TV-Off-Text und sorgsam gesetzten Brachialpointen hin und her.

In der „Ausraster“-Szene hängt das Werk dann dramaturgisch leider etwas durch. Diese hätte gerne etwas kürzer sein können. Das wäre dem Goutieren des tollen Spiels von Darsteller Freddy Kondak eher dienlich, der hier im Kontrast zum restlichen Film mal aufdrehen darf. Die Länge der Szene schadet dem Gesamteindruck aber eher nicht.

Am meisten Spaß mit dem 14-Minüter werden sicher Zuschauer haben, die täglich mit genau dem Sujet des Films zu tun haben. Wer Schnittprogramme kennt, Erfahrung mit Gruppendynamik an Filmhochschulen hat oder ein Faible für surreale Montagesequenzen besitzt, wird auf seine Kosten kommen. Wer zudem noch Werner-Herzog-Fan ist und sich ein bisschen mit der Geschichte um das Desaster von „Fitzcarraldo“ auskennt, könnte hier ein Kleinod finden.

Fazit: Schön gemachte Mockumentary, die gekonnt eine Balance zwischen albern und schlau findet!

Timo Landsiedel
http://timolandsiedel.de/

nennt mich Schmetter from fh on Vimeo.

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17. Januar 2015 at 07:59

Rollygeddon

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© Thomas Zeug

© Thomas Zeug

Die Welt steht nimmer lang…

Okay, in Zeiten wie diesen denkt man eher an Kriege im Namen der Religion, Arm gegen Reich, Clash of Cultures, Clash of Ages und so. Ach, was waren das noch für Zeiten, als die Gefahr einfach nur entweder aus der Erde oder von oben kam und – ohne Ausnahme – uns alle bedrohte. Filme wie „Armageddon“, „Independent Days“, „The Core“, „2012“ oder „Deep Impact“ fallen da einem ein. Ach, die gute alte Zeit.

Vor einiger Zeit nun hat Filmemacher Thomas Zeug („Quiqueck & Hämat: Proll Out“) seine knapp 30-minütige Hommage auf diese Produktionen, den Animationsfilm „Rollygeddon“ (2007), auf YouTube veröffentlicht.

Ich verfolge ja schon länger die Karriere des Bayern. Schon zu Zeiten von HomeMovieCorner 1.0 (also in der Zeit von 2001 bis 2006) brachte mich Zeug mit Filmen wie „Snow Wars I + II“, den Lego-Filmen „Zurück in die Vergangenheit I + II“ oder „Rolly im Waffenmuseum“ zum Lachen. Während „Snow Wars“ noch ein Realfilm mit Animationssequenzen war, setzte Zeug bei „Zurück in die Vergangenheit“ und den „Rolly“-Filmen rein auf Animation. 2007 gelang Zeug mit „Rollygeddon“ sein größter Coup in seiner Zeit als Autodidakt und Amateur. Der Film wurde mehrfach ausgezeichnet und erhielt bei der Jupiter Verleihung 2008 den mit 10.000,- Euro dotierten Rookie Award. Danach begann Thomas Zeug eine Ausbildung als Mediengestalter Bild und Ton bei der Sendergruppe ProSiebenSat.1., wo er nach Abschluss auch als Creative Motion Artist arbeitet. Tja, und in seiner Freizeit dreht er weiter Filme wie eben „Quiqueck & Hämat: Proll Out“ – die natürlich um mehrere Quantensprünge besser sind als seine Amateurwerke (dazu führt ich ja auch ein Interview mit ihm).

Und dennoch… man sollte sich „Rollygeddon“ schon aus amateurfilmhistorischen Gründen mal anschauen.

Inhalt: Ein riesiger Asteroid steuert geradewegs auf die Erde zu und droht die Menschheit zu vernichten. Durch einen unglücklichen Zufall ist Rolly derjenige, der nun mit einem Raumschiff und einem Sprengkörper bewaffnet zu dem Felsbrocken aus dem All fliegen, ihn in die Luft jagen und somit die Menschheit retten soll. Doch während seiner Mission geht leider etwas gewaltig schief und Rolly begeht einen folgenschweren Fehler.

Rodja

INFO: www.rollygeddon.de, www.filmzeugs.de

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16. Januar 2015 at 15:59

Timo reviewt: „Shit“ von Samuel Buscapé

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Gastartikel hat es hier auf dem Blog schon einige gegeben – aber bis dato waren das immer nur so einmalige Angelegenheiten. Es hat sich einfach niemand gefunden, der sich von mir knechten lässt und regelmäßig hier was schreibt. Doch das hat sich nun geändert: Timo Landsiedel, seines Zeichens Filmemacher, Podcast-Betreiber („Das Büro des Todes“, „Das Fenster zum Doof“), Scherzkeks und Ex-Chefredakteur der ex gegangenen Zeitschrift „zoom – Magazin für Filmemacher“, mit dem ich nun den Vimeo-Kanal „Rodja & Timo zeigen Independent Kurzfilme“ betreibe, hat sich bereit erklärt (zumindest will er es versuchen), hier Kurzfilme zu rezensieren.

Das hat nichts damit zu tun, dass er die Kritik schon vorher auf seinem Blog Timolandsiedel.de veröffentlicht hat. Und nein, das ist keine billige Abzocke (Ihr zahlt ja nix, oder? ODER?!?!)

Also Vorhang auf für die neue Rubrik (hier) „Timo reviewt“ – und diesmal wühlt er tief in der Scheiße. Und anschließend gibt es den Film – quasi zum Direktvergleich.

Rodja

„Shit“ von Samuel Buscapé

Fettiges Essen, Angetrunkene, Schießbudenfiguren. Nein, wir befinden uns nicht auf der Klausurtagung der CSU, sondern auf dem Jahrmarkt. Über dieses Kirmesvergnügen jagt ein junger Mann, sein Blick wechselt hastig zwischen Himmel und Fahrgeschäften hin und her. Endlich findet er, was er sucht: eine Schießbude. Er lädt das Gewehr und hebt den Lauf …

Samuel Buscapé ist ein schneller kleiner Film gelungen, den man als Zierde seines Genres bezeichnen darf. Er ist mit gerade mal 2 Minuten und 34 Sekunden enorm kurz. Jetzt gibt es viele Filme, die eine ähnlich Länge haben. Doch entweder erzählen die zu wenig oder es gelingt ihnen, selbst auf dieser geringen Distanz noch Zeit zu verplempern. Letztere sind dann oft eh nicht der Rede wert, denn was bleibt man hier noch an Story übrig?

All diese Fehler macht Regisseur und Autor Buscapé nicht. Er erzählt seine Geschichte ökonomisch, aber nicht zu knapp. Dafür nutzt er das Mittel der Verrätselung und erzählt seine Story in zwei verschachtelten Rückblenden. Die Kameraarbeit von Markus P. Hammer ist hervorragend und unterstützt stets die Verrätselung. Dabei findet er auch überraschende Perspektiven, wie die Subjektive des Gewehrlaufs an der Schießbude.

Die rasante Action-Musik von Robert Gandy unterstreicht die Hektik des Films und ist gerade so eine Schippe zuviel, dass es noch als Augenzwinkern rüber kommt, was aber zur Atmosphäre des Films passt. Beide Darsteller, Claudia Plöckl und auch Wolfgang Zarnack, machen ihre Sache gut und haben keinerlei Probleme, ihre Aufgabe ohne Dialoge zu lösen.

Fazit: Rasant, toll geschrieben und klasse gefilmt – klasse Kürzestfilm!

Timo Landsiedel
http://timolandsiedel.de/

Shit from Samuel Buscapé on Vimeo.

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14. Januar 2015 at 16:57

Das Christkind war nett zu mir…

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Eigentlich bräuchten wir ein Auto. Stattdessen habe ich einen Sternenzerstörer bekommen. #LifeIsGood

Rodja

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9. Januar 2015 at 10:43

Veröffentlicht in Latest Talk

Diverse Geschichten gesucht

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Bereits zum sechsten Mal findet das interkulturelle Drehbuch-Entwicklungsprogramm „Diverse Geschichten“ statt. Noch bis zum 26. Jänner 2015 können sich in Österreich lebende Autoren und Filmschaffende der ersten und zweiten Einwanderer-Generation (hm, meine Mutter wurde mit drei, vier Monaten aus dem Sudetenland vertrieben und landete mit ihrer Familie in Wien – zählt das auch?) entweder mit einem drei- bis fünfseitigem Exposé oder einem maximal 25-seitigen Treatment für einen Langspielfilm oder eine TV-Serie in deutscher oder englischer Sprache bewerben.

Für die Stories gibt es keine thematischen Vorgaben. Und obwohl die Bedingung „Einwanderer-Generation“ schon der Hauch von großem Drama anhaftet, kann auch eine Komödie eingereicht werden. Oder Sci-Fi. Oder was auch immer. Überrascht einfach die Juroren. Die Geschichten sollen aber die Erfahrungen, Lebenswahrnehmungen und Vorstellungen der Autoren wiedergeben. (Nicht abschrecken lassen – unter der Prämisse kann man auch ein Zombie-Survival-Actionfilm schreiben)

Neben den Texten soll noch ein aussagekräftiger Lebenslauf mit einer kurzen Begründung der Motivation für die Teilnahme eingereicht werden. Eine Altersbeschränkung habe ich so beim ersten und zweiten Mal durchlesen nicht ersehen können.

Die von der Fachjury ausgewählten Stoffe werden dann innerhalb mehrerer Workshops bis Winter 2015/16 betreut und am Ende im Rahmen einer szenischen Drehbuchlesung der Branchenöffentlichkeit präsentiert.

Das Programm umfasst dramaturgische Beratungen, Lectures und Case Studies namhafter Filmemacherinnen. Ziel ist es, die eingereichten Exposés bzw. Treatments zu Drehbüchern zu entwickeln und die Autoren mit potenziellen Produzenten zu vernetzen.

Weitere Informationen zum Programm wie auch zur Einreichung bitte der Homepage entnehmen.

Rodja

INFO: www.diverse-geschichten.at

Written by HomeMovieCorner

8. Januar 2015 at 23:20

Veröffentlicht in Tipps & Tricks

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