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The art of independent movies

Archive for Juni 2012

„Dentophobia“ von Christoph Heimer

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In seinem Kurzfilm „Dentophobia“ von 2006 verleiht der Filmemacher Christoph Heimer der Angst vor dem Zahnarzt eine vollkommen neue Dimension. Mit diesem Film bewarb sich Heimer an einer Filmhochschule – wenig überraschend, dass er auch genommen wurde.

Rodja

Dentophobia from Christoph Heimer on Vimeo.

Und hier gibt es auch noch ein Making Of.

Dentophobia Making of from Christoph Heimer on Vimeo.

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21. Juni 2012 at 23:57

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„Reality XL“ online – und das sogar legal

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An den Kinokassen hatte der deutsche Regisseur Tom Bohn mit seinem unabhängig finanzierten Film „Reality XL“ nicht viel Erfolg. Bei den DVD-Verkäufen schaut es laut seiner Facebook-Site wiederum doch recht vielversprechend aus. Nun hat Bohn „Reality XL“ auf MyVideo.de gestellt, so dass man den Mysterystreifen im freien, werbebasierten Streaming sehen kann.

Synopsis: Am 13. Jänner 2011 betreten 24 Wissenschafter den Kontrollraum des Teilchenbeschleunigers CERN. Nach der Nachtschicht, die am 14. Jänner 2011 um 6.00 früh endet, kommt jedoch nur der an den Rollstuhl gefesselten Professor Carus (Heiner Lauterbach) wieder aus dem Kontrollraum heraus. Die anderen 23 bleiben spurlos verschwunden.

Der Wissenschafter wird von zwei Beamten (Max Tidof/Annika Greta Blendl) der ermittelnden Kriminaldienststellen befragt. Hat Carus etwa die “Weltformel”, die alle bekannten physikalischen Phänomene gänzlich erklärt und verknüpft, entdeckt und an seinen Kollegen mit tödlichen Konsequenzen angewandt?

Rodja

Hier mal der Link zur österreichischen Site: http://www.myvideo.at/watch/8597496 – den Link für Deutschland bitte http://www.myvideo.de entnehmen.

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21. Juni 2012 at 17:24

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„Das Jahr Null (reset)“ von Roman Deppe

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Robert, sein Lebensgefährte Markus und dessen autistischer Bruder Ferdi versuchen in einer zerstörten Welt voller Zombies zu überleben. Zusammen mit einer Gruppe anderer Menschen verstecken sie sich in einem abgeschiedenen Haus, wohlwissend, dass sie hier nicht ewig bleiben können. Sie müssen rauf in die österreichischen Alpen, haben aber nur einen Kleinwagen. Die Spannungen innerhalb der Gruppe steigen – und dann schleicht sich auch noch Ferdi des Nachts heimlich aus dem Haus.

Rodja

PS: Ein Interview mit Regisseur Roman Deppe gibt es hier: „So, jetzt machen wir mal einen ernsten Zombiefilm“

DAS JAHR NULL (RESET) from Roman Deppe on Vimeo.

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18. Juni 2012 at 15:56

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„So, jetzt machen wir mal einen ernsten Zombiefilm“

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Die tun nichts. Die wollen doch nur spielen.

Im Zombiefilm hat es schon alles gegeben. Böse Zungen behaupten gar, das Genre sei so tot wie sein Sujet. Dass dem nicht so ist, beweist der Film „Das Jahr Null (reset)“ von Roman Deppe. Der Indiefilmer aus Hamburg hat im Frühjahr 2008 den ersten schwulen Independent-Zombiefilm gedreht. In Anbetracht dessen, dass Deppe bisher große Erfolge mit der Komödientrilogie „Eine Nacht in Wilhelmsburg“ feierte, lag der Schluss nahe, dass er sich auch dem neuen Thema komödiantisch nähern würde. Doch “Das Jahr Null (reset)“ fesselt von der ersten seiner etwa 30 Minuten an mit düsterer Atmosphäre und einer konsequenten, anrührenden Geschichte.

Warum er selbst über seinen Film überrascht ist, warum ein echter Zombiefilm auch Effekte haben und warum man im Schnitt manchmal schwierige Entscheidungen treffen muss, darüber sprach Timo Landsiedel, der im Film selbst eine Rolle als Untoter spielte, mit Roman Deppe für den HomeMovieCorner.

HomeMovieCorner
Warum wolltest du einen Zombiefilm drehen?

ROMAN DEPPE
In erster Linie war das so, dass ich mit meinem Kameramann, Adrian Annoff, überlegt habe, was könnte man als nächstes für einen Film machen. Ich glaub, wir sind beide so Zombiefilmfans und wir sagten: ‘So, jetzt machen wir mal einen ernsten Zombiefilm.‘ Ich hatte mal wieder die Romero-Filme gesehen und dachte so, was mir bei den neuen Zombiefilmen immer fehlt, ist der Ernst an der Sache. Außerdem waren diese Zombies ja mal wer. Das wird eigentlich immer vergessen. Und damit habe ich dann angefangen zu arbeiten. Ich habe das Drehbuch ziemlich schnell geschrieben. Das hatte ursprünglich am Anfang kaum Dialog. Wir haben dann während der Proben sehr viel Text erarbeitet.

HMC
Wie bist du darauf gekommen, die Hauptfiguren als schwules Pärchen zu schreiben?

RD
Da war glaube ich ganz am Anfang erstmal die Idee, zwei schwule Hauptfiguren zu machen, um den Film wieder auf dem ‘Schwul-Lesbischen Filmfest‘ in Hamburg zu zeigen. Und dann dachte ich so, nee, da will ich auch was mit aussagen. Ich reite auf dem Thema nicht rum im Film. Ich wollte das nicht zusätzlich thematisieren, das wäre mir zu platt. Es wird ja auch nicht klar gesagt, dass die jetzt schwul sind. Das Thema des Films ist ja so die Einsamkeit. Wenn man da jetzt jahrelang alleine unterwegs ist und dann Nähe braucht, dann ist das vielleicht irgendwann egal auf welches Geschlecht man eigentlich steht. Dann entwickelt sich so etwas, dass man über solche Grenzen hinweg sieht. Das fand ich ganz reizvoll, es auch so ambivalent zu lassen und dem Zuschauer zu überlassen, wie er das sehen möchte.

Timo Landsiedel undercover bei Dreharbeiten

HMC
War dir von Anfang klar, dass du Make-Up-Effekte drin haben willst?

RD
Ja, auf jeden Fall! Wenn ich Freunden erzählt habe, dass wir einen Zombiefilm machen, dann dachten immer alle gleich, wir malen uns grün an und das sieht dann scheiße aus und laufen starr durch die Gegend. Also es war ganz klar, dass das gut aussehen musste. Lars Havemann, der die Spezial-Effekte gemacht hat, kannte ich über Andre Matthias, meinen Komponisten. Lars war auch gar nicht zu bremsen. Beim ersten Treffen hatte er gleich zehn Zombie-Designs mitgebracht “Hab‘ ich einfach schon mal gemacht!“ Er hatte also ganz viele Ideen und hat sich dafür echt einen Wolf gearbeitet. In dieser Albtraumszene, da sieht man die Zombies nur zwei Sekunden und er saß da an jedem einzelnen Wochen. Da dachte ich, er erschlägt mich dafür, dass man die nur so kurz sieht. Aber er fand das auch richtig cool. Ich glaube, die Details machen‘s dann schon.

HMC
Musstet ihr im Schnitt noch Effekte rausnehmen?

RD
Es gab einen Effekt, der ist nicht drin, das lag aber nicht dran, dass er billig aussah, sondern weil es ursprünglich so gedacht war, dass er in Schnee und Eis spielt. Der Zombie ist am Boden fest gefroren und beim Aufstehen brechen ihm die Finger ab. An dem Tag hat es halt geregnet und man versteht nicht, dass der angefroren sein sollte. Das flog dann raus. Das hat zwar auch ein paar Euro gekostet, aber es hilft ja nichts es drin zu lassen, nur weil man dafür Geld ausgegeben hat. Da muss man drüber stehen.

Reporter erleben so manches in ihrem Job

HMC
Du bringst am Ende eine Wendung rein, die dem Film eine neue Richtung gibt. Ist die nur traurig zu verstehen?

RD
Also ich bin selbst ganz überrascht, dass ich jetzt so einen anspruchsvollen Film gemacht habe (lacht). Hatte ich irgendwie nie vor. Ich find den Schluss schon traurig aber auch irgendwie ganz positiv. Ein schöner Schluss, ohne typisch deutsch voll reinzuhämmern, weil‘s sonst ja nicht anspruchsvoll wäre. Das wird dann am Ende nochmal sehr schön auch mit Andres Musik. Die erste Version war so, dass mit dem Abspann ziemlich schnell Gruselmusik kam. Jetzt klingt die ‚schöne’ Musik im Abspann nach. Der Zuschauer soll mit einem wohligen Gefühl aus dem Film gehen. So melancholisch.

HMC
Du hast Riesen-Erfolg mit einer Trilogie gehabt. Gibt es beim “Jahr Null“ schon Planungen für einen zweiten Teil?

RD
Ähm. Da denk ich grad spaßeshalber drüber nach. Man könnte eine Zombieserie in Deutschland starten und die so ein bisschen wie „Lost“ aufziehen. Man könnte ja immer so Flashbacks zum früheren Leben der einzelnen Figuren machen, was sie vor der Zombieplage so gemacht haben oder während das ausbrach. Da bin ich so am Überlegen, ob man daraus einen zweiten Teil machen kann oder richtig auf 90 Minuten verlängern.

HMC
Vielen Dank für das Interview!

Timo Landsiedel

Den Film gibt es hier zu sehen: „Das Jahr Null (reset)“

Fotos: Timo Landsiedel, Lars Havemann
Links: Andre Matthias: http://www.andrematthias.com/ Lars Havemann: http://monstermann.deviantart.com/

Timo Landsiedel, der in „Das Jahr Null (reset)“ eine kleine Rolle als Untoter spielte, führte das Interview 2008 – da war von „ernsten Zombie-Streifen“ wie „The Walking Dead“ noch nichts am Horizont zu sehen.

Roman Deppe lebt derzeit in Stockholm, wo er für das dortige ARD-Studio arbeitet. In seiner Freizeit schreibt Deppe weiterhin Drehbücher.

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18. Juni 2012 at 15:54

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Eh scho wissen… Zach Braff war in Wien

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14. Juni 2012 at 17:59

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„Damned On Earth“: Ralf Kemper dreht wieder

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Die Hölle wartet – und sie dürfte Spaß machen

Wie ich gerade erfahren habe, haben der Kasseler Regisseur Ralf Kemper und seine Crew von Spontitotalfilm vor einer Woche mit den Dreharbeiten zu „Damned On Earth“ begonnen. Laut einer Presseaussendung soll es sich bei dem in Full HD gedrehtem Spielfilm um Horror Comedy Fantasy handeln.

Synopsis: Der einfache Höllenbeamte Amon erhält von Luzifer einen seltsamen Auftrag. Gemeinsam mit dem chaotischen, sexbesessenen Samsaveel soll er den außer Kontrolle geratenen Höllenfürst Belial stoppen, welcher den Thron der Hölle und des Himmels für sich beansprucht. Er bedient sich eines weiblichen Körpers, überlistet Amon und Samsaveel und tötet einen Engel. Damit entfacht er einen schrecklichen Krieg, denn seit Jahrhunderten sorgten die Mächte des Himmels und der Hölle für das Gleichgewicht von Gut und Böse auf der Erde. Sie respektierten sich und erhoben niemals die Hand gegeneinander. Bis heute…

Ich hatte bis dato schon öfters das Vergnügen, Spielfilme von Ralf Kemper zu sehen – von „Überfall der Mörderrucksäcke“ (2006) über „Die Waldbewohner“ (2007) bis hin zu „Toxic Lullaby“ (2009). Die erstgenannten Filme konnten mir mit einem gewissen Trash-Charme und ihrem Witz oft ein Schmunzeln entlocken. Doch „Toxic Lullaby“ überraschte mich vollkommen: Kein trashiger Charme, keine komödiantischen Einfälle, dafür beinhartes Zombiegemetzel (und das mit Botschaft!). Es verwundert nicht, dass der Film 2010 beim New York Independent Film Festival zum „besten internationalen Horrorfilm“ gekürt wurde. (Meine Rezension hier liest sich übrigens auch recht lobpreisend.)

Einem Telefonat mit Ralf Kemper konnte ich entnehmen, dass „Damned On Earth“ nun die Qualität von „Toxic Lullaby“ mit dem Humor der früheren Streifen verbinden soll. Neben diversen Festivaleinreichungen, einem angestrebten Kinostart sowie dem üblichen DVD-Release denkt Kemper über einen Release in den USA bzw. Japan nach.

„Damned On Earth“ kann mit den vorhandenen Mitteln fertiggestellt werden. Dennoch sucht Kemper noch Sponsoren, die helfen, dem Film das gewisse Extra mehr zu verleihen. Ohne auf eine Crowdfunding-Site zurückzugreifen, bieten Kemper und sein Team dabei die üblichen Goodies an: Name im Abspann des Films, Einladung zur Kinopremiere (exklusive Anreisekosten) sowie eine DVD. Nähere Informationen bitte unter info[at]spontitotalfilm.com erfragen. Ich muss zugeben: Ich bin am Überlegen.

Rodja

INFO: www.spontitotalfilm.com

Und hier noch mal kurz der Trailer von „Toxic Lullaby“ zur Einstimmung.

Written by HomeMovieCorner

14. Juni 2012 at 17:37

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Das Leben als Schauspieler ist kein Honiglecken

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Spiegel.de hat einige deutsche Schauspieler – darunter auch bekannte Köpfe wie Max Riemelt („Napola“) oder Florian David Fitz („Doctor’s Diary“) – zu ihrem „Traumberuf“ befragt. Tenor: Früher war es besser – und zwar vor dem Zusammenbruch des Finanzmarktes. (Allerdings glaube ich, dass selbst ohne das Desaster an den Börsen es den Schauspielern zunehmend schlechter gegangen wäre.)

Wohlgemerkt, das betrifft deutsche Schauspieler. Inwieweit es auf österreichische Verhältnisse umlegbar ist, weiß ich nicht – aber nachdem ja auch viele heimische Schauspieler bei unseren Nachbarn spielen, wird es sie wohl auch betreffen.

Ich muss zugeben, dass mich der Artikel schockiert hat. Ist er absichtlich so negativ gehalten? Oder entsprechen die Empfindungen der Akteure den Tatsachen? Auf jeden Fall interessant zu lesen (außer wenn einer meint, dass Qualität sich halt durchsetze – das halte ich, mit Verlaub, für Schwachsinn).

Hier geht es zum Artikel: „Armutsfalle Schauspielerei: Willkommen in der Rollenlotterie“

Rodja

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13. Juni 2012 at 17:00

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Tipps für die Sponsorensuche

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Tja, an Christoph & Lollo kann man sich auch als Filmemacher ein Beispiel nehmen, wie man das mit den Sponsoren angeht. ;-D

Rodja

Written by HomeMovieCorner

13. Juni 2012 at 08:48

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VVS – Vertical Video Syndrome

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Worauf jeder Filmemacher achten sollte…

Rodja

„Just say no“

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11. Juni 2012 at 11:47

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Der Glass Shot

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Dies ist ein Ausschnitt aus einem Artikel über die Scenic Artists Renate Seiz & Christof Seiz, den ich mal für die österreichische Filmzeitschrift „Ray“ geschrieben habe. Das Ehepaar beschäftigte sich damals mit der perfekten Illusion im Film. Der Artikel stammt aus dem Jahr 2004 – seither hat sich im Bereich CGI sehr viel verbessert, vor allem, was Texturen und Oberflächen angeht. Dennoch ist der Glass Shot – vor allem, wenn es an CGI-Experten fehlt – vielleicht doch noch eine interessante Alternative.

Scenic Artist ist ein amerikanisch-geprägter Berufsbegriff, den man mit Maler bzw. künstlerischem Bildhauer übersetzen kann. Eine etwas schwammige Bezeichnung für ein noch schwammigeres Berufsbild: Irgendwie hat der Job mit Requisite zu tun – geht aber weit über das Bereitstellen von Garderobe und Utensilien hinaus. Angefangen vom Staub in der Fernsehwerbung, der wirklich “mit einem Wisch” verschwindet, Modellbauten, über Werbe-Dummies bis hin zu Mumien oder extra angefertigten Katakomben wie z.B. in Curt M. Faudons „Das Tattoo – Tödliche Zeichen“ (mit Tobias Moretti) – den Tätigkeitsbereich eines Scenic Artists kann man nicht wirklich eingrenzen.

Learning by doing… und Cortis Mundpropaganda

Gelernt haben die beiden Künstler Renate und Christof Seiz ihren Job durch “learning by doing”. Renate Seiz studierte Kunst und arbeitete als Designerin und Kunstmalerin, bevor sie und ihr Mann der Ruf zum Film ereilte. Ein Bekannter vermittelte ihnen einen Auftrag über zeitgemäße Straßenschilder für Axel Corti. Der 1993 verstorbene österreichische Regisseur war mit den Arbeiten so zufrieden, dass er die beiden Maler zu immer mehr Projekten hinzuzog. “Ab da fragte er immer: ‘Können Sie das auch?’ – Und wir haben halt immer brav ‘Ja’ gesagt“, erinnert sich Renate Seiz. “Dabei haben wir damals keine Ahnung gehabt, wie das geht”, wirft Christof Seiz schmunzelnd ein. Nach der Lektüre einschlägiger Fachbücher machte sich das Ehepaar schließlich ans Werk – stets zur Zufriedenheit des als Perfektionisten bekannten Regisseurs. Cortis Mundpropaganda verdanken sie es auch, dass sie in der Filmszene bekannt wurden und immer häufiger Aufträge bekamen, ist Frau Seiz überzeugt.

Eine der Seiz’schen Spezialitäten ist der so genannte Glass Shot – grob gesagt ein einfaches Übermalen von störenden Details auf einer Glasplatte. So würde auf einer Wiese im 17. Jahrhundert ein Einfamilienhaus mit Wintergarten doch etwas stören – andererseits kann mittels Pinsel und einer entsprechenden Röhrenkonstruktion auch ein funktionierender Springbrunnen in einen Klostergarten “gezaubert” werden. Die Effektivität dieser alten Filmtechnik ist nicht zu unterschätzen – die Methode ist verblüffend simpel, billig in der Herstellung und benötigt nur einige Stunden Vorbereitung vor Ort: Nachdem die Kamera fixiert wurde, wird die Glaswand zwei Meter vor das Objektiv gestellt. Während ein Künstler mit Öl das besagte Einfamilienhaus hinter dem Glas zu einem Fleck Wiese übermalt, weist ihn der andere von der Kameraseite her ein. Genauigkeit ist dabei ein Muss, schließlich geht es um Millimeter! Auch die aktuelle Wettersituation und das Licht müssen dabei berücksichtigt werden. Wenn Kameramänner den beiden Künstlern Seiz & Seiz bei der Arbeit zuschauen, verstehen sie oft gar nicht, was da genau gemacht wird. “Das sind grobe Kleckse von verschwommenen Öl auf einer Glasplatte. Was soll das denn darstellen?”, fragen sie dann manchmal. Doch wenn sie dann durch den Sucher ihrer Kamera sehen, hat sich das Set vor ihren Augen von z.B. einer Sommerwiese in eine mit Schneeflecken bedeckte Wiese verwandelt. Und die für den Film störenden Häuser der Stadt sind einfach verschwunden…

Der Glass Shot kann auch für komplexe Arbeiten herangezogen werden – als z.B. in Joseph Vilsmaiers Schlafes Bruder ein Feuer ein ganzes Dorf verwüstet, wurden die meisten real existierenden Häuser in der Totalansicht mittels eines solchen Ölgemäldes auf Glas als Brandruinen “abgedeckt”.

“Wir haben uns ein System entwickelt, wo wir zwischen drei und fünf Stunden drehfertig sind. Wenn das Wetter in der Früh nicht danach ist, fangen wir gar nicht an. Sonst wird das Glasgemälde immer einen Tag vorher gemalt. Wenn man aber Pech hat, ist am nächsten Tag Regen. Wir richten es so ein, dass wir sehr zeitig in der Früh am gleichen Tag noch anfangen – und dann am späten Vormittag schauen, dass wir mit der Malerei fertig sind, dann auf das Licht warten, denn ohne Licht geht es nicht – und dann mit dem Licht die Farben auf der Glasplatte dem Hintergrund angleichen”, erklärt das Ehepaar ihre Arbeitsweise. Das Wichtigste ist Pünktlichkeit und die Erfüllung der Deadline der Fertigstellung. Zwei Minunten zu spät – und schon interessiert es niemanden mehr.”

Die Hauptschwierigkeiten sind Wetter und Licht. Glass Shots sind am besten zu Mittag zu filmen, wenn die Sonne am Zenit steht und es keine Unwetter wie Regen, Gewitter oder Schneefälle gibt. Nach Süden einen Glass Shot zu drehen ist wegen des starken Gegenlichts besonders schwierig.

Exkurs: Matte Painting

Eine Methode, die immer wieder im gleichen Atemzug wie der Glass Shot erwähnt wird, ist das wesentlich aufwendigere Matte Painting. Bei dieser Technik ergänzt der Künstler die während des Drehs durch Green Screen oder Blue Screen “frei gelassenen” Bildteile mit seinem extra im Studio gemalten Gemälde. Eine Green Screen verwendet eine spezielle Farbe, die z.B. Objekte, die nicht im Film vorkommen sollen, abdeckt. Sie ist eine Hilfe, eine Art Farbcode. So kann später im Kopierwerk diese Farbe bei der Belichtung “ignoriert” werden, Masken erstellt werden und z.B. das Matte Painting an diesen freien Stellen exakt eingepasst werden. Mittlerweile ist es schon eher die Rege, den Computer für diese Arbeit einzusetzen. In Compositing-Programmen werden die verschiedene Ebenen aus gemaltem Hintergrund, Partikeleffekte (Rauch, Dunst, Nebel, etc.) sowie der eigentlichen Filmaufnahme zusammengefügt und in ihren Farbstimmungen, Sättigungen und sonstigen Attributen abgestimmt.

Doch nun zurück zum “ursprünglicheren” Matte Painting: Gelten für Glass Shots ausschließlich Ölfarben als Materialien, so hat der Matte Painter verschiedenste Materialien zur Auswahl. So wird für Matte Paintings, die man z. B. aus Filmen wie “Star Wars” kennt, auch Airbrush eingesetzt, das dem Painting ein metallisch-glattes Aussehen verleihen kann und “scharfe” Vordergründe mit metallischen Strukturen schafft. Für Glass Shots wäre diese Arbeitsweise undenkbar. “Die Airbrush Technik ist zu genau. Bei Glass Shots muss man die ‘Unschärfe’ malen und an den Hintergrund angleichen. Airbrush ist hierbei viel zu clean”, erklärt Renate Seiz.

Die Herstellung eines Glass Shot wirkt vielleicht in der heutigen Zeit, in der Special Effects mit Vorliebe am Computer hergestellt werden, antiquiert. Doch sehen Seiz & Seiz in der neuen Technologie keine wirkliche Konkurrenz – dafür ist ihr Tätigkeitsfeld zu verschieden. Und selbst Glass Shots haben gegenüber computeranimierten Effekten nicht von der Hand zu weisende Vorteile: Sie sind billiger und wirken realistischer. Mit Grafikprogrammen erstellte Objekte haben keine Kanten, keine Fasson, eine zu weiche Oberfläche – es ist einfach “zu rundgelutscht”, ist sich Renate Seiz sicher.

Anmerkung: Wie bereits angeführt, stammt der Artikel aus 2004.

Rodja Pavlik

Hier noch ein Beispielvideo, in dem ein Glass Shot erklärt wird – ab ca. 01:35 wird’s dann interessant. The Glass shot in „Soldier Jack“ von US-Indie-Regisseur Tom Davenport.

Written by HomeMovieCorner

5. Juni 2012 at 17:21