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The art of independent movies

Archive for August 2012

Stadt Land Fluss

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Drei sind einer zuviel

Eine Frau, zwei Männer, drei Episoden aus ihrem Leben: Jakob liebt Tina, doch die hat grad was mit Peter – und das ist Jakobs ehemals bester Freund. Als sich die Situation in der Stadt zuspitzt, flüchtet Peter aufs Land. „Stadt Land Fluss“ von Stefan Butzmühlen und der Künstlerplattform querform ist eine äußerst vergnügliche No Budget-Indie-Komödie.

Stadt: Seit langer Zeit ist Jakob in seine rassige WG-Mitbewohnerin Tina verliebt. Zu seinem Glück hat sie ihm schon ein paar Mal ihre Gunst geschenkt. Zu seinem Pech tut sie das neuerdings auch bei Peter, seinem – nun mehr – ehemals besten Freund. Es kommt, wie es kommen muss: Jakob und Peter streiten sich und werden handgreiflich. Doch genau das belebt ihre alte Freundschaft wieder und sie kommen zu einer Art Vereinbarung; eine, die irgendwie logisch klingt, aber man weiß ja: In Sachen Liebe kann die Logik nur verlieren. Schließlich reicht es Peter, er flieht aufs…

Auf der Alm, da gibt’s ka Sünd?!?

Land: Peter lebt und liebt jetzt in Südtirol. Mit Fanny scheint er endlich sein Glück gefunden zu haben. Den Lebensunterhalt verdient er sich als Schilehrer; außerdem bauen Fanny und er eine Schi-Pension auf – und heiraten wollen sie außerdem noch (Peter weiß allerdings nicht, dass es einen sehr guten Grund dafür gibt). Eine, die eine Einladung zur Hochzeit bekommen hat, ist Julia. Sofort macht sie sich auf – aber nicht, um Peter und Fanny zu gratulieren. Sie will es noch mal wissen: Liebt Peter sie noch? Würde er wirklich diese Landpomeranze Fanny ihr vorziehen? Und noch jemand macht sich auf den Weg nach Südtirol: Jakob, der eigentlich glaubte, dass zwischen ihm und Tina nun alles bestens sei. Es kommt zur zwischenmenschlichen Katastrophe.

Fluss: Ein Jahr später. Tina hat eine Stelle als Managerin an Bord eines Ausflugsschiffes angenommen. Es gehört ihrem Vater. Als solche fährt sie nun die Donau rauf und runter und ist für das leibliche Wohl der Gäste verantwortlich. Ihr haben es Jakob und Peter zu verdanken, dass ihre Band auf dem Schiff ein Engagement bekommen hat. Fortan singen sie zünftige Hadern, obwohl ihre Herzen doch für den Jazz schlagen. Tina wiederum hofft, dass sie Jakob durch die Anstellung in ihrer Nähe halten kann und sie sich wieder aussöhnen. Doch der Betrogene denkt gar nicht daran, träumt lieber von einem Jazzfestival, bei dem die Band ihren großen Durchbruch feiern könnte. Als sich ihnen die Chance bietet, will Jakob sofort die Anstellung an Bord auflösen. Tina besteht – teils aus persönlichen Gründen – auf die Erfüllung des Vertrags. Und Peter? Der ist im Zwiespalt: Einerseits will auch er die Chance nützen, andererseits braucht er das fixe Einkommen, um seinen Alimentezahlungen an Fanny nachzukommen…

Ein Schiff als eigener Hauptdarsteller

Die Gruppe querform wurde 2003 im Rahmen des Filmprojekts „Kraut und Gurken“ – einer Art Vorarbeit zu „Stadt Land Fluss“ gegründet. Sie versteht sich als Zusammenschluss junger Kunstschaffender, die aus unterschiedlichen Sparten wie Film, Musik und Fotografie kommen. Zugegeben, ich war skeptisch, als ich das erste Mal von „Stadt Land Fluss“ hörte. Mein erster Eindruck aufgrund der Homepage und der Pressetexte: Ein recht improvisierter Episodenfilm von einer mir unbekannten Plattform – und noch dazu so richtig „künstlerisch“. Da schrillen bei einem alten Indie-Fan die Alarmglocke. Doch Hut ab, querform ist da wirklich eine unterhaltsame, teils frivole Tragikomödie gelungen – und das bei einem Mini-Budget von rund 3.200,- Euro.

Technisch sauber gemacht, ohne viel Schnickschnack – und das ist auch gut so, schließlich handelt es sich um eine „normale“ Geschichte“ von „normalen“ Leuten. Spaß machen die mit vielen skurrilen Details ausgestatteten Szenen: Als Fanny z.B. Tina vom Bahnhof abholt, müssen sie wegen einer marschierenden Blaskapelle anhalten. Oder Jakobs vergebliche Suche nach einer Herberge (raffiniert verhindert von Tina). Dabei gelingt es den Filmemachern, das Leben am Land nicht als hinterwäldlerisch darzustellen, sondern eben als… anders. Ein nicht vorverurteilender „clash of cultures“, wenn man das so sagen kann. Neben den ausgezeichnet agierenden Schauspielern (Tobias Fend, Martin Hofstetter, Julia Rani Ottermann, aber auch die Nebendarsteller sind superb besetzt) glänzen vor allem auch die sorgfältig ausgewählten Locations. Gut, Wien ist für mich nicht unbedingt exotisch, aber sowohl Südtirol als auch das Ausflugsschiff (fast ein eigener Hauptdarsteller) lassen ein bisschen Fernweh aufkommen.

Hier spielt die Musi!

Bei der Premiere 2006 im Top Kino erzählten die Filmemacher, dass sie nicht wirklich ein fertiges Drehbuch für den Film hatten, sondern die drei Episoden durch verschiedene Arten der Improvisationen entstanden. Insofern also ein recht interessanter Film, wenn darin nicht auch das störende Manko liegen würde. Sowohl „Stadt“ und „Land“ funktionieren eigenständig. Im ersten Teil wird die Gefühlswelt und das Dilemma der drei Protagonisten vorgestellt. Es geht um Gefühle und Konflikte. In „Land“ wiederum wird eine ausgereifte Geschichte mit ausreichend Irrungen und Wirrungen erzählt. Doch gerade „Fluss“, der Abschluss der Trilogie, wirkt irgendwie halbgar. Es ist ein lästiges Anhängsel, das nach einem starken Ende schreit. Aber nichts geschieht, eine Auflösung wird nur angedeutet – die Dramatik verpufft. Ein bisschen Mut zu einer Entscheidung hätte dem Film da wirklich gut getan. Aber vielleicht muss so viel „künstlerische Freiheit“ sein.

Anmerkung: Die Rezension bezieht sich auf die Vorführung von 2006. Zwar ist die Website der Gruppe querform noch online, aber es hat sich schon lange nichts mehr darauf getan. Insofern kann ich nicht bestätigen, dass die Kunstgruppe noch aktiv ist. Auch eine versuchte Kontaktaufnahme heuer hat nicht gefruchtet.

Autor: Rodja Pavlik
Bilder: http://querform.xray.at

INFO: querform – Plattform für Kunstschaffende: „Stadt Land Fluss“ – A/I 2006, Spielfilm, Trilogie – ca. 65 min. Regie: Stefan „Botho“ Butzmühlen. Bildregie: Stefan Neuberger. Buch: Tobias Fend, Stefan Butzmühlen. Ton: Jonathan Schorr, Philipp Hofmann, Werner Angerer. Musik: Michael Bruckner, Clemens Wenger, Martin Hofstetter, Tobias Fend. Produktionskosten: ca. 3.200,- Euro. Darsteller: Julia Rani Ottermann, Martin Hofstetter, Tobias Fend, Andrea Haller, Justin Mühlenhardt, Theo Rufinatscha. Homepage: http://querform.xray.at

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31. August 2012 at 13:10

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Neuer Indie-Film von Indie-Stars geplant

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Tom Bohn startet neues Projekt

An den Kinokassen hatte der deutsche Regisseur Tom Bohn mit seinem unabhängig finanzierten Film „Reality XL“ nicht den ersehnten Erfolg. Dennoch waren Bohn und seine Produktionsfirma Indie-Stars nicht unzufrieden mit dem Verkaufserfolg im DVD-Bereich und mit den Klick-Zahlen im werbebasierten Streaming auf MyVideo.de.

Nun wurde auf der Facebook-Site der Indie-Stars verkündet, dass ein neues unabhängiges Projekt ansteht. 2013 zwar erst, aber eben wieder ohne Förderung und TV-Beteiligung. Diesmal soll aber ein potenter Geldgeber und Verleiher Interesse an dem Projekt haben, so dass Bohn nicht auf sein eigenes Geld zurückgreifen muss. „Hey Joe“ – so der Arbeitstitel – soll eine üble, politisch äußerst unkorrekte Komödie über richtige Kerle und die vielen Trantüten, die es gerne sein möchten, werden. Buch stammt von Bohn selbst, der auch wieder die Regie machen willen. In der Crew sollen dann auch einige an „Reality XL“ Beteiligte wieder zu finden sein. Als Drehbeginn ist Ende August 2013 anvisiert.

Bis es soweit ist, muss Bohn aber erst mal Geld verdienen. So dreht er für den MDR einen neuen „Tatort“ aus Thüringen – mit einer betont jungen Crew bestehend aus Friedrich Mücke („Friendship“), Benjamin Kramme und Alina Levshin („Kriegerin“).

Rodja
FOTO: Rodja Pavlik

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30. August 2012 at 17:36

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INDIGO-filmfest sucht noch Filme

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Etwas für Schnellschießer: Bis zum 1. September 2012 können noch Filme für das INDIGO-filmfest (12. und 13. Oktober 2012) im saarländischen Bardenbach eingereicht werden.

„Das Festival findet auch nicht in einem großen Multiplex statt, sondern in den eher kleineren Räumlichkeiten eines Bürgerhauses. Hier geht’s nicht um Glamour und Möchtegern-Filmstars, sondern um die Filme“, beschreibt die INDIGO-Organisation das Festival. „Genremäßig sind wir für alles offen, doch erfahrungsgemäß überwiegen die Filme aus den Bereichen Trash, Horror, Thriller oder allgemein dem Phantastischen Film. Durch die breitgefächerte Auswahl sollte für fast jeden Geschmack etwas dabei sein.“

Zu gewinnen gibt es nichts – also wieso sollte man einreichen? Nun, das INDIGO-filmfest hat sich zu so was wie einen inoffiziellen Branchentreff der deutschen Indie-Szene entwickelt. Regelmäßige Gäste sind u.a. Thilo Gosejohann („Operation Dance Sensation“, Jörg Buttgereits „Captain Berlin vs. Hitler“, „Captain Chosmotic“, dreht mit seinem Bruder Simon für Pro7 „Comedy Street“), Markus Hagen (Breitwand Filmvertrieb, „City Kill“, „Deadly Nam“) oder Michael Valentin („El Guitarrista“, „Recht & Ordnung“).

Das Ganze ist ein eher familiärer Treff, bei dem neben Filme schauen auch sicher sehr viel Netzwerken stattfindet. Ich will da unbedingt mal hin, leider geht es sich heuer wieder nicht aus. Trotzdem sollten meiner Meinung nach österreichische Filmemacher einreichen, um den Deutschen zu zeigen, dass auch hierzulande so etwas wie eine Szene gibt.

Rodja

Hier entlang zur Online-Anmeldung

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30. August 2012 at 11:21

Hitman 101 – Episode 4

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„Caught“

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27. August 2012 at 16:17

Hitman 101 – Episode 3

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„Mouse Meet Cat“

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21. August 2012 at 07:14

Das kleine Gewinnspiel: „Für kurze Zeit Napoleon“

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Die Abenteuer des Wolfgang Krone

Seit einiger Zeit habe ich die Zeitschrift „schmalfilm“ im Abo – und netterweise hat sie sich damit bedankt, in dem sie mir die DVD „Für kurze Zeit Napoleon“ von Bart van Esch als Abo-Prämie zukommen hat lassen. Leider nenne ich den interessanten Film (Rezension hier) schon mein eigen, daher stelle ich den Film für ein kleines, schnelles Gewinnspiel zur Verfügung.

Und hier die Gewinnfrage:

– Auf welchem Format wurde der Film „Die Erinnerungen des Grenadiers Rousseau“ gedreht?

Die Antworten bitte NICHT hier posten, sondern per Mail an mich übermitteln. Die E-Mail-Adresse lautet ich_bin_ein_gewinner[at]hotmail.com. Als Betreff bitte “Für kurze Zeit Napoleon″ angeben. Einsendeschluss ist der 31. August 2012. Die DVD wird unter den richtigen Einsendern verlost.

Das Ganze findet unter Ausschluss des Rechtsweges statt. Preise, die auf dem Postweg verloren gehen, können leider nicht ersetzt werden. Bitte auch Namen, Alter und Postadresse angeben (Warnung: Wer keine vollständigen Angaben abliefert, wird automatisch ausgeschlossen!). Diese Daten werden nur im Rahmen des Gewinnspiels verwendet und nicht weitergeleitet – nach Abschluss der Runde werden sie auch sofort gelöscht.

Rodja

FOTO: Starmedia Entertainment

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17. August 2012 at 14:46

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Hitman 101 – Episode 2

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„Along Came Eva“

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13. August 2012 at 07:34

Mania Pictures – Local Heroes aus Schwaben

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Der vorliegende Artikel wurde in gestraffter Form in „zoom – Magazin der Filmemacher“ (4/12) abgedruckt.

Herzlich willkommen in der Hesse-Stadt Calw

Im Schwabenland agiert die Filmgruppe Mania Pictures. Die Filmemacher bezeichnen sich selbst als Amateurfilmer – dabei haben sie einen Output an Spielfilmen, der selbst Profis erblassen lassen könnte. zoom sprach mit Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Armin Schnürle über Sex, Action und lokale Power.

Willkommen in Calw in Baden Württemberg, mit mehr als 25.000 Einwohnern gerade noch so dem Rang einer Kleinstadt entkommen. Der berühmteste Sohn dieser Mittelstadt ist der Schriftsteller Hermann Hesse („Der Steppenwolf“), das Stadtbild ist von Fachwerksbauten geprägt. Aber das idyllische Äußere trügt, denn hier herrschen Sex, Drugs & Crime. Zumindest, wenn man den Filmen der Gruppe Mania Pictures glauben mag. Die Truppe rund um Mastermind Armin Schnürle gibt es seit 1987, seit 1993 sogar als eingetragenen Verein. Bisher entstanden 20 Spielfilme, deren Motto Entertainment pur lautet.

Mania Pictures wollen mit Mainstream unterhalten. Dabei schielt die Gruppe vor allem auf TV-Produktionen wie „Tatort“ oder „Alarm für Cobra 11“, aber auch Hollywood-Filmen wird gehuldigt. Ihren Durchbruch feierten die Filmbegeisterten vor allem mit ihrer „Tatort Calw“-Serie, die es bis dato auf vier Folgen und mit „SEK Calw“ eine indirekte Fortsetzung brachte. Die zweite größere Serie ist die 2011 zu Ende gegangene Trilogie „Village People“ über eine Gruppe von Freunden im fiktiven Schweinbach, die unter ständigem Geldmangel leidet und sich entweder mit großen Gangstern, alten Nazis oder der Pornoindustrie anlegt.

Mania Pictures beim Drehen und/oder Posieren

Armin Schnürle hat überhaupt kein Problem damit, als Amateur bezeichnet zu werden. Filmen sei für ihn ein Hobby, in das er fast seine komplette Freizeit reinstecke. Auch Zeit, die z.B. seinen Kindern zustehen würde, so der vom Film Besessene. Er übt bei Mania Pictures viele Funktionen aus, vor allem ist er aber Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Angefangen hat der 41-Jährige, der hauptberuflich als Firmenkundenberater bei einer Sparkasse tätig ist, mit dem Filmen bereits in den 1980ern – damals noch mit großen VHS-Kameras und Kassetten. „Da war auch die Montage oder besser ‚fliegender Schnitt’ mit zwei Videorekordern und Nachvertonung mit der Geräuscheschallplatte eine echte Herausforderung“, erinnert sich der Calwer im Interview. Nun sei man mittlerweile mit der Sony HVR Z7E im HD-Zeitalter angelangt. „Man muss dazu sagen, dass wir – was auch an meiner relativen technischen Unbedarftheit liegt – nicht gerade auf dem Stand der Zeit sind, sondern immer leicht hinterherhinken. Die DSLR-Geschichte geht uns derzeit noch völlig ab.“

Zum sonstigen Equipment zählen u.a. ein selbstgeschweißter, luftbereifter Dolly für glatte Böden und ein ABC-Leichtkran mit 4-Meter-Ausleger. „Anfang der 1990er hatten wir schon einen Kamerakran Marke Eigenbau mit Remote-Head, der mit Fischertechnik und Servos aus der Modellfliegerei zusammengebastet war. Eine technische Meisterleistung, aber leider sehr unhandlich und aufwändig“, erinnert sich Schnürle. Was nicht vorhanden ist, wird gemietet, wie eben ein Schienendolly oder Lichtequipment. Geschnitten wird auf einem Mac mit Final Cut Pro.

Und es kommt doch auf die Länge an

Etwas, das am Oeuvre der Mania Pictures auffällt, ist die Fixierung auf abendfüllende Spielfilme. „Mir gefällt einfach die narrative Struktur des Langfilms besser“, erklärt Schnürle: „Auch kann man einen Spielfilm nun mal anders ‚vermarkten‘ als einen Kurzfilm – Und dabei meine ich nicht so sehr den finanziellen Aspekt. Mit dem Langfilm kann ich eine abendfüllende ‚Show‘ machen. Und wenn man das einmal angefangen hat und ein ‚Stammpbulikum‘ hat, dann ist es schwer, davon wieder abzukommen. Wir verstehen uns eben als Macher von ‚Unterhaltungsfilmen‘.“

Schnürle filmt die Schönheit des Schwabenlands

Local Heroes

Armin Schnürle weiß, was er seinem Publikum schuldig ist. Er setzt auf Lokalkolorit. Das war nicht immer so – für den Film „Fallen Angel“ (2000) wurde u.a. in New York, Paris, London und Spanien gedreht. “Nach diesem Film dachten wir damals, dass wir uns als Amateurfilmer nicht mehr übertreffen könnten“, erinnert sich Schnürle. Doch weit gefehlt: „Unser Publikum sagte uns: ‚Dreht doch lieber mal was in Calw!’ Das war zum einen natürlich eine herbe Enttäuschung für uns, andererseits entdeckten wir so unsere Nische des lokalen Heimatkrimis. Dadurch entstand ein Wiedererkennungseffekt für den Zuschauer, der unser Erfolgsrezept wurde“, ist sich der Calwer sicher.

Und es hat seine Vorteile, in einem kleinen Teich der Hecht zu sein. „Die Stadt Calw und einige Institutionen wie Polizei und Feuerwehr unterstützen uns wirklich toll. Zum einen ist das die langjährige Erfahrung der guten Zusammenarbeit, zum anderen aber auch die Tatsache, dass so etwas vermutlich nur in einem kleinen Städtchen, in dem man sich kennt, möglich ist“, erklärt Schnürle, warum in seinen Amateurfilmen unter anderem Busentführungen in der Innenstadt, die Bergung eines Autos aus dem Teich, waghalsige Sprünge aus mehrstöckigen Häusern und ähnliches stattfindet. „Darum haben uns schon viele Kollegen beneidet und ich bin auch sehr stolz, was uns alles erlaubt wird.“

Die Stadt hat der Filmgruppe auch ein Industriegebäude günstig vermietet, indem nun das Equipment, massenhaft Requisiten und Kulissenbauten sowie Film-Einsatzfahrzeuge untergebracht sind. „Eine ebenfalls angeschlossene Wohnung – freilich längst nicht mehr bewohnt – dient uns dann auch immer wieder als Kulisse, die wir beliebig tapezieren und dekorieren können“, so Schnürle.

Der wohl schwerste Filmstar der Mania Pictures

Zutaten: Action, Humor, Dialekt & Sex

Der Stunt-Anteil in den Filmen von Mania Pictures war schon immer sehr groß. „Autos geschrottet haben wir schon ganz früh – und damals war das zum Teil auch fahrlässig und ganz sicher nicht ganz legal, was wir gemacht haben.“ Die Wende trat 1998 beim Film „Bodycount“ ein, als die Filmemacher auf einen ehemaligen Stuntman stießen, der „danach unsere Limitierungen deutlich nach oben geschraubt hat“, erinnert sich Schnürle. Ein Highlight bis heute war das Auto in „SEK Calw“ (2007), das durch einen Wohnwagen geschanzt wurde. Inzwischen wurden die Crashes zurückgefahren, aber: „Seit vielen Jahren ist es auch so, dass mir von Bekannten und Freunden immer wieder angetragen wird, ihr altes Auto im Rahmen eines Filmes zu verschrotten“, muss der Regisseur schmunzeln.

In vielen MP-Filmen spielen auch Hubschrauber eine nicht unwichtige Rolle. „Das ist wirklich eine kostspielige Sache, bei der jede Flugminute 18 Euro kostet und Hin- und Rückflug gleich mal pauschal 800 Euro. Das leisten wir uns immer dann, wenn die Kriegskassen voll genug sind“, erläutert der bekennende Helikopter-Fan Schnürle. „Man braucht im Übrigen eine Landegenehmigung und am besten einen netten Bauern, der einem für die Landung seine Wiese zur Verfügung stellt.“

Einmal mit dem Panzer drüber – so werden in Calw Autos verschrottet

Doch der Drang, immer ausgefallenere Schauwerte zu bieten, kann auch zum Rohrkrepierer werden. So wälzte für „Tatort Calw: Die Hollywood-Morde“ (2004) ein Panzer Autos nieder. Diese Aktion wurde zu einer Zäsur für die Gruppe, wie Schnürle erklärt. Der Panzer wurde für ein Wochenende mit dem Tieflader angeliefert und hat für drei Tage 5.000 Euro gekostet, Sprit inklusive. Die Szenen wurden in einer Kaserne in der Nachbarstadt Nagold gedreht. „Es war natürlich eine absolute Wahnsinnsaktion, wenn man bedenkt, dass alleine das Wetter an den drei Tagen auch Scheiße hätte sein können. Und dann haben wir noch in Absprache mit dem dort ansässigen Abfallwirtschaftsbetrieb drei bestehende Bundeswehrbaracken niedergewalzt, was uns beinahe zum Verhängnis wurde. Denn das Wegräumen dieser Baracken hat dann über zehn Leute drei Tage lang beschäftigt. Mann, haben wir diese Aktion verflucht“, erinnert sich der 41-Jährige. „Danach sagte ich mir: ‚Noch mehr Aufwand können wir als Amateure definitiv nicht stemmen.’ Ich wurde für diese Panzeraktion oft kritisiert und kostenseitig war es auch grenzwertig, allerdings ist diese Aktion bis heute für alle, die über Mania Pictures berichten, immer DER Aufhänger. Und ich bereue es daher nicht.“

Leonie Saint macht auf nackt

Etwas, für das Regisseur Armin Schnürle auch immer wieder kritisiert wird, sind die manchmal doch recht freizügigen Liebesszenen in seinen Filmen. „Ich gebe es offen zu: Ich mag Sexszenen und ich mag auch filmische Gewalt, zumindest in der richtigen Dosierung.“ Sex zu filmen sei natürlich nicht einfach, erklärt Schnürle: „Weder für mich, der ich detaillierte Anweisungen geben soll – und schon gar nicht für die Darsteller. Vor allem die weiblichen Akteure fürchten um ihren Ruf. Im Gegensatz zu männlichen Darstellern haftet einer Frau hier schnell ein bestimmtes Image an. Mag aber auch sein, dass das hier am kleinbürgerlichen Umfeld liegt.“ Man muss die Szenen vorher ausführlich besprechen, z.B. was gezeigt werden darf und was nicht – schließlich will man die Schauspieler auch nackt gut aussehen lassen. „Und ein Schluck Alkohol hilft tatsächlich das eine oder andere Mal ganz gut.“

Promidichte: hoch

Ein Großteil der Hauptakteure ist im Wesentlichen fix und besteht aus Laiendarstellern wie Frieder Pfeiffer, der auf die Rolle des Hallodris abonniert ist – oder Stefan Lörcher, im echten Leben Stadtrat von Calw, der oft den jähzornigen, bauernschlauen Schwaben mimt. Aber auch aus Musik, Film und Fernsehen bekannte Gesichter konnten schon oft für die Filme gewonnen, wie z.B. Schauspieler und Autor Jochen Senf, Horst Janson („Steiner – Das Eiserne Kreuz“, „Ausbruch der 28“), Udo Lindenberg oder Pornostar Leonie Saint.

Tilo Prückner als notgeiler Adolf Hitler

Allein bei „Village People II – Auf der Suche nach dem Nazigold“ ist die Promi-Dichte sehr hoch: So spielen neben den Mania Pictures-Stars u.a. Dieter Landuris („Alles außer Mord“), Ralf Richter („Das Boot“, „Bang Boom Bang“) und Wolfgang Völz („Der WiXXer“, die Stimme von „Käpt’n Blaubär“) mit. Tilo Prückner („Siebtelbauern“, „Die Fälscher“, „Iron Sky“), der eigentlich schon zur Mania-Pictures-Stammbesetzung gehört und in vielen Filmen zumindest einen Kurzauftritt hat, gibt sogar einen notgeilen Adolf Hitler. Schnürle schätzt die Zusammenarbeit mit Prückner ganz besonders, „weil er für skurrile Typen einfach wunderbar ist und zudem ein unkomplizierter und umgänglicher Mensch. Er ist im Übrigen der einzige ‚Promi’, für den ich es inzwischen wage, Rollen zu schreiben.“

Aber nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera trifft man manchmal bekannte Namen: So sorgte Horror-Filmer Olaf Ittenbach („Premutos – Der gefallene Engel“, „Legion Of The Dead“, „Dard Divorce“) mit seinem Special-Effects-Knowhow dafür, dass der Streifen „Tatort Calw: Die Hollywood-Morde“ der wohl „gorigste“ Film aus der MP-Schmiede ist.

Eine Frage des Geldes

Durchschnittlich werden die Filme mit 15.000 bis 20.000 Euro kalkuliert, wobei die Gruppe wie bei „SEK Calw“ schon mal mit 10.000 Euro auskommen musste. „Aber wir haben auch schon mal 25.000 Euro ausgegeben. Das hängt natürlich immer davon ab, wie viel der vorangegangene Film eingespielt hat“, erläutert Schnürle. Aus der eigenen Kasse wird so gut wie gar nichts mehr in die Filmproduktion gesteckt. Das Geld wird größtenteils über Filmtourneen und über den Verkauf von DVDs vor Ort und über die Homepage eingebracht. „In den meisten Kinos haben wir sogar schon fixe Tage, an denen wir spielen. Das hat sich im Laufe der Jahre so eingependelt“, ist Schnürle nicht ganz unstolz. Er schätzt, dass 70 bis 80 Prozent seiner Zuschauer Stammpublikum sind. „Wir drehen primär für den lokalen Markt und dort fällt es uns auch einigermaßen leicht, die Werbetrommel zu rühren. Neben der Mundpropaganda und der öffentlichen Aufmerksamkeit, die man bei den Drehs an öffentlichen Plätzen bekommt, ist es vor allem die lokale Presse, die uns hier gerne Schützenhilfe leistet“, erläutert der Filmemacher. „Calw ist nun mal nicht der kulturelle Nabel der Welt, daher fallen wir mit unseren Produktionen durchaus auf. Da hätten wir es in einer Großstadt sicherlich deutlich schwerer.“

In Calw ist immer was los

Zusätzlich werden aber auch Werbeclips für lokale Geschäfte werden gedreht, die dann im Vorprogramm laufen und auf den DVDs zu finden sind. Dann werben die Stammschauspieler der Mania Pictures-Gruppe z.B. für einen Juwelier, das Reisebüro oder die KFZ-Werkstätte, bevor sie dann auch noch im Hauptfilm zu sehen sind. Schnürle schätzt, dass die Einnahmen aus den Werbefilmen ca. ein Fünftel des Gesamtumsatzes tragen: „Bis vor zwölf Jahren war die Filmerei ein sehr teures Hobby von mir, das ich selbst finanziert habe. Als aber mein Sohn auf die Welt kam, habe ich mir vorgenommen: ‚So, ab heute muss sich die Filmerei selbst tragen, ich will nichts mehr zuschießen müssen.’ Da kam ich auf die Idee der Werbefilme für lokale Betriebe. Ich dachte nicht, dass sich viele auf mein Anschreiben melden würden, aber innerhalb kürzester Zeit waren wir bei 30 Werbespots. Zugegebenermaßen bieten wir die Dinger auch zum relativen Spottpreis an.“

MP, Garant für Action und Explosionen

Ein Ende ist nicht abzusehen

Für Mania Pictures ist nach dem Film eigentlich fast immer vor dem Film. Nach ihrem dritten und letzten „Village People“-Teil „Voll Porno“ (2011) steht mit „Hexensabbat“ eine Wiederbelebung der „Tatort Calw“-Serie an. Ein schnell dazwischen geschobenes Projekt, denn der ursprünglich geplante Film „Herzlos“ (AT) über illegalen Organhandel erwies sich bereits in der Planung als zu aufwändig, um noch 2012 abgedreht zu werden. Der Thriller musste auf das nächste Jahr verschoben werden, was Schnürle sehr bedauert. Aber: „Was soll man machen? Beim Film muss man halt flexibel sein.“

Zwar würde Armin Schnürle für sich und sein Team schon mal so einen Überraschungshit wie „Blair Witch Project“ wünschen, aber er ist nicht unbescheiden: „Mit dem zumindest regionalen Erfolg und Status, den wir hier in unserem direkten Umfeld haben, kann ich wirklich sehr gut leben. Ich will unserem Publikum einfach einen guten Film bieten, der uns als Filmemacher in der Herstellung auch noch Spaß macht. Insofern sind meine Wünsche und Träume im Bereich des Machbaren.“

Rodja Pavlik

PS: Der HomeMovieCorner wird übrigens am 11. August 2012 bei Dreharbeiten von „Hexensabbat“ dabei sein. Ui, da liegt ein Setbericht in der Luft.

INFO: www.mania-pictures.de
FOTO: Mania Pictures

Teaser „SEK Calw“

Teaser „Village People: Voll Porno“

Written by HomeMovieCorner

9. August 2012 at 18:22

„Hitman 101“ – neue Webserie auf dem HomeMovieCorner

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Gestatten: John Smith, Auftragskiller. Nett, Sie zu treffen

Vorhang auf für eine neue Webserie auf dem HomeMovieCorner: „Hitman 101“ ist eine zwölfteilige Internetserie aus Kanada und erzählt von der nicht so alltäglichen Arbeitswoche des Auftragskillers John Smith (Georgie Daburas) und den Leuten – als da wären: Mafia-Gangster, Femme fatale, Cops und vielleicht die Liebe seines Lebens -, die ihm das Leben schwer machen. Die Episoden werden einzeln im wöchentlichen Rhythmus hier gezeigt.

Im mitteleuropäischen Raum scheinen sich Webserien noch nicht so richtig durchgesetzt zu haben. Ein Blick über den großen Teich präsentiert da ein anderes Bild. „Hitman 101“-Regisseur Scott Staven plauderte mit dem HMC etwas über die Entstehung seiner Serie und den Stellenwert der Webisodes im angloamerikanischen Raum.

„Hitman 101“ ist so konzipiert, dass kein offenes Ende mit Muss auf eine zweite Staffel hinweist. „Wir sind Webserien-Fans. Wir haben schon so viele Serien gesehen, die aus verschiedenen Gründen nie über die erste Staffel hinauskamen. Die meisten davon endeten mit einem Cliffhanger, der nie aufgelöst wurde. Das wollten wir bei unserer Serie vermeiden. Also schrieben wir eine komplette Geschichte, die mit einer Staffel erzählt werden konnte. Zwar gibt es eine Option, die Story fortzuführen – die ist aber nicht zwingend“, erzählt Scott Staven. Der Regisseur, Produzent, Drehbuchautor, Cutter und Filmsite-Designer in Personalunion schätzt, dass die gesamten , selbst aufgebrachten Produktionskosten von „Hitman 101“ sich auf etwa 6.000 Can$ (rund 4.870 Euro) belaufen, also pro Episode – mal mehr, mal weniger – 500 Can$.

Regisseur Staven (l.) und sein Guerilla-Filmteam

Die Vorteile einer Webserie liegen für den 37-jährigen Filmemacher klar auf der Hand: „Anstatt einen Kurzfilm oder einen Spielfilm zu machen und darauf zu warten, entweder bei einem Festival oder von einem Verleih genommen zu werden, erlauben dir das Internet und die verschiedenen Video-Plattformen, dein Werk wann immer du willst und auf Dauer der Öffentlichkeit zu präsentieren.“ Obwohl er sein eigenes Geld in die Produktion steckte, hat es sich für den Kanadier bereits „ausgezahlt“, „Hitman 101“ zu drehen. „Das Beste daran, eine Webserie zu machen, ist die Community der Web-Filmemacher an sich. Wir haben viele Freundschaften und Bekanntschaften in dieser Szene geschlossen, die einen sehr stark unterstützt. Das allein war schon den Aufwand wert“, so Staven.

Mit „Hitman 101“ wollten er und seine Crew an erster Stelle nicht Gewinn machen, sondern hauptsächlich Aufmerksamkeit erregen. Gar nicht so einfach in Nordamerika, wo – wie Scott Staven schätzt – tausende von Webserien kreiert werden. „Der Markt ist hier recht überfüllt, so dass es nicht einfach ist, entdeckt zu werden. Zum Glück gibt es Internet-Kanäle wie Koldcast.tv, die sich auf Webisodes spezialisiert haben.“ Mittlerweile hat „Hitman 101“ zahlreiche Nominierungen und Preise abgeräumt – u.a. beim LA Web Fest, wo die Serie u.a. in „Drehbuch“, „Schnitt“, „Kamera“, „Hauptdarsteller“ und fünf weiteren Kategorien ausgezeichnet wurde.

Staven, der in Vancouver lebt, hat nicht unbedingt eine filmische Ausbildung genossen. Ein Jahr an einer Filmhochschule, ansonsten bildete er sich durch „learning by doing“ mit seinen eigenen Filmen weiter. Hauptberuflich arbeitet der 37-Jährige jedoch als Polier für Hartholzböden. „Könnte nicht weiter von meinem Traumjob entfernt sein“, so Staven: „Auf der anderen Seite motiviert mich genau das, am Erreichen meiner Ziele weiter zu arbeiten.“

Rodja Pavlik

INFO: Scott Staven, Bad Guy Films, Internet-Serie „Hitman 101“
FOTO: Scott Staven

Hitman 101 – Folge 1: Always The Hardest

Written by HomeMovieCorner

6. August 2012 at 16:36

Webserie „fauner consulting“ demnächst im TV

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„Juchheissassa, wir kommen ins Fernsehen!“

Das ist doch mal eine gute Nachricht: Die selbst produzierte österreichische Webserie „fauner consulting“, die u.a. auch hier vorgestellt und gezeigt wurde, soll ab Herbst voraussichtlich in einzelnen Episoden auf ORF eins und als Ganzes auf ORF III gezeigt werden. Außerdem wird über eine zweite Staffel mit den Verantwortlichen gesprochen, berichtet „Der Standard“.

Rodja

FOTO: www.fauner-consulting.at

Written by HomeMovieCorner

3. August 2012 at 15:08

Veröffentlicht in Latest Talk