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Archive for Mai 2013

Crowdfunding für „German Angst“

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poster2.indd„Veronica Mars“ hat es getan, Zach Braff ebenfalls – also warum sollten es nicht ausnahmsweise auch mal ein paar Filmemacher probieren, die nicht unbedingt mit beiden Beinen im breiten Geldfluss stehen? Die Rede ist von Crowdfunding, diesem alternativen Finanzierungsmodell, bei dem die Internet-Community ein Projekt unterstützt – und so theoretisch es auch den sogenannten Kleinen ermöglicht, etwas zu realisieren.

Drei, die es unbedingt wissen wollen, sind die deutschen Indie-Regisseure Jörg Buttgereit und Andreas Marschall sowie der in Berlin lebende Österreicher Michal Kosakowski. Über Startnext.de wollen sie bis zum 31. Juli 2013 30.000 Euro lukrieren, um gemeinsam den Episodenfilm „German Angst“ zu stemmen.

Die Filmemacher sind keine Unbekannten mehr, dennoch dürfen sie mit ihren Themen kaum auf öffentliche Förderungen hoffen. Sie wollen nämlich Genrefilme drehen – und zwar nicht die allseits beliebten Blockbuster-Liebeskomödien mit den Plüschtiermutanten im Titel, sondern düstere, abartigere welche. In „German Angst“ geht es um Liebe, Sex und Tod im Deutschland des 21. Jahrhunderts. Nun ja, Liebe und Sex sind weder düster noch abartig, doch wer das Oeuvre der drei Filmemacher kennt, weiß, dass die beiden schönen Sachen des Lebens hier dirket mit der Komponente Tod verbunden werden. Buttgereit, Marschall und Kosakowski wollen drei urbane Alptraum-Stories aus dem heutigen Berlin erzählen und damit an die vergessene Horrortradition der 1920er Jahre anknüpfen.

Die erste Episode von Jörg Buttgereit „FINAL GIRL“ erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das alleine mit seinem Meerschweinchen in einer heruntergekommenen Berliner Mietwohnung lebt. Aber ist sie wirklich alleine? Im Schlafzimmer liegt ein Mann, gefesselt und geknebelt…

In der Episode „ALRAUNE“ von Andreas Marschall stößt ein junger Mann im Berliner Nachtleben auf einen geheimen Erotik-Club, der die ultimative sexuelle Grenzerfahrung verspricht: mit Hilfe einer Droge aus den Wurzeln der sagenumwobenen Alraune-Pflanze. Aber die ekstatischen Erlebnisse haben grauenhafte Nebenwirkungen…

„MAKE A WISH“ von Michal Kosakowski erzählt, wie Kasia und Jacek, ein taubstummes polnisches Pärchen, in die Hände einer sadistischen Hooligan Gang fällt. Die jungen Leute scheinen den Schlägern hilflos ausgeliefert. Aber Kasia hat ein Amulett, das schon im Zweiten Weltkrieg den Lauf der Geschichte geändert und ihre Mutter gerettet hat. Plötzlich geschieht etwas Magisches, das die Situation überraschend auf den Kopf stellt.

Trio infernal: Buttgereit, Marschall und Kosakowski

Trio infernal: Buttgereit, Marschall und Kosakowski

Für Jörg Buttgereit („Der Todesking“, „Schramm“) würde laut Presseinformation „German Angst“ eine Rückkehr zum Spielfilm nach über 20 Jahren bedeuten. Der Underground-Regisseur war in den 1980ern meine erste Berührung mit dem Indie-Film. Nein, zu der Zeit habe ich damals „Nekromantik“ zwar nicht gesehen, aber einen TV-Beitrag über den auf Super 8 gedrehten Film. Die Ausschnitte waren nicht gerade gustiös, aber ich dachte mir: „Wow! Man kann privat Filme drehen?!? So ohne Studio?“ Mittlerweile habe ich „Nekromantik“ und „Nekromantik II“ nachgeholt. Die Filme haben etwas, das muss ich sagen. Ich bin aber nie dazu gekommen, mir sie ein zweites Mal anzusehen. Es war doch recht schwierig, meine entgleisten Gesichtszüge danach wieder zu glätten.

Andreas Marschall („Tears of Kali“) fiel zuletzt durch seine Giallo-Hommage „Masks“ Publikum wie auch Kritikern positiv auf. Den Film nenne ich inzwischen auch schon mein eigen – und obwohl der Film durchaus seinen Charme hat, nehme ich mal an, dass ich mit dem Genre Giallo selbst nicht so richtig warm werde. Das einzige – für mich -unbeschriebene Blatt ist Andreas Kosakowski. Doch seine Dokumentation „Zero Killed“ über Menschen und ihre Mordfantasien, die sie in Spielszenen ausleben dürfen, klingt nach starkem Tobak. Insofern kann ich mir durchaus vorstellen, dass „German Angst“ wieder ein sehr extremer Film werden könnte.

Rodja

PS: Ursprünglich wollte ich ja als Titel „Crowdfunding für Kraut-Film“ schreiben… höhöhö. Gottseidank hab ich’s nicht.

INFO: www.german-angst.com; www.startnext.de/german-angst
FOTO: Yazid Benfeghoul

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29. Mai 2013 at 17:34

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Aus für Zeitschrift „schmalfilm“

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Oh Mann… Bad news sind bad news und nun mal keine good news. Da komme ich nichtsahnend nach Hause und finde ein großes Kuvert mit der von mir abonnierten Zeitschrift „schmalfilm“ vor – und noch zusätzlich Ausgaben von „zoom“ und „videofilmen“. Ein bisschen verwirrt war ich, hatte ich etwa zusätzliche Hefte abonniert? Nicht dass ich mich erinnern konnte. Und dann sah ich dieses kleine Banner im rechten Eck oben. Und auf dem steht „Zum 610. und letzten Mal“. Und schon hatte ich schlechte Laune.

Das erste Mal stolperte ich über „schmalfilm“, als ich auf der Heimreise vom Filmfestival „Independent Days“ war. Ich hatte am Bahnhof Zeit und ging in den Kiosk, um zu schauen, welche Filmzeitschriften ich nach Österreich mitnehmen könnte. Und da fiel mein Blick eben auf „schmalfilm“. Ich kaufte sie und tauchte ein in die Welt von 8 mm und Super 8. Ich bin zwar 1971 geboren – aber in meinem Bekanntenkreis drehte damals niemand Filme. Irgendwann habe ich mal mitbekommen, dass nicht nur fotografiert wurde, sondern auch gedreht… aber ich kannte einfach niemanden, der dieses Hobby betrieb. Als ich dann Mitte der 1990er anfing, mich aktiv mit Film auseinanderzusetzen, war Video angesagt. Erst sehr viel später stieß ich dann dank Ulli und Nicole Bujards „Night Of The Vampire Hunter“ (siehe Rezension hier) und Arash T. Riahis Dokumentarfilm „Die Souvenirs des Herrn X“ auf den Schmalfilm. Und damit – in Kombination mit der Zeitschrift „schmalfilm“ – hatte ich das Gefühl, dass es so etwas wie eine Zukunft für diese Art des Filmens gab. Eine Zukunft in der Nische zwar, aber immerhin.

Einige Zeit lang lief es auch gut. Ich hörte immer wieder von Projekten. Doch irgendwann merkte ich, dass in „schmalfilm“ immer mehr Artikel über Technik oder Historie des Films standen und weniger über aktuelle Filmprojekte – genau verkehrt zu meinen Interessen. Und dann gab es auch noch die Geschichte mit der Insolvenz von Kodak. Ich wollte es nicht wahrhaben, aber ja, die Zeichen waren eindeutig: Super 8, 8 mm und 16 mm haben es selbst in ihrem Nischendasein sehr, sehr schwer.

Nun haben der Verlag und „schmalfilm“-Chefredakteur Jürgen Lossau den Schlussstrich gezogen. Nach 65 Jahren ist mit Ausgabe Nr. 610 nun das letzte Heft erschienen. In einem sehr persönlich gehaltenen Statement legt Lossau noch einmal die Gründe dar, die zu dieser schwern, leider logischen und schwer wiegenden Entscheidung geführt haben. Ja, schwer wiegend, denn wenn ein Medium sein quasi offizielles Sprachrohr verliert, wer soll denn noch darüber berichten? Diesbezüglich will Lossau beruhigen: „Aber natürlich gibt es weiterhin interessante Themen aus der Welt von Super 8 und 16 mm. Sie füllen nur keine gesamte Zeitschrift mehr. Wenn Sie mögen, lesen wir uns wieder: in zoom. Dort finden die Themen Super 8 und 16 mm eine neue Heimat.“ Ein schwacher Trost, aber immerhin…

Rodja

PS: Dieses traurige Thema bringt mich auch gleich zum nächsten Punkt, über den ich schon länger berichten wollte. Auch das von mir sehr geschätzte „torrent – Magazin für serielles Erzählen“, das ich hier lobend erwähnt habe, hat erkannt, dass die Ausgaben für ein Printmedium einfach zu hoch sind. Aus diesem Grund wird nur noch im Internet veröffentlicht, schreibt das Magazin in einem Statement.

Written by HomeMovieCorner

10. Mai 2013 at 19:53

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HMC-Classics: Mosted Dead – Der erste Mostviertler Western

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mosted6-leichenIns niederösterreichische Mostviertel bricht der Wilde Westen ein: Die Schicksale dreier Revolverhelden verstricken sich bis zum finalen Showdown. Hut ab vor der Gruppe Smoking Fox Productions, der 2001/2002 ein optisch gelungener Western gelang. Leider stört die Textlastigkeit ziemlich. Erst-Rezension am 20.11.2002. Der Film lief am 30. November 2002 im Rahmen des HomeMovieCorner sogar im renommierten Filmcasino.

Das Mostviertel: Ein idyllisches Stück Niederösterreich, das vor allem – wie der Name bereits impliziert – für seinen Obstanbau bekannt ist. Hier leben die Menschen noch in friedseliger Gemütlichkeit und pflegen ihre Trachten und Traditionen. Doch was ist das? Die Leute blicken erstaunt in die Umgebung, von fern hört man rasch heran galoppierende Reiter. Die alpenländische Volksmusik wird von einer übel gelaunten Mundharmonika abgelöst, das Farbbild wechselt ins Sepiabraune und bekommt Risse: Der Wilde Westen ist ins Mostviertel eingebrochen.

Es ist eine raue Zeit, in der nur jene überleben, die entweder Geld oder einen schnellen Colt haben. The Irish (Johannes Käfer) hat beides – und diese Allmacht bekommt seine Umgebung bitter zu spüren. Höchstens Puzzle könnte ihm Paroli bieten, doch bei einem Duell zwischen den beiden wird Puzzle aus dem Hinterhalt erschossen.

Don't mess with The Irish!

Don’t mess with The Irish!

Jahre später: The Irish ist noch wohlhabender geworden, sein Colt ruht – doch sein Ruf ist noch immer legendär, sein Jähzorn noch immer gefürchtet. Zur gleichen Zeit macht The Player (Wolfgang Kirchweger) die Gegend unsicher. Ein Spieler, wie der Spitzname schon sagt, der den Nervenkitzel sucht – sei es nun im Spiel oder im Duell. Und schließlich ist da noch der gesichtslose Face (Hermann Niklas) – mehr Mythos als real existierend -, der noch eine alte Rechnung offen hat. Langsam verstricken sich die Schicksale der drei Revolverhelden miteinander – bis zum finalen Showdown. Demjenigen, der überleben wird, ist der ewige Ruhm sicher. Doch auch für einen Mythos ist kein Platz mehr in dieser Zeit…

Die Gruppe Smoking Fox Productions rund um Karl-Martin Pold, Manuel Hölzl und Mario W. Böck war 2001/2002 ein großes Wagnis eingegangen: Einen Western vor österreichischer Kulisse zu drehen. Und das ist dem Trio mit der rund 10.175,- Euro (Anm: Wie man unschwer erkennen kann, war zum Zeitpunkt der Erstrezension das ständige Umrechnen Schilling/Euro noch en vogue und von Unsicherheiten geprägt) teuren Produktion durchaus gelungen – mit einigen Abstrichen.

Mit Face ist auch nicht zu spaßen

Mit Face ist auch nicht zu spaßen

Die Story ist zwar nicht unbedingt innovativ und an manchen Stellen vielleicht unübersichtlich (z.B. Zeitebenen) – auch kann man in manchen Szenen die großen Film-Vorbilder erkennen (z.B. „Schneller als der Tod“ oder „Erbarmungslos“). Doch das tut dem Filmvergnügen keinen Abbruch. Von Zeit zu Zeit blitzen unerwartete und originelle Einfälle – wie die eingangs erwähnte Einführung des Mostviertels als Westernkulisse – und Pointen durch. Es handelt sich auch nicht wirklich um eine durchgehende Geschichte, sondern um äußerst lose aneinander gehängte Episoden, in denen jeder der Protagonisten zeigen kann, wie gut er mit dem Mundwerk und/oder der Waffe umgehen kann. Manchmal schrammt das Ganze aber unabsichtlich gefährlich nahe an einer Parodie vorbei. So trägt Face seinen Hut so tief ins Gesicht geschoben, dass er unmöglich etwas sehen kann. Auch wird oft mit dem Pathos etwas übertrieben.

Das größte Manko an „Mosted Dead“ ist vor allem die Textlastigkeit. Zwar zitieren Smoking Fox Productions den legendären Western-Regisseur Sergio Leone als Vorbild – doch was auf der Bildebene gut abgeschaut wurde (Hut ab vor Kameramann Mario W. Böck), wurde bei den Dialogen versäumt. Während Leone auf Wortkargheit und Action setzt, übertreiben es Smoking Fox Productions mit überlangen Dialogen. Ein besonders krasses Beispiel für Langatmigkeit ist die Friedhofsszene. Drei Männer trauern um ihren von Face erschossenen Bruder. Ist der Dialog schon so viel zu lang, wird die Geduld des Zuschauers noch dadurch strapaziert, dass einer der Schauspieler einen Stotternden mimt.

mosted4-playerIm Großen und Ganzen ist der Film wunderschön in Szene gesetzt. Neben den gelungenen Aufnahmen wurde vor allem viel Augenmerk auf die Ausstattung und das Design gelegt. Das Sepiabraun verwandelt die sonst so satt-grünen Hügel des Mostviertels in eine karge, staubige Gegend, ein Friedhof wurde extra angelegt, Cowboys schauen noch wie echte Cowboys aus – und Salonhuren eben wie Salonhuren. Es fällt auch nicht auf, dass das Freudenhaus in einem rustikalen Bauernhaus spielt. Als einziges technisches Manko fällt nur der Ton auf. Manchmal ist das Gesprochene so leise aufgenommen, dass es in Zusammenspiel mit der Musik kaum verständlich ist. Aber wie gesagt, das geschieht nur manchmal.

Schauspielerisch fällt vor allem Johannes Käfer auf, der Irish eine energische, aber auch in sich zwiegespaltene Persönlichkeit verleiht. Auch Wolfgang „The Player“ Kirchweger hat mimische Höhepunkte, aber manchmal wirkt er von den überlangen Dialogen überfordert. Von Hermann „The Face“ Niklas kann man – aufgrund des tief ins Gesicht geschobenen Hutes – schauspielerisch nicht viel sagen; allein seine unheilvoll gepresste Stimme ist bemerkenswert. Neben den drei Hauptakteuren gibt es in dieser Großproduktion noch jede Menge Nebendarsteller, deren Qualität aber leider auffallend unterschiedlich ist.

Zwei Punkte, die auch noch interessant sind: der Einsatz einer prominenten Persönlichkeit – in diesem Fall der österreichische Schlagersänger Waterloo – und das Product Placement von Wieselburger Bier. Die Werbung ist so unverschämt auffällig, dass sie schon wieder gut ist.

Rodja Pavlik

mosted5-NicoletteINFO: Smoking Fox Productions: „Mosted Dead – Der erste Mostviertler Western“ – A 2001-2002, Western – 100 min. Regie: Karl-Martin Pold. Drehbuch: Manuel Hölzl. Kamera: Mario W. Böck. Schnitt: Manuel Hölzl. Ton: Helena Hauke, Sarah Schörghuber, Carina Pold, Jutta Mayer. Musik: Stefan Kupsa, Die Lemminge. Design: Helena Hauke, Christoph Steiner, Hermann Niklas. Special Effects: Christoph Trost, Manuel Hölzl, Fam. Kozisnik. Produktion: Karl-Martin Pold, Manuel Hölzl, Mario W. Böck. Produktionskosten: ca. 10.200,- Euro. Darsteller: Wolfgang Kirchweger, Hermann Niklas, Johannes Käfer, Waterloo, Bettina Halbertschlager, u.a.

Was ist HMC-Classics?

Nachspiel: Regisseur Karl-Martin Pold hat sich in den Jahren nach „Mosted Dead“ seinen Doppel-Magister geholt und steht hinter dem Crowd-gestützten „Bud Spencer Movie“, über den schon mehrmals berichtet wurde. Natürlich hier, aber auch in „richtigen“ Medien (TV, Zeitungen, internationale Presse). Obwohl… Film kann man das ja gar nicht mehr nennen, mehr schon Projekt. Denn im Arbeitsprozess zum Film entstanden (eben) zwei Diplomarbeiten – und aktuell wird an dem „Das ultimative Spencer/Hill Fanbuch“ gearbeitet.

Manuel Hölzl (Drehbuch/Schnitt) hat nach „Mosted Dead“ einige Kurzfilme gedreht und arbeitet nun beim ORF. 2012 hat er sich an seinen nächsten Spielfilm mit einer eher experimentellen Herangehensweise gewagt. „Giftnovelle“ mit David Hofer („Planet USA“) in der Hauptrolle befindet sich zur Zeit in der Postproduktion.

Written by HomeMovieCorner

10. Mai 2013 at 14:27

Neues auf dem HomeMovieCorner

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Seit einiger Zeit bastle ich in Gedanken an einigen Zusatz-Features für den HomeMovieCorner. Nichts Großartiges, aber dennoch in die Materie Vertiefendes. Heute möchte ich Euch einige dieser Neuerungen vorstellen, die demnächst schon online gehen.

HMC-CLASSICS: Wie einige User dieser Site wissen, hat die Geschichte des HomeMovieCorner nicht erst mit dem Entstehen dieses Blogs 2010 hier begonnen. Tatsächlich gibt es den HMC bereits seit 2001 – damals noch als Unter-Seite der Website der österreichischen Filmzeitschrift „celluloid“, danach sogar mit einer eigenen .com-Site bis 2006. Dann wurde sie aufgrund Inaktivität von jemandem in Texas gegrabbt, der alle heilige Zeiten mal einen nichtssagenden Artikel wie „Best of Julia Roberts Movies: The 90s or Today“ oder „What is the best remake of an 80s movie“ raushaut. Und das ohne Namensnennung, ohne Kommentarfunktion und ohne Kontaktmöglichkeit. Ich vermute ja, dass der nur auf ein gutes monetäres Angebot wartet, um die Site abzustoßen. Aber nicht mit mir. Der kann mich mal! Grummelbrummel!!!

Doch genug gemosert, zurück zum Thema. Von Anfang an wurden auf dem HomeMovieCorner Amateur- und Indie-Filme rezensiert. Ich verstand die Site auch immer als eine Art Archiv. Falls irgendwer mal eine Diplomarbeit über die Entwicklung der Amateurfilme schreiben will. Oder so halt.

Und obwohl viele dieser (manchmal sogar noch in den 1990ern gedrehten) Filme unbekannt sind, sind sie für mich doch kleine Meilensteine der sich damals entwickelnden Szene. Mit HMC-Classics möchte ich nun einige der alten Rezensionen hervorholen und sie sorgfältig restaurieren bzw. updaten. Ich möchte nicht so sehr die Kritiken auffrischen und sie meinem aktuellen Geschmack und Wissensstand anpassen, sondern den Kern der damaligen Kritiken erhalten und – gegebenenfalls – den weiteren Werdegang der Filmemacher aufzeigen.

HMC-Classics wird nicht als eigene Kategorie auf dem Blog hier gehandelt, sondern bei den Reviews unterkommen. Zur Unterscheidung zu den anderen Rezensionen wird das im Titel extra erwähnt werden, z.B. „HMC-Classics: Mosted Dead – Der erste Mostviertler Western“).

RAIDER OF THE LOST MOVIES: Es gibt sie, die Projekte, die nie fertig werden (oder wenn sie fertig werden, dann doch nur in der Schublade verschwinden) – und das kann für einen Filmemacher oft ein ziemlich traumatisches Ereignis werden. Freundschaften zerbrechen und die Lust am Filmemachen selbst versiegt.

Ich selbst habe so etwas durchlebt – und es war nicht gerade sehr fein. Dieses Feature möchte ich nun all diesen gescheiterten Projekten widmen. Einige dieser Filme sind wirklich „tot“, bei anderen bemerkt man seit Jahren keine Veränderungen auf der Homepage.

Hier sollen nun diese Projekte vorgestellt werden – und nachgeforscht werden, was passiert ist. Bei manchen wird man vielleicht sogar feststellen, dass die Filmemacher sehr wohl noch aktiv am Projekt arbeiten.

FILMPROJEKTE: Okay, das ist eher was für mein eigenes Ego. Ich bin ja nicht nur ein Beobachter der Szene, sondern habe auch aktiv bei einigen Filmen mitgemacht. Von Übersetzungsarbeiten über Produktionsassistenz bis hin zu Schauspiel und Regie (letzteres aber zu Filmen, die eigentlich wiederum in die Kategorie „Raiders Of The Lost Movies“ fallen ;-)). Und ich will auch in Zukunft aktiv bei Filmen mitwirken – und sei mein Anteil dabei auch noch so klein. Das hält jung.

Hier werden nun jene Filme vorgestellt, an denen ich mitgearbeitet habe. Und das führt ins Jahr 1996 zurück, als ich noch ein junger Student war… Doch mehr dazu demnächst.

Rodja

Written by HomeMovieCorner

8. Mai 2013 at 16:24

Indie-Film „Das Werwolfspiel“ in den österreichischen Kinos

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werwolfspiel „Wer sich vor dem Wolf fürchtet, der soll nicht in den Wald gehen.“

Am 7. Mai startet der österreichische Mysterythriller „Das Werwolfspiel“ von Johanna Rieger in den österreichischen Kinos.

Synopsis: Die Ärztin Rosa kehrt nach 25 Jahren wieder in das abgelegene Ferienhaus ihrer Familie zurück. Das einsame Haus im Wald birgt ein wohlgehütetes, dunkles Geheimnis aus Rosas Vergangenheit, dem sie sich endlich stellen will. Und damit auch ihren „Spielkameraden“ von damals. Mit dem ersten Zug des Rollenspiels „Die Werwölfe vom Düsterwald“ brechen die alten Muster und festgefahrenen Rollenverteilungen wieder auf. Aber das Spiel entwickelt ein Eigenleben und fordert nach und nach seine Opfer ein.

Wie Regisseurin und Drehbuchautorin Johanna Rieger im Presseheft erklärt, bezieht sich der Film auf das mehrfach ausgezeichnte französische Kartenspiel „Die Werwölfe von Düsterwald“. Darin geht es um eine Dorfgemeinschaft, die von Werwölfen heimgesucht wird. Ziel des Spieles ist es, als Mensch die Werwölfe ausfindig zu machen und zu töten bzw. vice versa. Es geht also um Tarnen, Täuschen, Lügen erkennen und… Mord. „Ich habe sehr viele Freunde, die dieses Spiel spielen und habe mir gedacht, es würde sich anbieten, darüber einen Horrorfilm zu machen“, so Rieger. Ihr Film dreht sich um ein dunkles Geheimnis aus Rosas Kindheit, das sie mit ihren Spielkameraden von damals unfreiwillig verbindet – „Und dem möchte sie sich nun stellen, indem sie die ‚Freunde‘ von damals einlädt“, erklärt die Filmemacherin. Dabei würde die Dramaturgie dem Ablauf des Spieles folgen.

Rieger hat bis jetzt vor allem Erfahrungen mit ihrer Sitcom „Marie hat voll die Krise“ gemacht, die zuerst auf Okto und nun auf W24 gesendet wird. „Ich habe ja bisher nur Comedy gedreht. Aber es macht großen Spaß, da richtig drauf zu drücken und eine finstere Seite auszuleben!“

Den Film, der ca. 20.000 Euro Budget verschlungen hat, hat Rieger ohne Förderungen gestemmt. Sie denkt, dass das Anträge stellen und das Warten auf die Zusagen einfach zu viel Zeit gekostet hätten. „Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch. Dann ist irgendwann die Luft draußen. Wenn ich höre, dass Leute zwölf Jahre brauchen, bis sie ihr nächstes Projekt realisieren, dann wird mir übel. Ich hab mir gedacht, ich möchte noch vor der Pension einen Horrorfilm machen. Und es ist halt auch so, dass ich glaube, dass man als Newcomerin, die nicht von der Filmakademie kommt, jetzt auch nicht so große Chancen hat.“ Auch auf Filmstartförderung wurde verzichtet* – dennoch konnten Kinos in Wien, Oberösterreich und Niederösterreich gewonnen werden, den Film zu zeigen.

Rodja

* So weit ich mich an ein Gespräch mit einem anderen Filmemacher erinnere, bekommt ein Film nur dann eine Startförderung, wenn er auch schon eine andere Förderung vorzuweisen hat. Ohne Filmförderung also auch keine Startförderung. Das ist aber schon einige Jahre her, dass ich das gehört habe – und es kann sein, dass da einige Fakten – auch erinnerungstechnisch – nicht mehr stimmen.

INFO/BILD: www.daswerwolfspiel.com

Written by HomeMovieCorner

5. Mai 2013 at 12:15

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