HomeMovieCorner

The art of independent movies

Archive for September 2015

WTF?!? 5-jähriges Jubiläum?!?

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Ui, das ist an mir vorbeigegangen. Den HomeMovieCorner gibt es zwar schon länger – aber in Form dieses Blogs hat er – ohne dass ich es realisiert habe – am 14. September sein fünftes Jubiläum gefeiert.

Eigentlich wollte ich nie bloggen. Eigentlich wollte ich ein Sprungbrett in ein noch nie dagewesenes Kulturmagazin, das mir reichlich Kohle für meine Expertise gibt. Ich wollte auch eine Internet-Redaktion. Mit interessierten Gleichgesinnten mich ständig austauschen, um die Welt reisen, über die Stars von morgen schon heute schreiben. Usw., usf.

Aber wie sagt man so schön beim Bundesheer? „Oft scheißt’s an eine!“

Und jetzt ist dieses Provisorum auch schon fünf Jahre alt.

Es ist nicht immer leicht. Oft überkommt einen eine gewisse Mutlosigkeit. Wenn man in einen Artikel viel Zeit, Mühe und Hirnschmalz investiert und das nur wenige lesen (und noch weniger kommentieren) – und dann baut man nur einen Link ein, schreibt ein paar saloppe Worte, und genau dann die Leserzahlen nach oben explodieren. Da fragt man sich schon, ob es die Mühe eigentlich wert ist.

Auf die (vielleicht) nächsten fünf Jahre.

Rodja

PS: Ja, ich bin momentan ein bisschen unsicher, was die Zukunft dieses Blogs angeht. Aber langsam wird es wieder.
PPS: Bin ich der einzige Blogger mit Selbstzweifeln?

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25. September 2015 at 10:45

Selfie from Hell

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Vor einiger Zeit bekam ich eine Anfrage von der deutschen Schauspielerin Meelah Adams. Ich lernte sie einmal auf einem von Hackermovies.com organisiertem Filmercamp kennen – und sah sie auch in Matthias Olof Eichs Backwood-Slasher „Break“ „sterben“.

Meelah wollte mir ihren Film „Selfie from Hell“ vorstellen und mit mir darüber reden. Leider habe ich zur Zeit wenig Zeit. Auch dachte ich mir: „Was soll das Aufheben wegen eines Kurzfilms?“ Doch jetzt verstehe ich: Meelah Adams hat an einer Bachelor-Arbeit geschrieben, wie etwas viral geht. Und dafür hat sie den Kurzfilm gedreht. (Zumindest habe ich das so verstanden.) Ein weiterer Hintergedanke: Aus dem Shorty soll noch was Großes werden. „Der Selfie ist nur ein kleiner Teil der Story – fast im wahrsten Sinne… da steckt noch mehr dahinter, und wir würden natürlich auch gerne einen Spielfilm draus machen“, so Adams zum HomeMovieCorner.

Das mit dem „Viral-gehen“ dürfte Meelah Adams richtig gut gemacht haben, denn der Film geht auf YouTube ab wie eine Rakete – mit auf die neun Millionen zugehenden Views derzeit. Und er ist überall in den Medien: GMX.at, Krone.at, DailyMail.co.uk, 20min.ch, Stern, MSN.com, Schlecky Silberstein und viele, viele mehr.

Na, dann zucke ich mal kurz mit den Schultern… und springe ganz opportun auf den rasenden Zug (fahrend kann man das ja nicht mehr nennen) und poste den Clip.

Ich selbst finde den Kurzfilm nicht schlecht. Die Idee ist nicht neu, aber sie ist für eine No-Budget-Produktion (meine Vermutung) gut umgesetzt. Was mich aber viel mehr interessieren würde: Die Abschlussarbeit und die Auswertung der „Selfie from Hell“-Aktion. Hut ab, Meelah, da ist dir wirklich was gelungen. Falls ich mal einen Film haben sollte, dann heuere ich dich für solche Aktionen an.

Rodja

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22. September 2015 at 11:16

Der heilige Gral des österreichischen Indie-Films

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Man hat von ihm gehört, doch sehr viele haben ihn nicht gesehen. Er ist verschollen, in irgendwelchen Safes undurchsichtiger Firmenkonstrukten versteckt. Doch nun ist er mein – mein großer Dank gilt an dieser Stelle ausschließlich an den Schreibmaschinen-Afficionado John Munroe.

Ich selbst habe ein eher zwiespältiges Verhältnis zu diesem Film. Aber er war damals wichtig für die Szene. Er zeigte, was damals möglich war – und gehört auf jeden Fall in meine Sammlung von Indie-Filmen.

Welcher Film es ist? Nun, ratet einmal. Ihr habt eine Woche Zeit, postet Eure Tipps in den Kommentaren. (Nein, es gibt keinen Preis, es ist einfach nur des Spaßes wegen.)

Rodja

Foto0136

Written by HomeMovieCorner

21. September 2015 at 19:19

6. Austrian Film Festival – bigger, better, explosiver

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© SchroederMedia

© SchroederMedia

Vom 25. bis 30. September 2015 findet zum sechsten Mal das Austrian Film Festival statt.

Und diesmal hat sich Organisator und Filmemacher Andreas Reisenbauer selbst übertroffen. Nicht nur, dass er eine schöne Mischung aus Kurz- und Spielfilmen offeriert (und genau diese Mischung macht meiner Meinung nach ein Indie-Filmfestival auch aus), wird diesmal auch mit dem Austrian Indie Adler 2015 erstmals ein Preis verliehen.

Die Auswahl an Spielfilmen ist beeindruckend: Die größten Indie-Produktionen der letzten zwei Jahre sind dabei: die Action-Satire „Planet USA“ von Flo Lackner und – wenn man es so nennen will – das tragikomische „Biopic“ „Blockbuster – Das Leben ist ein Film“ von Vlado Priborsky. Der Kurzfilm „Das Ende“ von Kober & Kober (eine der interessantesten Filmgruppen aus der Amateur- und Indie-Szene Österreichs. Vater und Sohn drehen seit über 55 Jahren Filme) erzählt von der Explosion einer Atombombe in Wien und deren Folgen. Besonders gespannt bin ich auf „Die Gstettensaga: The Rise of Echsenfriedl“ von Johannes Grenzfurthner, der schon viele internationale Preise einheimsen konnte.

Abschließend gibt es auch ein Special rund um den vielseitigen Schauspieler Alexander E. Fennon, den man mittlerweile ruhig als Ikone des österreichischen Indie-Films bezeichnen kann. Zu sehen gibt es u.a. Kurzfilme wie „Smoking N.“ von Juan Carlos Recalde (in dessen Satire „Diktatoren küssen besser“ hatte Fennon ja auch schon eine Rolle) oder „Vedunia Ep. 1“ von Stefan Wolner

Rodja

INFO: www.austrianfilmfestival.com – über die Site können auch Tickets vorbestellt werden.

„Planet USA“

„Das Ende“

Das Ende – Trailer HD from Martin Kober – KOMA-Film.com on Vimeo.

„Gstettensaga – The Rise of Echsenfriedl“

Showreel Alexander E. Fennon

Alexander E. Fennon – Showreel 2012 from Viktor Schaider on Vimeo.

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12. September 2015 at 19:01

Typewriterhead

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© Eric Giessmann

© Eric Giessmann

Vor kurzem stieß der HomeMovieCorner auf den sehr sehenswerten Film „Typewriterhead“ des deutschen Filmemachers Eric Giessmann. Der 28-Jährige aus Dormagen präsentiert damit seine Abschlussarbeit an der AKV ST Joost, Breda in den Niederlanden im Studiengang Animation. Und da ich momentan ein sehr starkes Faible für Schreibmaschinen habe, schrieb ich den Filmemacher an, um die Hintergründe für seinen Kurzfilm zu erfahren.

Giessmann machte sein Abitur (Matura) 2006, fing zu studieren an – aber dann brachte eine plötzlich auftretende Krankheit sein Leben fast zum Stillstand. Er erlitt einen Tinnitus, kurz darauf ertaubte er – seine Innenohren waren ruiniert. Es kann sein, dass die Ertaubung und die anschließenden Behinderungen auf den Tinnitus zurückzuführen sind, die Ärzte können aber auch nicht ausschließen, dass die beiden Ereignisse unabhängig voneinander eintraten. „Genau genommen weiß man sehr wenig über die Vorgänge im Innenohr. Die Ärzte finden gegenwärtig keine plausiblen Gründe und es gibt auch keine direkten Therapiemöglichkeiten“, so Giessmann in einem Interview gegenüber den Schreibmaschinisten. „Zu dem Zeitpunkt hatte ich denkbar alles verloren, was mir zum Leben wichtig war“, schilderte er seine Lage. „Ich entschied mich nach dieser Episode für ein Cochlea-Implantat. Danach musste ich erst hören und gehen neu lernen.“ Erst als das einigermaßen klappte, konnte der Filmemacher sein Studium wieder aufnehmen und 2015 beenden.

© Eric Giessmann

© Eric Giessmann

In der Phase des erzwungenen Nichtstuns entstanden auch erste Ideen für den Abschlussfilm. „Es war mir wichtig, das Drehbuch selbst zu schreiben“, erzählt Giessman. „Die Idee mit der Schreibmaschine entsprang einer Skizze, die ich wären der Zeit gemacht hatte, als diese ganzen Probleme mit meinem Kopf anfingen. Natürlich konnte ich in der Zeit als Gefangener in meinem Körper leider denken und so hörte mein ‚Apparat‘ auch nicht auf zu rattern“, beschreibt der Animator die Situation.

„Ich wägte noch zwischen ein paar anderen Ideen ab und entschied mich dann aber für den Schreibmaschinenkopfmann. Ich mochte den Charakter einfach. Und Charaktere, die man auf Anhieb mag sind gute Charaktere, weil man dann nicht mehr damit beschäftigt sein muss, ihn sympathisch zu machen.“ Auch ist der Film als Hommage an die Schreibmaschine zu verstehen: „Die Schreibmaschine trägt auch zu etwas Nostalgie im Film bei, sie ist etwas, das man nur noch aus Geschichten oder alten Filmen kennt. Heute ist sie durch den Computer ersetzt worden – damit wollte ich auch zum Ausdruck bringen, dass hier etwas zu Ende geht, etwas Aussterbendes. Der Schreibmaschinenkopf als ein Symbol des denkenden Menschen, das ist jedem sofort klar – und darum herum spann ich dann die Geschichte, die ich erzählen wollte.“

© Eric Giessmann

© Eric Giessmann

Der Film kombiniert handgezeichnete Bilder mit Computer-Animationen und besticht durch einen sehr intensiven, fast unruhigen Aquarell-Look. Wie Giessmann erklärte, wurde der gesamte Film mit speziellen Filtern bearbeitet, damit er das Erscheinungsbild eines handgemalten 2D-Films bekam. „Die meiste Arbeit wurde im Computer erledigt. Zuerst wurden die fertigen Szenen aus der 3D-Software rausgerendert, wobei ich bereits hier versucht habe, so stark wie möglich an den finalen Look heranzukommen.“ Die Zeit, die die Renderfarm – bestehend aus zwei PCs à sechs und acht Cores – benötigte, betrug etwa zwei bis drei Wochen – und das im Dauereinsatz Tag und Nacht. „Da ich von Anfang an geplant hatte, diesen handmade look eines Pastell/Ölgemäldes zu erreichen, investierte ich sehr viel Zeit in die Ausarbeitung von individuellen Effektfiltern in der Compositing Software.“ Der Finale-Look-Filter kam erst ganz am Ende, quasi als zusätzlicher Layer. Dafür musste Giessmann etwas tricksen: „Hierzu musste ich sogar ein wenig selbst programmieren und weitere Programme hinzuziehen, damit der Filter auf jedes Frame des knapp 3.000 Frames (12 fps) langen Films angewendet werden konnte. Dieser letzte Filter sorgte dann auch dafür, dass die Konturen verwischen und man den Eindruck bekommt, einen Film zu sehen, bei dem jeder Frame per Hand gemalt ist.“

© Eric Giessmann

© Eric Giessmann

Obwohl optisch nicht so leicht erkennbar, da ziemlich verschlankt, stand eine Continental der Wanderer-Werke Siegmar-Schönau (siehe Foto von den Tonaufnahmen) als Pate.

„Mein Vater hatte noch diese alte Schreibmaschine bei sich rumstehen, ich glaube, noch aus dem Zweiten Weltkrieg stammend. Wiegt fast ´ne Tonne und macht unglaublich hübsche Geräusche“, so der Filmemacher. „Ideal für den Sounddesigner Simon Kamphans und den Komponisten Robert Wolf (Facebook-Site).“

„Ich versuchte, den Mechanismus zu verstehen und zu reparieren, putzte und ölte sie. Man ist doch überrascht, wie genial diese ganzen Schräubchen und Gewinde darin zusammen funktionieren. Da waren richtige Heureka-Momente dabei. Anschließend lief sie wieder Klasse und man konnte darauf schreiben. Das alles war natürlich wichtig für das 3D-Modell nachher im Computer“, so der 28-Jährige.

Die Tonaufnahmen waren ein wesentlicher Bestandteil der Produktion: „Wir haben einen Aufnahmetag organisiert, an dem Simon mit seiner ganzen Apparatur zu mir kam. Danach habe ich wild auf dem Teil rumgetackert, gehackt, geschlagen, gekratzt… was eben alles so geht, während Simon mit Headphones da saß und die Elektronik bediente. Danach war die Schreibmaschine etwas verbogen, aber ich konnte sie wieder reparieren“, erklärte Giessmann abschließend.

Sounddesigner Simon Kamphans mit Filmemacher Eric Giessmann

Sounddesigner Simon Kamphans mit Filmemacher Eric Giessmann

Privat wird Eric Giessmann die Schreibmaschine eher nicht verwenden. „Ich hatte die Idee, ein paar offizielle Briefe mit ihr zu schreiben – mit schön vielen mit X übertippten Rechtschreibfehlern, aber ich bin noch nicht dazu gekommen“, so der deutsche Filmemacher. Und ganz pragmatisch: „Der Hauptzweck von ihr bestand darin, als Filmreferenzmaterial zu dienen.“

Zurzeit bewirbt sich der Animator mit „Typewriterhead“ bei diversen Festivals weltweit. „Dann warte ich erst mal auf die Reaktionen und entscheide dann, wie es weiter geht“, so Giessmann. Ob er beim Film bleibt oder beruflich doch „nur“ zeichnet, lässt er offen. „Ich sehe diese beiden Richtungen, Film und Zeichnung, nicht als weit voneinander getrennt. Ich mache gerne beides und für mich schließt das eine das andere nicht aus.“

Rodja Pavlik

INFO: Film-Site: http://animatedshortf.blogspot.de/; www.ericgiessmann.com/

TYPEWRITERHEAD from Eric Giessmann on Vimeo.

Written by HomeMovieCorner

11. September 2015 at 13:17