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Archive for August 2011

Regisseur Markus Hautz über seinen Film „22:43“

with one comment

Zurzeit eilt der deutsche Regisseur Markus Hautz mit seinem in Österreich unabhängig produzierten Mysterythriller „22:43“ von einem Erfolg zum nächsten. Marcello Dallapiccola von der deutschen Plattform „Rockefeller News“ hat mit dem Filmemacher gesprochen und freundlicherweise das Interview dem HomeMovieCorner zur Verfügung gestellt.

In den letzten Jahren hat sich in der österreichischen Filmlandschaft einiges bewegt – die Oscars von Regisseur Stefan Ruzowitzky (“Die Fälscher”) und Schauspieler Christoph Waltz (“Inglorious Basterds”) beweisen dies eindrucksvoll. Doch auch abseits dieser großen Produktionen gibt es einen Kern kreativer und motivierter junger Leute, die beständig daran arbeiten ihren Traum vom Geschichten erzählen zu verwirklichen.
Markus Hautz ist einer davon – sein Zeitreisethriller “22:43″ wird gerade auf Filmfestivals rund um die Welt gespielt. So fand die Weltpremiere zum Beispiel auf dem Anchorage International Film Festival 2010 statt, die Europapremiere beim Max-Ophüls-Preis 2011; weiters wurde der spannende Streifen auch auf dem Crossroads Film Festival 2011 und dem Puerto Rico International Film Festival gespielt, vom Mexico International Film Festival 2011 konnte man gar als Gewinner des “Silver Palm Award” zurückkehren.

Gerade lief der Film auf dem New York City International Film Festival, wo er in fünf Kategorien nominiert war – und letztendlich in den Kategorien beste Darstellerin (Silvia Schantl) und beste Musik (Ingo P. Stefans) die Preise einheimsen konnte. Im September wird “22:43″ dann beim Cinéfest Sudbury International Film Festival in Kanada für Spannung beim Publikum und – hoffentlich – für Euphorie bei den Kritikern sorgen. Grund genug, sich Markus Hautz zu schnappen und ihn zu einem ausführlichen Interview über seinen Film zu bitten:

rockefeller-news: Markus, dein Film 22:43 läuft im Moment weltweit auf verschiedenen Festivals und schlägt sich dabei sehr erfolgreich; erzähle doch bitte erst einmal kurz die Story des Films.

Regisseur Markus Hautz (Daniel Prochaska)

Markus Hautz: Der Film erzählt die Geschichte von Max Felder, einem erfolglosen Schriftsteller, der zusammen mit seiner Freundin Hannah und seinem Hund Giacomo am Stadtrand von Wien lebt. Niemand will seine Geschichten lesen. Sein bester Freund Chris (Mordkommission) besorgt ihm eine 15 Jahre alte Polizeiakte, von der er sich inspirieren lässt. Doch als er sich mit dem fertigen Manuskript bei einem renommierten Verlag vorstellt, wird er erneut abgelehnt, was ihn so enttäuscht, dass er seine literarischen Gehversuche für immer bleiben lassen will. Und dann wird er auch noch fast von einem Auto angefahren, was ihn aber nicht umbringt, sondern drei Jahre in die Zukunft katapultiert. In seinem Haus wohnen jetzt andere Menschen, er wird wegen Einbruchs in sein eigenes Haus verhaftet und das schlimmste: Seine Freundin Hannah ist tot. Chris, der ihn vom Polizeirevier abholt, kommt nur schwer mit der Situation klar, versucht aber Max zu helfen. Und je länger Max in dieser neuen Welt lebt, merkt er, dass sein Buch etwas mit dem Tod seiner Freundin zu hat…

rockefeller-news: Du hast ja auch das Drehbuch selber geschrieben – was war die Idee, die dahinterstand, wie bist du auf die Geschichte gekommen?

Markus Hautz: Zeitreise ist ein faszinierendes Thema, das die Menschen seit Jahrzehnten beschäftigt und immer wieder träumen lässt. Die eigene Zukunft zu kennen würden viele als Segen empfinden. Nichts würde mehr unvorhergesehen eintreffen. Wir wären darauf vorbereitet. Es würde sich auch die Möglichkeit ergeben, Zustände in der Zukunft, die uns nicht gefallen, zu ändern. Doch könnte das Kennen der eigenen Zukunft auch ein Fluch sein?
Wenn wir an Zeitreise denken, meinen wir meist Maschinen, mit deren Hilfe wir duch die Zeit katapultiert werden – sei es in die Vergangenheit oder Zukunft, um dort den Untergang der Menschheit zu verhindern, ohne das Raum-Zeit-Kontinuum zu beeinträchtigen… ganz nach der Manier von „Zurück in die Zukunft“.

Max dreht durch (Bilderfolge)

Durch Zufall bin ich auf die „düstere Legende“ von Rudolph Fentz gestoßen, der Ende des 19. Jahrhunderts in einer Gewitternacht spurlos verschwindet und im New York der 50er Jahre wiederauftaucht. Ich griff diesen Moment des Reisens durch die Zeit ohne jegliche Hilfsmittel auf und verwob es mit den Elementen Zufall und Schicksal. Die Art der Zeitreise in 22:43 kann man sich im Grunde wie eine Art Tunnel vorstellen, der Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet. Nur diesen Tunnel betritt man nicht freiwillig. Man wird in Bruchteil von Sekunden hindurch geschleudert. Derjenige, der durch diesen Tunnel geht, verschwindet in der einen Zeit und taucht in der anderen wieder auf. Die Gefahr, seinem eigenen Ich zu begegnen, wird auf diese Weise eliminiert. Diese Möglichkeit wollte ich von Anfang an nicht in die Geschichte aufnehmen, denn man kennt dieses Szenario aus diversen anderen „Zeitreise- Filmen“. Fragen wie „Was würde der Protagonist anstellen, wenn er die Zukunft kennt?“ und „Würde er alles versuchen, um sein Leben zu verändern?“ haben mich auf diesem dunklen Pfad durch die Zukunft des Protagonisten begleitet. Die Antwort lautet: Selbstverständlich! Jeder von uns würde dasselbe tun, wenn er die Chance hätte.

Es entstand ein düsteres Szenario, in dem ich dem Protagonisten – ähnlich wie Rudolph Fentz – die Möglichkeit geben wollte, rein zufällig seine eigene Zukunft zu sehen. Anders als dieser sollte er aber nicht sofort in dem Augenblick sterben, in dem er in die neue Welt eintaucht, sondern noch genügend Zeit haben zu realisieren, dass diese Zukunft von ihm geschaffen wurde… Eine logische Konsequenz seiner Handlungen vor seinem Verschwinden.

Irgendjemand oder irgendetwas wollte ihm zeigen: „Wenn du dein Leben genauso weiterlebst, dann werden schlimme Dinge passieren.“ Der Protagonist muss erkennen, dass seine Leidenschaft – das Schreiben – der Auslöser jener unfassbaren Schmerzen und Trauer ist, die er in der Zukunft erleiden musste. Ihm ist klar, was er zu tun hat: Er muss sein Manuskript vernichten, um das Leben geliebter Menschen und sein eigenes zu retten. Er muss alles über Bord werfen, wofür er die letzten Jahre gekämpft hat.

Und genau hier offenbart sich das zweite Element in der Geschichte: Das Schicksal. Der Protagonist bekommt zwar seine zweite Chance, den Verlauf der Dinge zu ändern, doch die schlimmen Ereignisse treten trotzdem ein – nur etwas früher und in veränderter Form. Dass sich der Protagonist dabei immer wieder mit den „größten Tyrannen der Erde“, dem Zufall und der Zeit, konfrontiert sieht, soll den eigentlichen Plan des Schicksals undurchsichtiger machen. Eine Frage spielt dabei eine wichtige Rolle: „Kann man den Tod eines geliebten Menschen verhindern oder muss er sterben, wenn er vom Schicksal auserwählt wurde?”

Ich wollte die Geschichte auch auf eine philosophische Ebene bringen und habe mir immer wieder folgende Fragen gestellt: Können wir überhaupt unsere Zukunft verändern, selbst wenn wir sie kennen? Hat das Schicksal einen Plan, den es um jeden Preis verfolgt? Gibt es denn überhaupt so etwas wie eine Hoffnung auf z.B. „bessere Zeiten“ oder ist das nur ein hinterlistiger Mechanismus, damit die Menschen weiter nach Glück streben und es dem Schicksal im Spielparadies „Erde“ nicht langweilig wird?

rockefeller-news: Das klingt fast ein bisschen nach Sinnsuche mit den Mitteln des Films – bist du selber eher Determinist, oder glaubst du an Zufälle? Was denkst du, ist mit Rudolph Fentz wirklich geschehen?

Max geht ein Licht auf (Bilderfolge)

Markus Hautz:Ich würde mich selbst weder als Determinist bezeichnen noch glaube ich ausschließlich an Zufälle. Ich würde mich eher in dieser dichotomischen Grauzone zwischen Determinismus und Zufall ansiedeln. Natürlich stelle ich mir immer wieder die Frage, ob wir einen freien Willen haben bzw. ob dieser überhaupt existiert. Jede Aktion ruft über kurz oder lang eine Reaktion hervor. Das Spannende daran ist jetzt: Ist es uns vorherbestimmt, zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein, den wir mit unseren (vermeintlich) freien Entscheidungen erreichen? Oder geraten wir nur durch glückliche oder unglückliche Zufälle in bestimmte Situationen? Eine eindeutige Antwort ist nicht existent, wohl aber unzählige Theorien. Es ist wirklich ein sehr breites philosophisches Feld, mit dem ich mich in den letzten Jahren immer wieder viel beschäftigt habe. Angefangen mit Thomas von Aquin bis zu den Existenzialisten des 20. Jahrhunderts wie Jean-Paul Sartre, der den Determinismus gänzlich abgelehnt hat. Ich selbst kann diese Frage wohl aber nur sehr unbefriedigend beantworten, weil ich einfach viel zu wenig Philosoph bin. Sartre oder Aquin haben sich fast ihr ganzes Leben damit beschäftigt. Vielleicht kann ich das in 30 Jahren beantworten, ob ich Determinist bin oder nicht (lacht).

Was mit Rudolph Fentz wirklich geschehen ist: Ich würde sagen, dass nicht alles an dieser Geschichte frei erfunden ist. Wahrscheinlich ist es wie mit jeder Legende, dass im Laufe der Zeit bestimmte Aspekte hinzugedichtet wurden. Und irgendwo im Kern liegt die Wahrheit begraben. Vielleicht war Rudolph Fentz ein verwirrter Broadway-Schauspieler und hat sich so mit seinem Stück identifiziert, dass er irgendwann durchgedreht und einem Taxi vor die Motorhaube gelaufen ist. Vielleicht war er aber auch nur unzufrieden mit seiner Karriere, weil er wieder einmal nicht die Hauptrolle bekommen hat.

rockefeller-news: Gibt’s Autobiographisches, in der Geschichte oder bei den Figuren?

Markus Hautz: Autobiographisches gibt es eigentlich nicht. Ich wurde noch nie in die Zukunft geschleudert (lacht). Wobei dies natürlich mal sehr reizvoll wäre. Wo stehe ich in 10 Jahren? Hat sich bestimmt schon jeder mal gefragt. Aber es gibt Anspielungen und Hommagen an Filme und TV-Serien, die ich über alles liebe und noch heute schaue. So finden sich viele Zitate in Dialogen und auf der Bildebene von LOST, AKTE X oder ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT. Manche sehr offensichtlich, manche aber versteckt und schwer zu finden. Wer weiß, vielleicht entdeckt der eine oder andere aufmerksame Zuschauer genau diese versteckten Hinweise.

rockefeller-news: Jetzt ist das ja sehr viel Arbeit, so einen Fim von Anfang bis Ende zu produzieren – erzähl doch mal wie das vonstatten ging, wo fängt man da überhaupt an?

Filmemachen ist kein Honigschlecken (Markus Ühlein)

Markus Hautz: Diesen Film zu machen, war wohl das Schwierigste, was ich je in meinem ganzen Leben gemacht habe. Aber ich bin sehr froh, es bis zum Ende durchgehalten zu haben. Immerhin waren es doch fast zwei Jahre meiner Zeit, die ich investiert habe. Der Anfang, wie bei jedem Film, ist die Idee.
Ursprünglich wollte ich einen Horrorfilm machen, der im frühen 19. Jahrhundert in Österreich spielt. Mein Kameramann und Cutter, Markus Edelmann, haben wochenlang an der Story geschrieben, aber irgendwie kamen wir auf keinen grünen Zweig. Während einer kurzen Pause erzählte er mir von dieser “Urban Legend”. 15 Minuten (!!!) später hatten wir das Grundgerüst für “22:43″. Die Arbeit am Drehbuch dauerte dann ca. 6 Monate und mit jeder Fassung wurde es besser. Schon bald waren wir mitten in der Vorproduktion. Die Finanzierung sollte sich schwierig gestalten, denn wir wollten es ohne Förderung versuchen, um bei späteren Projekten eine Art Visitenkarte mit “22:43″ zu haben. Manuela Posch und Veronika Thajer, zwei der Produzentinnen des Films (neben Markus Edelmann und mir) waren von der Filmidee dermaßen begeistert, dass sie uns das Vertrauen schenkten, diesen Film zu machen. Man muss dazu sagen, dass wir vier den Film – zumindest zu Beginn – rein aus der eigenen Tasche und über Sponsoren finanzierten.

Es folgte eine intensive Zeit: Drehbuch, Location-Suche, Casting, Besprechungen mit den verschiedenen Departments, Proben, usw. Im April 2009 begannen die dreiwöchigen Dreharbeiten in Wien und Niederösterreich. Eigentlich viel zu kurz für einen 90minütigen Film. Aber wir hatten am Ende alles im Kasten. Der Schnitt dauerte dann über ein halbes Jahr, wobei wir aber noch einen Nachdreh im Herbst 2009 machen mussten, da wir mit manchen Bildern nicht ganz zufrieden waren. Gott sei Dank bekamen wir dann von der Stadt Wien eine Förderung der Post-Produktion. Dafür möchte ich mich noch einmal bei Sylvia Fassl-Vogler von der MA7 bedanken!!!

Mit diesem Geld konnten wir ins Tonstudio gehen, um den Tonschnitt, das Sound Design, die Synchronisation und die Mischung auf eine sehr professionelle Ebene heben. Michael Tuschek (Tonschmiede: Der Much) und Konstantin Drossos, der auch schon am Set als Tonmeister fungierte, haben hier sensationelle Arbeit geleistet. Während dieser Zeit habe ich quasi fast im Tonstudio gelebt. Die rote Couch im Regieraum werde ich vermissen. Die war wirklich bequem.
Parallel arbeitete ich mit Ingo P. Stefans, einem Münchner Komponisten, an der Musik des Films, die im Frühjahr 2010 an der Hochschule für Theater und Musik in München an nur einem einzigen Tag (!!!) mit einem 40-Mann-Orchester aufgenommen wurde. In meinen Augen eine unfassbare Leistung. Ingo hat die Musik komponiert, Notenblätter geschrieben, die Organisation der Aufnahmen übernommen, dirigiert und dann auch noch gemischt. Ich frage mich, ob er in dieser Zeit überhaupt geschlafen hat. Aber es hat meinen Glauben in den Film bestärkt. Es war eine unglaubliche Motivation. Man kennt solche Aufnahmen aus vielen Making Of’s von großen Hollywoodfilmen, aber es mit eigenen Augen und Ohren zu sehen und zu hören, dass so viele Menschen, die ich bis zu diesem Tag noch nie gesehen hatte (abgesehen vom Komponisten natürlich), alle zu meinem Film live die Musik einspielten, war Gänsehaut-Feeling pur. Ingo hat mit seinem Team da was Riesiges auf die Beine gestellt. Und völlig zu Recht ist er beim New York City International Film Festival für die beste Musik nominiert. Ich möchte aber auch die Band One Two Three Cheers and a Tiger ausdrücklich erwähnen. Die Jungs haben zwei Songs beigesteuert, die wirklich wie die Faust aufs Auge passen – sowohl musikalisch als auch vom Text. Zum Titelsong des Films (No One Notices) haben wir dann auch noch ein Musikvideo gemacht, das man auf der Website des Films (www.2243-derfilm.at) oder auch auf Youtube sehen kann. Danke Gustl, Dani, Martin, Jakob!

Reinhold Fragner und Martina Fröschl von Industrial Motion Art haben dann noch die Visual Effects und die Farbkorrektur gemacht, was eine wirkliche Fizzelarbeit war, denn der Film hat so viele verschiedene Zeitebenen, die wir farblich voneinander trennen wollten und auch mussten, damit sich der Zuschauer orientieren kann. Ich war fasziniert, wie man aus einer Spielzeugpistole mit wenigen Knopfdrücken eine echte Waffe machen kann. Reinhold und Martina wissen genau, was sie tun. Sie haben das Team perfekt ergänzt und dem Film eine wichtige, zusätzliche Tiefe verpasst.

Im Juli 2010 waren dann endlich alle Arbeiten abgeschlossen und die nächste Phase konnte eingeläutet werden: Die Vermarktung, mit der wir bis zum heutigen Tag noch beschäftigt sind.

rockefeller-news: Wie kriegt man ein gutes Film-Team zusammen?

Dreh am Zentralfriedhof (Markus Ühlein)

Markus Hautz: Mit der Zusammenstellung des Teams waren wir wirklich lange beschäftigt. Es ist nicht so einfach, so viele Profis für ein Low-Budget zu bekommen. Aber das Drehbuch leistete da sehr gute Überzeugungsarbeit. Es musste harmonisch sein, denn eine schlechte Stimmung am Set kann jeden Film ruinieren. Hier ist auch die Gefahr höher, dass die Leute einfach ihre Sachen packen und gehen, denn das einzige was sie am Set hielt, war der Glaube an den Film. Und dieser Glaube kann ganz schnell zerstört werden, wenn sich das Team nicht versteht.

Wir wollten eine Mischung aus “alten Hasen” und “Anfängern”, damit die Jungen von den Erfahrenen lernen konnten. Ich selbst habe da sehr viel mitnehmen können. Es war schön zu sehen, wie schnell sich alle ins Team integrierten. Die Profis nahmen die Leute an der Hand und gaben ihre Erfahrung weiter. Selbst nach so langer Zeit ist der Kontakt zum Team noch vorhanden. Und der eine oder andere “Anfänger” ist dem Filmgeschäft bis heute treu geblieben.

rockefeller-news: Wie bist du beim Casting der Schauspieler vorgegangen, nach welchen Kriterien hast du die Leute ausgesucht?

Markus Hautz: Zuerst haben wir aus einem Pool von Schauspielern nach der Optik ausgewählt. Ich hatte von jeder Figur bereits eine Vorstellung vom Aussehen. Diese Auswahl haben wir dann kontaktiert, ob sie sich überhaupt eine Zusammenarbeit mit uns vorstellen können. Natürlich musste ihnen auch die Geschichte zusagen. Und zeitlich verfügbar mussten sie auch sein. Aber das wichtigste: Sie mussten Geschichte und die Emotionen der Charaktere transportieren können. Wie gesagt, bei einem Low-Budget Film ist das alles nicht so einfach. Aber wir haben die richtigen Leute gefunden, die mit ihrem Idealismus das Projekt mitgetragen haben.

rockefeller-news: Wie geht man die Vermarktung an? – Kommen dir die Medien entgegen, oder musst du eher betteln?

Markus Hautz: Leider ist es so, dass es mit meinem momentanen Status in der Filmbranche, sollte ich den überhaupt einen haben, sehr sehr schwer ist, in die Medien zu kommen. Da muss man einfach auf virales Marketing setzen. Facebook, Twitter, Email, Youtube, usw. können großes leisten, wenn man es richtig einsetzt. Die großen Filmproduktionen können sich viel leichter eine Marketingmaschinerie leisten als Newcomer. Wenn man wenig Geld hat, muss man eben erfinderisch sein. Aber das ist auch der Reiz. Und dann gibt es auch noch Festivals, um die Aufmerksamkeit auf solche Low-Budget-Produktionen zu lenken. Im September wird der Film beim Cinéfest Sudbury International Film Festival in Kanada gezeigt – zusammen mit Filmen von Gus van Sant oder Pedro Almodovar. Und das ist dann doch ganz gute Werbung. Auf dieses Festival freue ich mich schon ganz besonders.

rockefeller-news: Wie war denn dein Werdegang – war das für dich immer schon klar, dass du als Regisseur Geschichten erzählen willst? Siehst du dich selber eher als Autor, oder schon als Regisseur?

Markus Hautz: Nein, für mich war es nicht von Anfang an klar, Regisseur zu werden. Ich wollte Comiczeichner werden, habe aber bald festgestellt, dass ich überhaupt nicht zeichnen kann. Dann wollte ich Modedesigner werden, aber ich habe mich eigentlich gar nicht für Kleidung interessiert. Irgendwie blöd (lacht). Aber dann habe ich meine Liebe für Filme entdeckt. Hab’ mir eine Kamera gekauft und einfach alles gefilmt, was mir vor die Linse kam. Nach dem Abitur bin ich dann in die Filmbranche eingestiegen und konnte dann auch in einem professionelleren Umfeld Kurzfilme machen.
Als was ich mich selbst sehe? Ich würde sagen als Geschichtenerzähler, der versucht, die Leute zu unterhalten.

rockefeller-news: Wie kommt man als junger Mensch auf die Idee, es in der Filmbranche zu versuchen, gerade wenn man Österreicher ist – Österreich ist ja nicht gerade als Film-Nation bekannt?

Markus Hautz: Zuerst einmal bin ich überhaupt kein Österreicher, sondern komme aus Bayern. Und zum anderen ist es in allen anderen Berufen auch nicht einfach, um Fuß zu fassen. Es kommt halt immer darauf an, was man machen will, was man kann und was man vom eigenen Leben erwartet. Ein Elektriker, Maler oder Automechaniker kann in seinem Beruf genauso die Erfüllung finden wie jemand mit einem künstlerischen Beruf. Und da spielt es auch keine Rolle, wo man herkommt. Und dass Österreich nicht als Filmnation bekannt ist, würde ich so nicht stehenlassen. Viele große Namen, die die Filmgeschichte geprägt haben, kommen aus Österreich, z.B. Fritz Lang oder Georg Wilhelm Pabst. Das kleine Österreich hat zwar nicht so einen Output wie manch andere Länder, produziert aber trotzdem sehr gute Filme, die einen gewissen Stellenwert in der Welt haben.

rockefeller-news: Hat es dich wegen dem Studium nach Österreich verschlagen haben, oder was waren die Gründe? – Hättest du in Deutschland nicht eine viel bessere Infrastruktur vorgefunden, um Filme zu drehen?

Markus Hautz: Ich bin tatsächlich wegen meinem Studium hierher gekommen (Theater-, Film- und Medienwissenschaft). Aber ich habe auch Zeit meines Lebens eine Beziehung zu Österreich, da ich direkt an der bayrisch-österreichischen Grenze aufgewachsen bin und wirklich sehr viel Zeit in Österreich verbracht habe. In all diesen Jahren hier in Wien habe ich mich immer wirklich sehr heimisch gefühlt und tue es auch noch immer. So schnell werde ich auch nicht wegziehen. Ich habe hier wirklich gute Freunde und Arbeitskollegen. Alles was ich zum Leben und Arbeiten brauche, finde ich hier. Ich bin hier glücklich.
Vielleicht gibt es in Deutschland eine bessere Infrastruktur zum Filme drehen, aber das heißt noch lange nicht, dass deswegen auch automatisch eine bessere Qualität an Filmen vorherrscht. Nein, das passt schon, wie es im Moment gerade ist.

rockefeller-news: Österreich ist ja berühmt für die Bühne und für die Oper, weniger für den Film, obwohl in den letzten Jahren durchaus einige österr. Produktionen aufhorchen liessen. Merkst du als Flimschaffender diesen Aufwind, oder hast du eher das Gefühl gegen Windmühlen zu kämpfen?

Markus Hautz: Natürlich merkt man diesen Aufwind, aber trotzdem muss man immer noch kämpfen. Das war aber schon immer so in diesem Berufsfeld. Nur weil jetzt Stefan Ruzowitzky oder Christoph Waltz den Oscar gewonnen haben und Michael Haneke oder Götz Spielmann nominiert waren, kann ich mir noch nichts kaufen. Niemand schmeißt dir einen Film hinterher (was natürlich schön, aber keine Herausforderung wäre). Einfach weiterhin schreiben und drehen und die Leute unterhalten.

rockefeller-news: Markus Hautz, ich bedanke mich für das Interview und wünsche dir viel Erfolg mit “22:43″!

Autor: Marcello Dallapiccola für „Rockefeller News“

INFO: http://www.2243-derfilm.at; http://www.bilderfolge.at/

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30. August 2011 at 18:42

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„Wappla“ – ein Lebenszeichen des niederösterreichischen Indie-Films

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Wappla, das ist ein nicht sehr nettes Wort und bedeutet auf Österreichisch so viel wie „Trottel, Depp“. „Wappla“ ist allerdings auch eine Spielfilmproduktion der niederösterreichischen Gruppe 25Frames Productions, die voraussichtlich heuer fertig gestellt wird.

Synopsis: Auf einer Landstraße sterben zwei junge Menschen bei einem Autounfall. Kurtl, ein träger Landgendarm, hat den Unfallhergang zu untersuchen und trifft dabei auf den redseligen Vagabunden Eberhard, der vorgibt, Genaueres über den Unfallhergang und die beiden Toten zu wissen. Bei einem Doppler Rot beginnt er seine Geschichte von den beiden Versagern Heinzi und Mäx, die sich, obwohl sie einander von Anfang an nicht leiden können, dazu entschließen, eine Bank zu überfallen, um endlich etwas aus ihrem Leben zu machen.

25Frames Productions gibt es bereits seit 1999 und besteht aus David Rudolf, Patrick Spitzer, Harald Spritzendorfer und Bernhard Krammer. „Wappla“ ist nach zwei Spielfilmen, mehreren Kurzfilmen und Präsentationsvideos nun ihre dritte große Produktion. Ursprünglich als längerer Kurzfilm geplant, nahm das Projekt bald größere Dimensionen an. Die Entstehungsgeschichte reicht bis ins Jahr 2004 zurück – allerdings wurde nicht durchgehend, sondern vorwiegend an Wochenenden gefilmt. Mit Unterbrechungen wurde laut den Filmemachern in etwa fünf Jahre an diesem Film gearbeitet. Eine gewisse Erleichterung kann man ihnen wohl nicht verdenken, dass sich nun alles auf die Zielgerade zubewegt.

„Wappla“ ist aber nicht das einzige, das die 25Frames Productions-Site für österreichische Filmemacher interessant macht. Die Gruppe hat sehr viele Tipps auf Lager, die vor allem für die Bastelfreaks unter den Amateur- und Indie-Filmern interessant sein dürften. Auf ihrer Site gibt es unter „Ausrüstung“  Anleitungen für z.B. Dollys und Steady-Cams, unter „Effekte“  kann man nachlesen, wie man u.a. Waffenattrappen selber bauen kann. Zwar haben 25Frames noch jede Menge anderer Tipps und Tricks in petto, die werden aber zurzeit überarbeitet.

Fragen kann man auch im angeschlossenen Forum stellen. Zwar habe ich zu meinem Bedauern feststellen müssen, dass in Zeiten von Facebook Foren langsam an Bedeutung verlieren, aber das 25Frames Productions-Forum kann ich – obwohl es in letzter Zeit wenig frequentiert wird – uneingeschränkt empfehlen. Es ist nämlich meines Wissens nach das einzige derartige Forum aus Österreich, das noch Lebenszeichen von sich gibt (und ich habe schon einige dahinscheiden sehen – inklusive meinem eigenen). Und wenn sich jetzt nach dem Lesen dieses Artikels einige von Euch entschließen sollten, sich dort zu registrieren – ich bin sicher, dass die Jungs aus Niederösterreich nichts dagegen hätten. Postet Eure Fragen, berichtet über Eure Filme und Eure Erfahrungen. So ein Forum brauchen österreichische Indie-Filmer.

Rodja

INFO: http://www.25frames.at; http://forum.25frames.at

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30. August 2011 at 14:55

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Unter Wölfen

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Firmenchef Stromberg lädt seine Angestellten zu einem Jagdausflug nach Tschechien ein. Als es einen Toten gibt, versuchen die Jagdgäste entweder Beweise für ihre Schuldlosigkeit zu finden oder falsche Spuren zu legen. Mit ihrem Diplomfilm ‘Unter Wölfen’ gelang René Sydow und Daniel Hedfeld ein gelungenes Kammerspiel über die Psyche des Menschen.

Sebastian Sommerfeld (Sebastian Drax) hat scheinbar das große Los gezogen – zusammen mit seiner Verlobten Iris (Kathrin Hildebrandt) ist er zur Jagdgesellschaft seines Bosses Otto Stromberg nach Tschechien eingeladen. Obwohl auf der Jagd prinzipiell das Du-Wort gilt, herrschen auch hier die Firmen-Hierarchien. Da sind Chef Otto, Klaus, der alt eingesessene Ernst, der aufstrebende Sebastian – und auf der anderen Seite Heiner, der zusammen mit Otto die Firma aufgebaut hat, aber irgendwann aus mysteriösen Gründen ausgebootet wurde.

Die Stimmung in der Jagdhütte ist nicht besonders gut – fast feindselig zwischen Otto und Heiner. Am nächsten Tag passiert auch das Unglück: Otto wird erschossen von Ernst, dem einzigen Angler unter all den schießwütigen Jägern, aufgefunden. War es ein Unfall? Oder Mord? Fast jeder könnte die Möglichkeit gehabt haben, den Firmenchef zu töten. Sebastian muss erkennen, dass Otto in seiner Schusslinie stand, Heiner hätte ein Motiv – ebenso wie Juniorchef Klaus, der nun die Firma alleine leiten würde.

Nun fangen die Verdächtigungen an; mögliche Beweise werden vernichtet, falsche Spuren gelegt und Intrigen gesponnen. Jeder wendet sich gegen jeden – und nur der tschechische Förster wird von allen als gemeinsamer Feind akzeptiert. Obwohl… wie man den zum Schweigen bringt, darüber gehen die Meinungen auch schon wieder auseinander.

Mit nur 12.000 Euro Budget gelang den beiden Filmemachern René Sydow und Daniel Hedfeld (beide Drehbuch, Regie, Kamera und Musik) ein beeindruckendes Kammerspiel über die Psyche des Menschen. Aber ein so asoziales Verhalten wie die Menschen im Film an den Tag legen, besitzen Wölfe eigentlich nicht. Den Vergleich versteht man besser, wenn man den englischen Philosophen Thomas Hobbes zitiert: „Der Mensch ist des Menschen Wolf.“

Neben den gelungenen Einstellungen fallen in diesem all zu menschlichen Psychothriller vor allem die wirklich ausgezeichnet agierenden Schauspieler auf: Besonders Jochen Kolenda („Wilsberg“, TV-Soap „Rote Rosen“) als eigensinniger Chef Otto Stromberg und Wolfgang Kraßnitzer als aufs Abstellgleis geschobener Kompagnon Heiner Klebb brillieren. Interessant auch, dass der Wiener Schauspieler Ernst Konarek („Trautmann“, „Ein fast perfekter Seitensprung“), der sonst eher für kauzige Charaktere bekannt ist, hier mal seine rabiate Seite zeigen darf.

Obwohl die Filmemacher Hedfeld und Sydow im Audiokommentar immer wieder auf Tonprobleme und fehlendes Licht-Equipment aufgrund des Mini-Budgets hinweisen, sind diese technischen Mängel relativ leicht zu verschmerzen. Ja, manchmal gelingt es ihnen auch, diese Mankos als Stilmittel einzusetzen: Das Halbdunkle verleiht z.B. jenen Szenen, in denen die Hobbyjäger allein in ihren Zimmern mit ihren Waffen hantieren und sich auf die Jagd vorbereiten, eine fast makabre Intimität.

Die DVD enthält zusätzlich zum Hauptfilm noch folgende Extras: Originaltrailer, ein Interview mit den beiden Filmemachern, Outtakes, einen kurzen Blick hinter den Kulissen – und das wirklich hörenswerte Audiokommentar. Beim Betrachten des Films entstehen aufgrund des miefigen Jagdhauses und diverser Nahrungsmittel wirklich der Eindruck, dass das Ganze in Tschechien gedreht wurde. Nur: Das Haus steht in Deutschland, während die Produkte massenhaft bei einem Shopping-Ausflug im Nachbarland eingekauft wurden. So nette Details erhöhen die Glaubwürdigkeit des Films und sorgen für einen “Aha”-Effekt beim Zuschauer.

Autor: Rodja Pavlik

Bilder: Epix

INFO: „Unter Wölfen“ – Psychothriller, ca. 82 min., D 2005. 1 DVD. Regie/Drehbuch/Schnitt/Musik: Daniel Hedfeld, René Sydow . Kamera: Daniel Hedfeld . Ton: David Radnai . Darsteller: Jochen Kolenda, Sebastian Sommerfeld, Kathrin Hildebrand, Ernst Konarek, Wolfgang Kraßnitzer, u.a. Budget: ca. 12.000,- Euro . Produzenten: Daniel Hedfield, René Sydow, Stefan Michels . Label: Epix. Im Handel erhältlich u.a. bei Amazon.

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29. August 2011 at 17:48

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Georg Riha – ein Bilderzauberer feiert seinen 60er

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Der Filmemacher Georg Riha zählt für mich zu den österreichischen Ausnahmetalenten. Die Arbeit seiner Camcat hat man in vielen Dokumentationen (u.a. „St. Stephan – Der lebende Dom“)  bewundern können. Am 28. August feiert Riha seinen 60er. Auf Relevant.at gibt es dazu eine Story.

Rodja

INFO: http://www.rihafilm.com

Written by HomeMovieCorner

26. August 2011 at 17:34

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„Der Wolkenatlas“ soll der teuerste Film Deutschlands werden

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100 Millionen Euro?!? Da kann ich nur sagen: „WTF?!?!?“ Sind die Zeiten, wo man sich gegenseitig mit den teuersten Budgets überboten hat, nicht schon langsam vorbei?

Rodja

INFO: http://relevant.at/kultur/film/205507/wolkenatlas-teuerste-film-deutschlands.story

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22. August 2011 at 12:20

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„Iron Doors 3D“ – auf DVD und Blu-ray

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Heuer im März feierte „Iron Doors“, der erste unabhängig in Deutschland produzierte 3D-Spielfilm, seine Kinopremiere (in D, nach A oder CH kam er meines Wissens nach nicht). Ab 16. August gelangt der Film nun unter dem Titel „Iron Doors – Entkommen oder sterben“ auf DVD und Blu-ray (3D) über das Label KSM in den Handel.

Der in Deutschland gedrehte Film wurde auf dem 3D Film Festival Los Angeles mit dem Preis “Bester 3D-Spielfilm” in der Kategorie „3D-Spielfilm konvertiert” ausgezeichnet – und schlug damit Blockbuster wie “Piranha 3D”.

Synopsis: Der junge Mark (Axel Wedekind) erwacht in einem verschlossenen, tresorartigen Raum und kann sich nicht erklären, wie er in diese Situation geraten ist. Weil er einen üblen Streich seiner Kollegen vermutet, nimmt er die Situation zunächst mit Galgenhumor. Doch nach mehreren Tagen ohne Wasser und Nahrung muss er sich eingestehen: Niemand wird ihm helfen, wenn er nicht selbst etwas unternimmt. Die massive eiserne Tür erweist sich als unüberwindlich, aber es gelingt Mark unter unsäglichen Mühen, ein Loch in die Betonwand zu meißeln. Endlich atmet er auf, denn jenseits der Mauer ist es hell. Winkt dort die Freiheit? Als Mark sich durch das Loch zwängt, wird ihm schlagartig klar: Der Albtraum hat gerade erst begonnen.

Schauspieler Axel Wedekind (“Der letzte Lude”, “Fussballerfrauen”, “Shoot The Duke”) und Regisseur Stephen Manuel (“Perfect hideout”, “Der letzte Lude”, “Harald Schmidt-Show”, “Alarm für Cobra 11”, “Lexx – The Dark Zone”) haben den Film mit ihrer eigenen Firma Fullfeedback Productions ohne Filmförderung und ohne Fernsehmittel gestemmt. Das Drehbuch stammte von US-Drehbuchautor Peter Arneson, den die beiden Deutschen über eine Drehbuchagentur im Internet kennen lernten.

Von Anfang an war der Film als 3D-Erlebnis geplant. “Bei 3D denkt man meist nur an die üblichen Blockbuster-Effekte. Es gibt aber bisher kaum Filme, die den räumlichen Eindruck nutzen, um sich buchstäblich mehr in die Figuren hineinzuversetzen. Denn durch die 3D-Technik wird der Zuschauer viel intensiver in die Handlung einbezogen und kommt dichter an die Figuren heran”, erläutert Regisseur Manuel. Da aber nur zehn Drehtage zur Verfügung standen, war ein reiner 3D-Dreh nicht möglich. Manuel: “Es ist schon schwierig genug, einen normalen Spielfilm komplett in zehn Tagen abzudrehen – in 3D war das einfach nicht machbar: Der technische Aufwand mit 3D-Kameras ist größer, die Setups der einzelnen Einstellungen nehmen mehr Zeit in Anspruch. Deshalb entschlossen wir uns, in 2D zu drehen, und planten gleichzeitig eine spätere Konvertierung ein.” Diese führte die US-Firma PassmoreLab in San Diego letztendlich durch.

Um die Strapazen und ihre Auswirkungen glaubhaft rüberzubringen, unterwarf sich “Mark”-Darsteller Axel Wedekind einer rigorosen Diät, mit der er schon einige Tage vor Drehbeginn begann: “Ich habe nur noch 200 bis 250 Kilokalorien zu mir genommen – also nur zehn Prozent meines täglichen Bedarfs.” Die Mahlzeiten setzten sich dementsprechend aus einem Apfel als Frühstück und einem Stückchen Huhn zum Abendessen zusammen. Die Dreharbeiten dauerten insgesamt zehn Tage, unterbrochen von einem Wochenende. Da er auch an diesen Tagen Diät hielt, musste Wedekind insgesamt zwölf Tage hungern. Auch bei Flüssigem hielt er sich zurück, trank nur einen halben Liter pro Tag. Um den Erschöpfungszustand noch glaubhafter rüberzubringen, schlief er auf dem harten Fußboden und machte ständig Liegestützen. Zur Sicherheit war auch ein Arzt am Set. Der Verlauf des körperlichen Verfalls von “Mark” zwang das Team auch dazu, strikt chronologisch zu drehen. Solche Strapazen machen aber dann die kleinen Dinge des Lebens um so schöner. “Selten hat mir ein Bier so gut geschmeckt wie auf der Abschlussfeier”, so Wedekind in einer Presseaussendung.

Rodja

INFO: www.irondoors3d.com
FOTO: KSM GmbH

Iron Doors 3D – Offizieller Deutscher Trailer HD from Fullfeedback Productions on Vimeo.

Written by HomeMovieCorner

12. August 2011 at 10:51

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„Kendrick“ – eine dunkle Geschichte aus dem Mittelalter

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Ein interessantes Filmprojekt hat der Wiener Regisseur und Drehbuchautor Christoph Gerhardt ins Leben gerufen: „Kendrick – A Grim Tale of Hatred and Revenge“ – ein mittelalterlicher Horror-Kurzfilm – erzählt die Geschichte des gleichnamigen Tempelritters, der als untoter Wiedergänger seine Ermordung rächen will. Dabei muss er auch Klerus und Adel daran hindern, den von ihm versteckten Schatz der Templer im Moor zu finden.

„Kendrick“ ist ein in sich abgeschlossener Kurzfilm, entnommen aus einem 90-Minuten-Skript. Der Film, der von Regisseur Gerhardt und Danila Neuwirth produziert wird, soll ab Herbst 2011 auf ausgewählten Festivals mit dem Ziel eingereicht werden, Investoren und Produzenten für den Spielfilm zu gewinnen.

Das Projekt kann man übrigens über die Crowdfunding-Plattform Pling unterstützen.

Die Rolle des Kendrick hat der Schauspieler und Stuntman Tom Hanslmaier inne, der u.a. in „Inglourious Basterds“ und „Knight And Day“ mitgewirkt hat. Demnächst wird er (hoffentlich in den Kinos) auch in dem Actionfilm „Blue Moon Down“ von Flo Lackner zu sehen sein.

Besonders freut es mich, einen weiteren bekannten Namen auf der Cast-Liste zu sehen: Thomas Koziol. Den Schauspieler habe ich 1991 beim Bundesheer kennen gelernt: Er war schon damals ein begnadeter Entertainer – und der einzige Soldat, der schulterlanges Haar tragen durfte (während den Gefechtsübungen nur mit Haarnetz). Das hatte berufliche Gründe (und wurde ausnahmsweise vom Bundesheer toleriert): Denn Koziol war schon damals als Indianer-Darsteller bei diversen „Winnetou“-Aufführungen engagiert. Heute mimt Koziol, der u.a. an der Seite von John Philip Law („Barbarella“, „Manfred Richthofen – Der rote Baron“) in „Wanted“ Jagd auf Alfred Dorfer machte, selbst den Häuptling der Apachen bei den Karl May-Festspielen in Weitensfeld (Kärnten). Dass er berufsbedingt Stuntreiter ist und sein eigenes Pferd Nirvi zum Set von „Kendrick“ brachte, sorgt für extra Production Value.

Rodja

Written by HomeMovieCorner

11. August 2011 at 16:22

Veröffentlicht in Indie News

Stefan Raabs Todesgrinser

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Auch so ein Oldie but Goldie, der Animationsfilm „der Zauberer“ (2001) von Simon Oberli, dessen Knetanimationsfilm „der Liebesfilm“ hier ja schon mal vorgestellt wurde. Der Schweizer Filmemacher hat mir Anfang der 2000er-Jahre für die erste HomeMovieCorner-Site die ersten Indie-Trickfilme geliefert. Und obwohl „der Zauberer“ eigentlich ein trauriger Film ist, habe ich an einer Stelle herzhaft lachen müssen (siehe Überschrift).

Rodja

INFO: http://www.trickfilmer.ch/

Written by HomeMovieCorner

5. August 2011 at 16:38

Veröffentlicht in Movies (online)

Karlsruhe ruft: Die Independent Days 12 brauchen neue Filme

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Das sympathische Filmfestival Independent Days in Karlsruhe findet vom 16. bis 20. Mai 2012 zum 12. Mal statt. Und dafür werden natürlich Filme gesucht, die ab sofort eingereicht werden können. Die Bewerbungsfrist für die Wettbewerbsblöcke ist der 31. Oktober 2011 (Anm.: Ist das nicht a bisserl knapp?) und für das Freie Filmprogramm außer Konkurrenz (z.B. Langfilme, Dokumentationen, längere Kurzfilme, u.ä.) ist der 31. Dezember 2011. Die endgültige Entscheidung über das Programm wird im Jänner 2012 fallen.

2012 sind zwei Preise ausgelobt: der mit 1.000 Euro dotierte Low Budget-Filmpreis der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe und der No-Budget-Filmpreis “Die Goldene ID”.

Als reines Low- und No Budget-Filmfestival werden Filme gezeigt, die weniger als 2.500 Euro pro Minute Laufzeit gekostet haben. Weitere Einschränkungen hinsichtlich Laufzeit, Genre oder Format gibt es nicht. Auf dem Festival sind sowohl Beiträge von ambitionierten Amateuren, von Studierenden an Filmhochschulen, aber auch von Medienprofis zu sehen, die den kreativen Freiraum des kleinen Budgets zu nutzen wissen. Eine Jury wählt aus allen Einsendungen nach einem Bewertungssystem diejenigen Filme aus, die ihr geeignet erscheinen, in den Wettbewerbsblöcken gegeneinander anzutreten. Filme, die mehr als 30 Minuten Laufzeit haben, scheiden für die Wettbewerbe allerdings bereits im Vorfeld aus, können aber in den Freien Filmblöcken unterkommen.

Rodja

INFO: Weitere Informationen bitte der Festival-Site www.independentdays.de entnehmen.

Written by HomeMovieCorner

5. August 2011 at 15:59

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Aus der Mitte entspringt die Mur

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Der Ganges ist für die Inder der Fluss des Lebens. Für Graz ist es dann… die Mur. Filmemacher Bernhard Lukas (u.a. Kamera beim Mystery-Thriller „Jenseits“ von Loom) hat dem Fluss und den Menschen, die sich durch den Strom inspirieren lassen, mit „murtreiben“ ein filmisches Denkmal geschaffen.

Zwar erinnert die Synopsis ein bisschen an „Keep Surfing“ von Björn Richie Lob. Doch während Lob sich nur auf die weltberühmte Münchner Eisbach-Welle und ihre Surfer konzentriert, lässt Lukas in seiner 75-minütigen Doku neben wagemutigen Surfern auch geduldige Angler, einen Murpiraten, Musiker (z.B. Jerx-Bassist Erwin Reisinger) und andere Menschen von ihrem Zugang zur Mur erzählen.

„murtreiben“ feiert am 4. August 2011 um 20:30 Uhr im UCI Annenhof in Graz Premiere. Darüber hinaus werden – wenn der Film im Kino ausgelaufen ist – auch einzelne Locations bespielt. Eine DVD soll um Weihnachten 2011 erscheinen.

Rodja

INFO: www.murtreiben.at
FOTO: Verein „Murfilm“, http://www.murtreiben.at

Written by HomeMovieCorner

4. August 2011 at 10:45

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