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Josef Hader versus „Randgestalten“

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Nöchling… Kenner von Josef Haders Programm „Privat“ werden sich vielleicht erinnern: Der Kabarettist ist wohl der bekannteste Sohn des niederösterreichischen Dorfs – und frönte in dem Programm auch einer unerfüllten Liebe zur Tochter eines Fleischhauers. Mit fleischverarbeitenden Betrieben hat der Schauspieler zuletzt ja auch in „Der Knochenmann“ zu tun gehabt. Und auch in dem Indie-Streifen „Randgestalten“ der Filmgruppe Warnblinker, der auf DVD im Selbstvertrieb erscheinen ist.

Zum Inhalt: In Nöchling gehen die Uhren etwas anders. Hier blüht der Tratsch – und wenn die zwei Dorfpolizisten (Karl Leopold Furtlehner, Gerhard Haubenberger) nicht gerade kiffen, „brausen“ sie mit ihrem dreirädrigen ‘Pozilei’-Auto (sic!) durch die Landschaft (wunderbar eingefangen von Kameramann Bernhard Mayr). Doch über der Idylle ziehen sich dunkle Wolken zusammen: Dem „Ostamt“, dem längst das P abhanden gekommen ist, droht die Schließung. Die zwei Postbeamten (Gerhard Lindenhofer, Wolfgang Steinacher) ergeben sich dem Suff und geraten mit dem Schwiegersohn des örtlichen Fleischhauers (Josef Hader) in Streit. Am nächsten Tag ist der Mann verschwunden – und die Polizisten, die anscheinend zu viele „C.S.I.“-Folgen geschaut haben, beginnen mit ihren folgeschweren, aber nichtsdestotrotz falschen Ermittlungen. Ja, und so etwas wie eine Liebesgeschichte kommt auch vor…

Dem Team von Warnblinker Film rund um Co-Regisseur und Co-Drehbuchautor Karl Leopold „Koatsch“ Furtlehner (im Bild links) ist mit „Randgestalten“ ein äußerst skurriler, 55-minütiger Indie-Streifen gelungen. Geprägt von einer gewissen Trägheit (bei den Polizisten durch Rauschmittel bedingt, bei den Postbeamten durch die drohende Kündigung hervorgerufen), beschäftigt sich der Film auf lakonische Art und Weise mit Themen wie – ganz aktuell – Postamtsschließung, Tratsch, Gerüchten und Verdächtigungen. Eine der großen Stärken von „Randgestalten“ ist, dass viel nur angedeutet wird, so dass man sich den Film ruhig öfters ansehen kann. Zu dieser surrealen Trägheit, die selbst bei einer „rasanten“ Verfolgungsjagd zwischen dem Pozilei-Dreirad und einem Moped demonstrativ zur Schau gestellt wird, passt dann auch die Musik der bekannten Band Attwenger.

„Die Zeit auf dem Land vergeht gleich schnell wie in der Stadt“, rückt „Koatsch“ Furtlehner das Bild vom „langsamen“ Landleben zurecht: „Nur ist die Reizüberflutung nicht so groß wie in einer Stadt. Deswegen darf der Film ruhig etwas träge wirken. Land- und Stadtmensch werden den Film unterschiedlich erleben – und das ist gut so.“ Zur Zusammenarbeit mit Josef Hader als leicht aufbrausendem Fleischhauer kam es, als im Rahmen der Amateur-Theaterwerkstatt Nöchling der Kurzfilm „Im Arschling viri alias Rückwärts nach vor“ von Furtlehner und Haubenberger entstand. Bei der Präsentation fand auch eine Podiumsdiskussion mit Josef Hader und dem bekannten Sozialforscher Roland Girtler statt. „Dem Josef hat unser Film gefallen und er bot seine Mitarbeit beim nächsten Projekt an“, erinnert sich Furtlehner. Aber nicht nur als Schauspieler wirkte Josef Hader mit, auch dramaturgisch unterstützte er das junge Autorentrio Furtlehner/Haubenberger/Lindenhofer. Bei dem vielbeschäftigten Kabarettisten geschah das oft durch SMS, mit denen er verschiedene Vorschläge zum Skript einbrachte.

„Randgestalten“ lebt vor allem von den vielen Typen-Darstellern. „Beim Drehbuchschreiben wurde schon spezifisch an gewisse Personen aus dem Theaterbereich, aber auch an Theater-unbelastete Leute gedacht, die für den Film gut passen würden. Die Rollen wurden also zum Teil schon genau auf die Protagonisten abgestimmt“, erklärt Co-Drehbuchautor und Co-Regisseur Furtlehner die Einbindung von Bekannten in den Film. Doch wie konnte man so viele Laien-Schauspieler für das Projekt gewinnen? „Viele Leute haben nicht die Möglichkeit, beim Film zu landen. Vielleicht erfüllen Indie-Filmer mancher Menschen kleine Träume?“, philosophiert Furtlehner im Interview mit dem HomeMovieCorner. Außerdem war auch Josef Hader ein zugkräftiges Argument. „Einer der Laiendarsteller betonte immer wieder, wie stolz er sei, mit dem Josef an einem Projekt arbeiten zu dürfen“, schmunzelt der Nöchlinger.

Das Produktionsbudget von 7.800 Euro wurde zum Teil aus Sponsoraktionen von heimischen Unternehmen, zum Teil auch aus der NÖ-Kulturförderung zusammengebracht. „Es darf einem nichts zu blöd sein, dann kriegt man schon was. Vielleicht ist das ja am Land auch etwas einfacher“, resümiert Furtlehner. Als Bonus für die Kulturförderung wurden auch immer wieder schöne Landschaftsbilder in Szene gesetzt. Nach der Fertigstellung lief der Kurzfilm in Kinos sowie bei Veranstaltungen von Kulturvereinen in Nieder- und Oberösterreich äußerst erfolgreich. Über 4.000 Personen sahen „Randgestalten“ – was für einen Film im kräftezehrenden Selbstvertrieb und ohne Marketing-Budget beachtlich ist.

Eine weitere Zusammenarbeit mit Josef Hader hat sich dann auch noch im Kinospielfilm „Der Knochenmann“ ergeben; die Szenen mit Simon Schwarz auf einem Bahnhof fielen jedoch der Schere zum Opfer, so Furtlehner bedauernd. Sie sind aber jetzt im DVD-Bonusmaterial zu finden.

Rodja

INFO: http://www.warnblinker-film.at/

Written by HomeMovieCorner

22. April 2011 um 16:03

Veröffentlicht in Reviews

3 Antworten

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  1. total super Film. Hab mich tot gelacht!

    Walter Geher

    9. Oktober 2011 at 15:30

    • Ja, ich mag den Film auch sehr. Sehr skurril. Hoffe, von den Filmemachern kommt wieder was. Aber Indie ist halt sehr kräftezehrend – und Geld muss man ja auch verdienen.

      HomeMovieCorner

      11. Oktober 2011 at 16:32

  2. […] Ob “Randgestalten” aus Nöchling/Niederösterreich (mit Josef Hader, Rezension hier), die Filme der Gruppe Mania Pictures aus Calw/Deutschland, “1810 – Für eine Handvoll […]


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