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MILH: Farewell Dear Ghost – “Wake Up”, “Fire”, “Cool Blood”

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© Lena Prehal

© Lena Prehal

Music I’d Like To Hear (In Indiefilms)

Ich gebe es zu, ich bin ein Kind der 80er. Und was ich durchaus in der heutigen Zeit vermisse, sind diese Coming-of-Age-Filme, die durch einen gewissen Schwermut auffallen. Ich liebe diese Geschichten mit den Underdogs oder den Introvertierten – solche Filme wie “Stand By Me” oder “Die Himmelsstürmer”, aber auch Komödien wie “Class”, “Der Volltreffer”, “Ferris macht blau” (und ja, da war nicht Ferris mein Held), “Ist sie nicht wunderbar?” (wer hatte damals keinen Crush in Mary Stuart Masterson?) oder “Can’t Buy Me Love” enthalten mindestens eine Szene, durch die der Film eine tragische Note erhält. Sei es, dass der Held seine Kunst, seine Träume oder sein Anderssein erklärt – da ist immer etwas dabei, das dem Film eine gewisse Tiefe verleiht.

Irgendwie fehlt mir bei neueren Komödien wie “American Pie” (okay, ist auch schon etwas älter), “Superbad” oder “Scott Pilgrim vs. The World” dieser gewisse Unterton (“Juno” ist die glorreiche Ausnahme). Oder besser gesagt, der Unterton ist schon vorhanden, aber die Gewichtung scheint mir doch eher auf dem Hormonstau denn auf dem Coming of Age zu liegen.

In Österreich hat diese Art von Filmen keine Tradition. Wenn ich es mir recht überlege, haben Teenager/Anfang-Zwanziger in österreichischen Filmen generell keine besondere Tradition. Lange Zeit waren sie Staffage, mal mehr, mal weniger gut eingesetzt (I’m looking at you, Alfred “Freispiel” Dorfer). Der einzige Film, der ungefähr dem entspricht, was ich mir unter einer Teenie-Dramödie vorstelle, ist “Aoeo – Es war einmal in einer Stadt” – ausgerechnet ein Independent-Film. Das Bizarre ist aber, dass es sehr viele österreichische Bands gibt, die genau dieses Gefühl an- und aussprechen – es dürfte also genug Geschichten in der aktuellen Generation vorhanden sein.

Zumindest könnte ihre Musik gut zu solchen Filmen passen. Wie eben die in MILH bereits vorgestellten Polkov, Elto und Ben Martin. Und mit der Band Farewell Dear Ghost des Grazers Philipp Szalay gesellt sich nun eine vierte Band dazu. Ihr 2013 erschienenes Album “We Colour The Night” enthält Coming of Age, Teenage Angst, aber auch jene pulsierende und manchmal beängstigende Euphorie, die so Jugendliche in meiner romantischen Phantasie eben ausmachen sollte. Jeden Moment voll ausleben wollen – mit allen geschärften Sinnen, die noch nicht vom Alltag abgestumpft wurden.

Dazu gibt es auch entsprechende Videoclips. Während “Cool Blood” eigens von Gerfried Guggi von der Produktion Mindconsole gedreht wurde, verwendete Band-Chef Philipp Szalay für “Wake Up” und “Fire” Clips, die unter einer Creative-Commons-Lizenz zur freien Verfügung stehen. Eines offenbaren die drei Videos auf jeden Fall: Szalay dürfte einen ziemlichen Faible für Fackeln haben.

Die Musik hätt’ ma also… Wer dreht jetzt den Film, bitte?

Rodja

INFO: http://farewelldearghost.com

“Wake Up”

“Fire”

“Cool Blood”

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28. September 2014 at 08:52

Zach/Bauer – das Autorenduo hinter “Northmen – A Viking Saga”

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© Thimfilm/Ascot Elite

© Thimfilm/Ascot Elite

Noch internationaler wird’s nimmer.

In der deutsch-schweizerischen Produktion “Northmen – A Viking Saga” unter der Regie des in den USA agierenden Schweizer Regisseurs Claudio Fäh landet am 23. Oktober 2014 in den deutschsprachigen Kinos ein Haufen internationaler Schauspieler wie Ken Duken (D, “Robin Hood”, “Banklady”), Tom Hopper (UK, “Merlin – Die neuen Abenteuer) und Ryan Kwanten (AUS, “True Blood”) als skandinavische Wikinger in Südafrika, das für Schottland ausgegeben wird – und das Drehbuch dazu stammt von den Österreichern Matthias Bauer und Bastian Zach. Der HomeMovieCorner sprach mit den beiden Autoren, die ursprünglich aus dem Independent-Bereich stammen, über Kurz- und Spielfilme, Romane und den Vorteil Schweizer Produktionsfirmen.

Bastian Zach ist 1973 in Leoben geboren und wuchs in Salzburg auf. Matthias Bauer teilt den gleichen Jahrgang, wurde aber in Lienz/Tirol geboren. Kennen gelernt haben sie sich schließlich beim Grundwehrdienst, den sie gemeinsam in Salzburg 1992 absolvierten. Die beiden stellten schnell fest, dass sie gemeinsame Film- und Buchinteressen hatten und wurden Freunde. Nach dem Bundesheer trennten sich ihre Wege, sie blieben aber ständig in Kontakt. Bastian Zach ging nach Wien und wurde selbstständiger Grafiker, Schnitt- und Synchronregisseur, Matthias Bauer studierte in Innsbruck und ist in der Tiroler Erwachsenenbildung tätig. 2001 beschlossen sie, auf ihre Liebe zum Film auch Taten folgen zu lassen. Mit einem Mini-Budget von 350 Euro drehten sie den Kurzfilm “ausWEG””, der gute Kritiken erhielt.

© Bastian Zach & Matthias Bauer

© Bastian Zach & Matthias Bauer

So etwas macht Mut und 2003 setzten sie dann im Rahmen ihrer (inzwischen aufgelösten) Filmgruppe Open Doors Productions den Lynch-artigen Kurzfilm “[infinite]” um.

Das Budget betrug 3.500 Euro und wurde teilweise vom Land Tirol und der Stadt Innsbruck gefördert. Die VFX waren für damalige Verhältnisse bemerkenswert, “[infinite]” wurde 2004 auf der “animago”, einem der führenden Wettbewerbe für visuelle Effekte, mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Der Film wurde auch 2003 im Rahmen des HomeMovieCorner-Programms “Crime, drugs & video” im Votivkino gezeigt. (Womit sich auch ein kleiner Kreis zu “Northmen”-Regisseur Claudio Fäh schließt, dessen Kurzfilm “Hit The Highway, Honey” in einem HomeMovieCorner-Special “Schweiz” im gleichen Jahr im Filmcasino lief.)

“Morbus Dei”, der erste Versuch

Nach den ersten erfolgreich absolvierten Versuchen in der Sparte Kurzfilm wollten Zach und Bauer ihr Glück beim Spielfilm zu versuchen. In Zusammenarbeit mit Wega Film bereiteten sie Drehbuch und Regie des historischen Abenteuerfilms “Morbus Dei” vor. Erzählt wird die Geschichte eines Deserteurs, der vor 300 Jahren im Winter in ein abgelegenes Dorf in Tirol flüchtet. Dort wird der Neuankömmling mit Misstrauen aufgenommen, hat die Gemeinschaft doch ein dunkles Geheimnis zu wahren. “Die Wega Film, Hanekes Hausfirma, war von der Story begeistert”, schildert Zach. Cine Tirol vergab sogar eine Drehbuchförderung, doch das fertige Skript wurde 2004 vom Österreichischen Filminstitut abgelehnt, das Projekt war quasi gestorben. “Zwei Jahre Arbeit im Ofen. Eine österreichische Erfolgsgeschichte”, meint Bauer ironisch.

© Bastian Zach & Matthias Bauer

© Bastian Zach & Matthias Bauer

“Visitenkarten” selber machen

Natürlich ist so ein Rückschlag frustrierend. Doch die beiden Autoren gaben nicht auf und beschlossen, selbst einen Spielfilm zu drehen. Gemeinsam schrieben sie das Skript “3 Zimmer. Küche. Tod” über eine Krankenschwester (Erika Kollmann-Till), die Nachtdienste macht und am Tag nicht schlafen kann, weil in ihrem Haus lautstark renoviert wird. Sie sucht eine neue Bleibe, doch für das ideale Objekt gibt es mehrere Interessenten (u.a. Julia “Die Siebtelbauern” Gschnitzer), die sie – von Erpressung bis hin zum Mord – los werden will. Mit einem Budget von 25.000 Euro realisierten Bauer und Zach den Film selbst. Ein kleiner Filmstart in Österreich sowie eine DVD-Veröffentlichung beim deutschen Label Starmedia (Anm.: Gibt es leider nicht mehr, die hatten einige nette Indie-Filme im Programm) waren die Folge. Doch der Durchbruch blieb noch aus.

“Arbeitstechnisch war ‘3 Zimmer. Küche. Tod’ ein absoluter Gewinn, weil wir auf die harte Tour lernten, einen Film von der Pike auf selbst zu machen. Finanziell war er ein Fiasko, weil er das Budget, das wir zur Gänze selbst investiert haben, nie einspielte. Und der Plan, den wir mit dem Film verfolgten, ging nicht auf: Er sollte uns als Visitenkarte dienen und zu weiteren Film-Aufträgen führen, und das ist nicht gelungen”, zieht Zach Resümee. “‘3 Zimmer” war für uns aber vor allem deshalb wichtig, weil wir immer schon einen Film machen wollten. Egal was dann kam, wir konnten uns sagen: “Okay, wir haben es durchgezogen, hat so nicht geklappt, nächster Plan.'”

Der Schritt zum Trip

Kurz nach der bitteren Erfahrung mit “3 Zimmer. Küche. Tod” wurden Matthias Bauer und Bastian Zach durch einen Artikel auf die Schweizer Produktion HesseGreutert Film aufmerksam. Sie stellten sich mit einem Genreskript vor, welches aber abgelehnt wurde. Trotzdem lachte ihnen diesmal das Glück: “Zufälligerweise wollte diese Firma schon länger ein Genreprojekt machen. Unseres hat ihnen zwar nicht gefallen, aber sie haben sich gesagt: ‘Oha, da kennt sich jemand im Genre aus, mit denen könnten wir doch was machen.’ Wir haben dann ‘One Way Trip 3D’ für sie als Auftragsarbeit – sie wollten einen Slasher mit Pilzen – entwickelt”, erzählt Zach.

© Ascot Elite

© Ascot Elite

In dem Film fahren acht junge Leute (u.a. Sabrina “In 3 Tagen bist du tot” Reiter, Martin “In 3 Tagen bist du tot 2″ Loos und Tanja “Aufschneider” Raunig) in den Jura, um den Spitzkegeligen Kahlkopf, einen Pilz, der halluzinogene Trips verschafft, zu suchen. Doch irgendjemand scheint sich am Trip der jungen Leute zu stören.

HesseGreutert Film fand in David Schalkos Firma Superfilm (“Braunschlag”, “Bösterreich”, “Aufschneider”) einen österreichischen Produktionspartner, mit dem sie gemeinsam um Filmförderungen ansuchen konnten. “Erst als 3D-Projekt wurde ‘One Way Trip’ von sämtlichen Förderstellen in der Schweiz und Österreich gefördert, es gab dem Projekt damals (2008) noch etwas Besonderes. Heute ist das was anderes, aber damals war ‘Avatar’-Zeit, 3D also noch sehr im Kommen”, erinnert sich Bauer. “Wir haben natürlich einige typische ‘In your face’-3D-Szenen hineingeschrieben, aber nicht zu viele – das Ziel war eher, von den billigen 3D-Jahrmarkt-Effekten wegzukommen und dem Ganzen eine wirkliche räumliche Tiefe zu geben’, beschreibt Zach die Auswirkungen auf das Drehbuch.

Nach dem Abliefern des Drehbuchs war es dann für die beiden Autoren erst einmal getan. Skriptänderungen wurden schließlich von Regie und Produktion selbst vorgenommen. “Nicht immer zum Guten, aber so ist es halt, damit muss man als Autor zurecht kommen. Film ist Teamwork – wer nichts an seinem Werk geändert haben will, muss Gedichte schreiben und die im Selbstverlag rausgeben”, findet Zach. “Wir waren zwei Tage am Set, was sehr cool war – ein millionenteurer 3D-Slasher wird im deutschsprachigen Raum auch nicht alle Tage gedreht”, erzählt Bauer noch von einem Highlight bei “One Way Trip 3D”.

© Bastian Zach & Matthias Bauer

© Bastian Zach & Matthias Bauer

“Morbus Dei” – das Revival

Nach “One Way Trip 3D” kam das Autorenduo zu einer Entscheidung. Nachdem anscheinend niemand das Skript zu “Morbus Dei” verfilmen wollte, entschlossen Zach und Bauer, sich in einem anderen literarischen Feld zu versuchen. Sie nahmen das Grundgerüst von “Morbus Dei” und entwickelten daraus eine Roman-Trilogie. “Morbus Dei – Die Ankunft” erschien 2010 beim Haymon-Verlag in Buchform. 2012 und 2013 folgen die Bände “Morbus Dei – Inferno” und “Morbus Dei – Im Zeichen des Aries”. „Das Drehbuch war nur die Basis für den ersten ‘Morbus Dei’-Roman. Dramaturgisch hat sich im Roman eine Menge geändert: Der Storybogen blieb der gleiche, aber nachdem ein Roman umfangreicher als ein Drehbuch ist, kamen natürlich sehr viele neue Storyabzweigungen, Charaktere, Atmosphäre etc., dazu”, erläutert Zach den Unterschied zwischen Drehbuch und Roman.

Go North! Go International!

2012 entschloss sich Ralph S. Dietrich, seines Zeichens CEO bei der Schweizer Elite Filmproduktion, einen Wikingerfilm zu drehen. Da “One Way Trip 3D” über die Mutterfirma Ascot Elite Entertainment Group verliehen wurde, kannte man auch Matthias Bauer und Bastian Zach. Die beiden Österreicher wurden für die Auftragsarbeit an ‘Northmen – A Viking Saga’ engagiert. Bauer und Zach präsentierten gleich mehrere Ideen. “Für das Setting und das Budget gab es klare Vorgaben”, erinnern sich die Autoren: “Aber bei der Ideen- und Charakterzeichnung hatten wir freie Hand.” Bauer und Zach überzeugten die Auftraggeber mit ihrem Ansatz, die Wikinger bei einem Sturm an der schottischen Küste stranden zu lassen und ihren dortigen Überlebenskampf zu schildern. Bauer: “Die Herausforderung war wie immer die Story. Nachdem ‘Northmen’ ohne jegliche Förderung finanziert wurde und ein millionenschwerer Streifen ist, galt es, allein mit dem Drehbuch internationale Verleiher von dem Projekt zu überzeugen, darin zu investieren – und das ist gelungen.”

© Ascot Elite

© Ascot Elite

Südafrika statt Nordirland

Die Geschichte, die in Schottland spielt, sollte ursprünglich in Nordirland verfilmt werden. Doch als das Land den Zuschlag für den Fernsehhit “Game Of Thrones” bekam, konzentrierten sich sämtliche Fördergelder und filmische Arbeitskräfte auf dieses Projekt. Schottland selbst schied wegen der dortigen hohen Produktionskosten aus. Die nächste europäische Alternative war Island. Die Insel beeindruckte die Produzenten zwar durch seine schroffe Landschaft, doch auf Island sind nur die kleinen Islandpferde vorhanden. “Unsere eigenen Pferde hätten wir nur mit einer Quarantänezeit von vier Monaten mitbringen und hinterher nicht mehr ausführen dürfen”, beschreibt Elite-Produzent Daniel Höltschi im Presseheft die bürokratischen Hürden. Schließlich schlug Frank Kaminski vom deutschen Produktionspartner Jumping Horse Film Südafrika vor. “Als Frank Kaminski Südafrika vorschlug, dachte ich zuerst, er wäre verrückt”, verrät Regisseur Claudio Fäh im Presseheft. “Doch nachdem ich Fotos von möglichen Locations gesehen hatte, war ich total überzeugt, den Film dort und nicht in Bulgarien oder im echten Schottland drehen zu wollen.” Die vielfältige Landschaft Südafrikas bietet Steilküsten und Highlands, wie man sie in Schottland findet, aber zugleich auch das passende Klima. “Die meisten Leute meinen, in Afrika scheine immer die Sonne, und wissen gar nicht, dass der Winter im südlichen Teil des Landes sehr regnerisch, kalt und stürmisch sein kann”, so Frank Kaminski.

“Für ‘Northmen’ mussten wir, wie bei unseren ‘Morbus Dei’-Romanen, beinhart den historischen Hintergrund, in dem unsere Geschichte spielt, recherchieren. Man muss sich in jeder Szene überlegen, ob alles passt – vom Trinkbecher bis zur Streitaxt”, erklärt Bauer eine der Herausforderungen der Geschichte im Interview mit dem HomeMovieCorner. “Northmen – A Viking Saga” ist im Gegensatz zu den bisherigen Filmprojekten “3 Zimmer. Küche. Tod” oder “One Way Trip 3D” wirklich groß und international angelegt. “Natürlich gibt es bei einem so großen Projekt, das weltweit in die Kinos kommt, einiges zu berücksichtigen. Man muss quasi in alle Richtungen ‘bigger, better, louder’ denken”, so Zach. Die Geschichte ist frei erfunden, die Figuren und Abenteuer basieren aber auf historischen Vorbildern. “Wenn man sein Leben lang liest und Filme schaut, beeinflusst das unbewusst auch das Schreiben eines Drehbuchs”, erklären die beiden selbstkritisch. “Die Kunst ist es dann, keine Kopie von etwas zu machen, sondern aus den Inspirationen etwas Neues zu erschaffen.” Nach dem Sichten der ersten Muster sind die Autoren mehr als zufrieden: “Das Filmteam hat eine Wahnsinns-Arbeit geleistet – ‘Northmen’ wird ein Knaller!”

Die Zach/Bauer-Arbeitsmethode

Nachdem Bastian Zach in Wien und Matthias Bauer in Innsbruck leben, ergeben sich natürlich bei der Zusammenarbeit gewisse Schwierigkeiten. Man kann sich nicht ein gemeinsames Büro mieten, ja, sich nicht einmal einfach auf einen Kaffee treffen, um die Arbeit zu besprechen. “Rein organisatorisch ist es nicht immer leicht. Wir haben beide Familie und normale Jobs, schreiben also nebenher”, gibt Zach zu bedenken. Dennoch klappt es: “Das Grundgerüst einer Story entwickeln wir zusammen, dann teilen wir es auf und jeder schreibt seine Abschnitte. Die schicken wir uns gegen, überarbeiten, diskutieren – das Ganze geht schließlich so lange, bis wir beide zufrieden sind”, beschreibt Bauer die Schritte. “Das wird naturgemäß dann und wann richtig stressig. Und doch: Wenn man einen guten Schreibtag hat, wenn einem die Szenen so detailliert vor den Augen stehen und so rasant ablaufen, dass man mit dem Schreiben kaum nachkommt und das Geschriebene richtig GUT wird – das sind dann die Momente, in denen man weiß, warum man es macht”, schwärmt der Tiroler. “Es zählt immer nur das beste Argument, weil wir immer das beste Buch oder Drehbuch haben wollen”, ergänzt Zach.

© Sabine Ranocha

© Sabine Ranocha

Rat und Tat und Auslandserfahrungen

Gibt es zum Abschluss noch einige Tipps für angehende Autoren? “Grundsätzlich können wir nur sagen: Lasst Euch nicht ausnutzen! Kreativität ist eine Leistung, die genau so entlohnt gehört wie jede andere Arbeit”, rät Bauer. Das sei auch ein Grund, warum den beiden Drehbuchschreibern die Schweiz so liegt. “Wir arbeiten sehr gerne mit Schweizer Produzenten, weil sie zu ihrem Wort stehen und nicht zuletzt auch ordnungsgemäß zahlen. In Österreich heißt es, wenn man noch nicht total in der offiziellen Förderschiene etabliert ist, von Produzentenseite her oft: ‘Interessante Idee, schreibt’s mir doch mal ein Drehbuch oder ein Treatment, dann schaun wir weiter” – und dann wird natürlich NICHT weitergeschaut. In der Schweiz haben wir das anders erfahren”, so Bauer.

Da viele Drehbuchschreiber mit der Auftragssituation in Österreich unzufrieden sind und mit dem Gang ins Ausland liebäugeln, gibt Bastian Zach noch Folgendes zu bedenken: “Ob man im Ausland mehr Erfolg hat als daheim, hängt nicht zuletzt davon ab, was man machen will. Kommerziell angehauchtes Genre – und ich meine jetzt nicht den Kabarettfilm – sind bei uns in Österreich aufgrund der eingefahrenen Förderer- und Produktionsstrukturen fast nicht zu verwirklichen. Da heißt es immer nur: ‘Das können die Amerikaner besser.’ Was natürlich Blödsinn ist, es wagt nur niemand bei uns. Leichter hat man es aber auch im Ausland nicht unbedingt, denn dort wartet bekanntlich niemand auf einen. Aber die Chance besteht natürlich, wir können daher nur empfehlen, das eigene Projekt so professionell wie möglich vorzubereiten und dann gezielt zu pitchen. Denn eines ist gewiss: Erst wenn man im Ausland Erfolg hat, öffnen sich daheim vielleicht die Türen.”

Die Schweiz ist nicht nur das Land, wo Milch und Honig fließen, finden die beiden Genre-Schreiber. “Die Schweiz hat Top-Filmleute, aber leider eine in vielen Belangen ähnliche Filmstruktur wie Österreich. Das meiste ist auf staatliche Förderung ausgelegt, der ‘anspruchsvolle’ Film hat Priorität. Das Resultat ist, dass die Schweizer Kinogeher dem eigenen Film nicht all zu aufgeschlossen sind, weil es wie hier in Österreich zu schwere Kost ist. Es ist die alte Crux: Arthouse hat seine absolute Berechtigung, aber es muss halt auch Platz für Kommerz sein”, erklärt Zach. “Hin und wieder gibt es große kommerzielle Schweizer Erfolge, wie letztens ‘Der Verdingbub’ und ‘Achtung, fertig, WK’, aber insgesamt sehr wenige – ähnlich wie in Österreich. Projekte, die auf ein breiteres Publikum zielen, wie ‘One Way Trip’ oder ‘Northmen’ bleiben die Ausnahme”, wirft Bauer ein.

Einen weiteren Rat kann Matthias Bauer auch noch geben: “Man muss Kritik ernst nehmen und versuchen, daraus Potenzial zu schöpfen und nicht das Künstler-Ego in den Vordergrund zu stellen. Aber man sollte auch den feinen Grad zwischen ‘besser machen’ und ‘einfach nur anders’ erkennen. Das klingt zwar vielleicht hochtrabend, wir mussten diese Lektionen aber auf die harte Tour lernen.”

Die beiden sind froh, dass sie noch ihre Brotjobs haben, denn vom Drehbuch schreiben alleine können sie noch nicht leben. “Drehbücher sind ein mehr als nettes Zubrot. Die Bücher nicht mal ansatzweise, aber hier zählt das Renommee, da der Roman halt doch die Königsform ist”, erklärt Bauer. “Wir können nur jedem, der nicht mindestens zwei bis drei Drehbuchaufträge parallel laufen hat oder Bestsellerautor ist, einen fixen Job empfehlen”, bestätigt Zach.

To be continued…

Matthias Bauer und Bastian Zach selbst standen seit “3 Zimmer. Küche. Tod” nicht mehr hinter der Kamera. Für den Kurzfilm “Sophie” von Vlado Priborsky (“Blockbuster”) hat Zach noch einige Visual Effects gemacht – das war’s dann aber auch schon. “Schreiben ist angenehmer – wenn andere am Set frieren, macht man es sich selbst zu Hause im Warmen gemütlich und tippt ein paar Skriptänderungen”, schmunzelt Bauer. “Aber man soll niemals nie sagen. Wenn neue, größere Drehbuchaufträge folgen, könnte irgendwann auch wieder der Schritt zur Regie folgen”, will Zach es letztendlich auch nicht ausschließen. Die “Morbus Dei”-Trilogie, die bis jetzt schon über 100.000 Mal verkauft/als E-Book downgeloadet wurde, wird zur Zeit für den englischsprachigen Markt aufbereitet. “Es gibt Pläne, ‘Morbus Dei’ zu verfilmen. Und bei Erfolg gibt’s vielleicht auch ein ‘Northmen’-Sequel. Mal schaun – wir bleiben dran”, so Matthias Bauer abschließend.

Rodja Pavlik

INFO: Site der Autoren: www.zach-bauer.com; Film-Site: www.northmen-themovie.com

Trailer zu “Northmen – A Viking Saga”

Trailer zu “One Way Trip 3D”

Trailer zu “3 Zimmer. Küche. Tod.”

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25. September 2014 at 01:39

Pitchen, bitch!

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Drehbuchautoren und Schriftsteller sind Künstler. Oft arbeiten sie alleine, sind in ihrer eigenen und eigens geschaffenen Welt versunken und haben während dieser Zeit mit der materiellen Welt da draußen nicht viel zu tun. Doch dieser Glückszustand (ich bezeichne ihn mal so) währt nicht ewig. Irgendwann muss man aus seinem Kokon heraus, muss Dinge tun, die einem vielleicht nicht so liegen, nämlich: sich selbst verkaufen! Und gerade bei Drehbüchern muss man innerhalb kurzer Zeit konzentriert und höchst präzise etwaigen Interessenten seine Geschichte verkaufen. Das nennt man Pitchen/Pitching.

Der immer wieder hörenswerte Podcast “Stichwort Drehbuch” hat Sybille Kurz interviewt, die seit 1995 eben dieses Pitching trainiert. Sie hat auch schon das Buch “Pitch it! Die Kunst, Filmprojekte erfolgreich zu verkaufen” veröffentlicht, das zu den Standardwerken zu diesem Thema gehört. Das Werk ist schon von 2000, wird aber mit neuen Details im November neu aufgelegt.

Im Anschluss an die Podcast-Folge mit Sybille Kurz gibt es auch noch die Möglichkeit, drei Exemplare der Neuauflage zu gewinnen.

Hier geht es zum Podcast: www.stichwortdrehbuch.de/podcast/2014-09-07_pitchen

Rodja

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23. September 2014 at 14:12

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Schallende Ohrfeige von Netflix für deutsche Filmproduktionen

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© Netflix

© Netflix

Uff, das sitzt – und tut weh.

Der US-Videostreamingdienst Netflix wird ja momentan als das Maß aller Dinge angesehen. Serien wie “Fargo” oder “The Walking Dead” sind zu einem vernünftigen Preis auf allen Streaming Devices erhältlich. Und nicht nur das: Netflix setzt auch mit eigenproduzierten Serien wie “House Of Cards” oder “Orange Is The New Black” neue Maßstäbe. Das Repertoire lässt sich also wie folgt zusammenfassen: Mutig, kontrovers, Genre-affin und doch was Neues wagend – und noch dazu für alle möglichen technischen Endgeräte wie Computer oder Tablets geeignet, was wiederum neue Publikumsschichten verspricht.

Natürlich wird man als deutschsprachiger Autor, Produzent oder Filmemacher hellhörig, wenn Netflix im Juli diesen Jahres verlautbart, dass es nun auch in Deutschland und Österreich starten möchte. Vielleicht haben dann ja auch deutschsprachige Genreformate, die weder bei hiesigen Öffentlichen noch Privaten Sendern eine Chance haben, eine Chance? All die Geschichten, die in den Schubladen lagern, weil sie hierzulande sowieso nie verwirklicht werden? Und tatsächlich, noch am 31. August verlautbarte Netflix-CEO Reed Hastings gegenüber dem “Spiegel”, dass man deutsche Serien produzieren wolle.

Doch auf den ersten Jubel folgt nun auch schon der Katzenjammer. Nachdem Netflix am Dienstag in Deutschland und am Mittwoch in Österreich gestartet ist, gab es nun von Reed Hastings im Interview mit Blickpunkt:Film eben die im Titel angekündigte schallende Ohrfeige: “Wir haben in Deutschland Ausschau gehalten nach geeigneten Stoffen – aber nichts gefunden.”

Uff, dieses “Danke, aber vorerst lieber doch nicht” sitzt. Ein Schlag in die Magengrube. Eine Nachricht, die die Filmemacher doch etwas ratlos zurück lässt. Und einer Analyse bedarf, wie sie der deutsche Drehbuchautor Mark Wachholz von der Interessensgemeinschaft Neuer Deutscher Genrefilm in seinem sehr lesenswerten und ausführlichen Essay liefert. Und ich bitte Euch, nehmt Euch die Zeit, den Text durchzulesen.

EDIT 23.09.2014: User Dennis hat mich dankenswerterweise auf ein Interview Hastings mit Serienjunkies.de hingewiesen, in dem das Ganze um einiges milder dargestellt wird. Nachdem Hastings einen Medienmarathon hinter sich hat, kann ich mir durchaus vorstellen, dass er bestimmte Sachen in verschiedenen Interviews unterschiedlich betont hat – was wiederum zu unterschiedlichen Interpretationen führt. Bin gespannt, was sich da ergibt.

EDIT 23.09.2014 In einem “Bericht des Spiegels” hat sich die renommierte Schauspielerin Corinna Harfouch über die deutsche Produktionslandschaft ausgelassen.

Rodja

INFO: http://genrefilm.net/von-netflix-den-spiegel-vorgehalten/

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19. September 2014 at 14:17

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Aus für Magazin “Zoom – Magazin der Filmemacher”

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Ich habe es zwar schon etwas länger gewusst, dennoch drückt das offizielle Statement jetzt ein bisschen auf die Tränendrüse: Nach fünf Jahren wurde nun die Zeitschrift “Zoom – Magazin der Filmemacher” eingestellt. Nach “Schmalfilm” 2013 ist “Zoom” nun das zweite Magazin aus dem Hause Schiele & Schön, das eingestampft wurde.

Natürlich tut es mir leid, dass eines der wenigen Magazine, die meine Ansichten und Geschichten über Indie-Film auch auf Papier druckte, nicht mehr ist. Ich fand ja gerade diese Balance zwischen Technik- und Szene-News recht ausgeglichen und einzigartig im deutschsprachigen Raum. Aus diesem Grund möchte ich noch dem ehemaligen Chefredakteur Jürgen Lossau und seinem Nachfolger Timo Landsiedel, der bis zuletzt das Schiff steuerte, meinen großen Dank ausrichten. Ihr habt wirklich ein unverwechselbares “Baby” daraus gemacht.

Rodja

INFO: www.zoom-magazin.de

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17. September 2014 at 15:12

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Wie werde ich Drehbuchautor?

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Tja, das ist eine gute Frage und auch sicher nicht allgemein gültig zu erklären. Die Deutsche Presse Agentur (dpa) hat sich aber aufgeschwungen, ein paar Leute befragt und einen kleinen Aufsatz darüber geschrieben. Ob man daraus Wissenswertes für die eigene Laufbahn extrahieren kann, sei dahin gestellt. Für mich persönlich nehme ich mit, dass es anscheinend für Quereinsteiger immer schwieriger wird.

Hier geht es zum dpa-Artikel auf der Site der Neuen Frankfurter Presse.

Rodja

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15. September 2014 at 15:13

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Tragikomödie “Suicide Club” für kurze Zeit online

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Vor kurzem lief die Tragikomödie “Suicide Club” auf arte. Olaf Saumer realisierte die Tragikomödie, die sogar in den deutschen Kinos lief, 2010 mit einem Budget von 40.000 Euro. Neben Regie zeichnete er auch fürs Drehbuch, die Produktion und den Schnitt verantwortlich.

Synopsis: Bei Sonnenaufgang treffen sich fünf Menschen auf einem Hochhausdach, um gemeinsam in den Tod zu springen. Fünf völlig unterschiedliche Charaktere. Keiner weiß von dem anderen, warum und weshalb dem Leben ein jähes Ende gesetzt werden soll. Nicht einmal die Namen wissen sie voneinander. Nur der unmittelbar bevorstehende gemeinsame Suizid verbindet alle auf eine tragische und bizarre Weise. Doch durch eine absurde Verkettung von Ereignissen, müssen sie ihren Plan verschieben und gemeinsam dort oben bis zum Abend ausharren. Einer Insel inmitten des alltäglichen Trubels der Stadt, auf der die Fünf abgeschottet ganz in ihrer eigenen Welt für sich sind. Aus gegenseitiger Distanz und Ablehnung entwickelt sich eine ungeahnte Gemeinschaft. Sie erleben einen Tag, den keiner der Fünf vergessen wird.

Der Film ist nun noch ein paar Tage online in der arte-Mediathek zu sehen: http://www.arte.tv/guide/de/044566-000/suicide-club

Rodja

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15. September 2014 at 11:53

Same shit, different title – Recycling of the worst kind

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Vor einiger Zeit hatten die Filmemacher Christian Genzel und Michael Valentin sowie meine Wenigkeit einen ziemlichen Nerd-Spaß, als wir entdeckten, dass die gleiche Frau/Silhouette sechs verschiedene Filmcover zierte. Das Ergebnis unserer langwierigen und keineswegs auf Vollständigkeit pochenden Recherchen hat Christian auf seinem Blog “Wilsons Dachboden” (<-unbedingt anklicken!) zusammengetragen.

© Laser Paradise/DVD

© Laser Paradise/DVD

Nun war ich vor einiger Zeit bei der Elektrofachkette meines Unvertrauens… und bin wieder auf äußerst sinnfreie Formen des Recyclings gestoßen – und das an einem einzigen Tag!

So entdeckte ich z.B., dass der unsägliche US-Indie-Streifen “Horrors Of War” (2006 – in Deutschland bei Laser Paradise/DVD erschienen) von Peter John Ross 2013 als “Nazi Zombies” (Voulez Vous Film/Intergroove) neu herausgebracht wurde. Ich möchte vor diesem Film ausdrücklich warnen – so etwas Lahmarschiges habe ich selten gesehen.

Eine Truppe US-GIs stößt während des Zweiten Weltkriegs bei ihrem Vormarsch durch Frankreich auf Nazi-Zombies. Nachdem schon die lebenden deutschen Soldaten ständig mit Kanonen daneben schießen, sind die ziellos herumwankenden untoten Deutschen auch nicht wirklich eine Gefahr. Man merkt dem Film auch an, dass er eigentlich aus drei Kurzgeschichten (u.a. eine Werwolf-Episode) zusammengeflickt ist. Wie gesagt, das Ganze ist spannungsarm inszeniert, die Schauspieler agieren schablonenhaft und die deutsche Synchronisierung ist unter aller Sau. Bilde ich es mir nur ein, dass die Sprecher ihre Stimmen verstellen mussten, um mehrere Rollen einzusprechen? Und wurde da bei “Nazi Zombies” nachgebessert? Nicht, dass es das Werk wirklich retten würde…

Das einzig Interessante an dem Film ist ohnehin das Schaulaufen der verschiedenen US-Reenactment-Gruppen, die Regisseur Ross für seinen Film verpflichten konnte. Da fahren reale Panzer auf, dass es eine Freude ist – nicht so CGI-Dingens. Und gedreht wurde übrigens auf 16 mm. Aber das war es dann eigentlich schon, was man beim besten Willen irgendwie noch positiv aufzählen könnte.

“Horrors of War” war lange Zeit der einzige Indie-Film, den ich aus meiner umfangreichen Sammlung wieder entfernen wollte. Mittlerweile ist er mehr so ein Kuriosum, den man halt auch in der Sammlung hat – als mahnendes Beispiel. Aber falls jemand Interesse hat, ich borge ihn sehr gerne her. Und ich frage auch nicht nach, wenn ich ihn nicht mehr zurückbekommen sollte.

© Mr. Banker Films

© Mr. Banker Films

Recycling-Fallstudie II

Ebenfalls in dem Geschäft gefunden: Der deutsche Kurzfilm “Der Goldene Nazi-Vampir von Absam II – Das Geheimnis von Schloss Kottlitz” (Mr. Banker Films) von Lasse Nolte aus dem Jahr 2008 wurde – wohl um auf der Erfolgswelle der Nazi-Satire “Iron Sky” mitzureiten – als “Iron Nazi Vampir” von Savoy Film/Intergroove 2012 re-released. Ich möchte vor diesem Film ausdrücklich warnen – so etwas Lahmarschiges habe ich selten gesehen (Wenn die recyclen können, dann kann ich das wohl auch!).

Inhaltlich geht es darum, dass der schwächlich wirkende Robert E. Lee, ein Bürohengst beim US-Geheimdienst und Spezialist für Okkultes, hinter den feindlichen Linien Hinweisen nachgehen muss, dass die Nazis mit Vampir-Soldaten herumexperimentieren.

Es gibt viele Arten von Trash: Es gibt Filme, die so schlecht sind, dass sie Trash sind. Und es gibt Werke, die absichtlich trashig gemacht wurden. Gegen beides ist nichts einzuwenden, sie sollten nur eines gemeinsam haben: Sie müssen unterhaltsam sein. Und dann gibt es auch noch jene Werke, bei denen die Produzenten und Filmemacher von vornherein verzweifelt versuchen, dem Zuschauer das Label “Trash” auf die Augen zu drücken (salopp gesagt: zu blenden). Allerdings fehlt der wesentliche Faktor Unterhaltung – und ein solcher Film ist eben “Der Goldene Nazi-Vampir von Absam II/Iron Nazi Vampir”. Mann, was da alles schief gegangen ist… Gut, dass die Handlung logisch ist, war bei dem Thema/der Story ja nicht zu erwarten. Aber die Gags – ein Rohrkrepierer nach dem anderen. Und der Gastauftritt von Oliver Kalkofe beschränkt sich auf blödes Kichern, Losprusten und Finger zeigen. Ich vermute mal, dass Kalkofe gesondert aufgenommen wurde und dann in die Handlung reingeschnitten wurde. Soweit ich mich erinnern kann, war aber die Ausstattung recht beeindruckend (damit ich auch mal was Positives dazu schreibe).

Bei “Der Goldene Nazi-Vampir von Absam II” spürt man regelrecht, wie Sand ins Getriebe kommt. Der Film startet einfach nicht durch. Das eigene Gehirn sucht verzweifelt nach Witzen, Bonmots und Kalauern, während es gegen die aufsteigenden Kopfschmerzen anzukämpfen versucht. Die Legende besagt, dass Regisseur Lasse Nolte mit seiner Uni streiten musste, damit der Film als seine Abschlussarbeit anerkannt wird. IMDB besagt, dass er zuletzt Co-Autor von “Kaiserschmarrn” (mit Antoine Monot Jr.) war. Und da schaut der Trailer auch schon grottig aus.

The fatal connection

Und nun kommen wir zu der Verbindung zwischen den beiden Filmen, die mich noch mehr erheitert hat, als die frechen Re-Releases unter neuen Namen: Das Original-Cover von “Horrors of War” musste nämlich als Vorlage für “Iron Nazi Vampir” herhalten. Statt Hitler wurde ein Nazi-Vampir an die Stelle hingepappt, die Flugzeuge, die Ruinen und die stramm marschierende Armee aus Zombies (im Film höchstens eine Handvoll), die in – glaube ich – italienischen Uniformen daher kommt, wurden ebenfalls übernommen – nur die Zombie-Gesichter wurden mit Vampirfratzen retuschiert.

© Laser Paradise/DVD / Savoy Film/Intergroove

© Laser Paradise/DVD / Savoy Film/Intergroove

Und noch eine letzte Recycling-Frage: Was hat das Frontcover der britischen Horrorkomödie “Attack Of The Nazi Herbal” (Savoy Film/Intergroove) mit dem Backcover von “Iron Nazi Vampir” gemeinsam? Na, wer weiß es?

Rodja

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Trailer “Horrors of War”

Trailer “Der goldene Nazi-Vampir von Absam II”

Written by HomeMovieCorner

9. September 2014 at 14:41

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HMC-Classics: Dunkel

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© Transcendental Pictures

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Erst-Rezension am 26. Juli 2003.

In naher Zukunft versucht das Geschwisterpaar Yassa und Tarek in einer von Vampiren beherrschten Welt zu überleben. Regisseur Hendrik Röhrs, Drehbuchautor und Darsteller René Rausch sowie ihr Team Transcendental Pictures zeichnen mit einer interessanten und charakter-orientierten Story in ihrem Amateurfilm “Dunkel” von 2002 eine düstere Horrorwelt in naher Zukunft. Eine großartige Geschichte, die man sich auch gerne in einer professionellen Produktion anschauen würde.

“Erzähl mir von früher!”

“Früher war es besser. Es gab genügend Nahrung. Die Menschen hatten einen festen Ort an dem sie lebten. Niemand hatte Angst vor der Dunkelheit.”

Für das Geschwisterpaar Yassa (Jana Bösche) und Tarek (René Rausch) schaut die Zukunft nicht gerade rosig aus. Genau genommen schaut auch die Gegenwart nicht viel besser aus: Die Menschheit – oder das, was davon übrig geblieben ist – ist in einen gnadenlosen Kampf mit der Rasse der Vampire verwickelt. Tagsüber können sich die Überlebenden zwar frei bewegen, in der dunklen Nacht sind sie höchstens Freiwild.

© Transcendental Pictures

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In dieser kleinen Gemeinschaft hat Tarek die Führung übernommen. Illusionslos, von einem Tag in den anderen lebend, fühlt er sich für seine kleine Schwester verantwortlich. Wenn sie ein leer stehendes Haus gefunden haben, bleiben sie eine Zeit lang drinnen, bis die ersten Vampire aufkreuzen. Dann geht die Suche nach einem neuem Quartier auf Zeit wieder los – mit diesem sich ständig wiederholenden Kreislauf hat sich Tarek abgefunden.

Yassa sieht das anders: Die ständige Bedrohung hat dem jungen Mädchen zwar die Kindheit geraubt, doch innerlich ist sie ein Teenager geblieben. Auch sie kann Vampire mit Bravour pfählen, doch in Wahrheit träumt sie von einer “guten, alten Zeit”, die sie nie kennen gelernt hat. Von Städten, in denen Menschen wohnen, von Kinderspielplätzen, die nicht durch Blutflecken entweiht wurden. Von Zeit zu Zeit tauscht sie heimlich ihr Lara-Croft-Outfit gegen ein Sommerkleidchen, spaziert auf einem Steg und träumt von der ersten Liebe, während im See die Schwäne schwimmen.

Eines Tages greifen der Scharfschütze Leu (Steffen A. Röhrs) und Hiskia (Susanne Bährisch) Yassa und Tarek auf. Die Fremden laden das Geschwisterpaar in ihr Versteck ein, wo Mara (Svenja Müller) gerade um das Leben eines Freundes kämpft. Die Camp-Bewohner sind in eine besonders blutige Fehde mit einem Vampirclan verwickelt, nachdem sie dessen Anführer getötet haben. Außerdem gehen die Vorräte zu Ende und die Gemeinschaft muss bald zur nächsten Siedlung.

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Auch die Sippe der Vampire hat Probleme: Nachdem der Anführer gepfählt wurde, übernahm seine Tochter Mariska (Katrin Wierstorf) die Leitung – sehr zum Missfallen von Kaman (Timo Wussow). Dieser versucht, die Gemeinschaft gegen Mariska aufzustacheln, doch noch ist die Obervampirin zu mächtig. Nach einem kurzen Kampf verstößt sie Kaman aus der Gemeinschaft. So einfach gibt Kaman jedoch nicht auf, er schwört fürchterliche Rache. Eine Gelegenheit bietet sich, als der Ausgestoßene auf das Lager der Menschen stößt – er verrät Leu und seinen Freunden den Standort der Vampire…

Ja, so einfach geht das mit Einführungen. Ein paar Sätze aus dem Off, eine unheilvolle Spieluhrmelodie – und schon ist man in die richtige Stimmung versetzt. “Dunkel” von der deutschen Gruppe Transcendental Pictures ist einer der stimmungsvollsten und ausgefeiltesten Filme, die ich je gesehen habe (und damit schließe ich auch viele professionelle Produktionen ein). Obwohl der Film an die 100 Minuten lang ist, kommt keine Langweile auf – zu sehr ist man von den Charakteren und vom intelligenten Plot gefesselt. Phantasievolle Ausstattung und stimmungsvolle Locations tun ihr Übriges. Untermalt von einem einfachen, aber wirkungsvollen Synthie-Score von Lars Kelich, entfaltet sich vor dem Auge des Zuschauers eine düstere Welt der nahen Zukunft, in der die menschliche Ordnung zusammengebrochen ist. Ein weiterer Pluspunkt ist auch das ziemlich ungewöhnliche und mutige Ende.

Interessant vor allem die vielen Details über die Eigenheiten der Vampire – wohl ein Ergebnis intensiver Recherchen. Ich selbst habe früher sehr viele Romane über die Untoten mit den scharfen Beißerchen gelesen und war echt entzückt, dass einige alte und vergessen geglaubte Mythen, wie z.B. das zwanghafte Zählen, Silbermünze im Mund als Schutz davor, dass der Tote wiederkehrt, etc., berücksichtigt wurden.

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Die Schauspieler bieten eine gute Leistung. Gut, es sind Laiendarsteller, und das merkt man auch. Aber die Qualität ist auf einem gleich bleibenden Niveau und homogen. Dass die Akteure glaubhaft rüberkommen, liegt wohl auch an der ausgefeilten Darstellung der einzelnen Charaktere. Wenn z.B. Mariska nicht so scharfe Zähne hätte, würde man dieser verwöhnten Göre am liebsten den Hintern versohlen. Eine Novität damals (Zur Erinnerung: Der Film kam 2002 heraus – also vor “True Blood”, “Vampire Diaries” und dem ganzen “Twilight”-Scheiß): Auch die Vampire haben soziale Bindungen und Gefühle (natürlich nur untereinander).

Die Handlungen der Menschen wiederum werden von ihren Erfahrungen geprägt. Besonders stark merkt man das bei Yassa und Tarek, aber auch bei dem jungen Leu. Der Scharfschütze traut niemandem – kein Wunder, schließlich musste er seinen eigenen Vater pfählen. Und dass Leu das Grab seines Vaters besucht, nur um sicher zu gehen, dass der Alte nicht “wiederkehrt” – einfach genial. Gerade diese “Pre-Stories” sorgen für logisch nachvollziehbare Konflikte innerhalb der Gruppe, obwohl eigentlich alle am selben Strang (Überleben) ziehen sollten.

Es gibt auch einige Splatterszenen in dem Film, aber erstens sind sie dem niedrigen Budget angepasst und eher unspektakulär, zweitens – und das ist meiner Meinung nach sehr wichtig – ordnen sie sich absolut der Geschichte unter. Blut spritzt nur dann, wenn es der Handlung förderlich ist.

© Transcendental Pictures

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Zwar hat das Team technisch eine solide Leistung vollbracht, aber vor allem anfangs stören die vielen Achsensprünge (d.h z.B. die Leute gehen nach links, Schnitt – plötzlich kommen sie von rechts). Einziges wirklich penetrantes Manko ist der übersteuerte Ton: Brechendes Gehölz im Wald oder Bauschutt bzw. Glasscherben in einer aufgelassenen Fabrik – da kracht und grammelt es, dass es keine Freude ist.

Es ist fast schade, dass diese Geschichte “nur” für einen Amateurfilm verwendet wurde. Die Story ist viel zu komplex und überbordend und schreit fast förmlich nach einem “Spin Of”. Wenn man bedenkt, dass “Dunkel” erst der dritte Film von Transcendental Pictures war, konnte man das Potenzial dieser Gruppe damals bereits erahnen.

Einen Pluspunkt gibt es für das ausführliche Bonusmaterial (zusätzliche 50 Minuten), das nicht nur informativ ist, sondern auch für jede Menge Spaß sorgt. Neben Hoppalas, deleted scenes, Tricks und sonstigen Kuriositäten (z.B. fliegende Kühe) erfährt man auch jede Menge von den Widrigkeiten, die die Dreharbeiten begleiteten. So musste der Holzsteg, auf dem Yassa so verträumt spaziert, erst von Schwanenscheiße radikal gesäubert werden. Und das Camp der Menschen wurde während der Dreharbeiten auch noch vom Hochwasser versenkt.

© Transcendental Pictures

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Transcendental Pictures waren 2003 eine der viel versprechendsten Amateurfilmgruppen damals. Sie drehten gut durchdachte Spielfilme und hatten auch ein Gespür für Ausstattung und Locations. Nach “Dunkel” folgte 2003 – diesmal unter der Regie von “Dunkel”-Autor René Rausch – das Horrormärchen “Es war einmal… Der Gruselpeter” und 2005 –wieder mit Hendrik Röhrs als Regisseur – das Prequel “Dunkel – Das erste Kapitel” (HMC-Classics dazu folgt demnächst). Mit dem eigenen DVD-Label “Klappe, die Erste” wurde auch versucht, eine Indie-Marke zu etablieren.

Nach weiteren Kurzfilmen drehten Transcendental Pictures schließlich die Tragikomödie “Things to do!”, bei der sie zum ersten Mal mit professionellen Schauspielern arbeiteten. Allerdings waren die Filmemacher mit dem Ergebnis nie zufrieden, weshalb das Werk offiziell nie veröffentlicht wurde, erzählte René Rausch vor kurzem dem HomeMovieCorner. Danach brach die Filmgruppe langsam auseinander – das Leben in Form von Arbeit bzw. Studium an anderen Orten hatte die meisten Mitglieder ereilt. Hendrik Röhrs und René Rausch studierten zusammen an der HfK Bremen das Fach Digitale Medien, wo sie mit dem Bachelor of Arts abschlossen. Nebenbei wurden kleinere Projekte wie ein Modefilm und diverse Musikvideos realisiert. So ab 2010 trennten sich die künstlerischen Wege der beiden: “Hendrik und ich sind aber nach wie vor gute Freunde und tauschen uns aus. Wir kamen nur auf kreativem Wege nicht mehr zusammen wegen unterschiedlicher Vorstellungen. Hendrik war immer der Ästhetiker und weniger der Geschichtenerzähler, während ich eher ‘unperfekt’ bin und lieber Sachen mache, die storydriven sind”, erläuterte Rausch. Bei seinen späteren Werken griff René Rausch auch auf ehemalige Transcendental-Pictures-Mitglieder wie Steffen Röhrs oder Lars Dreyer zurück.

Aktuell versucht er über eine Crowdfunding-Aktion auf Startnext.de das Budget für sein neuestes Spielfilmprojekt “Ostzone” (über das hier berichtet wurde) zu bekommen.

Rodja Pavlik

INFO: Transcendental Pictures: “Dunkel” – D 2002, Horror – ca. 100 min (+ 50 min. Bonusmaterial). Regie: Hendrik Röhrs. Drehbuch: Timo Wussow, René Rausch – nach einer Idee von René Rausch und Timo Wussow. Kamera: Lars Kelich. Special Effects: Steffen Röhrs, Timo Wussow. Design/Ausstattung/Kostüme: Hendrik Röhrs, Gitta Röhrs, Katrin Wierstorf. Make Up: Katrin Wierstorf, Anna Göhring. Musik: Lars Kelich. Produktion: Lars Kelich, René Rausch, Timo Wussow. Darsteller: Jana Bösche, René Rausch, Katrin Wierstorf, Hendrik A. Röhrs, Svenja Müller, Susanne Bährisch, Timo Wussow, u.v.a.

Was ist HMC-Classics?

Written by HomeMovieCorner

7. September 2014 at 03:13

Kino – Ein Portrait

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“Loom”-Mastermind Stefan Müller kann auch anders: Nach “Jenseits”, “Tartarus” und “Biest”, die ja eher dem Unheimlichen, dem Fiktiven zugetan waren, hat der Steirer nun eine kleine, sehr berührende Doku über das Kino Feldbach und seinen 89-jährigen Besitzer August Pfister gedreht. Dem HomeMovieCorner verriet der Steirer die Hintergründe für diesen Ausflug in die Dokumentarschiene.

Kennengelernt habe ich das Kino über den Oliver Haas (Anm.: Produzent von “Biest”), der ja aus Feldbach ist. Er hat mir verraten, dass das Kino dort noch 35mm projiziert und daraufhin wollte ich unbedingt einen Film dort anschauen, da ich seit fast zehn Jahren keinen 35mm-Print mehr im Kino erlebt habe und diesen Charme mal wieder erleben wollte.

Im Kino angekommen habe ich dann gespannt beobachtet, wie dieser ältere Herr da alles im Alleingang erledigt. Er verkauft Kinotickets, er verkauft die Süßigkeiten, telefoniert und gibt Auskünfte über die Spielzeiten und reißt dann noch die Kinokarten am Eingang ab. Davon war ich so fasziniert, dass wir uns nach dem Film mit ihm und seinem Projektionisten Johann Leitgeb zusammengesetzt haben und sie uns ein wenig über das Kino erzählt haben. Da haben wir dann erfahren, dass das Kino kurz vor dem Schließen ist, da er nur noch für kurze Zeit 35mm Kopien von “ausgewählten” Filmen bekommt und er nicht die finanziellen Mittel hat, um auf Digital umzurüsten.

Daraufhin haben wir dann kurzerhand beschlossen eine Kurzdokumentation über das Kino zu drehen und haben die Facebookseite www.facebook.com/KinoFeldbach gebastelt. Durch die Kurzdokumentation ist es uns gelungen, Förderunterstützung zu finden, damit das Kino finanzielle Unterstützung erhält, um einen Saal zu digitalisieren. Auch die Stadt Feldbach hat dann finanziell mitgeholfen. Weiters lief die Dokumentation eine Zeit lang im Feldbacher Kino und hat geholfen, das Kino kurzzeitig neu zu beleben.

Mittlerweile ist der Hauptsaal vom Kino Feldbach digital und der kleine Saal analog. Wenn der Herr Pfister noch 35mm Kopien bekommt, dann spielt er diese auch, aber zumindest musste das Kino nicht geschlossen werden und der Herr Pfister kann weiterhin seinen Lieblingsarbeitsplatz mit all seiner Liebe betreiben.

Stefan Müller

INFO: https://www.facebook.com/KinoFeldbach (liken, das tut nicht weh)

Kino – ein Portrait - from Stefan Müller on Vimeo.

Written by HomeMovieCorner

6. September 2014 at 00:59

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